Mepolizumab (5) – Nucala®

Hypereosinophiles Syndrom

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.12.2021 – Zulassung: 12.11.2021
Beschluss 19.05.2022
Wirkstoff Mepolizumab
Handelsname Nucala®
Pharm. Unternehmer GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
G-BA Vorgangsnummer D-748
ATC-Code R03DX09 Andere Mittel bei obstruktiven Atemwegserkrankungen zur systemischen Anwendung (R03DX)
ICD-10 Codes (AIS) D47.5Chronische Eosinophilen-Leukämie (Hypereosinophiles Syndrom), D72.1Eosinophilie
Alpha-ID Codes (AIS) I112010Hypereosinophilie, I127509Idiopathisches hypereosinophiles Syndrom
DDD Tagesdosis 3.6 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Hypereosinophiles Syndrom (HES)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Besonderheit Bundling ZVT-Änderung Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Nucala ist angezeigt als Zusatzbehandlung bei erwachsenen Patienten mit unzureichend kontrolliertem hypereosinophilem Syndrom ohne erkennbare, nicht-hämatologische sekundäre Ursache.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit unzureichend kontrolliertem hypereosinophilem Syndrom ohne erkennbare, nicht-hämatologische sekundäre Ursache Therapie nach ärztlicher Maßgabe

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (200622)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
ZVT-Änderung 23.11.2021 – Änderung der Leitlinien

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie 200622 handelt es sich um eine randomisierte, doppelblinde Studie, in der Mepolizumab mit Placebo, jeweils zusätzlich zu einer Standardtherapie zur Behandlung des HES, verglichen wurde.

Erwachsene mit unzureichend kontrolliertem hypereosinophilem Syndrom ohne erkennbare, nicht-hämatologische sekundäre Ursache

