Osimertinib (3) – Tagrisso®
Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, Erstlinie
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.07.2018 – Zulassung: 07.06.2018 |
|---|---|
| Beschluss | 17.01.2019 |
| Wirkstoff | Osimertinib |
| Handelsname | Tagrisso® |
| Pharm. Unternehmer |
Dossier: AstraZeneca GmbH
Neuer Inverkehrbringer: AstraZeneca GmbH GB Spezialvertrieb |
| G-BA Vorgangsnummer | D-369 |
| ATC-Code | L01EB04 EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren (L01EB) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C34.0Bösartige Neubildung: Hauptbronchus, C34.1Bösartige Neubildung: Oberlappen (-Bronchus), C34.2Bösartige Neubildung: Mittellappen (-Bronchus), C34.3Bösartige Neubildung: Unterlappen (-Bronchus), C34.8Bösartige Neubildung: Bronchus und Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend, C34.9Bösartige Neubildung: Bronchus oder Lunge, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I111155Karzinom des Oberlappenbronchus, I116693Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom, I24595Karzinom des Hauptbronchus, I30015Lungenkarzinom des Mittellappens, I30021Lungenkarzinom des Unterlappens, I30022Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend |
| DDD Tagesdosis | 80 mg oral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Regulatorischer Status | Bedingte Zulassung (CMA) Beschleunigtes Verfahren (AA) |
| Besonderheit | ZVT-Änderung Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
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TAGRISSO® ist als Monotherapie angezeigt zur Erstlinientherapie von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden Mutationen des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (Epidermal Growth Factor Receptor, EGFR). Hinweis: Der vorliegende Beschluss bezieht sich nicht auf Patienten mit einer de novo T790M-Mutation des EGFR. Diese Patienten waren bereits vor der Zulassung des neuen Anwendungsgebietes vom Anwendungsgebiet umfasst (siehe Beschluss über die Nutzenbewertung von Osimertinib vom 15. September 2016). |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Erwachsene Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit den aktivierenden EGFR-Mutationen L858R oder del 19 | Afatinib oder Gefitinib oder Erlotinib |
| b) | Erwachsene Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit anderen aktivierenden EGFR-Mutationen als L858R oder del 19 (außer de novo T790M) | Patientenindividuelle Therapie: Afatinib, Gefitinib, Erlotinib oder Cisplatin in Kombination mit einem Drittgenerationszytostatikum (Vinorelbin oder Gemcitabin oder Docetaxel oder Paclitaxel oder Pemetrexed, oder Carboplatin in Kombination mit einem Drittgenerationszytostatikum (Vinorelbin oder Gemcitabin oder Docetaxel oder Paclitaxel oder Pemetrexed) oder Carboplatin in Kombination mit nab-Paclitaxel oder Monotherapie mit Gemcitabin oder Vinorelbin |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (FLAURA) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Genetik/Mutationstyp |
| ZVT-Änderung | 08.01.2018 – Zulassung, positive Opinion (EMA) |
- Klinische Studien
- FLAURA ist eine multizentrische, doppelblinde randomisierte kontrollierte Studie, in der Osimertinib mit Erlotinib oder Gefitinib verglichen wird.
a) Erwachsene Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit den aktivierenden EGFR-Mutationen L858R oder del 19
- Es liegt ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen vor.
- Im Ergebnis wird für Osimertinib zur Erstlinientherapie von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit den aktivierenden EGFR-Mutationen L858R oder del 19 ein beträchtlicher Zusatznutzen gegenüber Erlotinib und Gefitinib festgestellt.
- Zusammenfassend kann aufgrund der beschriebenen Unsicherheiten auf Endpunktebene hinsichtlich der Aussagesicherheit (Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens) maximal ein Anhaltspunkt für den festgestellten Zusatznutzen abgeleitet werden.
- Mortalität
- Das Gesamtüberleben war in der Studie FLAURA als die Zeit zwischen Randomisierung und Tod, ungeachtet der zugrundeliegenden Todesursache, definiert.
- Für das Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Osimertinib zwischen beiden Behandlungsarmen (Hazard Ratio (HR): 0,63 [95%- Konfidenzintervall (KI): 0,45; 0,88]; p- Wert = 0,006).
- Die Ergebnisse zum Endpunkt Gesamtüberleben basieren jedoch auf einer geringen Anzahl von Todesereignissen, die Aussagekraft ist deshalb limitiert.
