Durvalumab (4) – Imfinzi®

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, EGFR/ALK-negativ, Erstlinie, Kombination mit Tremelimumab und platinbasierter Chemotherapie

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.04.2023 – Zulassung: 30.01.2023
Beschluss 05.10.2023
Wirkstoff Durvalumab
Handelsname Imfinzi®
Pharm. Unternehmer AstraZeneca GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-921
ATC-Code L01FF03 PD-1/PDL-1-Inhibitoren (L01FF)
ICD-10 Codes (AIS) C34.0Bösartige Neubildung: Hauptbronchus, C34.1Bösartige Neubildung: Oberlappen (-Bronchus), C34.2Bösartige Neubildung: Mittellappen (-Bronchus), C34.3Bösartige Neubildung: Unterlappen (-Bronchus), C34.8Bösartige Neubildung: Bronchus und Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend, C34.9Bösartige Neubildung: Bronchus oder Lunge, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I111155Karzinom des Oberlappenbronchus, I116693Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom, I24595Karzinom des Hauptbronchus, I30015Lungenkarzinom des Mittellappens, I30021Lungenkarzinom des Unterlappens, I30022Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Besonderheit Bundling Kombinationstherapie

Anwendungsgebiet des Beschlusses

IMFINZI in Kombination mit Tremelimumab und einer platinbasierten Chemotherapie ist angezeigt bei Erwachsenen zur Erstlinienbehandlung des metastasierten NSCLC ohne sensibilisierende EGFR-Mutationen oder ALK-positive Mutationen.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene mit metastasiertem NSCLC mit einer PD-L1-Expression ≥ 50% ohne genomische EGFR- oder ALK-Tumormutationen; Erstlinientherapie - Pembrolizumab als Monotherapie oder - Atezolizumab als Monotherapie oder - Cemiplimab als Monotherapie oder - Nivolumab in Kombination mit Ipilimumab und 2 Zyklen platinbasierter Chemotherapie (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1) oder - Pembrolizumab in Kombination mit Carboplatin und entweder Paclitaxel oder nab-Paclitaxel (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1 und einem plattenepithelialen NSCLC) oder - Pembrolizumab in Kombination mit Pemetrexed und platinhaltiger Chemotherapie (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1 und einem nicht-plattenepithelialen NSCLC) oder - Atezolizumab in Kombination mit Bevacizumab, Paclitaxel und Carboplatin (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1 und einem nicht-plattenepithelialen NSCLC) oder - Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1 und einem nicht-plattenepithelialen NSCLC)
b) Erwachsene mit metastasiertem NSCLC mit einer PD-L1-Expression < 50% ohne genomische EGFR- oder ALK-Tumormutationen; Erstlinientherapie - Pembrolizumab in Kombination mit Pemetrexed und platinhaltiger Chemotherapie (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1 und einem nicht-plattenepithelialen NSCLC) oder - Pembrolizumab in Kombination mit Carboplatin und entweder Paclitaxel oder nab-Paclitaxel (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1 und einem plattenepithelialen NSCLC) oder - Atezolizumab als Monotherapie (nur für Patientinnen und Patienten mit einer PD-L1-Expression ≥ 10 % bei tumorinfiltrierenden Immunzellen) oder - Atezolizumab in Kombination mit Bevacizumab, Paclitaxel und Carboplatin (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1 und einem nicht-plattenepithelialen NSCLC) oder - Atezolizumab in Kombination mit nab-Paclitaxel und Carboplatin (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1 und einem nicht-plattenepithelialen NSCLC) oder - Nivolumab in Kombination mit Ipilimumab und 2 Zyklen platinbasierter Chemotherapie (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 0-1) oder - Carboplatin in Kombination mit einem Drittgenerationszytostatikum (Vinorelbin oder Gemcitabin oder Docetaxel oder Paclitaxel oder Pemetrexed) vgl. Anlage VI zum Abschnitt K der Arzneimittel-Richtlinie (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 2) oder - Carboplatin in Kombination mit nab-Paclitaxel (nur für Patientinnen und Patienten mit ECOG PS 2)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (POSEIDON)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. Nicht-ZVT + indirekter Vergleich (Bucher)
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Die Studie POSEIDON ist eine offene randomisierte kontrollierte Phase-III-Studie zum Vergleich von Durvalumab +Tremelimumab + platinbasierte Chemotherapie bzw. Durvalumab + platinbasierte Chemotherapie gegenüber platinbasierter Chemotherapie.
    • Die Studie KEYNOTE-024 ist eine offene, randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie zum Vergleich von Pembrolizumab mit einer platinbasierten Kombinationschemotherapie.
    • Die Studie KEYNOTE-042 ist eine offene, randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie zum Vergleich von Pembrolizumab gegenüber einer Kombination aus Carboplatin und entweder Paclitaxel oder Pemetrexed.
    • Die Studie CA209-9LA ist eine noch laufende, offene, randomisierte kontrollierte Phase-III-Studie zum Vergleich von Nivolumab in Kombination mit Ipilimumab und 2 Zyklen platinbasierter Chemotherapie mit einer platinbasierten Kombinationschemotherapie.

