Burosumab (4) – Crysvita®

X-chromosomale Hypophosphatämie, ≥ 1 bis < 17 Jahre

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.02.2022 – Zulassung: 19.02.2018
Beschluss 21.07.2022
Wirkstoff Burosumab
Handelsname Crysvita®
Pharm. Unternehmer Kyowa Kirin GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-783
ATC-Code M05BX05 Andere Mittel mit Einfluss auf die Knochenstruktur und die Mineralisation (M05BX)
ICD-10 Codes (AIS) E83.30Familiäre hypophosphatämische Rachitis
Alpha-ID Codes (AIS) I125310X-chromosomale Hypophosphatämie
ORPHAcodes (AIS) 89936X-chromosomale Hypophosphatämie
DDD Tagesdosis 2.5 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Stoffwechselkrankheiten Hypophosphatämie Orphan (Umsatzgrenze)
Grund des Verfahrens Neubewertung: Orphan Umsatz-Überschreitung
Ursprünglicher Beschluss: Burosumab (2) (02.04.2020)
Regulatorischer Status Bedingte Zulassung (CMA)
Besonderheit Bundling

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Crysvita wird angewendet zur Behandlung der X-chromosomalen Hypophosphatämie (XLH) bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis 17 Jahren mit röntgenologischem Nachweis einer Knochenerkrankung.

Patientengruppe Indikation ZVT
Kinder und Jugendliche ab 1 Jahr bis ≤ 17 Jahre mit X-chromosomaler Hypophosphatämie (XLH) mit röntgenologischem Nachweis einer Knochenerkrankung Eine Phosphatsubstitution und aktives Vitamin D (Calcitriol oder Alfacalcidol) in Kombination

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (UX023-CL301)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT (off-label)
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Burosumab zur Behandlung der X-chromosomalen Hypophosphatämie (XLH) bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis 17 Jahren mit röntgenologischem Nachweis einer Knochenerkrankung, wurde seitens des pharmazeutischen Unternehmers die zulassungsbegründende, multizentrische, randomisierte, offene Phase-III-Studie UX023-CL301 mit einem Datenschnitt zu Woche 64 vorgelegt.
    • In der Studie UX023-CL301 wurde Burosumab im Vergleich zur konventionellen Therapie (aus oralem Phosphat und aktivem Vitamin D) untersucht.

Kinder und Jugendliche ab 1 Jahr bis ≤ 17 Jahre mit X-chromosomaler Hypophosphatämie (XLH) mit röntgenologischem Nachweis einer Knochenerkrankung

