Durvalumab (10) – Imfinzi®
Kleinzelliges Lungenkarzinom, nicht fortgeschrittenes Stadium, nach platinbasierter Radiochemotherapie, Monotherapie
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.08.2025 – Zulassung: 12.03.2025 |
|---|---|
| Beschluss | 22.01.2026 |
| Wirkstoff | Durvalumab |
| Handelsname | Imfinzi® |
| Pharm. Unternehmer | AstraZeneca GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-1226 |
| ATC-Code | L01FF03 PD-1/PDL-1-Inhibitoren (L01FF) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C34.0Bösartige Neubildung: Hauptbronchus, C34.1Bösartige Neubildung: Oberlappen (-Bronchus), C34.2Bösartige Neubildung: Mittellappen (-Bronchus), C34.3Bösartige Neubildung: Unterlappen (-Bronchus), C34.8Bösartige Neubildung: Bronchus und Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend, C34.9Bösartige Neubildung: Bronchus oder Lunge, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I111155Karzinom des Oberlappenbronchus, I116692Kleinzelliges Lungenkarzinom, I24595Karzinom des Hauptbronchus, I30015Lungenkarzinom des Mittellappens, I30021Lungenkarzinom des Unterlappens, I30022Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Imfinzi ist angezeigt als Monotherapie zur Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms bei Erwachsenen im nicht fortgeschrittenen Stadium (limited-stage small cell lung cancer, LS-SCLC), deren Erkrankung nach einer platinbasierten Radiochemotherapie nicht progredient ist. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene mit kleinzelligem Lungenkarzinom im nicht fortgeschrittenen Stadium (limited-stage small cell lung cancer, LS-SCLC), deren Erkrankung nach platinbasierter Radiochemotherapie nicht fortgeschritten ist | <ul><li>Best-Supportive-Care</li></ul> |
Studien und Ergebnisse
- Klinische Studien
- Die derzeit noch laufende doppelblinde Phase-III-RCT ADRIATIC ist eine dreiarmige Studie. Der vorliegenden Nutzenbewertung wird der Durvalumab-Arm (Interventionsarm) und der Placebo-kontrollierte Arm (Vergleichsarm) zugrunde gelegt.
Erwachsene mit kleinzelligem Lungenkarzinom im nicht fortgeschrittenen Stadium (limited-stage small cell lung cancer, LS-SCLC), deren Erkrankung nach platinbasierten Radiochemotherapie nicht fortgeschritten ist
- Insgesamt gelangt der G-BA aufgrund des deutlichen Vorteils im Gesamtüberleben zu dem Ergebnis, dass für Durvalumab bei Erwachsenen mit kleinzelligem Lungenkarzinom im nicht fortgeschrittenen Stadium (LS-SCLC), deren Erkrankung nach einer platinbasierten Radiochemotherapie nicht fortgeschritten ist, ein beträchtlicher Zusatznutzen gegenüber Best-Supportive-Care vorliegt.
- Die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen wird in der vorliegenden Bewertung in die Kategorie „Hinweis“ eingestuft.
- Mortalität
- In der Studie ADRIATIC ist das Gesamtüberleben definiert als die Zeit (in Monaten) zwischen der Randomisierung und dem Tod aus jeglichem Grund.
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Durvalumab im Vergleich zu Best-Supportive-Care.
- Das Ausmaß der erzielten Verlängerung im Gesamtüberleben wird als eine deutliche Verbesserung gewertet.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben (Scheitern des kurativen Therapieansatzes)
- Die Patientinnen und Patienten im vorliegenden Anwendungsgebiet wurden mit simultaner Radiochemotherapie behandelt. In der Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms bei Erwachsenen im nicht fortgeschrittenen Stadium (LS-SCLC) stellt die simultane Radiochemotherapie einen kurativen Therapieansatz dar.
- Bleibt die Erkrankung bestehen oder tritt diese nach der Therapie erneut auf (Rezidiv), bedeutet dies, dass der kurative Therapieansatz gescheitert ist. Das Scheitern eines kurativen Therapieansatzes wird grundsätzlich als patientenrelevant betrachtet.
- Für die Studie ADRIATIC war kein Endpunkt vorgesehen, um konkret das Scheitern des kurativen Therapieansatzes zu erheben. Der pharmazeutische Unternehmer legt im Dossier die Daten zum progressionsfreien Überleben (PFS) vor und diskutiert die Patientenrelevanz im Kontext des kurativen Therapieansatzes.
