Atezolizumab (6) – Tecentriq®
NSCLC, nicht-plattenepithelial, 1. Linie, Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin; Erhaltungstherapie
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.10.2019 – Zulassung: 03.09.2019 |
|---|---|
| Beschluss | 02.04.2020 |
| Wirkstoff | Atezolizumab |
| Handelsname | Tecentriq® |
| Pharm. Unternehmer | Roche Pharma AG |
| G-BA Vorgangsnummer | D-486 |
| ATC-Code | L01FF05 PD-1/PDL-1-Inhibitoren (L01FF) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C34.0Bösartige Neubildung: Hauptbronchus, C34.1Bösartige Neubildung: Oberlappen (-Bronchus), C34.2Bösartige Neubildung: Mittellappen (-Bronchus), C34.3Bösartige Neubildung: Unterlappen (-Bronchus), C34.8Bösartige Neubildung: Bronchus und Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend, C34.9Bösartige Neubildung: Bronchus oder Lunge, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I111155Karzinom des Oberlappenbronchus, I116693Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom, I24595Karzinom des Hauptbronchus, I30015Lungenkarzinom des Mittellappens, I30021Lungenkarzinom des Unterlappens, I30022Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend |
| DDD Tagesdosis | 57 mg parenteral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Besonderheit | Bundling ZVT-Änderung |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Tecentriq wird angewendet in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin zur Erstlinienbehandlung des metastasierten NSCLC mit nicht-plattenepithelialer Histologie bei erwachsenen Patienten, die keine EGFR-Mutationen und kein ALK-positives NSCLC haben. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Erwachsene Patienten mit einem metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit nicht-plattenepithelialer Histologie und einem Tumor Proportion Score [TPS] von ≥50% (PD-L1-Expression) und ohne EGFR- oder ALK-positive Tumormutationen; Erstlinientherapie | Pembrolizumab als Monotherapie |
| b) | Erwachsene Patienten mit einem metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit nicht-plattenepithelialer Histologie und einem Tumor Proportion Score [TPS] von <50% (PD-L1-Expression) und ohne EGFR- oder ALK-positive Tumormutationen; Erstlinientherapie | Cisplatin in Kombination mit einem Drittgenerationszytostatikum (Vinorelbin oder Gemcitabin oder Docetaxel oder Paclitaxel oder Pemetrexed) oder Carboplatin in Kombination mit einem Drittgenerationszytostatikum (Vinorelbin oder Gemcitabin oder Docetaxel oder Paclitaxel oder Pemetrexed) oder Carboplatin in Kombination mit nab-Paclitaxel oder Pembrolizumab in Kombination mit Pemetrexed und Platin-Chemotherapie |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (IMpower 130) |
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Genetik/Mutationstyp |
| ZVT-Änderung | 18.03.2020 – nach Dossiereinreichung, Stellungnahmeverfahren |
- Klinische Studien
- In der Studie IMpower130 wurde Atezolizumab + nab-Paclitaxel + Carboplatin mit nab-Paclitaxel + Carboplatin verglichen.
a) Erwachsene Patienten mit einem metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit nicht-plattenepithelialer Histologie und einem Tumor Proportion Score [TPS] von ≥ 50 % (PD-L1-Expression) und ohne EGFR- oder ALK-positive Tumormutationen; Erstlinientherapie
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Für die Erstlinienbehandlung von Patienten mit einem TPS von ≥ 50 %, nicht-plattenepithelialer Histologie und ohne EGFR- oder ALK-positive Tumormutationen wurden keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens von Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie vorgelegt.
b) Erwachsene Patienten mit einem metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit nicht-plattenepithelialer Histologie und einem Tumor Proportion Score [TPS] von < 50 % (PD-L1-Expression) und ohne EGFR- oder ALK-positive Tumormutationen; Erstlinientherapie
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Zusammenfassend ist für Erstlinienbehandlung des metastasierenden nicht-plattenepithelialen NSCLC ohne EGFR- oder ALK-positive Tumormutationen bei Patienten mit einer PD-L1-Expression von < 50 % (TPS) in der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse zu Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und zu den Nebenwirkungen ein Zusatznutzen von Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin gegenüber nab-Paclitaxel und Carboplatin nicht belegt.
- Mortalität
- Das Gesamtüberleben ist definiert als die Zeit zwischen Randomisierung und Tod durch jegliche Ursache.
