Atezolizumab (10) – Tecentriq®

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, PD-L1 Expression ≥ 50 %, adjuvante Therapie nach Resektion und Chemotherapie

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.07.2022 – Zulassung: 07.06.2022
Beschluss 05.01.2023 aufgehoben
Befristung bis 01.04.2024
Wirkstoff Atezolizumab
Handelsname Tecentriq®
Pharm. Unternehmer Roche Pharma AG
G-BA Vorgangsnummer D-828
ATC-Code L01FF05 PD-1/PDL-1-Inhibitoren (L01FF)
ICD-10 Codes (AIS) C34.0Bösartige Neubildung: Hauptbronchus, C34.1Bösartige Neubildung: Oberlappen (-Bronchus), C34.2Bösartige Neubildung: Mittellappen (-Bronchus), C34.3Bösartige Neubildung: Unterlappen (-Bronchus), C34.8Bösartige Neubildung: Bronchus und Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend, C34.9Bösartige Neubildung: Bronchus oder Lunge, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I111155Karzinom des Oberlappenbronchus, I116693Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom, I24595Karzinom des Hauptbronchus, I30015Lungenkarzinom des Mittellappens, I30021Lungenkarzinom des Unterlappens, I30022Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend
DDD Tagesdosis 57 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Aufgehoben durch: Atezolizumab (12) (20.03.2025)

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Tecentriq als Monotherapie wird angewendet zur adjuvanten Behandlung des NSCLC nach vollständiger Resektion und platinbasierter Chemotherapie bei erwachsenen Patienten mit hohem Risiko für ein Rezidiv und deren Tumoren eine PD-L1-Expression auf ≥ 50 % der Tumorzellen (tumour cells, TC) aufweisen und kein EGFR(epidermal growth factor receptor, epidermaler Wachstumsfaktorrezeptor)-mutiertes oder ALK(anaplastische-Lymphomkinase)-positives NSCLC haben (siehe Abschnitt 5.1 zu den Auswahlkriterien).

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit vollständig reseziertem NSCLC mit hohem Rezidivrisiko nach platinbasierter Chemotherapie, deren Tumore eine PD-L1-Expression auf ≥ 50 % der Tumorzellen aufweisen und die keine EGFR-Mutationen oder ein ALK-positives NSCLC haben; adjuvante Behandlung Beobachtendes Abwarten

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (IMpower010)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt zur Nutzenbewertung Ergebnisse aus der multizentrische, offenen randomisierten Studie IMpower010 vor, in der Atezolizumab mit Best-Supportive-Care (BSC) verglichen wird.

Erwachsene mit vollständig reseziertem NSCLC mit hohem Rezidivrisiko nach platinbasierter Chemotherapie, deren Tumore eine PD-L1-Expression auf ≥ 50 % der Tumorzellen aufweisen und die keine EGFR-Mutationen oder ein ALK-positives NSCLC haben; adjuvante Behandlung

