Trastuzumab deruxtecan (4) – Enhertu®

Mammakarzinom, HER2-low, vorbehandelt

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.02.2023 – Zulassung: 23.01.2023
Beschluss 20.07.2023
Wirkstoff Trastuzumab deruxtecan
Handelsname Enhertu®
Pharm. Unternehmer Daiichi Sankyo Deutschland GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-905
ATC-Code L01FD04 HER2-Inhibitoren (L01FD)
ICD-10 Codes (AIS) C50.0Bösartige Neubildung: Brustwarze und Warzenhof, C50.1Bösartige Neubildung: Zentraler Drüsenkörper der Brustdrüse, C50.2Bösartige Neubildung: Oberer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.3Bösartige Neubildung: Unterer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.4Bösartige Neubildung: Oberer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.5Bösartige Neubildung: Unterer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.6Bösartige Neubildung: Recessus axillaris der Brustdrüse, C50.8Bösartige Neubildung: Brustdrüse, mehrere Teilbereiche überlappend, C50.9Bösartige Neubildung: Brustdrüse, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I102868Bösartige Neubildung der äußeren 2 Quadranten der Brustdrüse, I102970Bösartige Neubildung des oberen inneren Quadranten der Brustdrüse, I102971Bösartige Neubildung des unteren inneren Quadranten der Brustdrüse, I102972Bösartige Neubildung des oberen äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102973Bösartige Neubildung des unteren äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102998Bösartige Neubildung des zentralen Drüsenkörpers der Brustdrüse, I102999Bösartige Neubildung des Recessus axillaris der Brustdrüse, I111628Bösartige Neubildung der Brustwarze und des Warzenhofes, I18060Metastasierendes Mammakarzinom
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom / Brustkrebs (BC)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Regulatorischer Status Bedingte Zulassung (CMA)
Besonderheit Bundling Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Enhertu wird angewendet als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit inoperablem oder metastasiertem HER2-low-Brustkrebs, die bereits eine Chemotherapie in der metastasierten Situation erhalten haben oder bei denen während oder innerhalb von 6 Monaten nach Beendigung der adjuvanten Chemotherapie ein Rezidiv aufgetreten ist. Anwendungsgebiet des Beschlusses (Beschluss vom 20. Juli 2023):

Siehe neues Anwendungsgebiet laut Zulassung.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit inoperablem oder metastasiertem HER2-low-Brustkrebs, die bereits eine Chemotherapie in der metastasierten Situation erhalten haben oder bei denen während oder innerhalb von 6 Monaten nach Beendigung der adjuvanten Chemotherapie ein Rezidiv aufgetreten ist - Capecitabin oder – Eribulin oder – Vinorelbin oder – eine Anthrazyklin- oder Taxan-haltige Therapie (nur für Patientinnen und Patienten, die noch keine Anthrazyklin- und/oder Taxan-haltige Therapie erhalten haben oder die für eine erneute Anthrazyklin- oder Taxan-haltige Behandlung infrage kommen.)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (DESTINY-Breast04)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • DESTINY-Breast04 ist eine multizentrische, offene, randomisierte kontrollierte Studie, in der Trastuzumab-Deruxtecan mit einer Therapie nach ärztlicher Maßgabe unter Auswahl von Capecitabin, Eribulin, Gemcitabin, Paclitaxel oder Nab-Paclitaxel verglichen wird.

Erwachsene mit inoperablem oder metastasiertem HER2-low-Brustkrebs, die bereits eine Chemotherapie in der metastasierten Situation erhalten haben oder bei denen während oder innerhalb von 6 Monaten nach Beendigung der adjuvanten Chemotherapie ein Rezidiv aufgetreten ist