- In der Studie IMpower130 betrug die mediane Überlebenszeit zum Zeitpunkt des 2. Datenschnitts vom 4. September 2018 für die bewertungsrelevante NEoM-Population im Vergleichsarm 13,1 Monate und im Interventionsarm 18,2 Monate (Hazard Ratio (HR): 0,83; 95%-KI [0,66;1,03], p-Wert = 0,096). Der Unterschied ist insgesamt statistisch nicht signifikant.
- Ein Zusatznutzen von Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin für den Endpunkt Mortalität ist somit nicht belegt.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
- Für das Progressionsfreie Überleben (PFS) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin (HR = 0,79; 95%-KI [0,64; 0,96], p-Wert = 0,0204). Das mediane PFS bei Patienten im Vergleichsarm lag bei 6,5 Monaten und bei Patienten im Interventionsarm bei 7,1 Monaten.
- Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt.
- Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA.
- Demnach war das verlängerte PFS nicht mit einem Vorteil hinsichtlich der Morbidität oder Lebensqualität verbunden.
- Morbidität - Symptomatik
- Zur Erfassung der Symptomatik wurden in der Studie IMpower130 die Symptomskalen der Fragebögen EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-LC13 eingesetzt.
- Es zeigen sich in keinem der beiden Fragebögen statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Studienarmen.
- Ein Zusatznutzen von Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin für den Endpunkt Symptomatik ist somit nicht belegt.
- Morbidität - Gesundheitszustand
- In der Studie IMpower130 wurde der Gesundheitszustand anhand der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D Fragebogens erhoben.
- Die Responderanalysen auf Basis einer MID von 10 Punkten zeigen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen.
- Ein Zusatznutzen von Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin für den Endpunkt Gesundheitszustand ist somit nicht belegt.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in der Studie IMpower130 die Funktionsskalen des Fragebogens EORTC QLQ-C30 eingesetzt.
- Es zeigt sich in den Subgruppenanalysen eine Effektmodifikation für das Merkmal Lebermetastasen zu Studienbeginn.
- Zudem ergab die Subgruppenanalysen für den Endpunkt soziale Funktion (Interaktion: p-Wert = 0,003) eine Effektmodifikation für das Merkmal Raucherstatus.
- Somit liegt unter Berücksichtigung der NEoM-Population kein Zusatznutzen von Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin für die Endpunktkategorie Lebensqualität vor.
- Nebenwirkungen - Schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad 3-4)
- Für den Endpunkt schwere UE (CTCAE-Grad 3-4) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten von Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin gegenüber nab-Paclitaxel und Carboplatin (HR: 1,24; 95%-KI [1,03;1,49]; p = 0,026).
- Nebenwirkungen - Spezifische unerwünschte Ereignisse (schwere UE mit CTCAE-Grad 3-4)
- Hierbei liegt für Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems (SOC) sowie Untersuchungen (SOC), Synkope (PT) und Dyspnoe (PT) jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten von Atezolizumab in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie gegenüber platinbasierter Chemotherapie vor.
- Nebenwirkungen - Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse (UE)
- Für den Endpunkt Abbruch wegen UE zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Gesamtbewertung
- Für das Gesamtüberleben ist ein Zusatznutzen für die Behandlung mit Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin nicht belegt, da sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zeigt.
- Hinsichtlich des Gesundheitsstatus, gemessen anhand der EQ-5D VAS, und der Symptomatik, gemessen anhand des EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-LC13, liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen vor.
- Gleichermaßen zeigen sich für die Endpunktkategorie Lebensqualität basierend auf der NEoM-Population anhand der Funktionsskalen des EORTC QLQ-C30 keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
- Hinsichtlich der Nebenwirkungen liegen für die Endpunkte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) und für spezifisch unerwünschte Ereignisse immunvermittelter Nebenwirkungen keine verwertbaren Aussagen vor.
- Bei den schweren UE (CTCAE-Grad 3-4) sowie einer Auswahl von spezifisch schweren UEs (CTCAE-Grad 3-4) zeigt sich ein Nachteil für Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin.
- In der Gesamtschau zeigen sich für die Endpunktkategorien Gesamtüberleben, Morbidität und Lebensqualität keine statistisch signifikanten Unterschiede.
- Die Nachteile für Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin bei den schweren UE (CTCAE-Grad 3-4) werden als für die Patienten bedeutsam angesehen.
- Unter Berücksichtigung der Rate der Therapieabbrüche, die sich zwischen den Behandlungsgruppen nicht statistisch signifikant unterscheidet, werden die Nachteile bei den Nebenwirkungen insgesamt jedoch nicht als derart gravierend erachtet, um in der Gesamtbewertung die Feststellung eines geringeren Nutzens zu rechtfertigen.
Zugehörige Verfahren
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