  • In der Gesamtschau wird für Kinder und Jugendliche ab 1 Jahr bis ≤ 17 Jahre mit XLH mit röntgenologischem Nachweis einer Knochenerkrankung ein Anhaltspunkt für einen nicht-quantifizierbaren Zusatznutzen gegenüber der Phosphatsubstitution und aktivem Vitamin D in Kombination festgestellt.
  • Mortalität
    • In der Studie UX023-CL301 traten keine Todesfälle auf.
  • Morbidität
    • Rachitissymptomatik mittels Radiographic Global Impression of Change (RGI-C) und Rickets Severity Scale (RSS)
    • Es liegen keine Daten vor, die die Validität des RGI-C und des RSS als Surrogat für die Morbidität im vorliegenden Anwendungsgebiet belegen. Daher kann eine Patientenrelevanz nicht abgeleitet werden.
    • Serumphosphat
    • Für den Endpunkt Serumphosphatwert zeigte sich in Studie UX023-CL301 ein statistisch signifikanter Vorteil von Burosumab gegenüber der Phosphatsubstitution und aktivem Vitamin D.
    • Die Ergebnisse zum Serumphosphatwert deuten darauf hin, dass der Serumphosphat-Spiegel unter Therapie mit Burosumab den Normalbereich erreicht und der durch den Gendefekt verursachte pathologisch veränderte Serumphosphat-Spiegel stabilisiert wird.
    • Motorische Funktion: 6-Minuten-Gehtest (6MWT)
    • In der Studie UX023-CL301 konnte in der Veränderung der 6MWT-Distanz ein statistisch signifikanter Vorteil von Burosumab gegenüber der Phosphatsubstitution und aktivem Vitamin D festgestellt werden (Verbesserung der Laufstrecke um 43,2 Meter), dessen Ausmaß nicht abschließend beurteilt werden kann.
    • Im prozentualen Anteil der erwarteten 6MWT-Distanz zeigte sich zu Woche 64 kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Anthropometrische Parameter: Körpergröße
    • Für den Endpunkt absolute Veränderung im z-Score der Stehhöhe/Liegelänge wurde in der Studie UX023-CL301 ein statistisch signifikanter Vorteil von Burosumab gegenüber der Phosphatsubstitution und aktivem Vitamin D gezeigt, dessen klinische Bedeutung aufgrund der Größenordnung des gezeigten Unterschiedes unklar ist.
    • Schmerzen, körperliche Funktion und Fatigue mittels Patient-Reported Outcomes Measurement Information System (PROMIS)
    • Für den Endpunkt Schmerzen, körperliche Funktion und Fatigue erhoben mittels PROMIS konnte in der Studie UX023-CL301 für die Domänen Schmerzbeeinträchtigung, Physical Function und Fatigue jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen festgestellt werden.
    • Schmerzintensität mittels Faces Pain Scale-Revised (FPS-R)
    • Für den Endpunkt Schmerzintensität zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Dentale Ereignisse
    • Für den Endpunkt dentale Ereignisse konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen festgestellt werden.
  • Lebensqualität
    • Die Lebensqualität der pädiatrischen Patientinnen und Patienten wurde in der Studie UX023-CL301 mit Hilfe der Short Form Health Survey-10 for Children (SF-10) erfasst.
    • Dieser Fragebogen kann aufgrund fehlender Informationen zu verschiedenen Testgütekriterien hinsichtlich seiner Validität nicht für die vorliegende Nutzenbewertung berücksichtigt werden.
    • In der Studie UX023-CL301 wurden keine verwertbaren Daten zur Lebensqualität vorgelegt.
  • Nebenwirkungen
    • Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs), Schwere UEs
    • In der Studie UX023-CL301 zeigte sich für die Endpunkte SUEs und schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad 3 und 4) jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Burosumab und dem Kontrollarm.
    • Abbruch wegen UEs
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UEs konnte kein statistisch signifikanter Unterschied von zwischen den Behandlungsgruppen festgestellt werden.
    • Spezifische UEs
    • Für die Endpunkte Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort, Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen sowie Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums (jeweils SOC, UEs) und Obstipation (PT, UEs) zeigte sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Burosumab gegenüber der Phosphatsubstitution und aktivem Vitamin D.
    • Für Jugendliche im Alter von 13-17 Jahren wurden seitens des pharmazeutischen Unternehmers keine Daten vorgelegt.
    • In der Kategorie Nebenwirkungen ergeben sich in der Gesamtschau keine relevanten Vor- oder Nachteile für Burosumab.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Nutzenbewertung von Burosumab zur Behandlung der X-chromosomalen Hypophosphatämie (XLH) bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis 17 Jahren mit röntgenologischem Nachweis einer Knochenerkrankung, wurde die zulassungsbegründende, multizentrische, randomisierte, offene Phase-III-Studie UX023-CL301 mit einem Datenschnitt zu Woche 64 herangezogen.
    • In der Studie UX023-CL301 traten keine Todesfälle auf.
    • Für den Endpunkt der Kategorie Morbidität motorische Funktion erhoben mittels 6MWT konnte ein statistisch signifikanter Vorteil von Burosumab gegenüber der Phosphatsubstitution und aktivem Vitamin D festgestellt werden, dessen Ausmaß nicht abschließend beurteilt werden kann. Für den Endpunkt Körpergröße (z-score) zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Burosumab gegenüber der Phosphatsubstitution und aktivem Vitamin D, dessen klinische Bedeutung aufgrund der Größenordnung des gezeigten Unterschiedes unklar ist.
    • Für die Endpunkte prozentualer Anteil der erwarteten 6MWT-Distanz, Schmerzen, körperliche Funktion und Fatigue erhoben mittels PROMIS und Schmerzintensität erhoben mittels FPS-R zeigten sich jeweils keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
    • In der Studie UX023-CL301 wurden keine verwertbaren Daten zur Lebensqualität vorgelegt.
    • In der Kategorie Nebenwirkungen ergeben sich in der Gesamtschau keine relevanten Vor- oder Nachteile für Burosumab.
    • Für 13-17-jährige Jugendliche wurden seitens des pharmazeutischen Unternehmers keine Daten vorgelegt.
    • In Anbetracht der Tatsache, dass eine identische zugrundeliegende genetische Ursache der Erkrankung und für die 13-17-jährigen Jugendlichen mit offenen Wachstumsfugen eine zu 1-bis 12-jährigen Kindern vergleichbare Pathophysiologie vorliegt, wird der Zusatznutzen für die Gesamtpopulation abgeleitet. Das Ausmaß des gezeigten Vorteils im Endpunkt 6MWT kann nicht quantifiziert werden. In der Gesamtschau wird für Kinder und Jugendliche ab 1 Jahr bis ≤ 17 Jahre mit XLH mit röntgenologischem Nachweis einer Knochenerkrankung ein nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen abgeleitet.

Zugehörige Verfahren

Burosumab (7) Crysvita® Kyowa Kirin GmbH Stoffwechselkrankheiten X-chromosomale Hypophosphatämie; ≥ 1 Monat bis < 1 Jahr n.d. laufendes Verfahren Orphan (Umsatzgrenze)
Burosumab (6) Crysvita® Kyowa Kirin GmbH Stoffwechselkrankheiten FGF23-bedingte Hypophosphatämie bei tumorinduzierter Osteomalazie 60–140 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Burosumab (5) Crysvita® Kyowa Kirin GmbH Stoffwechselkrankheiten X-chromosomale Hypophosphatämie, ≥ 18 Jahre 410–810 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Burosumab (4) Crysvita® Kyowa Kirin GmbH Stoffwechselkrankheiten X-chromosomale Hypophosphatämie, ≥ 1 bis < 17 Jahre 200–550 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan (Umsatzgrenze)
Burosumab (3) Crysvita® Kyowa Kirin GmbH Stoffwechselkrankheiten X-chromosomale Hypophosphatämie, ≥ 18 Jahre 0
410–810
100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen Orphan aufgehoben
Burosumab (2) Crysvita® Kyowa Kirin GmbH Stoffwechselkrankheiten X-chromosomale Hypophosphatämie, ≥ 1 bis < 18 Jahre 0
200–500
100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben
Burosumab (1) Crysvita® Kyowa Kirin GmbH Stoffwechselkrankheiten X-chromosomale Hypophosphatämie, ≥ 1 bis < 18 Jahre 0
200–500
100% nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben


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