Luspatercept (6) – Reblozyl®

Myelodysplastische Syndrome mit transfusionsabhängiger Anämie, nicht vorbehandelt, sowie ohne Ringsideroblasten, vorbehandelt

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.05.2024 – Zulassung: 27.03.2024
Beschluss 17.10.2024
Wirkstoff Luspatercept
Handelsname Reblozyl®
Pharm. Unternehmer Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
G-BA Vorgangsnummer D-1065
ATC-Code B03XA06 Andere Antianämika (B03XA)
ICD-10 Codes (AIS) D46.0Refraktäre Anämie ohne Ringsideroblasten, so bezeichnet, D46.4Refraktäre Anämie, nicht näher bezeichnet, D46.6Myelodysplastisches Syndrom mit isolierter del(5q)-Chromosomenanomalie, D46.6Myelodysplastisches Syndrom mit isolierter del(5q)-Chromosomenanomalie
Alpha-ID Codes (AIS) I116203Myelodysplastisches Syndrom mit isolierter del(5q)-Chromosomenanomalie, I116239Refraktäre Anämie ohne Ringsideroblasten, I27803Refraktäre Anämie, I27803Refraktäre Anämie
ORPHAcodes (AIS) 86841Myelodysplastisches Syndrom mit isolierter del(5q)-Chromosomenanomalie, 98826Refraktäre Anämie, 98826Refraktäre Anämie
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastisches Syndrom (MDS) Orphan (Umsatzgrenze)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Reblozyl wird angewendet bei Erwachsenen für die Behandlung von transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die keine vorausgegangene Erythropoetin (EPO)-basierte Therapie erhalten haben und dafür geeignet sind.

Reblozyl wird angewendet bei Erwachsenen für die Behandlung von transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) ohne Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin (EPO)-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind.

Patientengruppe Indikation ZVT
a1) Erwachsene mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS), mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die bisher keine erythropoesestimulierende Faktoren (ESA)-basierte Therapie erhalten haben und dafür geeignet sind Patientenindividuelle Therapie unter Auswahl von - Erythropoesestimulierende Faktoren (Erythropoetin alfa/ Erythropoetin zeta; nur bei Patientinnen und Patienten mit einem Erythropoetin-Serumspiegel von < 200 U/L) - einer bedarfsgerechten Transfusionstherapie mit Erythrozytenkonzentraten (EK) in Kombination mit einer Chelattherapie - Lenalidomid (nur für Patientinnen und Patienten mit einer isolierten Deletion 5q, wenn andere Behandlungsoptionen nicht ausreichend oder nicht angemessen sind) unter Berücksichtigung des Erythropoetin-Serumspiegels, der Zytogenetik und der Vortherapie
a2) Erwachsene mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von MDS ohne Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine ESA-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind Patientenindividuelle Therapie unter Auswahl von - Erythropoesestimulierende Faktoren (Erythropoetin alfa/ Erythropoetin zeta; nur bei Patientinnen und Patienten mit einem Erythropoetin-Serumspiegel von < 200 U/L) - einer bedarfsgerechten Transfusionstherapie mit Erythrozytenkonzentraten (EK) in Kombination mit einer Chelattherapie - Lenalidomid (nur für Patientinnen und Patienten mit einer isolierten Deletion 5q, wenn andere Behandlungsoptionen nicht ausreichend oder nicht angemessen sind) unter Berücksichtigung des Erythropoetin-Serumspiegels, der Zytogenetik und der Vortherapie

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (COMMANDS)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Vorbehandlung

a1) Erwachsene mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS), mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die bisher keine erythropoesestimulierende Faktoren (ESA)-basierte Therapie erhalten haben und dafür geeignet sind

  • Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen
  • In der Gesamtbewertung der vorliegenden Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten wird aufgrund des Vorteils im Endpunkt Transfusionsfreiheit ein geringer Zusatznutzen von Luspatercept gegenüber Epoetin alfa festgestellt.
  • Zusammenfassend wird für Luspatercept ein geringer Zusatznutzen festgestellt. In der Aussagesicherheit ergeben sich durch die fehlende Verblindung der Studie Unsicherheiten, weshalb ein Anhaltspunkt resultiert.
  • Insgesamt ergibt sich für Luspatercept ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen.
  • Mortalität
    • Das Gesamtüberleben ist definiert als die Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache oder bis zur Zensierung der Patientin oder des Patienten.
    • Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Im Gesamtüberleben zeigt sich kein Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Transfusionsfreiheit
    • Der Endpunkt Transfusionsfreiheit ist definiert als Zeitraum ohne Erythrozytenkonzentrat (EK-)-Transfusionen über eine bestimmte Dauer im Studienverlauf.
    • Eine langfristige bzw. nachhaltige Vermeidung von Transfusionen stellt in dem vorliegenden Anwendungsgebiet ein vorrangiges Therapieziel dar, mit dem eine Kontrolle der Anämie und von Anämie-bedingten Symptomen bei gleichzeitiger Freiheit von EK-Transfusionen erreicht wird.
    • Hinsichtlich der Auswertungen zu den verschiedenen Zeiträumen der Transfusionsfreiheit wird eine Transfusionsfreiheit von 24 Wochen als maßgeblicher Zeitraum herangezogen, um von einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen ausgehen zu können.
    • Bezüglich des Anteils der Patientinnen und Patienten mit einer Transfusionsfreiheit von 24 Wochen liegt zwischen den Behandlungsarmen ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Luspatercept im Vergleich zu Epoetin alfa vor. Eine Transfusionsfreiheit von 24 Wochen wurde im Interventionsarm bei 79 Personen (54,5 %) und im Kontrollarm bei 55 Personen (38,2 %) beobachtet (Relatives Risiko = 1,41; 95 % Konfidenzintervall = [1,10; 1,80]; p-Wert = 0,007; absolute Differenz = +16,3 %).
    • Insgesamt lässt sich auf Basis dieser Ergebnisse zur Transfusionsfreiheit von 24 Wochen hinsichtlich einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil einer Behandlung mit Luspatercept feststellen.
    • Für die der Bewertung zugrunde gelegten Ergebnisse zur Transfusionsfreiheit von 24 Wochen lässt sich hinsichtlich einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen ein Unterschied zum Vorteil einer Behandlung mit Luspatercept feststellen.
  • Morbidität - EORTC QLQ-C30 - Symptomskalen
    • Die Krankheitssymptomatik wurde mittels der Symptomskalen des krebsspezifischen Fragebogens EORTC QLQ-C30 erhoben.
    • Für die Symptomatik liegt kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen vor.
    • In der Endpunktkategorie Morbidität zeigt sich in den Symptomskalen des EORTC QLQ-C30 weder Vorteil noch Nachteil von Luspatercept.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - EORTC QLQ-C30 - Funktionsskalen
    • Die Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgte mit den Funktionsskalen und der Skala zum globalen Gesundheitsstatus (Gesamteinschätzung) des krebsspezifischen Fragebogens EORTC QLQ-C30.
    • Für die einzelnen Skalen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität des EORTC QLQ-C30 liegt jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen vor.
    • Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, gemessen mit den Funktionsskalen des EORTC QLQ-C30 und dem FACT-An, liegen keine Unterschiede zwischen den Studienarmen vor.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - FACT-An
    • Die Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgte darüber hinaus mit dem Fragebogen FACT-An (Functional Assessment of Cancer Therapy – Anemia), der spezifisch für Krebspatientinnen und -patienten mit Anämie und Fatigue ist.
    • Es ergaben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • Bei 90,3 % der Studienteilnehmenden im Luspatercept-Arm und 81,8 % im Epoetin alfa-Arm traten UE auf. Die Ergebnisse werden nur ergänzend dargestellt.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE (SUE), schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3), Therapieabbrüche aufgrund von UE, thromboembolische Ereignisse (schwere UEs)
    • Für die Endpunkte SUE, schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3), Therapieabbrüche aufgrund von UE und thromboembolische Ereignisse (schwere UEs) liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Luspatercept zur Behandlung von Erwachsenen mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS), mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die bisher keine erythropoesestimulierende Faktoren (ESA)-basierte Therapie erhalten haben und dafür geeignet sind, liegen Ergebnisse zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen aus der Studie COMMANDS zum Vergleich von Luspatercept gegenüber Epoetin alfa vor.
    • Für das Gesamtüberleben liegt kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen vor.
    • Für die Endpunktkategorie Morbidität liegen Ergebnisse zur Transfusionsfreiheit vor. Für die Patientinnen und Patienten im Anwendungsgebiet stellt eine langfristige bzw. nachhaltige Vermeidung von Transfusionen ein vorrangiges Therapieziel dar, mit dem eine Kontrolle der Anämie und von Anämie-bedingten Symptomen bei gleichzeitiger Freiheit von Erythrozytenkonzentrat-Transfusionen erreicht wird. Für die vorliegende Bewertung wird eine Transfusionsfreiheit von 24 Wochen als maßgeblicher Zeitraum angesehen, um von einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen ausgehen zu können.
    • Hinsichtlich des Anteils der Patientinnen und Patienten mit einer Transfusionsfreiheit von 24 Wochen zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Luspatercept im Vergleich zu Epoetin alfa.
    • In den Endpunkten zur Symptomatik (EORTC QLQ-C30) zeigt sich insgesamt weder ein Vorteil noch ein Nachteil von Luspatercept.
    • In den Endpunkten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität (EORTC QLQ-C30 und FACT-An) zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen.
    • Bei den Nebenwirkungen lässt sich für Luspatercept im Vergleich zu Epoetin alfa in der Gesamtschau weder ein Vorteil noch ein Nachteil feststellen.

a2) Erwachsene mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von MDS ohne Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine ESA-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Da für Erwachsene mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von MDS ohne Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine ESA-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind, keine Daten vorgelegt wurden, ist ein Zusatznutzen für Patientengruppe a2) nicht belegt.

Zugehörige Verfahren

Luspatercept (6) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastische Syndrome mit transfusionsabhängiger Anämie, nicht vorbehandelt, sowie ohne Ringsideroblasten, vorbehandelt 4.960–7.080 80% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (4) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Β-Thalassämie, transfusionsabhängige Anämie 250–330 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (5) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastisches Syndrom mit transfusionsabhängiger Anämie, vorbehandelt 790–1.860 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (3) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Β-Thalassämie, nicht-transfusionsabhängige Anämie 470–560 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (1) Reblozyl® Celgene GmbH Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Β-Thalassämie 0
170–300
100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben
Luspatercept (2) Reblozyl® Celgene GmbH Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastische Syndrome (MDS) 0
840–1.870
100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben


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