- Aus Sicht des G-BA ist der Endpunkt PFS in der vorliegenden Situation nicht geeignet, das Scheitern des kurativen Therapieansatzes adäquat abzubilden. Das PFS war in der Studie ADRIATIC operationalisiert als die Zeit von Randomisierung bis zur Krankheitsprogression oder dem Tod jeglicher Ursache, je nachdem, welches Ereignis als erstes auftritt. Dementsprechend bildet das PFS nur Ereignisse ab, bei denen es im Laufe der Beobachtung zu einer Krankheitsprogression gekommen ist. Rezidive oder Ereignisse (über Progressionsereignisse hinaus) mit denen sich die Nicht-Erreichung einer Krankheitsfreiheit im Laufe der Beobachtung abbilden ließe, sind nicht Teil der Operationalisierung des PFS.
- Damit lässt keine hinreichende Beurteilung dahingehend vornehmen, ob und bei wie vielen Patientinnen und Patienten ein Scheitern des kurativen Therapieansatzes vorliegt. Der Endpunkt PFS wird für die vorliegende Bewertung nicht herangezogen. Die Ergebnisse werden im Beschluss nur ergänzend dargestellt.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde erhoben anhand des Fragebogens EORTC QLQ-C30 und operationalisiert als Zeit bis zur erstmaligen Verschlechterung um ≥ 10 Punkte herangezogen. Für die mittels EORTC QLQ-C30 erhobene gesundheitsbezogene Lebensqualität zeigt sich für die Endpunkte „globaler Gesundheitsstatus“, „Körperfunktion“, „Rollenfunktion“, „kognitive Funktion“, „emotionale Funktion“ und „soziale Funktion“ jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Insgesamt wird somit für die Endpunktkategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität weder ein Vor- noch ein Nachteil festgestellt.
- Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
- In der Studie ADRIATIC traten bei nahezu allen Patientinnen im Kontroll- und Interventions-Arm ein UE auf. Die Ergebnisse werden nur ergänzend dargestellt.
- Gesamtbewertung
- Für die Bewertung des Zusatznutzens von Durvalumab bei Erwachsenen mit kleinzelligem Lungenkarzinom im nicht fortgeschrittenen Stadium (LS-SCLC), deren Erkrankung nach platinbasierten Radiochemotherapie nicht fortgeschritten ist, liegen Ergebnisse zur Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogener Lebensqualität und Nebenwirkungen aus der randomisierten, multizentrischen, kontrollierten Studie ADRIATIC vor.
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Durvalumab im Vergleich zu Best-Supportive-Care. Insgesamt werden die Ergebnisse zum Gesamtüberleben als eine deutliche Verbesserung gewertet.
- In der Endpunktkategorie Morbidität wurde die Krankheitssymptomatik (EORTC QLQ-C30 und -LC13) und der Gesundheitszustand (EQ-5D VAS) erhoben. Hier zeigt sich insgesamt kein für die Nutzenbewertung relevanter Unterschied.
- Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität (EORTC QLQ-C30) wird weder ein Vor- noch ein Nachteil festgestellt.
- Zusammenfassend zeigen sich bei den Nebenwirkungen für Durvalumab im Detail Nachteile bei einzelnen spezifischen UEs, wobei die immunvermittelten UE zum Nachteil von Durvalumab niedrige absoluten Häufigkeiten aufweisen. Die Nachteile spiegeln sich nicht in den Gesamtratenraten zu den SUE, schwere UE und Abbruch wegen UE wider. Insgesamt wird für die Nebenwirkungen weder ein Vor- noch ein Nachteil bzw. kein für die Nutzenbewertung relevanter Unterschied von Durvalumab im Vergleich zu Best-Supportive-Care festgestellt.
- Insgesamt gelangt der G-BA aufgrund des deutlichen Vorteils im Gesamtüberleben zu dem Ergebnis, dass für Durvalumab bei Erwachsenen mit kleinzelligem Lungenkarzinom im nicht fortgeschrittenen Stadium (LS-SCLC), deren Erkrankung nach einer platinbasierten Radiochemotherapie nicht fortgeschritten ist, ein beträchtlicher Zusatznutzen gegenüber Best-Supportive-Care vorliegt.
Zugehörige Verfahren
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