Ramucirumab (5) – Cyramza®
Hepatozelluläres Karzinom
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.09.2019 – Zulassung: 01.08.2019 |
|---|---|
| Beschluss | 20.02.2020 |
| Wirkstoff | Ramucirumab |
| Handelsname | Cyramza® |
| Pharm. Unternehmer | Lilly Deutschland GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-474 |
| ATC-Code | L01FG02 VEGF/VEGFR-Inhibitoren (L01FG) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C22.0Leberzellkarzinom |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I24287Hepatozelluläres Karzinom |
| DDD Tagesdosis | 40 mg parenteral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Hepatozelluläres Karzinom / Leberzellkarzinom (HCC) |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
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Cyramza ist als Monotherapie indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem hepatozellulärem Karzinom, die ein Serum-Alpha-Fetoprotein (AFP) von ≥ 400 ng/ml aufweisen und die zuvor mit Sorafenib behandelt wurden. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem hepatozellulärem Karzinom ohne kurative Therapieintention und für die eine lokoregionäre Therapie nicht in Frage kommt, die ein Serum-Alpha-Fetoprotein (AFP) von ≥ 400 ng/ml aufweisen und die zuvor mit Sorafenib behandelt wurden | Best-Supportive-Care oder Cabozantinib |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
2 (Reach-1, Reach-2) |
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
ja |
- Klinische Studien
- Beide Studien sind randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde, multizentrische Studien, in denen jeweils eine Behandlung mit Ramucirumab + BSC mit einer Behandlung von Placebo + BSC verglichen wurde.
- In die vorliegende Nutzenbewertung wurden eine Teilpopulation der Studie REACH und die gesamte REACH-2 Studie in Form einer Metaanalyse eingeschlossen.
Erwachsene Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem hepatozellulärem Karzinom ohne kurative Therapieintention und für die eine lokoregionäre Therapie nicht in Frage kommt, die ein Serum-Alpha-Fetoprotein (AFP) von ≥ 400 ng/ml aufweisen und die zuvor mit Sorafenib behandelt wurden
- In der Gesamtschau wird ein Beleg für einen geringen Zusatznutzen für Ramucirumab + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC in der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem hepatozellulärem Karzinom, die ein Serum-Alpha-Fetoprotein (AFP) von ≥ 400 ng/ml aufweisen und die zuvor mit Sorafenib behandelt wurden, abgeleitet.
- Somit wird die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen in die Kategorie „Beleg“ eingestuft.
- Mortalität
- Für das Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Ramucirumab + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC (Hazard Ratio (HR): 0,69 [95 %-Konfidenzintervall (KI): 0,57; 0,84]; p-Wert <0,001).
- Im Median war das Gesamtüberleben im Interventionsarm gegenüber dem Kontrollarm um 3,05 Monate verlängert (8,08 vs. 5,03 Monate im Median). Dies wird als geringe Verlängerung des Gesamtüberlebens bewertet.
- Somit ergibt sich für diesen Endpunkt ein Zusatznutzen, welcher in seinem Ausmaß als gering gewertet wird.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
- Die Ereigniszeitanalyse zum PFS in der gepoolten Patientenpopulation (Patienten der Teilpopulation AFP ≥ 400 ng/ml aus der REACH-Studie und alle Patienten aus der REACH-2 Studie) ergab einen statistisch signifikanten Unterschied zugunsten von Ramucirumab + BSC gegenüber Placebo + BSC (stratifiziertes HR: 0,572; [95% KI: 0,472; 0,694]; p-Wert < 0,0001).
- Das PFS war für Patienten im Ramucirumab+BSC-Arm (2,8 Monate) im Vergleich zu Patienten im Placebo+BSC-Arm (1,5 Monate) im Median um 1,3 Monate verlängert.
- Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt.
- Die Gesamtaussage zum Ausmaß des Zusatznutzens bleibt davon unberührt.
- Morbidität - Gesundheitszustand (erhoben mittels EQ-5D VAS)
- In den Studien REACH und REACH-2 wurde der Gesundheitszustand über den EQ-5D anhand der visuellen Analogskala (VAS) erhoben.
- Die Responderanalysen der gepoolten Auswertungen zeigen auf der Basis einer MID von 7 mm einen statistisch signifikanten, im Ausmaß jedoch geringen Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zugunsten von Ramucirumab + BSC gegenüber Placebo + BSC; auf Basis einer MID von 10 mm zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied.
- Diese Ergebnisse werden als nicht hinreichend bewertet, um für den Endpunkt Gesundheitszustand mit der erforderlichen Sicherheit einen Vorteil im Nutzen ableiten zu können.
