Durvalumab (2) – Imfinzi®

Kleinzelliges Lungenkarzinom, Erstlinie, Kombination mit Etoposid und entweder Carboplatin oder Cisplatin

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.10.2020 – Zulassung: 27.08.2020
Beschluss 01.04.2021
Wirkstoff Durvalumab
Handelsname Imfinzi®
Pharm. Unternehmer AstraZeneca GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-589
ATC-Code L01FF03 PD-1/PDL-1-Inhibitoren (L01FF)
ICD-10 Codes (AIS) C34.0Bösartige Neubildung: Hauptbronchus, C34.1Bösartige Neubildung: Oberlappen (-Bronchus), C34.2Bösartige Neubildung: Mittellappen (-Bronchus), C34.3Bösartige Neubildung: Unterlappen (-Bronchus), C34.8Bösartige Neubildung: Bronchus und Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend, C34.9Bösartige Neubildung: Bronchus oder Lunge, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I111155Karzinom des Oberlappenbronchus, I116692Kleinzelliges Lungenkarzinom, I24595Karzinom des Hauptbronchus, I30015Lungenkarzinom des Mittellappens, I30021Lungenkarzinom des Unterlappens, I30022Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend
DDD Tagesdosis 50 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Besonderheit ZVT-Änderung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Imfinzi in Kombination mit Etoposid und entweder Carboplatin oder Cisplatin ist angezeigt bei Erwachsenen zur Erstlinienbehandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms im fortgeschrittenen Stadium (extensive-stage small cell lung cancer, ES-SCLC).

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC); zur Erstlinienbehandlung ˗ Cisplatin in Kombination mit Etoposid oder ˗ Carboplatin in Kombination mit Etoposid oder ˗ Atezolizumab in Kombination mit Carboplatin und Etoposid

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (CASPIAN)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
ZVT-Änderung 15.09.2020 – Medizinische Fachgesellschaften

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer hat zur Nutzenbewertung Ergebnisse aus der randomisierten, offenen Phase-III-Studie CASPIAN vorgelegt.
    • Zusätzlich zur globalen Kohorte wurden vom pharmazeutische Unternehmer Daten aus einer chinesischen Kohorte mit identischem Studienprotokoll und statistischen Analyseplan der globalen Studienpopulation jedoch mit separater Auswertung vorgelegt.

Erwachsene Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC); zur Erstlinienbehandlung

