Olaparib (2) – Lynparza®
Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primäres Peritonealkarzinom, Platin-Sensitiv, Erhaltungstherapie
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.06.2018 – Zulassung: 08.05.2018 |
|---|---|
| Beschluss | 06.12.2018 |
| Wirkstoff | Olaparib |
| Handelsname | Lynparza® |
| Pharm. Unternehmer | AstraZeneca GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-360 |
| ATC-Code | L01XK01 PARP-Inhibitoren (L01XK) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C48.0Bösartige Neubildung: Retroperitoneum, C48.1Bösartige Neubildung: Näher bezeichnete Teile des Peritoneums, C48.2Bösartige Neubildung: Peritoneum, nicht näher bezeichnet, C48.8Bösartige Neubildung: Retroperitoneum und Peritoneum, mehrere Teilbereiche überlappend, C56Bösartige Neubildung des Ovars, C57.0Bösartige Neubildung: Tuba uterina (Falloppio), C57.1Bösartige Neubildung: Lig. latum uteri, C57.3Bösartige Neubildung: Parametrium, C57.4Bösartige Neubildung: Uterine Adnexe, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I105561Bösartige Neubildung des parietalen Peritoneums, I127389Primäres Peritonealkarzinom, I12785Bösartige Neubildung des Retroperitoneums, I20716Ovarialkarzinom, I30230Eileiterkarzinom, I30231Bösartige Neubildung des Ligamentum latum uteri, I30237Bösartige Neubildung des Parametriums, I30243Bösartige Neubildung der Uterusadnexe |
| DDD Tagesdosis | 0.8 g oral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Ovarialkarzinom / Eileiterkarzinom / Peritonealkarzinom |
| Grund des Verfahrens |
Neues Anwendungsgebiet
Ursprünglicher Beschluss: Olaparib (1) (27.11.2015) |
| Regulatorischer Status | Beschleunigtes Verfahren (AA) |
| Besonderheit | Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Lynparza wird als Monotherapie für die Erhaltungstherapie von erwachsenen Patientinnen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines high-grade epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms angewendet, die auf eine Platinbasierte Chemotherapie ansprechen (vollständig oder partiell). Hinweis: Lynparza mit dem Wirkstoff Olaparib ist in unterschiedlichen Darreichungsformen verfügbar: Filmtabletten und Hartkapseln. Die Feststellungen dieses Beschlusses gelten für beide Darreichungsformen. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene Patientinnen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines high-grade epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen (vollständig oder partiell) | Beobachtendes Abwarten |
Studien und Ergebnisse
|
Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
2 (D0810C00019, SOLO2) |
|---|---|
|
Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
|
Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- Für die Nutzenbewertung zieht der pharmazeutische Unternehmer im Dossier die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Phase 2-Studie D081C00019 (Studie 19) heran, in welcher die Wirksamkeit von Olaparib untersucht wurde.
- Für die Nutzenbewertung zieht der pharmazeutische Unternehmer im Dossier zusätzlich die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Phase 3-Studie SOLO2 heran.
Erwachsene Patientinnen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines high-grade epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die auf eine Platinbasierte Chemotherapie ansprechen (vollständig oder partiell).
- Für Olaparib als Monotherapie für die Erhaltungstherapie von erwachsenen Patientinnen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines high-grade epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen (vollständiges oder partielles Ansprechen) liegt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vor.
- Mortalität
- Gesamtüberleben
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich in der metaanalytischen Auswertung beider Studien ein statistisch signifikanter Vorteil für Olaparib gegenüber Placebo (Hazard Ratio = 0,74 [0,59; 0,94], p-Wert = 0,011).
- Die mediane Verlängerung des Überlebens liegt in der Studie 19 bei 2 Monaten gegenüber Placebo (29,8 Monate versus 27,8 Monate im Median).
- In der Studie SOLO2 wurde der Median der Überlebenszeit in beiden Studienarmen zum 1. Datenschnitt nicht erreicht.
- Dieser Vorteil im Gesamtüberleben wird als eine moderate Verlängerung der Lebensdauer bewertet.
- Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)
- Der Gesundheitszustand wurde in der Studie 19 nicht erhoben.
- In der SOLO2-Studie wurde der Gesundheitszustand anhand der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D Fragebogens erhoben.