- Morbidität - Symptomatik (erhoben mittels FHSI-8)
- Für die Nutzenbewertung legte der pharmazeutische Unternehmer Responderanalysen mit unterschiedlichen Responsekriterien vor: Verschlechterung um ≥ 3 Punkte (Sensitivitätsanalysen für ≥ 2 und ≥ 4 Punkte) sowie eine im Stellungnahmeverfahren eingereichte Responderanalyse mit einem Responsekriterium von ≥ 5 Punkten.
- Für das Responsekriterium von ≥ 5 Punkten zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Ramucirumab + BSC gegenüber Placebo + BSC.
- Lebensqualität
- Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in den Studien REACH und REACH-2 nicht mit geeigneten Instrumenten erhoben.
- Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
- Die Gesamtrate der UEs wird nur ergänzend dargestellt, da in der Operationalisierung der Nebenwirkungen auch Ereignisse abgebildet sind, die nicht patientenrelevant sind.
- Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE, schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3), Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse
- Für die Nutzenbewertung liegen für die Endpunkte schwerwiegende UEs, schwere UEs (CTCAE-Grad ≥ 3) und Abbruch wegen UEs Ereigniszeitanalysen vor.
- Für die benannten Endpunkte zeigt sich in der Metaanalyse jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Es ergibt sich jeweils kein Anhaltspunkt für einen höheren oder geringeren Schaden von Ramucirumab + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC.
- Ein Zusatznutzen ist somit nicht belegt.
- Nebenwirkungen - Spezifische unerwünschte Ereignisse
- Bezüglich spezifischer UE zeigen die jeweiligen Ereignisraten und Kaplan-Meier-Kurven für die spezifischen UE „Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts“, „Hyperbilirubinämie“ und „Untersuchungen“, dass diese UEs im Ramucirumab + BSC-Arm seltener und später auftreten als im Placebo + BSC-Arm.
- Es ergibt sich jeweils ein Hinweis auf einen geringeren Schaden von Ramucirumab + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC.
- Die spezifischen UE „Periphere Ödeme“, „Kopfschmerzen“ und „Hypertonie“ treten dagegen im Ramucirumab + BSC-Arm häufiger und früher auf als im Placebo + BSC-Arm.
- Daraus ergibt sich jeweils ein Hinweis auf einen höheren Schaden von Ramucirumab + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC.
- Gesamtbewertung
- Für das Gesamtüberleben zeigt sich in der Metaanalyse ein Vorteil von Ramucirumab + BSC gegenüber Placebo + BSC, welcher in seinem Ausmaß als gering eingestuft wird.
- In der Kategorie Morbidität zeigte sich für den Endpunkt Symptomatik (gemessen über den FHSI-8) ein statistisch signifikanter und als klinisch relevant bewerteter Effekt zugunsten von Ramucirumab + BSC.
- Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität liegen aus den Studien REACH und REACH-2 keine geeigneten Daten vor.
- In der Gesamtschau der Ergebnisse zu Nebenwirkungen liegen statistisch signifikante Unterschiede bei den spezifischen unerwünschten Ereignissen vor. Bei diesen zeigen sich positive und negative Effekte von Ramucirumab + BSC gegenüber Placebo + BSC.
- In der Gesamtbetrachtung aller Endpunkte wird in der Kategorie Nebenwirkungen weder ein Vorteil noch ein Nachteil von Ramucirumab + BSC gegenüber Placebo + BSC festgestellt.
- In der Gesamtbewertung gelangt der G-BA zu dem Ergebnis, dass für Ramucirumab + BSC in der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem oder inoperablem hepatozellulärem Karzinom, die ein Serum-Alpha-Fetoprotein (AFP) von ≥ 400 ng/ml aufweisen und die zuvor mit Sorafenib behandelt wurden, ein geringer Zusatznutzen im Vergleich zu Placebo + BSC festgestellt wird.
Zugehörige Verfahren
| Ramucirumab (6) | Cyramza® | Lilly Deutschland GmbH | Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, EGFR-Mutation, Erstlinie | 780–1.810 | 100% Zusatznutzen nicht belegt | |
| Ramucirumab (5) | Cyramza® | Lilly Deutschland GmbH | Hepatozelluläres Karzinom | 500–2.200 | 100% Beleg für geringer Zusatznutzen | |
| Ramucirumab (4) | Cyramza® | Lilly Deutschland GmbH | Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs; Kombination mit Paclitaxel | 5.900–7.900 | 50% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen | |
| Ramucirumab (2) | Cyramza® | Lilly Deutschland GmbH | Kolorektalkarzinom | 2.900–7.300 | 100% Zusatznutzen nicht belegt | |
| Ramucirumab (3) | Cyramza® | Lilly Deutschland GmbH | Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom | 5.900–15.400 | 100% Zusatznutzen nicht belegt | |
| Ramucirumab (1) | Cyramza® | Lilly Deutschland GmbH | Magenkrebs |
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5.900–7.900 |
100% geringer Zusatznutzen Orphan aufgehoben |
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