Ibrutinib (9) – Imbruvica®
Chronische lymphatische Leukämie, Erstlinie, Kombination mit Venetoclax
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.02.2023 – Zulassung: 02.08.2022 |
|---|---|
| Beschluss | 20.07.2023 |
| Wirkstoff | Ibrutinib |
| Handelsname | Imbruvica® |
| Pharm. Unternehmer | Janssen-Cilag GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-911 |
| ATC-Code | L01EL01 BTK-Inhibitoren (L01EL) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C91.10Chronische lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ (CLL): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C91.11Chronische lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ (CLL): In kompletter Remission |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I25521CLL (Chronische lymphatische Leukämie), I31079CLL (Chronische lymphatische Leukämie) in kompletter Remission |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Chronische lymphatische Leukämie (CLL) |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Besonderheit | Kombinationstherapie |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
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Imbruvica in Kombination mit Venetoclax ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL). |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind | - Ibrutinib oder – Ibrutinib in Kombination mit Rituximab oder Obinutuzumab oder – Fludarabin in Kombination mit Cyclophosphamid und Rituximab [FCR] (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und < 65 Jahren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind) oder – Bendamustin in Kombination mit Rituximab (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und die entsprechend der obigen Kriterien nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind) oder – Chlorambucil in Kombination mit Rituximab oder Obinutuzumab (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und die entsprechend der obigen Kriterien nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind) |
| b) | Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind und Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) mit genetischen Risikofaktoren | - Ibrutinib oder – Ibrutinib in Kombination mit Rituximab oder Obinutuzumab oder – Fludarabin in Kombination mit Cyclophosphamid und Rituximab [FCR] (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und < 65 Jahren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind) oder – Bendamustin in Kombination mit Rituximab (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und die entsprechend der obigen Kriterien nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind) oder – Chlorambucil in Kombination mit Rituximab oder Obinutuzumab (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und die entsprechend der obigen Kriterien nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind) |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (GLOW) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Patienten-Eignung |
- Klinische Studien
- Bei der Studie GLOW handelt es sich um eine seit April 2018 laufende, offene, multizentrische randomisierte, kontrollierte Phase III-Studie, in welcher Ibrutinib + Venetoclax mit Chlorambucil + Obinutuzumab verglichen wurde.
a) Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- In der Gesamtschau wird für Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax für erwachsene Patientinnen und Patienten mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind, kein Zusatznutzen gegenüber Chlorambucil in Kombination mit Obinutuzumab festgestellt.
- Mortalität
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax gegenüber Chlorambucil in Kombination mit Obinutuzumab.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben
- Unter Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax ist das PFS im Vergleich zu Chlorambucil in Kombination mit Obinutuzumab statistisch signifikant verlängert.
- Aus den vorliegenden Daten der Studie GLOW geht nicht hervor, dass das unter Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax verlängerte PFS mit einer Verbesserung der Morbidität (Symptomatik, Gesundheitszustand) oder Lebensqualität verbunden ist. Die Ergebnisse zum Endpunkt PFS werden deshalb in der vorliegenden Bewertung nicht herangezogen.
- Morbidität - Symptomatik
- Die Symptomatik wurde in der Studie GLOW mittels der Symptomskalen des EORTC QLQ-C30 und der FACIT-Fatigue erhoben.
- Für den Endpunkt Diarrhö, erhoben anhand des EORTC QLQ-C30, ergibt sich ein Nachteil für Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax.
- Für die anderen Endpunkte ergibt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Insgesamt werden hinsichtlich der Symptomatik weder positive noch negative Effekte für Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax abgeleitet.
- Morbidität - Gesundheitszustand
- Der Gesundheitszustand wird in der Studie GLOW mittels der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D erhoben.
- Für den Endpunkt Gesundheitszustand zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse der Symptomatik sowie des Gesundheitszustands wird insgesamt kein für die Nutzenbewertung relevanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen festgestellt.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten in der Studie GLOW wird mittels der Funktionsskalen des Fragebogen EORTC QLQ-C30 erhoben.
- Es zeigt sich für keine der Skalen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse zeigen sich hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität weder positive noch negative Effekte für Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax.
- Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse gesamt
- Bei allen Teilnehmenden der Studie GLOW traten unerwünschte Ereignisse auf. Die Ergebnisse zu dem Endpunkt „Unerwünschte Ereignisse gesamt“ werden nur ergänzend dargestellt.
- Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE (SUE), schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3), Therapieabbruch aufgrund von UE
- Für die Endpunkte SUE, schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbruch aufgrund von UE zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
- Nebenwirkungen - Spezifische UE
- Für die Endpunkte Blutungen (UE), Blutungen (schwere UE) Herzerkrankungen (schwere UE), Infektionen und parasitäre Erkrankungen (schwere UE) zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Für den Endpunkt Reaktion im Zusammenhang mit einer Infusion ist die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegte Auswertung für die Bewertung des Zusatznutzens nicht geeignet, schwerwiegende und schwere Infusionsreaktionen werden jedoch in den Gesamtraten der SUE und schweren UE berücksichtigt.
- In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse zu den Nebenwirkungen liegt für Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax weder ein Vor- noch ein Nachteil vor.
- Gesamtbewertung
- Für die Bewertung des Zusatznutzens von Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax liegen aus der Studie GLOW Ergebnisse im Vergleich zu Chlorambucil in Kombination mit Obinutuzumab zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und den Nebenwirkungen vor.
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax gegenüber Chlorambucil in Kombination mit Obinutuzumab.
- Bezüglich der Symptomatik (erhoben mittels EORTC QLQ-C30 und FACIT-Fatigue) sowie für den Gesundheitszustand (erhoben mittels EQ5D-VAS) wird insgesamt kein für die Nutzenbewertung relevanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen festgestellt.
- Hinsichtlich der Endpunktkategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität (erhoben mittels EORTC QLQ-C30) ergeben sich weder positive noch negative Effekte für Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax.
- Für die Endpunktkategorie Nebenwirkungen liegt für Ibrutinib in Kombination mit Venetoclax weder ein Vor- noch ein Nachteil vor.
- Vor dem Hintergrund der geringen Anzahl von Patientinnen und Patienten in der relevanten Teilpopulation liegt insgesamt eine geringe Präzision der Ergebnisse zu den Endpunkten vor.
b) Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind und Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) mit genetischen Risikofaktoren
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Für Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind und für Erwachsene mit genetischen Risikofaktoren legt der pharmazeutischen Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor. Somit ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
Zugehörige Verfahren
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