  • In der Gesamtbetrachtung steht der positive Effekt auf das Gesamtüberleben relevanten Nachteilen hinsichtlich der Nebenwirkungen gegenüber.
  • Das Ausmaß des Effektes auf das Gesamtüberleben weist auf eine klinisch bedeutsame Verbesserung im Vergleich zu beobachtendem Abwarten hin, das sich vor dem Hintergrund der beschriebenen Unsicherheiten jedoch nicht sicher quantifizieren lässt.
  • Insgesamt wird daher für Atezolizumab als Monotherapie zur adjuvanten Behandlung des NSCLC nach vollständiger Resektion und platinbasierter Chemotherapie bei erwachsenen Patienten mit hohem Risiko für ein Rezidiv, deren Tumoren eine PD-L1-Expression auf ≥ 50 % aufweisen und kein EGFR-mutiertes oder ALK-positives NSCLC haben, ein nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen gegenüber beobachtendem Abwarten festgestellt.
  • Die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen wird in die Kategorie „Anhaltspunkt“ eingestuft.
  • Mortalität - Gesamtüberleben
    • Das Gesamtüberleben war in der Studie IMpower10 operationalisiert als die Zeit von der Randomisierung bis zum Tod durch jegliche Ursache.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Atezolizumab gegenüber beobachtendem Abwarten.
    • Bei der Interpretation des Ergebnisses ist zu berücksichtigen, dass bei einem relevanten Anteil der Patientinnen und Patienten mit Rezidiv im Vergleichsarm der Studie IMpower010 von einer unzureichenden Folgetherapie in Bezug auf den Therapiestandard im Zeitraum der Studie auszugehen ist.
    • Insgesamt verbleiben daher relevante Unsicherheiten hinsichtlich der Beurteilung des Ausmaßes des statistisch signifikanten Unterschieds zum Vorteil von Atezolizumab gegenüber beobachtendem Abwarten in Bezug auf die Übertragbarkeit auf die Versorgungsrealität.
  • Morbidität - Krankheitsfreies Überleben (DFS) und Rezidivrate
    • Das krankheitsfreie Überleben (DFS) wird in der Studie IMpower010 als die Zeit von der Randomisierung bis zum ersten Auftreten eines der folgenden Ereignisse definiert, je nachdem, welches Ereignis zuerst auftrat: erstes dokumentiertes Wiederauftreten der Erkrankung, Auftreten eines neuen primären NSCLC, Tod durch jegliche Ursache.
    • Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Auswertungen zur Morbidität aus der Studie IMpower010 für die Nutzenbewertung sind nicht verwertbar.
    • Obwohl durch die längere Beobachtungsdauer zum 2. Datenschnitt Daten mit einem höheren Informationsgehalt zur Verfügung stehen, werden diese sowohl im Dossier als auch im Stellungnahmeverfahren vom pharmazeutischen Unternehmer nicht vorgelegt.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in der Studie IMpower010 nicht erhoben.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • In der Studie IMpower010 traten in beiden Studienarmen bei der Mehrzahl der eingeschlossenen Patientinnen und Patienten UE auf.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE (SUE)
    • Für den Endpunkt SUE zeigt sich ein statistisch signifikanter Nachteil von Atezolizumab gegenüber beobachtendem Abwarten.
  • Nebenwirkungen - Schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3)
    • Für den Endpunkt schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen UE
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UE zeigt sich ein statistisch signifikanter Nachteil von Atezolizumab gegenüber beobachtendem Abwarten.
  • Nebenwirkungen - Immunvermittelte SUE und immunvermittelte schwere UE
    • Für die Endpunkte Immunvermittelte SUE und immunvermittelte schwere UE liegen keine verwertbaren Daten vor.
  • Nebenwirkungen - Weitere spezifische UEs
    • Für die Endpunkte Fieber (PT, UEs), Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes (SOC, UE) und Infektionen und parasitäre Erkrankungen (SOC, SUE) zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Nachteil von Atezolizumab gegenüber beobachtendem Abwarten.
  • Gesamtbewertung
    • Die Nutzenbewertung von Atezolizumab als Monotherapie zur adjuvanten Behandlung des NSCLC nach vollständiger Resektion und platinbasierter Chemotherapie bei erwachsenen Patienten mit hohem Risiko für ein Rezidiv, deren Tumoren eine PD-L1-Expression auf ≥ 50 % der Tumorzellen aufweisen und kein EGFR-mutiertes oder ALK-positives NSCLC haben, basiert auf Ergebnissen der Studie IMpower010 zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität und Nebenwirkungen im Vergleich zu beobachtendem Abwarten.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Atezolizumab im Vergleich zu beobachtendem Abwarten. Bei der Interpretation des Ergebnisses ist zu berücksichtigen, dass bei einem relevanten Anteil der Patientinnen und Patienten mit Rezidiv im Vergleichsarm der Studie IMpower010 von einer unzureichenden Folgetherapie in Bezug auf den Therapiestandard im Zeitraum der Studie auszugehen ist. Insgesamt verbleiben daher relevante Unsicherheiten hinsichtlich der Beurteilung des Ausmaßes des statistisch signifikanten Unterschieds zum Vorteil von Atezolizumab gegenüber beobachtendem Abwarten in Bezug auf die Übertragbarkeit auf die Versorgungsrealität.
    • Es liegen keine verwertbaren Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten DFS und Rezidive der Kategorie Morbidität vor. Die Vermeidung von Rezidiven ist in Anbetracht des vorliegenden kurativen Therapieansatzes ein bedeutendes Therapieziel.
    • Endpunkte zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in der Studie IMpower010 nicht erhoben.
    • Bei den Nebenwirkungen zeigt sich hinsichtlich des Endpunkts schwere UE (CTCAE-Grad≥ 3) kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen. Bei den Endpunkten schwerwiegende UE und Abbruch wegen UE sowie im Detail bei den spezifischen UE liegen negative Effekte von Atezolizumab im Vergleich zu beobachtendem Abwarten vor.
    • In der Gesamtbetrachtung steht der positive Effekt auf das Gesamtüberleben relevanten Nachteilen hinsichtlich der Nebenwirkungen gegenüber. Diese Nachteile werden vor dem Hintergrund des vorliegenden kurativen Therapieansatzes gewichtet und stellen den positiven Effekt auf das Gesamtüberleben insgesamt nicht infrage. Das Ausmaß des Effektes auf das Gesamtüberleben weist auf eine klinisch bedeutsame Verbesserung im Vergleich zu beobachtendem Abwarten hin, das sich vor dem Hintergrund der beschriebenen Unsicherheiten jedoch nicht sicher quantifizieren lässt.