- Für die Endpunktkategorie Mortalität ergibt sich auf Grundlage der verfügbaren Ergebnisse ein Zusatznutzen von Osimertinib im Vergleich zu Gefitinib und Erlotinib.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
- Für das Progressionsfreie Überleben (PFS) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Osimertinib (HR = 0,46 [0,37; 0,57], p-Wert < 0,001). Das mediane PFS bei Patienten im Osimertinib-Arm lag bei 18,9 Monaten und bei Patienten im Vergleichsarm bei 10,2 Monaten, woraus sich eine absolute Differenz von 8,7 Monaten ergibt.
- Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt.
- Die Erhebung der Morbiditätskomponente erfolgte nicht symptombezogen, sondern ausschließlich mittels bildgebenden Verfahren (nach RECIST 1.1).
- Morbidität - Symptomatik
- Für die Erfassung der Symptomatik wurden in der FLAURA -Studie die Symptomskalen der Fragebögen EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-LC13 eingesetzt.
- Für die Endpunkte Übelkeit und Erbrechen sowie Hämoptyse der EORTC-QLQ-C30-Symptomskala sowie für den Endpunkt Alopezie der EORTC-QLQ-C13-Symptomskala zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede zugunsten von Osimertinib.
- Nur bei dem Endpunkt Alopezie beim EORTC-QLQ-LC13 zeigt sich jedoch ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Osimertinib, bei dem sich das Konfidenzintervall des Hedges’ g vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs befindet und somit ein relevanter Effekt vorliegt (Mittelwertdifferenz = −5,18 [−7,33; −3,03]; p < 0,001 und einem Hedges’ g: −0,42 [−0,60; −0,25]).
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Für die Endpunkte kognitive Funktion, emotionale Funktion, soziale Funktion der EORTC-QLQ-C30-Funktionskalen zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede zugunsten von Osimertinib.
- Da jedoch die entsprechenden Konfidenzintervalle des Hedges’ g nicht vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs liegen, liegt kein relevanter Effekt vor.
- Nebenwirkungen
- Unerwünschte Ereignisse (UE) traten in beiden Studienarmen nahezu bei jedem Patienten mindestens einmal auf.
- Für die Endpunkte „schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE)“ sind keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vorhanden.
- Jedoch sind zugunsten von Osimertinib für schwere UE (CTCAE Grad ≥ 3) und Therapieabbrüche wegen UE statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vorhanden.
- Für den Endpunkt schwere UEs (CTCAE-Grad ≥ 3) zeigt sich eine statistisch signifikante Effektmodifikation durch das Merkmal Geschlecht zugunsten der Männer, wohingegen sich für Frauen kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zeigt.
- Statistisch signifikante Unterschiede zugunsten von Osimertinib im Vergleich zum Kontrollarm zeigen sich auch für bestimmte spezifische unerwünschte Ereignisse: Für die Endpunkte „Alaninaminotransferase erhöht (CTCAE-Grad ≥ 3)“, „Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes (CTCAE-Grad ≥ 3)“ und „Dermatitis akneiform“.
- Insgesamt liegen somit in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen ausschließlich statistisch signifikante Vorteile zugunsten von Osimertinib vor.
- Gesamtbewertung
- Osimertinib führt im Vergleich zu Erlotinib und Gefitinib zu einer deutlichen Verlängerung des Gesamtüberlebens.
- Vorteile von Osimertinib gegenüber Erlotinib und Gefitinib können außerdem hinsichtlich der Morbidität für den Endpunkt Alopezie festgestellt werden.
- Zu keiner anderen Subskala der verwendeten Messinstrumente zeigen sich relevante Unterschiede für die Endpunktkategorien Morbidität und gesundheitsbezogene Lebensqualität.
- Im Vergleich zu Erlotinib und Gefitinib führt Osimertinib zu einer deutlichen Verringerung von schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3). Weitere statistisch signifikante Unterschiede zugunsten von Osimertinib liegen auch bei den Abbrüchen wegen UEs sowie bei bestimmten spezifischen UE („Alaninaminotransferase erhöht (CTCAE-Grad ≥ 3)“, „Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes (CTCAE-Grad ≥ 3)“ und „Dermatitis akneiform“) vor.
b) Erwachsene Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit anderen aktivierenden EGFR-Mutationen als L858R oder del 19 (außer de novo T790M)
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- In seinem Dossier legt der pharmazeutische Unternehmer keine Daten für diese Patientengruppe vor. Ein Zusatznutzen ist für diese Patientengruppe daher nicht belegt.
- Da in der Studie FLAURA nur Patienten mit den EGFR-Mutationen L858R oder del 19 eingeschlossen wurden, liegen für Patienten mit anderen aktivierenden EGFR-Mutationen keine Daten vor.
Zugehörige Verfahren
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