a) Erwachsene mit metastasiertem NSCLC mit einer PD-L1-Expression ≥ 50% ohne genomische EGFR- oder ALK-Tumormutationen; Erstlinientherapie

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich im adjustierten indirekten Vergleich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Durvalumab + Tremelimumab + platinbasierter Chemotherapie und Pembrolizumab.
    • Daraus ergibt sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen von Durvalumab + Tremelimumab + platinbasierter Chemotherapie im Vergleich zu Pembrolizumab, ein Zusatznutzen ist damit nicht belegt.
  • Morbidität und gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Für die Endpunkte der Kategorien Morbidität und Lebensqualität liegen keine geeigneten Daten vor.
    • Vor dem Hintergrund einer ungleichen Abbildung der Belastung durch die Behandlung im Zyklusverlauf in den Studienarmen werden die PRO-Daten der Studie POSEIDON als nicht verwertbar eingeschätzt.
    • Damit liegen für die Endpunkte erhoben mit dem EORTC QLQ-C30, EORTC QLQ-LC13, der EQ-5D VAS und dem PGIC auf einer Kante des indirekten Vergleichs keine geeigneten Daten vor.
  • Nebenwirkungen
    • Für die Studie POSEIDON liegen für den prädefinierten finalen Datenschnitt vom 12.03.2021 keine Daten für die relevante Teilpopulation vor.
    • Da sich die Angaben zur Gesamtpopulation für die Endpunkte unerwünschte Ereignisse (UEs), schwerwiegende Unerwünschte Ereignisse (SUEs) und Abbruch wegen UEs zwischen diesem prädefinierten Datenschnitt und dem vom pharmazeutischen Unternehmer im Dossier vorgelegten Datenschnitten (25.10.2021 bzw. 22.03.2022) nicht relevant voneinander unterscheiden, werden die Daten aus dem Dossier herangezogen.
    • Für den Endpunkt schwere UEs (CTCAE-Grad ≥ 3) weichen die Angaben zur Gesamtpopulation zwischen dem prädefinierten finalen Datenschnitt vom 12.03.2021 und dem vom pharmazeutischen Unternehmer eingereichten Datenschnitt vom 25.10.2021 dagegen relevant voneinander ab, sodass für diesen Endpunkt keine geeigneten Daten aus der Studie POSEIDON für einen indirekten Vergleich vorliegen.
    • Für die Studie KEYNOTE-042 liegen keine Daten zur relevanten Teilpopulation vor.
    • Unerwünschte Ereignisse (UEs) gesamt: Es sind bei fast allen Patientinnen und Patienten der für den indirekten Vergleich bewertungsrelevanten Teilpopulationen der Studien POSEIDON und KEYNOTE-024 UEs aufgetreten.
    • Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE): Für den Endpunkt SUE zeigt sich im adjustierten indirekten Vergleich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Durvalumab + Tremelimumab + platinbasierter Chemotherapie und Pembrolizumab.
    • Therapieabbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen: Für den Endpunkt Therapieabbrüche aufgrund von UEs ergibt sich durch das offene Studiendesign der beiden Studien POSEIDON und KEYNOTE-024 jeweils ein hohes Verzerrungspotential, sodass die Daten aufgrund einer nicht ausreichenden Ergebnissicherheit nicht für den indirekten Vergleich geeignet sind.
    • PRO-CTCAE und Immunvermittelte UEs: Für die Endpunkte PRO-CTCAE sowie immunvermittelte UEs liegen keine bzw. keine geeigneten Daten vor.
    • Insgesamt ergibt sich für die Nebenwirkungen kein Anhaltspunkt für einen höheren oder geringeren Schaden von Durvalumab + Tremelimumab in Kombination mit platinbasierter Chemotherapie im Vergleich zu Pembrolizumab, ein höherer oder geringerer Schaden ist damit nicht belegt.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Durvalumab in Kombination mit Tremelimumab und platinbasierter Chemotherapie gegenüber Pembrolizumab bei Erwachsenen mit metastasiertem NSCLC mit einer PD-L1-Expression ≥ 50% ohne genomische EGFR- oder ALK-Tumormutationen liegen Ergebnisse aus dem adjustierten indirekten Vergleich der Studie POSEIDON mit den Studien KEYNOTE-024 und KEYNOTE-042 über den Brückenkomparator platinbasierte Chemotherapie vor.
    • Die vorgelegten Studien sind hinreichend ähnlich und insgesamt für die Durchführung eines adjustierten indirekten Vergleiches geeignet.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein bewertungsrelevanter Unterschied.
    • Für die Endpunktkategorien Morbidität und Lebensqualität liegen keine geeigneten Daten vor.
    • Für die Endpunktkategorie Nebenwirkungen zeigen sich keine bewertungsrelevanten Unterschiede im Endpunkt SUE. Für schwere UEs (CTCAE ≥ 3) sowie Therapieabbrüche aufgrund von UEs liegen keine geeigneten Daten vor.
    • In der Gesamtschau ist ein Zusatznutzen für Durvalumab in Kombination mit Tremelimumab und platinbasierter Chemotherapie gegenüber Pembrolizumab für Erwachsene mit metastasiertem NSCLC mit einer PD-L1-Expression ≥ 50% ohne genomische EGFR- oder ALK-Tumormutationen nicht belegt.

