Luspatercept (5) – Reblozyl®

Myelodysplastisches Syndrom mit transfusionsabhängiger Anämie, vorbehandelt

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.05.2023 – Zulassung: 25.06.2020
Beschluss 02.11.2023
Wirkstoff Luspatercept
Handelsname Reblozyl®
Pharm. Unternehmer Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
G-BA Vorgangsnummer D-946
ATC-Code B03XA06 Andere Antianämika (B03XA)
ICD-10 Codes (AIS) D46.1Refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten
Alpha-ID Codes (AIS) I1752Refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten
ORPHAcodes (AIS) 75564Refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Anämie / Hämolytische Anämie, Myelodysplastisches Syndrom (MDS) Orphan (Umsatzgrenze)
Grund des Verfahrens Neubewertung: Orphan Umsatz-Überschreitung
Ursprünglicher Beschluss: Luspatercept (2) (21.01.2021)
Besonderheit Bundling

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Reblozyl wird angewendet für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind Eine bedarfsgerechte Transfusionstherapie mit Erythrozytenkonzentraten in Kombination mit einer Chelattherapie gemäß der Zulassung

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (MEDALIST)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Für die Nutzenbewertung des Wirkstoffs Luspatercept legte der pharmazeutische Unternehmer Ergebnisse der pivotalen Studie MEDALIST (ACE-536-MDS-001) vor. Hierbei handelt es sich um eine doppelblinde, randomisierte, kontrollierte, multizentrische Phase-III-Studie.