  • Im Ergebnis stellt der G-BA insbesondere aufgrund der deutlichen positiven Effekte auf die Verlängerung der Überlebensdauer und in Anbetracht der Vorteile hinsichtlich der Lebensqualität und der Nebenwirkungen für Trastuzumab-Deruxtecan einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber Capecitabin, Eribulin, Paclitaxel oder Nab-Paclitaxel fest.
  • Somit wird die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen in die Kategorie „Hinweis“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigte sich bezogen auf die relevante Teilpopulation eine statistisch signifikante Verlängerung der Überlebenszeit durch eine Behandlung mit Trastuzumab-Deruxtecan gegenüber Capecitabin, Eribulin, Paclitaxel oder Nab-Paclitaxel, deren Ausmaß als eine deutliche Verbesserung bewertet wird.
    • Für diesen Endpunkt lag eine Effektmodifikation durch das Merkmal „Viszerale Erkrankung (ja/nein)“ vor. Dabei zeigte sich sowohl für die Patientinnen und Patienten mit viszeraler Erkrankung als auch für diejenigen ohne viszerale Erkrankung jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Trastuzumab-Deruxtecan.
    • In der Gesamtbetrachtung der vorliegenden Ergebnisse aus der Studie DESTINY-Breast04 wird diese Effektmodifikation durch das Merkmal „Viszerale Erkrankung“ als nicht hinreichend angesehen, um entsprechend getrennte Aussagen zum Zusatznutzen in der Gesamtbewertung abzuleiten.
  • Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
    • Bezogen auf die relevante Teilpopulation zeigte sich ein statistisch signifikant verlängertes PFS zugunsten von Trastuzumab-Deruxtecan gegenüber Capecitabin, Eribulin, Paclitaxel oder Nab-Paclitaxel.
    • Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt. Die Endpunktkomponente „Mortalität“ wird bereits über den Endpunkt „Gesamtüberleben“ als eigenständiger Endpunkt erhoben. Die Erhebung der Morbiditätskomponente „Krankheitsprogression“ erfolgt nicht symptombezogen, sondern ausschließlich mittels bildgebender Verfahren (radiologisch bestimmte Krankheitsprogression nach den RECIST 1.1-Kriterien). Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA. Die Gesamtaussage zum Ausmaß des Zusatznutzens bleibt davon unberührt.
  • Morbidität - Symptomatik
    • Bei der Analyse zur Zeit bis zur erstmaligen Verschlechterung um ≥ 10 Punkte zeigte sich bezogen auf die relevante Teilpopulation für die Endpunkte Schmerzen und Schlaflosigkeit jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Trastuzumab-Deruxtecan.
    • Für die Endpunkte Übelkeit und Erbrechen sowie Diarrhö zeigten sich jeweils statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen zum Nachteil von Trastuzumab-Deruxtecan.
    • Für den Endpunkt Belastung durch Haarausfall liegen keine geeigneten Daten vor. Für alle weiteren Endpunkte zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • In der Gesamtschau der Ergebnisse wird hinsichtlich der Symptomatik kein überwiegender Vor- oder Nachteil festgestellt.
  • Morbidität - Gesundheitszustand
    • Für den Endpunkt Gesundheitszustand zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Hinsichtlich des Gesundheitszustandes liegen somit weder positive noch negative Effekte von Trastuzumab-Deruxtecan vor.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Bei der Analyse zur Zeit bis zur erstmaligen Verschlechterung um ≥ 10 Punkte zeigte sich bezogen auf die relevante Teilpopulation für die Endpunkte körperliche Funktion, kognitive Funktion, soziale Funktion und Körperbild jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Trastuzumab-Deruxtecan.
    • Für den Endpunkt Freude am Sex liegen keine geeigneten Daten vor. Für alle weiteren Endpunkte zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Insgesamt liegen in Bezug auf die Lebensqualität Vorteile für Trastuzumab-Deruxtecan vor.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE)
    • Für die schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse zeigte sich bezogen auf die relevante Teilpopulation ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Trastuzumab-Deruxtecan.
  • Nebenwirkungen - Schwere UE (CTCAE Grad ≥ 3)
    • Für die schweren unerwünschten Ereignisse mit CTCAE-Grad ≥ 3 zeigte sich bezogen auf die relevante Teilpopulation ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Trastuzumab-Deruxtecan.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen UE
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UE lag kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen vor.
  • Gesamtbewertung
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich eine statistisch signifikante Verlängerung der Überlebenszeit durch eine Behandlung mit Trastuzumab-Deruxtecan gegenüber Capecitabin, Eribulin, Paclitaxel oder Nab-Paclitaxel, die als eine deutliche Verbesserung bewertet wird.
    • Hinsichtlich der Symptomatik (erhoben mittels EORTC QLQ-C30 und -BR23) wird in der Gesamtschau der Ergebnisse kein überwiegender Vor- oder Nachteil von Trastuzumab-Deruxtecan festgestellt. Hinsichtlich des Gesundheitszustands (erhoben mittels EQ-5D VAS) zeigen sich weder positive noch negative Effekte.
    • In Bezug auf die Lebensqualität (erhoben mittels EORTC QLQ-C30 und -BR23) liegen Vorteile für Trastuzumab-Deruxtecan gegenüber Capecitabin, Eribulin, Paclitaxel oder Nab-Paclitaxel vor.
    • Bei den Nebenwirkungen zeigen sich Vorteile von Trastuzumab-Deruxtecan bei den schwerwiegenden UE und den schweren UE. In Bezug auf die Therapieabbrüche aufgrund von UE liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen vor. Im Detail zeigen sich bei den spezifischen UE sowohl Vor- als auch Nachteile von Trastuzumab-Deruxtecan.
    • In der Gesamtbetrachtung kommt der G-BA zu dem Ergebnis, dass insbesondere aufgrund der deutlichen positiven Effekte auf die Verlängerung der Überlebensdauer und in Anbetracht der Vorteile hinsichtlich der Lebensqualität und der Nebenwirkungen für Trastuzumab-Deruxtecan in der Behandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit inoperablem oder metastasiertem HER2-low-Brustkrebs, die bereits eine Chemotherapie in der metastasierten Situation erhalten haben oder bei denen während oder innerhalb von 6 Monaten nach Beendigung der adjuvanten Chemotherapie ein Rezidiv aufgetreten ist, ein beträchtlicher Zusatznutzen gegenüber Capecitabin, Eribulin, Paclitaxel oder Nab-Paclitaxel vorliegt.