- Die 95 %-Konfidenzintervalle der standardisierten Mittelwertdifferenzen (Hedges’ g) liegen dabei nicht vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs [−0,2; 0,2], womit sich nicht ableiten lässt, dass diese Effekte relevant sind.
- Die Responderanalysen zeigen jeweils keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Ein Zusatznutzen für Olaparib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie „Beobachtendes Abwarten“ ist für diesen Endpunkt nicht belegt.
- Lebensqualität - Functional Assessment of Cancer Therapy - Ovarian (FACT-O)
- Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde sowohl für die Studie 19 als auch für die Studie SOLO2 über den Gesamtscore des Fragebogens FACT-O erhoben.
- Für die Studien SOLO2 und Studie 19 zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Somit ist für Olaparib im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie „Beobachtendes Abwarten“ weder ein Vorteil noch ein Nachteil hinsichtlich der Effekte der Therapie auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität festzustellen.
- Nebenwirkungen
- Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
- Für die Endpunkte „schwerwiegende unerwünschte Ereignisse“ (SUE) und „Therapieabbruch aufgrund von UE“ sind in der Metaanalyse keine statistisch signifikanten Effekte vorhanden.
- Für den Endpunkt schwere UE (CTCAE Grad ≥ 3) ergibt sich bei der metaanalytischen Auswertung beider Studien ein statistisch signifikanter Effekt zum Nachteil für Olaparib (Hazard Ratio = 1,90 [1,34; 2,68], p-Wert < 0,001), im Detail zeigt sich der negative Effekt bei dem spezifischen UE „Anämie“ (CTCAE Grad ≥ 3).
- Hinsichtlich weiterer spezifischer UE zeigt sich bei „Übelkeit“ und „Erbrechen“ jeweils ein statistisch signifikanter Nachteil für Olaparib.
- Insgesamt zeigen die Ergebnisse zu den Nebenwirkungen negative Effekte für Olaparib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie „Beobachtendes Abwarten“ durch eine Zunahme von schweren UE (CTCAE Grad ≥ 3), insbesondere der „Anämie“ (CTCAE Grad ≥ 3) sowie den spezifischen UE „Übelkeit“ und „Erbrechen“.
- Gesamtbewertung
- Für das Gesamtüberleben zeigt die Metaanalyse der beiden Studien einen statistisch signifikanten Vorteil für die Behandlung mit Olaparib, welcher als eine moderate Verlängerung der Lebensdauer bewertet wird.
- Hinsichtlich des Gesundheitsstatus ist kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen vorhanden.
- Die Daten zur patientenberichteten Lebensqualität zeigen, dass sich weder ein Vorteil noch ein Nachteil hinsichtlich der Effekte von Olaparib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie „Beobachtendes Abwarten“ auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität feststellen lässt.
- Bei den Endpunkten zu unerwünschten Ereignissen zeigt sich ein Nachteil von Olaparib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie „Beobachtendes Abwarten“, insbesondere durch eine Zunahme von schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE Grad ≥ 3), im Detail des spezifischen unerwünschten Ereignis „Anämie“ (CTCAE Grad ≥ 3), sowie durch eine Zunahme der spezifischen unerwünschten Ereignissen „Übelkeit“ und „Erbrechen“.
- In der Gesamtbewertung wird der Nachteil bei den Nebenwirkungen zwar als relevant betrachtet, aber nicht als derart gravierend eingestuft, dass eine Herabstufung des Ausmaßes zum Zusatznutzen vorgenommen wird. Im Ergebnis wird ein geringer Zusatznutzen für Olaparib im Vergleich zu der zweckmäßigen Vergleichstherapie „Beobachtendes Abwarten“ in der Erhaltungstherapie von erwachsenen Patientinnen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines high-grade epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, festgestellt.
- Die vorliegende Bewertung basiert auf den Ergebnissen der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Phase-3-Zulassungsstudie SOLO2 und der Phase-2-Studie 19, in denen die Wirksamkeit von Olaparib untersucht wurde.
- Somit bestehen Unsicherheiten bezüglich der Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf die Versorgungsrealität.
- In der Gesamtschau der beschriebenen Unsicherheiten lässt sich insgesamt ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen für Olaparib ableiten.
Zugehörige Verfahren
<< Liste aller Beschlüsse