Luspatercept (2) – Reblozyl®

Myelodysplastische Syndrome (MDS)

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.08.2020 – Zulassung: 25.06.2020
Beschluss 21.01.2021 aufgehoben
Wirkstoff Luspatercept
Handelsname Reblozyl®
Pharm. Unternehmer Dossier: Celgene GmbH
Neuer Inverkehrbringer: Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
G-BA Vorgangsnummer D-561
ATC-Code B03XA06 Andere Antianämika (B03XA)
ICD-10 Codes (AIS) D46.1Refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten
Alpha-ID Codes (AIS) I1752Refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten
ORPHAcodes (AIS) 75564Refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten
DDD Tagesdosis 3.3 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastisches Syndrom (MDS) Orphan
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Aufgehoben durch: Luspatercept (5) (02.11.2023)
Besonderheit Bundling

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Reblozyl wird angewendet für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsenen Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (MEDALIST)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Für die Nutzenbewertung des Wirkstoffs Luspatercept legte der pharmazeutische Unternehmer Ergebnisse der noch laufenden, pivotalen Studie MEDALIST (ACE-536-MDS-001) vor. Hierbei handelt es sich um eine doppelblinde, randomisierte, kontrollierte, multizentrische Phase-III-Studie.

Erwachsene Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind

  • Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
  • Die Aussagekraft der Nachweise wird in die Kategorie „Anhaltspunkt“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Gesamtüberleben
    • Das Gesamtüberleben ist definiert als die Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache oder bis zur Zensierung des Patienten.
    • Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Transfusionsfreiheit
    • Der Endpunkt Transfusionsfreiheit ist definiert als Zeitraum ohne Erythrozytenkonzentrat (EK)-Transfusionen über eine bestimmte Dauer im Studienverlauf.
    • Hinsichtlich der Auswertungen zu den verschiedenen Zeiträumen der Transfusionsfreiheit wird für die vorliegende Bewertung eine Transfusionsfreiheit von ≥ 24 Wochen als maßgeblicher Zeitraum angesehen, um von einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen (Transfusionsfreiheit) ausgehen zu können.
    • Bezüglich des Anteils der Patienten mit einer Transfusionsfreiheit von ≥ 24 Wochen liegt zwischen den Behandlungsarmen ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil einer Behandlung mit Luspatercept + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC vor. Eine Transfusionsfreiheit von ≥ 24 Wochen wurde im Interventionsarm bei 20 Patienten (13,1 %) und im Kontrollarm bei einem Patienten (1,3 %) beobachtet.
    • Dieser Vorteil spiegelt sich jedoch nicht in weiteren Endpunkten wider, die prinzipiell mit einer Transfusionsfreiheit assoziiert sein können. Insbesondere zeigt sich ein nachteiliger Effekt auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität (Subskala körperlichen Funktion des EORTC QLQ-C30).
    • Insgesamt lässt sich auf Basis dieser Ergebnisse zur Transfusionsfreiheit von ≥ 24 Wochen hinsichtlich einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen (Transfusionsfreiheit) ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil einer Behandlung mit Luspatercept + BSC feststellen.
    • Jedenfalls wird das Ausmaß dieses Unterschieds im vorliegenden Fall, unter Berücksichtigung der Ergebnisse zu den weiteren Endpunkten, jedoch als zu gering bewertet, als dass dieses Ergebnis in der Gesamtbewertung die Ableitung eines Zusatznutzens auf Endpunktebene begründen könnte.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Die Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgte mit den Funktionsskalen und der Skala zum globalen Gesundheitsstatus (Gesamteinschätzung) des krebsspezifischen Fragebogens EORTC QLQ-C30.
    • Es zeigt sich für die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Demgegenüber liegt ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil der Therapie mit Luspatercept in der Verschlechterung der körperlichen Funktion vor.
    • In der Gesamtschau zeigt sich für die gesundheitsbezogene Lebensqualität ein Nachteil von Luspatercept + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC in der Verschlechterung der körperlichen Funktion.
  • Nebenwirkungen
    • Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • Bei nahezu allen Studienteilnehmern traten UE auf. Die Ergebnisse werden nur ergänzend dargestellt.
    • Schwerwiegende UE (SUE), schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3), Therapieabbrüche aufgrund von UE
    • Für die Endpunkte SUE, schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüche aufgrund von UE liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
    • UE von besonderem Interesse
    • Bezüglich des UE von besonderem Interesse „Prämaligne Erkrankung“ (SOC, UE) sind im Interventionsarm zwei Ereignisse und im Kontrollarm drei Ereignisse aufgetreten. Das UE von besonderem Interesse „Malignitäten“ (SOC, UE) ist im Interventionsarm bei fünf Patienten und im Kontrollarm bei einem Patienten aufgetreten. Aufgrund der geringen Ereigniszahlen wurden keine vergleichenden Analysen durchgeführt.
    • In der Gesamtschau der Ergebnisse zur Endpunktkategorie Nebenwirkungen lässt sich für Luspatercept + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC weder ein Vorteil noch ein Nachteil ableiten.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Luspatercept zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind, liegen Ergebnisse zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen aus der Studie MEDALIST vor.
    • In der noch laufenden Studie wird Luspatercept + Best-Supportive-Care (BSC) mit Placebo + BSC verglichen.
    • Für das Gesamtüberleben liegt kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen vor.
    • In der Endpunktkategorie Morbidität zeigt sich für Luspatercept + BSC in Bezug auf die Verschlechterung der Symptomatik ein Vorteil in dem Endpunkt Schlaflosigkeit und ein Nachteil in den Endpunkt Fatigue.
    • Für die Endpunktkategorie Morbidität liegen Ergebnisse zur Transfusionsfreiheit vor. Für die Patienten im Anwendungsgebiet stellt eine langfristige bzw. nachhaltige Vermeidung von Transfusionen (Transfusionsfreiheit) ein vorrangiges Therapieziel dar, mit dem eine Kontrolle der Anämie und von Anämie-bedingten Symptomen bei gleichzeitiger Freiheit von Erythrozytenkonzentrat-Transfusionen erreicht wird. Für die vorliegende Bewertung wird eine Transfusionsfreiheit von ≥ 24 Wochen als maßgeblicher Zeitraum angesehen, um von einer langfristigen Vermeidung von Transfusionen (Transfusionsfreiheit) ausgehen zu können.
    • Bei den Nebenwirkungen lässt sich für Luspatercept + BSC im Vergleich zu Placebo + BSC weder ein Vorteil noch ein Nachteil feststellen.
    • In der Gesamtbewertung der vorliegenden Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten stuft der G-BA das Ausmaß des Zusatznutzens von Luspatercept in der Behandlung von erwachsenen Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund von myelodysplastischen Syndromen (MDS) mit Ringsideroblasten, mit sehr niedrigem, niedrigem oder intermediärem Risiko, die auf eine Erythropoetin-basierte Therapie nicht zufriedenstellend angesprochen haben oder dafür nicht geeignet sind, auf der Basis der Kriterien in § 5 Absatz 8 S. 1, 2 i.V.m. § 5 Absatz 7 Satz 1 Nummer 4 AM-NutzenV als nicht quantifizierbar ein, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.

Zugehörige Verfahren

Luspatercept (6) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastische Syndrome mit transfusionsabhängiger Anämie, nicht vorbehandelt, sowie ohne Ringsideroblasten, vorbehandelt 4.960–7.080 80% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (4) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Β-Thalassämie, transfusionsabhängige Anämie 250–330 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (5) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastisches Syndrom mit transfusionsabhängiger Anämie, vorbehandelt 790–1.860 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (3) Reblozyl® Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Β-Thalassämie, nicht-transfusionsabhängige Anämie 470–560 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen Orphan (Umsatzgrenze)
Luspatercept (1) Reblozyl® Celgene GmbH Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Β-Thalassämie 0
170–300
100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben
Luspatercept (2) Reblozyl® Celgene GmbH Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe Myelodysplastische Syndrome (MDS) 0
840–1.870
100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben


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