b) Erwachsene mit metastasiertem NSCLC mit einer PD-L1-Expression < 50% ohne genomische EGFR- oder ALK-Tumormutationen; Erstlinientherapie

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Durvalumab in Kombination mit Tremelimumab und platinbasierter Chemotherapie gegenüber Nivolumab in Kombination mit Ipilimumab und 2 Zyklen platinbasierter Chemotherapie bei Erwachsenen mit metastasiertem NSCLC mit einer PD-L1-Expression < 50% ohne genomische EGFR- oder ALK-Tumormutationen liegen im Dossier Ergebnisse aus dem adjustierten indirekten Vergleich der Studie POSEIDON mit der Studie CA209-9LA über den Brückenkomparator platinbasierte Chemotherapie vor.
  • Auf Grund relevanter Unterschiede in den Patientenpopulation der beiden Studien hinsichtlich des Merkmals Abstammung, welches in der Studie POSEIDON einen relevanten, qualitativen Effektmodifikator für den Endpunkt Gesamtüberleben darstellt, sowie der Tatsache, dass von Seiten des pharmazeutischen Unternehmers keine Subgruppenanalysen zur Verifizierung dieses Punktes vorgelegt wurden, sind die vorgelegten Daten nicht für einen indirekten Vergleich geeignet.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • In der Gesamtschau ist ein Zusatznutzen für Durvalumab in Kombination mit Tremelimumab und platinbasierter Chemotherapie gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie für Erwachsene mit metastasiertem NSCLC mit einer PD-L1-Expression < 50% ohne genomische EGFR- oder ALK-Tumormutationen nicht belegt.

Zugehörige Verfahren

Durvalumab (12) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, neoadjuvante und adjuvante Kombination mit FLOT-Chemotherapie gefolgt von adjuvanter Monotherapie n.d. laufendes Verfahren
Durvalumab (11) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Muskelinvasives Blasenkarzinom (MIBC), neoadjuvante/adjuvante Therapie nach Zystektomie, Kombination mit Gemcitabin und Cisplatin 4.310–5.730 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen
Durvalumab (10) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Kleinzelliges Lungenkarzinom, nicht fortgeschrittenes Stadium, nach platinbasierter Radiochemotherapie, Monotherapie 670–1.750 100% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen
Durvalumab (9) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, EGFR/ALK-negativ, neoadjuvante/adjuvante Therapie, Kombination mit platinbasierter Chemotherapie 4.540–4.660 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (7) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Primär fortgeschrittenes oder rezidiviertes Endometriumkarzinom, Erstlinientherapie, Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel; Erhaltungstherapie 380–1.520 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (8) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Primär fortgeschrittenes oder rezidiviertes Endometriumkarzinom, Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel; Erhaltungstherapie, Kombination mit Olaparib 990–1.810 50% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen
Durvalumab (6) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Hepatozelluläres Karzinom, Erstlinie, Monotherapie 1.900–5.470 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (3) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Biliäre Tumore, Erstlinie, Kombination mit Gemcitabin und Cisplatin 1.800 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen
Durvalumab (4) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, EGFR/ALK-negativ, Erstlinie, Kombination mit Tremelimumab und platinbasierter Chemotherapie 14.470–24.660 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (5) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Hepatozelluläres Karzinom, Erstlinie, Kombination mit Tremelimumab 1.900–5.470 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (2) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Kleinzelliges Lungenkarzinom, Erstlinie, Kombination mit Etoposid und entweder Carboplatin oder Cisplatin 3.210–6.130 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Durvalumab (1) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, Erhaltungstherapie 1.600–1.800 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen


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