Zugehörige Verfahren

Atezolizumab (12) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, PD-L1 Expression ≥ 50 %, adjuvante Therapie nach Resektion und Chemotherapie 700–890 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen
Atezolizumab (11) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, Erstlinie 1.900–7.570 71% Hinweis auf geringer Zusatznutzen
Atezolizumab (10) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, PD-L1 Expression ≥ 50 %, adjuvante Therapie nach Resektion und Chemotherapie 0
700–790
100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen aufgehoben
Atezolizumab (9) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, PD-L1 Expression ≥ 50 % auf TC oder ≥ 10 % auf IC, EGFR/ALK-negativ, Erstlinie 4.520–5.080 100% Zusatznutzen nicht belegt
Atezolizumab (8) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Hepatozelluläres Karzinom, Kombination mit Bevacizumab 1.710–4.970 76% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen
Atezolizumab (5) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen NSCLC, nicht-plattenepithelial, 1. Linie, Kombination mit Bevacizumab, Paclitaxel und Carboplatin; Erhaltungstherapie 8.990–9.590 100% Zusatznutzen nicht belegt
Atezolizumab (4) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom, triple-negativ, PD-L1-Expression ≥1% 920–1.110 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen
Atezolizumab (6) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen NSCLC, nicht-plattenepithelial, 1. Linie, Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin; Erhaltungstherapie 8.020–9.110 100% Zusatznutzen nicht belegt
Atezolizumab (7) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Kleinzelliges Lungenkarzinom, Erstlinie, Kombination mit Carboplatin und Etoposid; Erhaltungstherapie 7.280–8.550 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Atezolizumab (3) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Urothelkarzinom, PD-L1-Expression ≥ 5%, Erstlinie 220–380 100% Zusatznutzen nicht belegt
Atezolizumab (1) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, nach vorheriger Chemotherapie 18.800–34.600 40% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen
Atezolizumab (2) Tecentriq® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Urothelkarzinom, Erstlinie 1.500–1.900
2.300–3.300
61% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen Patientengruppen aufgehoben


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