  • Für Mepolizumab als Zusatzbehandlung bei erwachsenen Patienten mit unzureichend kontrolliertem hypereosinophilem Syndrom ohne erkennbare, nicht-hämatologische sekundäre Ursache, liegt ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen vor.
  • In der Gesamtschau wird ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen festgestellt.
  • Mortalität
    • In der Studie 200622 trat bis Woche 32 ein Todesfall im Mepolizumab-Arm auf.
    • Das Ergebnis ist statistisch nicht signifikant.
  • Morbidität - Klinisch manifestierte HES-Schübe
    • Für die vorliegende Nutzenbewertung werden Auswertungen zum Anteil der Patientinnen und Patienten mit ≥ 1 klinisch manifestiertem HES-Schub herangezogen, da diese Ereignisse mit einer für die Patientinnen und Patienten spürbaren Symptomatik einhergehen.
    • Es zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Mepolizumab gegenüber Placebo, jeweils in Kombination mit einer Standardtherapie.
  • Morbidität - Fatigue: Brief Fatigue Inventory (BFI)
    • Fatigue wurde in der Studie 200622 mittels BFI Item 3 (stärkste Fatigue) und mittels BFI-Gesamtscore (Intensität der Fatigue / Beeinträchtigung durch Fatigue) erhoben.
    • Für den Endpunkt Fatigue zeigten sich zu Woche 32 keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Schwere der HES-Symptome (HES-DS)
    • In der Studie 200622 wurde die Schwere der Symptomatik für verschiedene Organsysteme über ein elektronisches Tagebuch (HES-DS) erhoben.
    • Muskel-/ Gelenkschmerzen; Symptome der Nase oder Nasennebenhöhle; Hautsymptome
    • Auf Basis der Mittelwertdifferenzen zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsarmen.
    • Schüttelfrost oder Schweißausbrüche; Bauchschmerzen oder Blähungen; Atemsymptome
    • Die Auswertungen auf Basis von Mittelwertdifferenzen ergaben jeweils einen statistisch signifikanten Unterschied zum Vorteil von Mepolizumab + Standardtherapie im Vergleich zu Placebo + Standardtherapie.
    • Das 95 %-Konfidenzintervall der standardisierten Mittelwertdifferenz liegt jedoch jeweils nicht vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs von −0,2 bis 0,2. Damit lässt sich nicht ableiten, dass der Effekt klinisch relevant ist.
  • Morbidität - Aktivitätsbeeinträchtigung (WPAI)
    • Bei dem in der Studie 200622 erhobenen Work Productivity and Activity Impairment (WPAI) handelt es sich um ein Instrument zur Erfassung primär gesundheitsökonomischer Aspekte in Bezug auf die Beeinträchtigung der Arbeitsproduktivität und Aktivitäten innerhalb der letzten 7 Tage.
    • Für die Nutzenbewertung werden die Auswertungen für den Absentismus und Präsentismus des WPAI nicht berücksichtigt. Die Beeinträchtigung täglicher Aktivitäten durch die Erkrankung (Frage 6) adressiert jedoch einen patientenrelevanten Aspekt.
    • Für diesen Endpunkt operationalisiert als mittlere Veränderung zu Woche 32 zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil im Mepolizumab-Arm gegenüber dem Placebo-Arm.
    • Das Ergebnis wird als relevanter Effekt angesehen, da das 95%-Konfidenzintervall der standardisierten Mittelwertdifferenz vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs von −0,2 bis 0,2 liegt.
  • Morbidität - Patientenbewertetes Therapieansprechen (RTS) und patientenbewertete Symptomschwere (SSR)
    • Für die Endpunkte patientenbewertetes Therapieansprechen (RTS) und patientenbewertete Symptomschwere (SSR) liegen keine für die Nutzenbewertung verwertbare Daten vor.
  • Morbidität - PROMIS und modifizierter MSAS-SF
    • Der in der Studie 200622 über das Patient Reported Outcome Measurement Information System (PROMIS) erhobene Endpunkt „körperliche Funktion und Schlaf“ konnte im Rahmen der Nutzenbewertung nicht herangezogen werden, da die studienindividuelle Operationalisierung im Dossier nicht ausreichend validiert wurde.
    • Gleiches gilt für den Endpunkt „Belastung durch die Symptomatik“, der über eine modifizierte Form des Memorial Symptom Assessment Scale-Short Form (MSAS-SF) erhoben wurde.
  • Lebensqualität - SF-36v2 – körperlicher und psychischer Summenscore
    • Beim Health Survey Short Form 36 (SF-36) handelt es sich um ein generisches Instrument zur Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, bestehend aus acht Domänen und insgesamt 36 Fragen.
    • Für die Nutzenbewertung werden die Analysen zur Verbesserung um 15 % der Skalenspannweite zu Woche 32 herangezogen.
    • Für den körperlichen Summenscore (PCS) des SF-36v2 zeigt sich auf Basis der Responderanalyse zur Verbesserung um ≥ 9,4 Punkte ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Mepolizumab + Standardtherapie im Vergleich zu Placebo + Standardtherapie.
    • Für den psychischen Summenscore (MCS) des SF-36v2 zeigt sich auf Basis der Responderanalyse zur Verbesserung um ≥ 9,6 Punkte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität ergeben sich Vorteile für Mepolizumab gegenüber Placebo im körperlichen Summenscore und keine Unterschiede im psychischen Summenscore.
  • Nebenwirkungen - Schwere unerwünschte Ereignisse (SUEs), Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse (UEs)
    • Für die erhobenen Endpunkte SUEs und Abbruch wegen UEs zeigten sich jeweils keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
    • In der Endpunktkategorie der Nebenwirkungen zeigte sich weder ein Vorteil noch ein Nachteil für eine Behandlung mit Mepolizumab + Standardtherapie im Vergleich zu Placebo + Standardtherapie.
  • Gesamtschau
    • Der Nutzenbewertung liegt die randomisierte kontrollierte Studie 200622 vor, in der Mepolizumab gegenüber Placebo, jeweils zusätzlich zu einer Standardtherapie zur Behandlung der HES, verglichen wurde.
    • Es liegen Daten zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen vor.
    • In der Gesamtschau werden die positiven Effekte von Mepolizumab in den Morbiditätsendpunkten klinisch manifestierte HES-Schübe und Aktivitätsbeeinträchtigung sowie auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität (körperlicher Summenscore des SF-36) gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie als bisher nicht erreichte deutliche Verbesserung des therapierelevanten Nutzens bewertet.
    • Das Ausmaß des Zusatznutzens wird als beträchtlich eingestuft.
    • Somit lässt sich insgesamt ein beträchtlicher Zusatznutzen von Mepolizumab als Zusatzbehandlung gegenüber einer Therapie nach ärztlicher Maßgabe bei erwachsenen Patienten mit unzureichend kontrolliertem hypereosinophilem Syndrom ohne erkennbare, nicht-hämatologische sekundäre Ursache, ableiten.

Zugehörige Verfahren



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