Erwachsene mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • In der Gesamtbewertung der vorliegenden Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten ist ein Zusatznutzen von Luspatercept gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
  • Mortalität
    • Das Gesamtüberleben ist definiert als die Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache oder bis zur Zensierung der Patientin oder des Patienten.
    • Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Transfusionsvermeidung (Transfusionsfreiheit)
    • Der Endpunkt Transfusionsvermeidung ist definiert als Zeitraum ohne Erythrozytenkonzentrat (EK)-Transfusionen über eine bestimmte Dauer im Studienverlauf.
    • Hinsichtlich des Anteils der Patientinnen und Patienten mit einer Transfusionsvermeidung von ≥ 24 Wochen liegt zwischen den Behandlungsarmen ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil einer Behandlung mit Luspatercept + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC vor. Eine Transfusionsvermeidung von ≥ 24 Wochen wurde im Interventionsarm bei 20 Personen (13,1 %) und im Kontrollarm bei einer Person (1,3 %) beobachtet.
    • Dieser Vorteil spiegelt sich jedoch nicht in weiteren Endpunkten wider, die prinzipiell mit einer Transfusionsvermeidung assoziiert sein können. Insbesondere zeigt sich ein nachteiliger Effekt für die Subskala „Körperliche Funktion“ des EORTC QLQ-C30.
    • Insgesamt lässt sich auf Basis dieser Ergebnisse zur Transfusionsvermeidung von ≥ 24 Wochen hinsichtlich einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil einer Behandlung mit Luspatercept + BSC feststellen.
    • Das Ausmaß dieses Unterschieds wird jedoch im vorliegenden Fall, unter Berücksichtigung der Ergebnisse zu den weiteren Endpunkten, als zu gering bewertet, als dass dieses Ergebnis in der Gesamtbewertung die Ableitung eines Zusatznutzens auf Endpunktebene begründen könnte.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - Körperliche Funktion
    • Die Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgte mit den Funktionsskalen und der Skala zum globalen Gesundheitsstatus (Gesamteinschätzung) des krebsspezifischen Fragebogens EORTC QLQ-C30.
    • Es zeigt sich für die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Demgegenüber liegt ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil der Therapie mit Luspatercept in der Verschlechterung der körperlichen Funktion vor.
    • Dieser Nachteil spiegelt sich jedoch in keiner anderen Subskala des EORTC QLQ-C30 wider. In der Gesamtschau wird weder ein Vorteil noch ein Nachteil von Luspatercept + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC in der Kategorie „Lebensqualität“ abgeleitet.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • Bei nahezu allen Studienteilnehmern traten UE auf. Die Ergebnisse werden nur ergänzend dargestellt.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Luspatercept zur Behandlung von Erwachsenen mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind, liegen Ergebnisse zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen aus der Studie MEDALIST zum Vergleich von Luspatercept + Best-Supportive-Care (BSC) gegenüber Placebo + BSC vor.
    • Für das Gesamtüberleben liegt kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen vor. In der Endpunktkategorie Morbidität zeigt sich für Luspatercept + BSC in Bezug auf die Verschlechterung der Symptomatik ein Vorteil in dem Endpunkt Schlaflosigkeit und ein Nachteil in dem Endpunkt Fatigue.
    • Für die Endpunktkategorie Morbidität liegen Ergebnisse zur Transfusionsvermeidung vor. Für die Patientinnen und Patienten im Anwendungsgebiet stellt eine langfristige bzw. nachhaltige Vermeidung von Transfusionen ein vorrangiges Therapieziel dar, mit dem eine Kontrolle der Anämie und von Anämie-bedingten Symptomen bei gleichzeitiger Freiheit von Erythrozytenkonzentrat-Transfusionen erreicht wird. Für die vorliegende Bewertung wird eine Transfusionsvermeidung von ≥ 24 Wochen als maßgeblicher Zeitraum angesehen, um von einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen ausgehen zu können.
    • Hinsichtlich des Anteils der Patientinnen und Patienten mit einer Transfusionsvermeidung von ≥ 24 Wochen zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil für eine Behandlung mit Luspatercept + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC. Dieser Vorteil spiegelt sich jedoch nicht in weiteren Endpunkten wider, die prinzipiell mit einer Transfusionsvermeidung assoziiert sein können. Insbesondere zeigt sich ein nachteiliger Effekt für die Subskala „Körperliche Funktion“ des EORTC QLQ-C30. Insgesamt lässt sich daher auf Basis dieser Ergebnisse zur Transfusionsvermeidung von ≥ 24 Wochen hinsichtlich einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil einer Behandlung mit Luspatercept + BSC feststellen.
    • Das Ausmaß dieses Unterschieds wird im vorliegenden Fall, unter Berücksichtigung der Ergebnisse zu den weiteren Endpunkten, jedoch als zu gering bewertet, als dass dieses Ergebnis in der Gesamtbewertung die Ableitung eines Zusatznutzens auf Endpunktebene begründen könnte.
    • Bei den Nebenwirkungen lässt sich für Luspatercept + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC in der Gesamtschau weder ein Vorteil noch ein Nachteil feststellen.
    • Im Detail zeigt sich ein Nachteil in den schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3) der Systemorganklasse „Erkrankungen des Nervensystems“.
    • Luspatercept kann im vorliegenden Anwendungsgebiet für einzelne Patientinnen und Patienten eine relevante Therapieoption darstellen.
    • In der Gesamtbewertung der vorliegenden Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten ist ein Zusatznutzen von Luspatercept gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.

Zugehörige Verfahren

Luspatercept (6) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastische Syndrome mit transfusionsabhängiger Anämie, nicht vorbehandelt, sowie ohne Ringsideroblasten, vorbehandelt 4.960–7.080 80% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (4) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Β-Thalassämie, transfusionsabhängige Anämie 250–330 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (5) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastisches Syndrom mit transfusionsabhängiger Anämie, vorbehandelt 790–1.860 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (3) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Β-Thalassämie, nicht-transfusionsabhängige Anämie 470–560 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (1) Reblozyl® Celgene GmbH Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Β-Thalassämie 0
170–300
100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben
Luspatercept (2) Reblozyl® Celgene GmbH Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastische Syndrome (MDS) 0
840–1.870
100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben


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