Olaparib (6) – Lynparza®

Prostatakarzinom, BRCA1/2-Mutationen, Progredienz nach hormoneller Behandlung

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.12.2020 – Zulassung: 03.11.2020
Beschluss 03.06.2021
Wirkstoff Olaparib
Handelsname Lynparza®
Pharm. Unternehmer AstraZeneca GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-615
ATC-Code L01XK01 PARP-Inhibitoren (L01XK)
ICD-10 Codes (AIS) C61Bösartige Neubildung der Prostata
Alpha-ID Codes (AIS) I21708Metastasierendes Prostatakarzinom
DDD Tagesdosis 0.8 g oral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom (PC)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Besonderheit Bundling Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Lynparza wird angewendet als Monotherapie für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom und BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), deren Erkrankung nach vorheriger Behandlung, die eine neue hormonelle Substanz (new hormonal agent) umfasste, progredient ist.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC); BRCA1/2- mutiert (in der Keimbahn und/oder somatisch); progrediente Erkrankung nach vorheriger Behandlung mit Abirateron und/ oder Enzalutamid Patientenindividuelle Therapie unter Auswahl von Abirateron, Enzalutamid, Cabazitaxel und Docetaxel; unter Berücksichtigung der Vortherapien sowie unter Beachtung der Zulassung der jeweiligen Arzneimittel

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (PROfound)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Für die Nutzenbewertung legt der pharmazeutische Unternehmer die Ergebnisse der offenen randomisierten, kontrollierten Studie PROfound zum Vergleich von Olaparib gegenüber Abirateron oder Enzalutamid vor.

Erwachsene Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC); BRCA1/2-mutiert (in der Keimbahn und/oder somatisch); progrediente Erkrankung nach vorheriger Behandlung mit Abirateron und/ oder Enzalutamid

  • Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen.
  • Im Ergebnis stellt der G-BA für Olaparib einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie fest.
  • Mortalität
    • Das Gesamtüberleben war in der Studie PROfound definiert als die Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zugunsten von Olaparib.
    • Die erzielte Verlängerung des Gesamtüberlebens im Vergleich von Olaparib gegenüber Abirateron oder Enzalutamid wird als eine deutliche Verbesserung bewertet.
  • Morbidität - Progressionsfreies Überleben
    • Das radiologische progressionsfreie Überleben (PFS) stellte den primären Endpunkt der Studie PROfound dar und wurde operationalisiert als Zeit von der Randomisierung bis zur radiologisch festgestellten Progression oder bis zum Tod ungeachtet der zugrundeliegenden Todesursache.
    • Das Ergebnis zeigt eine statistisch signifikante Verlängerung des PFS durch die Behandlung mit Olaparib im Vergleich zu Abirateron oder Enzalutamid.
    • Die Erhebung der Morbidität nicht primär anhand von Krankheitssymptomen, sondern allein auf Basis von asymptomatischen, nicht unmittelbar patientenrelevanten Befunden.
    • Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA. Die Gesamtaussage zum Zusatznutzen bleibt davon unberührt.
  • Morbidität - Schmerz (BPI-SF)
    • In der Studie PROfound wurde eine Erhebung der Schmerzen mittels des Fragebogens Brief Pain Inventory-Short Form (BPI-SF) durchgeführt.
    • Beeinträchtigung durch Schmerz (BPI-SF Item 9a-g): Zur Beurteilung der Relevanz des Ergebnisses wird die standardisierte Mittelwertdifferenz in Form von Hedges’g herangezogen. Hierbei liegt das 95 %-Konfidenzintervall der Mittelwertsdifferenz vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs [−0,2; 0,2]. Damit lässt sich für den Endpunkt „Beeinträchtigung durch Schmerz“ ein relevanter Effekt zum Vorteil von Olaparib ableiten.
    • Für den Endpunkt „Beeinträchtigung durch Schmerz“ zeigt sich auch auf Basis der nachgereichten Auswertungen ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zugunsten von Olaparib.
  • Morbidität - Fazit zur Morbidität
    • In der Gesamtschau liegen bei den patientenberichteten Endpunkten „stärkster Schmerz“ und „Beeinträchtigung durch Schmerz“ sowie bei dem Endpunkt „Auftreten einer Rückenmarkskompression“ Vorteile zugunsten von Olaparib vor.
    • Zum Endpunkt Gesundheitszustand erhoben mit der Skala EQ-5D VAS liegen keine verwertbaren Auswertungen vor.
    • Insgesamt lässt sich ein relevanter Vorteil im therapeutischen Nutzen für Olaparib in der Kategorie Morbidität ableiten.
  • Lebensqualität - FACT-P
    • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde in der Studie PROfound mittels des Fragebogens FACT-P erhoben.
    • Im Dossier stellte der pharmazeutische Unternehmer stetige Auswertungen und Responderanalysen, operationalisiert als Zeit bis zur Verschlechterung der Lebensqualität, dar. Diese werden nicht herangezogen, da der Anteil der in der Analyse nicht berücksichtigten Patienten > 30% beträgt und damit für die vorliegende Nutzenbewertung nicht verwertbar ist.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse
    • Die Ergebnisse zu dem Endpunkt Unerwünschte Ereignisse gesamt werden ausschließlich ergänzend dargestellt.
    • In der Studie PROfound haben 97,1 % der Patienten im Interventionsarm und 89,7 % der Patienten im Vergleichsarm ein unerwünschtes Ereignis erfahren.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Nutzenbewertung von Olaparib zur Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms mit BRCA1/2-Mutation hat der pharmazeutische Unternehmer Ergebnisse der Studie PROfound zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen vorgelegt.
    • Die zweckmäßige Vergleichstherapie wurde in der Studie PROfound nur für die Teilpopulation der Patienten, für die patientenindividuell Abirateron und Enzalutamid am besten geeignet ist, umgesetzt. Aufgrund nicht hinreichend geeigneter Kriterien für eine Aufteilung der Patientengruppe in Patienten für die Abirateron oder Enzalutamid bzw. Docetaxel oder Cabazitaxel patientenindividuell am besten geeignet ist, werden die vorliegenden Ergebnisse für die Bewertung des Zusatznutzens für die gesamte Patientenpopulation im vorliegenden Anwendungsgebiet herangezogen.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Olaparib gegenüber Abirateron oder Enzalutamid, welcher als deutliche Verbesserung gewertet werden kann.
    • Im Bereich der Morbidität zeigte sich bei den Endpunkten „stärkster Schmerz“ und „Beeinträchtigung durch Schmerz“ sowie bei der Endpunktkomponente „Auftreten einer Rückenmarkskompression“ ein Vorteil für die Behandlung mit Olaparib. Insgesamt lässt sich ein Vorteil für Olaparib ableiten.
    • Für die Kategorie Lebensqualität liegen keine verwertbaren Auswertungen vor.
    • Bei den Endpunkten zu den Nebenwirkungen lässt sich trotz der Nachteile bei den spezifischen UEs „Anämie“ und „Übelkeit“ insgesamt weder ein Vor- noch ein Nachteil für die Behandlung mit Olaparib feststellen.
    • In der Gesamtschau zeigt sich für Olaparib eine deutliche Verbesserung beim Gesamtüberleben sowie weitere relevante Vorteile bei den patientenberichteten Endpunkten zur Morbidität. Bei den Nebenwirkungen lassen sich weder Vor- noch Nachteile ableiten. Daher lässt sich insgesamt trotz der nicht verwertbaren Daten zur Lebensqualität für Olaparib zur Behandlung des metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinoms mit BRCA1/2-Mutation ein beträchtlicher Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableiten.

