Empagliflozin (3) – Jardiance®

Chronische Herzinsuffizienz mit linksventrikulärer Ejektionsfraktion LVEF ≤ 40 %

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.07.2021 – Zulassung: 17.06.2021
Beschluss 06.01.2022
Wirkstoff Empagliflozin
Handelsname Jardiance®
Pharm. Unternehmer Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG
G-BA Vorgangsnummer D-704
ATC-Code A10BK03 SGLT2-Inhibitoren (A10BK)
ICD-10 Codes (AIS) I50.01Sekundäre Rechtsherzinsuffizienz, I50.12Linksherzinsuffizienz: Mit Beschwerden bei stärkerer Belastung, I50.13Linksherzinsuffizienz: Mit Beschwerden bei leichterer Belastung, I50.14Linksherzinsuffizienz: Mit Beschwerden in Ruhe
Alpha-ID Codes (AIS) I115729Linksherzinsuffizienz mit Beschwerden in Ruhe, I27019Rechtsherzinsuffizienz, I86842Linksherzinsuffizienz mit Beschwerden bei stärkerer Belastung, I86845Linksherzinsuffizienz mit Beschwerden bei leichterer Belastung
DDD Tagesdosis 17.5 mg oral
Therapeutisches Gebiet Herz-Kreislauf-Erkrankungen Chronische Herzinsuffizienz (CHF)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Besonderheit Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Jardiance wird zur Behandlung von Erwachsenen mit symptomatischer, chronischer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion angewendet.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit einer symptomatischen, chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion Eine optimierte Standardtherapie zur Behandlung der symptomatischen, chronischen Herzinsuffizienz und der zugrundeliegenden Erkrankungen, wie z. B. Hypertonie, Herzrhythmusstörungen, Koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie sowie der Begleitsymptome

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (EMPEROR-Reduced)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt die placebokontrollierte, doppelblinde, randomisierte Studie EMPEROR-Reduced vor, in der Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz der NYHA-Klassen II bis IV mit reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) ≤ 40 % untersucht wurden.

Erwachsene mit einer symptomatischen, chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion

  • In der Gesamtschau wird ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen abgeleitet.
  • Aufgrund der oben beschriebenen Unsicherheiten wird die Aussagesicherheit in der Kategorie „Anhaltspunkt“ eingeordnet.
  • Mortalität
    • Weder für den Endpunkt „Gesamtmortalität“ noch für den Endpunkt „kardiovaskulärer Tod“ ergeben sich statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
  • Morbidität - Gesamthospitalisierung
    • Beim Endpunkt „Gesamthospitalisierung“ zeigt sich in der Studie EMPEROR-Reduced ein statistisch signifikanter Vorteil für Empagliflozin im Vergleicht zum Kontrollarm.
  • Morbidität - Myokardinfarkt
    • Für den kombinierten Endpunkt „Myokardinfarkt“, bestehend aus den Einzelkomponenten „nicht tödlicher Myokardinfarkt“ und „tödlicher Myokardinfarkt“ ergeben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
    • Auch für die jeweils Einzelkomponenten zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede.
  • Morbidität - Schlaganfall
    • Für den kombinierten Endpunkt „Schlaganfall“, bestehend aus den Einzelkomponenten „nicht tödlicher Schlaganfall“ und „tödlicher Schlaganfall“ ergeben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
    • Auch für die jeweils Einzelkomponenten zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede.
  • Morbidität - Renale Morbidität
    • Der Endpunkt „renale Morbidität“ wurde im Rahmen eines kombinierten Endpunkts erhoben.
    • Die Einzelkomponenten „chronische Dialyse“, „Nierentransplantation“, und anhaltende eGFR < 15 ml/min/1,73 m² bzw. < 10 ml/min/1,73 m² sind patientenrelevant und vom Ausmaß der Schwere her vergleichbar.
    • Eine relative Reduktion der eGFR um ≥ 40 % hingegen ist nicht vor vergleichbarer Schwere wie die übrigen Endpunkte.
    • Aus diesem Grund ist eine Zusammenfassung der drei Einzelkomponenten nicht sinnvoll und kann nicht interpretiert werden.
    • Der Endpunkt wird deshalb nicht herangezogen.
  • Gesundheitszustand
    • Die Erhebung des Gesundheitszustands erfolgte in der Studie mittels der visuellen Analogskala (VAS) des Fragebogens EQ-5D.
    • Für die Verbesserung um ≥ 15 Punkte zu Woche 52 zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Empagliflozin gegenüber dem Vergleichsarm.
    • Dieser Unterschied ist jedoch nicht mehr als geringfügig.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire (KCCQ)
    • Für die Endpunktkategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde der Fragebogen KCCQ eingesetzt.
    • Für den klinischen Summenscore KCCQ-OSS operationalisiert als Verbesserung um ≥ 15 % ergeben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt Auswertungen von Responderanalysen unter Verwendung des Kriteriums Verbesserung um ≥ 5 Punkte vor.
    • Daraus ergibt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Empagliflozin gegenüber dem Vergleichsarm.
    • Diese Ergebnisse werden im vorliegenden Fall berücksichtigt.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE)
    • Für den Endpunkt SUE zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Empagliflozin im Vergleich zur Kontrollgruppe.
    • Hierbei liegt jedoch eine Effektmodifikation für das Merkmal Schweregrad der Herzinsuffizienz nach NYHA Klasse vor.
    • Für Patientinnen und Patienten der NYHA Klasse II ergibt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Empagliflozin vor.
    • Hingegen zeigt sich für Patientinnen und Patienten der NYHA Klassen III/IV kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse (UE)
    • Beim Endpunkt Abbruch wegen UE werden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen festgestellt.
  • Nebenwirkungen - Harnwegsinfektion, Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse, Diabetische Ketoacidose
    • Im Detail zeigen sich bei den spezifischen UE Harnwegsinfektion (PT) und Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse (SOC) jeweils keine statistischen Differenzen zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Für den Endpunkt Diabetische Ketoacidose (PT, UE) liegen keine Daten vor, weil dieses Ereignis bei weniger als 1 % der Studienteilnehmer pro Behandlungsarm aufgetreten ist.
  • Nebenwirkungen - Erkrankungen der Nieren und Harnwege, Leber- und Gallenerkrankungen
    • Für die Endpunkte Erkrankungen der Nieren und Harnwege (SOC, SUE) und Leber und Gallenerkrankungen (SOC, SUE) zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Empagliflozin.
  • Nebenwirkungen - Vorhofflimmern
    • Für den Endpunkt Vorhofflimmern (PT, SUE) ergibt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Empagliflozin.
    • Es wird jedoch eine Effektmodifikation für das Merkmal Schweregrad der Herzinsuffizienz nach NYHA Klasse bei diesem Endpunkt festgestellt.
    • Für Patientinnen und Patienten der NYHA-Klasse II zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Empagliflozin gegenüber dem Vergleichsarm.
    • Für Patientinnen und Patienten der NYHA-Klassen III/IV zeigt sich hingegen kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • In der Gesamtschau der Ergebnisse auf Basis der positiven Effekte von Empagliflozin bei der Vermeidung von Gesamthospitalisierungen, der Verbesserung der Lebensqualität sowie bei den Vorteilen in der Kategorie Nebenwirkungen, jeweils unter Berücksichtigung, dass die Vorteile bei SUE und Vorhofflimmern nur bei Patienten der NYHA-Klasse II gezeigt wurden, wird insgesamt ein geringer Zusatznutzen für Empagliflozin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie abgeleitet.
  • Gesamtschau
    • In der Gesamtschau der Ergebnisse auf Basis der positiven Effekte von Empagliflozin bei der Vermeidung von Gesamthospitalisierungen, der Verbesserung der Lebensqualität sowie bei den Vorteilen in der Kategorie Nebenwirkungen, jeweils unter Berücksichtigung, dass die Vorteile bei SUE und Vorhofflimmern nur bei Patienten der NYHA-Klasse II gezeigt wurden, wird insgesamt ein geringer Zusatznutzen für Empagliflozin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie abgeleitet.

Zugehörige Verfahren

Empagliflozin (6) Jardiance® Boehringer Ingelheim Pharma GmbH Stoffwechselkrankheiten Diabetes Mellitus Typ 2, ≥ 10 Jahre 300–385 100% Zusatznutzen nicht belegt
Empagliflozin (5) Jardiance® Boehringer Ingelheim Pharma GmbH Krankheiten des Urogenitalsystems Chronische Niereninsuffizienz 2.259.300–2.478.100 100% Zusatznutzen nicht belegt
Empagliflozin (4) Jardiance® Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG Herz-Kreislauf-Erkrankungen Chronische Herzinsuffizienz mit linksventrikulärer Ejektionsfraktion LVEF > 40 % 1.270.000–1.400.000 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Empagliflozin (3) Jardiance® Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG Herz-Kreislauf-Erkrankungen Chronische Herzinsuffizienz mit linksventrikulärer Ejektionsfraktion LVEF ≤ 40 % 2.061.700–2.273.000 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen
Empagliflozin (2) Jardiance® Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG Stoffwechselkrankheiten Diabetes mellitus Typ 2 1.253.400–1.453.400 42% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen
Empagliflozin (1) Jardiance® Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG Stoffwechselkrankheiten Diabetes mellitus Typ 2 0
1.253.400–1.453.400
100% Zusatznutzen nicht belegt aufgehoben


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