Atezolizumab (7) – Tecentriq®
Kleinzelliges Lungenkarzinom, Erstlinie, Kombination mit Carboplatin und Etoposid; Erhaltungstherapie
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.10.2019 – Zulassung: 03.09.2019 |
|---|---|
| Beschluss | 02.04.2020 |
| Wirkstoff | Atezolizumab |
| Handelsname | Tecentriq® |
| Pharm. Unternehmer | Roche Pharma AG |
| G-BA Vorgangsnummer | D-491 |
| ATC-Code | L01FF05 PD-1/PDL-1-Inhibitoren (L01FF) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C34.0Bösartige Neubildung: Hauptbronchus, C34.1Bösartige Neubildung: Oberlappen (-Bronchus), C34.2Bösartige Neubildung: Mittellappen (-Bronchus), C34.3Bösartige Neubildung: Unterlappen (-Bronchus), C34.8Bösartige Neubildung: Bronchus und Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend, C34.9Bösartige Neubildung: Bronchus oder Lunge, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I111155Karzinom des Oberlappenbronchus, I116693Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom, I24595Karzinom des Hauptbronchus, I30015Lungenkarzinom des Mittellappens, I30021Lungenkarzinom des Unterlappens, I30022Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend |
| DDD Tagesdosis | 57 mg parenteral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC) |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Besonderheit | Bundling Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Tecentriq® in Kombination mit Carboplatin und Etoposid wird angewendet zur Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patienten mit einem kleinzelligen Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC). Hinweis: Tecentriq® mit dem Wirkstoff Atezolizumab ist in verschiedenen Wirkstärken zugelassen. Im oben genannten Anwendungsgebiet ist „Tecentriq® 1200 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung“ zugelassen. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC); Erstlinienbehandlung | Cisplatin + Etoposid oder Carboplatin + Etoposid |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (IMPower133) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- Der pharmazeutische Unternehmer hat zur Nutzenbewertung Daten der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten und gegenwärtig noch laufenden Phase-III-Studie IMpower133 vorgelegt.
Erwachsene Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC); Erstlinienbehandlung
- In der Gesamtbewertung wird festgestellt, dass der positive Effekt hinsichtlich des Gesamtüberlebens zwar einerseits nicht durch weitere positive Effekte auf patientenrelevante Endpunkte gestützt wird, andererseits die Nachteile bei den Nebenwirkungen diesen positiven Effekt aber auch nicht gänzlich aufwiegen.
- Im Ergebnis kann daher bezüglich der Aussagesicherheit nur ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen abgeleitet werden.
- Mortalität
- Das Gesamtüberleben ist in der Studie IMpower133 definiert als Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache.
- In der Metaanalyse der Ereigniszeitanalysen zu beiden Studienkohorten zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Atezolizumab in Kombination mit Carboplatin und Etoposid im Vergleich zu Carboplatin in Kombination mit Etoposid (HR: 0,79 [95 %-KI: 0,65; 0,97], p = 0,026).
- In der Endpunktkategorie Mortalität liegt auf Grundlage der Ergebnisse der Studie IMpower133 eine geringe Verlängerung des Gesamtüberlebens und damit ein geringer Zusatznutzen vor.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
- Das PFS stellt einen co-primären Endpunkt der Studie IMpower133 dar und ist operationalisiert als Zeit zwischen Randomisierung und dem Zeitpunkt der ersten Krankheitsprogression nach RECIST oder des Todes durch jegliche Ursache.
- Das PFS war zum Zeitpunkt des ersten Datenschnitts im Interventionsarm der globalen Kohorte gegenüber dem Kontrollarm statistisch signifikant um 0,9 Monate im Median verlängert (5,2 vs. 4,3 Monate im Median; (HR: 0,77 [0,62; 0,96]; p < 0,017).
- In der chinesischen Kohorte zeigt sich zum Zeitpunkt des ersten Datenschnitts kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Eine metaanalytische Zusammenfassung der Kohorten liegt nicht vor.
- Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt. Die Endpunktkomponente Mortalität wird in der vorliegenden Studie über den Endpunkt Gesamtüberleben als eigenständiger Endpunkt erhoben. Die Erhebung der Morbiditätskomponente erfolgt nicht symptombezogen, sondern ausschließlich mittels bildgebenden Verfahren (radiologisch bestimmte Krankheitsprogression nach den RECIST-Kriterien). Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA. Die Gesamtaussage zum Ausmaß des Zusatznutzens bleibt davon unberührt.