Zugehörige Verfahren

Olaparib (12) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Primär fortgeschrittenes oder rezidiviertes Endometriumkarzinom mit pMMR, Kombination mit Durvalumab, Erhaltungstherapie 780–1.430 50% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen
Olaparib (11) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primäres Peritonealkarzinom, BRCA-mutiert, FIGO-Stadien III und IV, Erhaltungstherapie 520–630 100% Zusatznutzen nicht belegt
Olaparib (10) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom, metastasiert, kastrationsresistent,Chemotherapie nicht klinisch indiziert, Kombination mit Abirateron und/oder Prednison 9.400–12.200 25% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen
Olaparib (9) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primäres Peritonealkarzinom, FIGO-Stadien III und IV, HRD-positiv, Erhaltungstherapie, Kombination mit Bevacizumab 1.030–1.250 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen
Olaparib (8) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom, HER2-, BRCA1/2-Mutation, vorbehandelt, hohes Rezidivrisiko, Adjuvanz, Monotherapie oder Kombination mit endokriner Therapie 540–690 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen
Olaparib (5) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Adenokarzinom des Pankreas, BRCA1/2-Mutationen, Erhaltungstherapie 75–95 100% Zusatznutzen nicht belegt
Olaparib (6) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom, BRCA1/2-Mutationen, Progredienz nach hormoneller Behandlung 2.290–3.040 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen
Olaparib (7) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primäres Peritonealkarzinom, FIGO-Stadien III und IV, HRD-positiv, Erhaltungstherapie, Kombination mit Bevacizumab 0
1.030
100% Zusatznutzen nicht belegt aufgehoben
Olaparib (3) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom, BRCA1/2-Mutationen, HER2- 460–710 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Olaparib (4) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primäres Peritonealkarzinom, BRCA-mutiert, FIGO-Stadien III und IV, Erhaltungstherapie 0
70–325
100% Zusatznutzen nicht belegt aufgehoben
Olaparib (2) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primäres Peritonealkarzinom, Platin-Sensitiv, Erhaltungstherapie 1.900–2.400 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Olaparib (1) Lynparza® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primäres Peritonealkarzinom 0
200–600
100% nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben


<< Liste aller Beschlüsse