  • Für erwachsene Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC) zur Erstlinienbehandlung liegt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vor.
  • In der Gesamtschau wird ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen für Durvalumab in Kombination mit Chemotherapie gegenüber Chemotherapie festgestellt.
  • Mortalität - Gesamtüberleben
    • In der Metaanalyse aus den beiden Kohorten zeigt sich eine statistisch signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens durch die Behandlung mit Durvalumab in Kombination mit Chemotherapie im Vergleich zur Chemotherapie.
    • Das Ausmaß dieses Effektes wird als eine geringe Verbesserung hinsichtlich des Gesamtüberlebens bewertet.
  • Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
    • In der Metaanalyse aus den beiden Kohorten zeigt sich für das PFS ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zum Vorteil von Durvalumab in Kombination mit Chemotherapie im Vergleich zu Chemotherapie.
    • Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt.
    • Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA. Die Gesamtaussage zum Ausmaß des Zusatznutzens bleibt davon unberührt.
  • Morbidität - Symptomatik
    • Für die Symptome Übelkeit und Erbrechen, Appetitverlust, Diarrhö und Alopezie liegt ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Durvalumab in Kombination mit Chemotherapie vor.
    • Zur Beurteilung der Relevanz des Ergebnisses wird die standardisierte Mittelwertdifferenz in Form von Hedges’g herangezogen. Hierbei liegt das 95 %-Konfidenzintervall der Mittelwertsdifferenz jeweils nicht vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs [−0,2; 0,2]. Damit lässt sich für die Endpunkte Übelkeit und Erbrechen, Appetitverlust, Diarrhö und Alopezie jeweils nicht ableiten, dass der Effekt relevant ist.
  • Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D, Visuelle Analogskala)
    • Für die MMRM-Analysen zeigt sich für den Gesundheitszustand erfasst mit dem EQ-5D kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Gesundheitszustand (PGIC)
    • Die vom pharmazeutischen Unternehmer nachgereichten Daten zur Zeit bis zur Verschlechterung des PGIC auf Basis der Metaanalyse sind für die Nutzenbewertung nicht geeignet, da unklar ist, ob alle verfügbaren Daten in die Ereigniszeitanalyse eingingen oder nur Erhebungen bis Zyklus 6 berücksichtigt wurden. Zusätzlich fehlen weitere Analysen insbesondere zu Subgruppen. Daher werden die vorgelegten Auswertungen des PGIC nicht zur Nutzenbewertung herangezogen.
  • Lebensqualität
    • Insgesamt zeigt sich für die gesundheitsbezogene Lebensqualität kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • In der Studie CASPIAN traten bei beiden Kohorten bei nahezu allen Studienteilnehmern UE auf.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE (SUE)
    • Hinsichtlich der SUE zeigt sich in der Metaanalyse der beiden Kohorten der Studie CASPIAN kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Allerdings zeigt sich für diesen Endpunkt eine Effektmodifikation durch das Merkmal Hirnmetastasen zu Studienbeginn. Für Patientinnen und Patienten ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen. Demgegenüber zeigt sich für Patientinnen und Patienten mit Hirnmetastasen zu Studienbeginn ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Durvalumab in Kombination mit Chemotherapie.
    • Die entsprechenden Subgruppenergebnisse werden dargestellt, führen jedoch zu keinen diesbezüglich spezifischen Aussagen in der Gesamtbewertung.
  • Nebenwirkungen - schwere UE (CTCAE-Grad≥ 3), Therapieabbrüche aufgrund von UE
    • In der Metaanalyse der Ereigniszeitanalysen zu beiden Studienkohorten zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Immunvermittelte SUE
    • Für den Endpunkt immunvermittelte SUE besteht eine statistisch signifikante Heterogenität zwischen den Kohorten. Es zeigt sich für die globale Kohorte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Für die Kohorte in China liegen keine Effektschätzer vor.
  • Nebenwirkungen - Immunvermittelte schwere UE
    • Für den Endpunkt immunvermittelte schwere UEs (CTCAE-Grad ≥ 3) zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Es zeigt sich jedoch eine Effektmodifikation durch das Merkmal Geschlecht.
    • Insgesamt bestehen Unsicherheiten bezüglich der klinischen Relevanz dieser geschlechterspezifischen Effektmodifikation, so dass diese in der vorliegenden Bewertung nicht weiter berücksichtigt wird.
  • Nebenwirkungen - PRO-CTCAE
    • Für den Endpunkt PRO CTCAE liegen für die globale Kohorte keine verwertbaren Auswertungen vor. In der Kohorte in China wurde der Endpunkt nicht erhoben.
  • Gesamtbewertung
    • Durvalumab in Kombination mit Chemotherapie führt im Vergleich zu Chemotherapie zu einer statistisch signifikanten Verlängerung des Gesamtüberlebens, deren Ausmaß als eine geringe Verbesserung bewertet wird.
    • Für die Endpunkte der Kategorie Morbidität erhoben anhand der Messinstrumente EORTC-QLQ-LC13 und der visuellen Analogskala des EQ-5D liegen keine relevanten Unterschiede vor. Insbesondere zeigen sich auch keine relevanten Unterschiede hinsichtlich bei krankheitsspezifischen Symptomen.
    • Bei den Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität, die von den Patientinnen und Patienten berichtet und mittels des EORTC-QLQ-C30 und EORTC-QLQ-LC13 erhoben wurden, zeigen sich insgesamt keine relevanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Bei den Nebenwirkungen lässt sich insgesamt weder ein Vor- noch ein Nachteil für die Behandlung mit Durvalumab in Kombination mit Chemotherapie feststellen.
    • In der Gesamtbewertung wird für Durvalumab in Kombination mit Etoposid und entweder Carboplatin oder Cisplatin in der Erstlinienbehandlung erwachsener Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium ein geringer Zusatznutzen gegenüber Cisplatin in Kombination mit Etoposid oder Carboplatin in Kombination mit Etoposid festgestellt.

Zugehörige Verfahren

Durvalumab (12) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, neoadjuvante und adjuvante Kombination mit FLOT-Chemotherapie gefolgt von adjuvanter Monotherapie n.d. laufendes Verfahren
Durvalumab (11) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Muskelinvasives Blasenkarzinom (MIBC), neoadjuvante/adjuvante Therapie nach Zystektomie, Kombination mit Gemcitabin und Cisplatin 4.310–5.730 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen
Durvalumab (10) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Kleinzelliges Lungenkarzinom, nicht fortgeschrittenes Stadium, nach platinbasierter Radiochemotherapie, Monotherapie 670–1.750 100% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen
Durvalumab (9) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, EGFR/ALK-negativ, neoadjuvante/adjuvante Therapie, Kombination mit platinbasierter Chemotherapie 4.540–4.660 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (7) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Primär fortgeschrittenes oder rezidiviertes Endometriumkarzinom, Erstlinientherapie, Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel; Erhaltungstherapie 380–1.520 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (8) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Primär fortgeschrittenes oder rezidiviertes Endometriumkarzinom, Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel; Erhaltungstherapie, Kombination mit Olaparib 990–1.810 50% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen
Durvalumab (6) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Hepatozelluläres Karzinom, Erstlinie, Monotherapie 1.900–5.470 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (3) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Biliäre Tumore, Erstlinie, Kombination mit Gemcitabin und Cisplatin 1.800 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen
Durvalumab (4) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, EGFR/ALK-negativ, Erstlinie, Kombination mit Tremelimumab und platinbasierter Chemotherapie 14.470–24.660 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (5) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Hepatozelluläres Karzinom, Erstlinie, Kombination mit Tremelimumab 1.900–5.470 100% Zusatznutzen nicht belegt
Durvalumab (2) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Kleinzelliges Lungenkarzinom, Erstlinie, Kombination mit Etoposid und entweder Carboplatin oder Cisplatin 3.210–6.130 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Durvalumab (1) Imfinzi® AstraZeneca GmbH Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, Erhaltungstherapie 1.600–1.800 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen


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