- Morbidität - Symptomatik
- Die Symptomatik der Patienten wird in der Studie IMpower133 durch die Symptomskalen der Fragebögen EORTC-QLQ-C30 und EORTC-QLQ-LC13 erhoben.
- In der metaanalytischen Zusammenfassung der Responderanalysen für die Zeit bis zur Verschlechterung um mindestens 10 Punkte gegenüber dem Ausgangswert liegt in keiner Symptomskala ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen vor.
- Insgesamt zeigt sich bezüglich der Symptomatik und dem Gesundheitszustand kein Zusatznutzen durch eine Behandlung mit Atezolizumab in Kombination mit Carboplatin und Etoposid.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wird in der Studie IMpower133 von den Patienten berichtet und mittels der Funktionsskalen des Fragebogens EORTC-QLQ-C30 erhoben.
- In der metaanalytischen Zusammenfassung der Responderanalysen für die Zeit bis zur Verschlechterung um mindestens 10 Punkte gegenüber dem Ausgangswert liegt in keiner Funktionsskala ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen vor.
- Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
- In der Studie Impower133 haben nahezu alle Patienten in den Interventions- und Kontrollarmen beider Kohorten ein unerwünschtes Ereignis erfahren. Die Ergebnisse zu dem Endpunkt „Unerwünschte Ereignisse gesamt“ werden nur ergänzend dargestellt.
- Gesamtbewertung
- Für die Nutzenbewertung von Atezolizumab in Kombination mit Carboplatin und Etoposid zur Erstlinienbehandlung erwachsener Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC) liegen Ergebnisse der Studie Impower133 zum Gesamtüberleben, zur Morbidität, gesundheitsbezogenen Lebensqualität und zu Nebenwirkungen vor. Die Bewertung basiert, sofern möglich, auf der metaanalytischen Zusammenfassung der Ergebnisse der beiden in dieser Studie untersuchten Kohorten (globale und chinesische Kohorte).
- In der Endpunktkategorie Mortalität zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Atezolizumab in Kombination mit Carboplatin und Etoposid führt im Vergleich zu Carboplatin in Kombination mit Etoposid zu einer im Ausmaß geringen Verlängerung des Gesamtüberlebens, die als geringer Zusatznutzen eingestuft wird.
- Bezüglich der Morbidität, erhoben anhand der Messinstrumente EORTC-QLQ-C30 und EORTC-QLQ-LC13 bzw. der visuellen Analogskala des EQ-5D, liegen keinerlei Unterschiede vor. Insbesondere zeigten sich keine Vorteile hinsichtlich der Effekte auf krankheitsspezifische Symptome. Die Symptomatik beim fortgeschrittenen SCLC ist in der Regel ausgeprägt und für den Patienten belastend. Effekte auf die Symptomatik sind somit für die Patienten bedeutsam.
- Auch hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigen sich in den Funktionsskalen des EORTC-QLQ-C30 keinerlei Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
- Dem gegenüber stehen Nachteile bei den Abbrüchen wegen UE, zudem zeigt sich im Detail im Bereich der spezifischen UE eine Zunahme immunvermittelter UE, immunvermittelter schwerwiegender UE und immunvermittelter schwerer UE (CTCAE-Grad 3 und 4).
- In der Gesamtbewertung wird festgestellt, dass der positive Effekt hinsichtlich des Gesamtüberlebens zwar einerseits nicht durch weitere positive Effekte auf patientenrelevante Endpunkte gestützt wird, andererseits die Nachteile bei den Nebenwirkungen diesen positiven Effekt aber auch nicht gänzlich aufwiegen. In einer Abwägungsentscheidung gelangt der G-BA im vorliegenden Fall somit zu dem Ergebnis, dass der Vorteil hinsichtlich des Gesamtüberlebens gegenüber den Nachteilen überwiegt. Daher wird für Atezolizumab in Kombination mit Carboplatin und Etoposid zur Erstlinienbehandlung erwachsener Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium ein geringer Zusatznutzen gegenüber Carboplatin in Kombination mit Etoposid festgestellt.
Zugehörige Verfahren
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