Zugehörige Verfahren

Trastuzumab deruxtecan (7) Enhertu® Daiichi Sankyo Deutschland GmbH Onkologische Erkrankungen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, HER2+, nach Trastuzumab-basierter Therapie 360–600 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen
Trastuzumab deruxtecan (6) Enhertu® Daiichi Sankyo Deutschland GmbH Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom, HR+, HER2-low oder -ultralow, nach mind. 1 endokrinen Therapie 1.615–6.200 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Trastuzumab deruxtecan (5) Enhertu® Daiichi Sankyo Deutschland GmbH Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, HER2(ERBB2)-Mutation, vorbehandelt 75–219 100% Zusatznutzen nicht belegt
Trastuzumab deruxtecan (3) Enhertu® Daiichi Sankyo Deutschland GmbH Onkologische Erkrankungen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, HER2-positiv, nach Trastuzumab-basierter Therapie 110–170
470–770
100% Zusatznutzen nicht belegt Patientengruppen aufgehoben
Trastuzumab deruxtecan (4) Enhertu® Daiichi Sankyo Deutschland GmbH Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom, HER2-low, vorbehandelt 1.350–4.700 100% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen
Trastuzumab deruxtecan (1) Enhertu® Daiichi Sankyo Deutschland GmbH Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom, HER2+, nach 1 Vortherapie 3.370–3.750 100% Hinweis auf nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen
Trastuzumab deruxtecan (2) Enhertu® Daiichi Sankyo Deutschland GmbH Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom, HER2+, mind. 2 Vortherapien 1.350–1.640 100% Hinweis auf beträchtlicher Zusatznutzen
Start verschoben Trastuzumab deruxtecan (8) Enhertu® Daiichi Sankyo Deutschland GmbH Onkologische Erkrankungen Solide Tumore, HER2+ (IHC3+), vorbehandelt n.d. laufendes Verfahren


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