Zanubrutinib (4) – Brukinsa®

Chronische lymphatische Leukämie (CLL), rezidiviert und/oder refraktär

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.12.2022 – Zulassung: 15.11.2022
Beschluss 15.06.2023
Wirkstoff Zanubrutinib
Handelsname Brukinsa®
Pharm. Unternehmer Dossier: BeiGene Germany GmbH
Neuer Inverkehrbringer: BeOne Medicines Germany GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-903
ATC-Code L01EL03 BTK-Inhibitoren (L01EL)
ICD-10 Codes (AIS) C91.10Chronische lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ (CLL): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C91.11Chronische lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ (CLL): In kompletter Remission
Alpha-ID Codes (AIS) I25521CLL (Chronische lymphatische Leukämie), I31079CLL (Chronische lymphatische Leukämie) in kompletter Remission
DDD Tagesdosis 0.32 g oral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Besonderheit Bundling Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Eine Brukinsa-Monotherapie wird angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL).

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL), die weder einen BTK-Inhibitor noch einen BCL2-Inhibitor erhalten haben - Ibrutinib oder - Venetoclax + Rituximab oder - eine Chemoimmuntherapie mit FCR oder BR oder ClbR (jeweils nur bei langem rezidivfreien Intervall und fehlenden genetischen Risikofaktoren)
b) Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) nach einer Vortherapie mit mindestens einem BTK-Inhibitor Venetoclax + Rituximab
c) Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) nach einer Vortherapie mit mindestens einem BCL2-Inhibitor Ibrutinib
d) Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) nach einer Vortherapie mit mindestens einem BTK-Inhibitor und einem BCL2-Inhibitor Patientenindividuelle Therapie unter Auswahl von • Idelalisib in Kombination mit Rituximab, • Bendamustin in Kombination mit Rituximab, • Chlorambucil in Kombination mit Rituximab und • Best-Supportive-Care

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (ALPINE)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Vorbehandlung

a) Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL), die weder einen BTK-Inhibitor noch einen BCL2-Inhibitor erhalten haben

  • In der Gesamtbewertung wird ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen gegenüber Ibrutinib festgestellt.
  • Mortalität
    • Der Endpunkt Gesamtüberleben wurde in der Studie ALPINE definiert als Zeit vom Beginn der Studienbehandlung bis zum Tod aus jeglicher Ursache. Dabei zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • In Bezug auf das Gesamtüberleben ist somit ein Zusatznutzen von Zanubrutinib im Vergleich zu Ibrutinib nicht belegt.
    • Für den Endpunkt liegt eine Effektmodifikation durch das Merkmal Alter vor. Dabei zeigt sich für Patientinnen und Patienten < 65 Jahre ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Zanubrutinib. Für Patientinnen und Patienten ≥ 65 Jahre zeigt sich demgegenüber kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Diese Effektmodifikation zeigt sich nicht bei weiteren Endpunkten. Insgesamt wird die Aussagekraft der vorliegenden Subgruppenergebnisse für die Bewertung des Zusatznutzens als nicht ausreichend erachtet.
  • Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
    • Das progressionsfreie Überleben (PFS) ist in der Studie definiert als Zeit vom Beginn der Studienbehandlung bis zur ersten dokumentierten Krankheitsprogression oder bis zum Tod, je nachdem, was zuerst eintrat. Für das PFS zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Zanubrutinib im Vergleich zu Ibrutinib.
    • Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt.
    • Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA. Die Gesamtaussage zum Ausmaß des Zusatznutzens bleibt davon unberührt.
  • Morbidität - Symptomatik (EORTC QLQ-C30)
    • Für die Endpunkte Fatigue, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen, Appetitverlust, Dyspnoe, Schlaflosigkeit und Obstipation ergibt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Allein für den Endpunkt Diarrhö zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zugunsten von Zanubrutinib.
  • Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)
    • Für den Endpunkt Gesundheitszustand, erhoben mit der EQ-5D VAS, zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Für die Endpunkte allgemeiner Gesundheitszustand, physische Funktion, Rollenfunktion, kognitive Funktion, emotionale Funktion und soziale Funktion zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität liegt kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen vor.
  • Nebenwirkungen - schwerwiegende UE (SUE) und Abbruch wegen UE
    • Für die Endpunkte SUE und Abbruch wegen UE zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Zanubrutinib im Vergleich zu Ibrutinib.
  • Nebenwirkungen - schwere UE
    • Für den Endpunkt schwere UE zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Nebenwirkungen - Herzerkrankungen (schwere UE)
    • Für den Endpunkt Herzerkrankungen (schwere UE) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Zanubrutinib im Vergleich zu Ibrutinib.
  • Nebenwirkungen - Muskelspasmen (UE)
    • Für den Endpunkt Muskelspasmen (UE) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Zanubrutinib im Vergleich zu Ibrutinib.
  • Nebenwirkungen - Infektionen und parasitäre Erkrankungen (schwere UE) und Blutungen (UE)
    • Für die Endpunkte Infektionen und parasitäre Erkrankungen (schwere UE) und Blutungen (UE) zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • Die vorliegende Nutzenbewertung von Zanubrutinib als Monotherapie zur Behandlung Erwachsener mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL), die weder einen BTK-Inhibitor noch einen BCL2-Inhibitor erhalten haben, basiert auf den Ergebnissen der Studie ALPINE zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen im Vergleich zu Ibrutinib.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Für die Endpunktkategorien Morbidität erhoben anhand der Symptomskalen des Fragebogen EORTC QLQ-C30 und des EQ 5D VAS sowie für die Endpunktkategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität erhoben anhand der Funktionsskalen des Fragebogen EORTC QLQ-C30 ergeben sich keine relevanten Vor- oder Nachteile.
    • Bei den Nebenwirkungen liegen für die Endpunkte SUE, Abbruch wegen UE sowie im Detail bei den spezifischen UE positive Effekte von Zanubrutinib im Vergleich zu Ibrutinib vor. Das Ausmaß des Vorteils wird hierbei insgesamt als gering bewertet.
    • In der Gesamtbewertung wird daher für Zanubrutinib als Monotherapie zur Behandlung Erwachsener mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL), die weder einen BTK-Inhibitor noch einen BCL2-Inhibitor erhalten haben, ein geringer Zusatznutzen gegenüber Ibrutinib festgestellt.

b) Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) nach einer Vortherapie mit mindestens einem BTK-Inhibitor

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) nach einer Vortherapie mit mindestens einem BTK-Inhibitor, legt der pharmazeutische Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor. Somit ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

c) Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) nach einer Vortherapie mit mindestens einem BCL2-Inhibitor

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) nach einer Vortherapie mit mindestens einem BCL2-Inhibitor, legt der pharmazeutische Unternehmer die Studie ALPINE vor. In die Studie wurden wenige Patientinnen und Patienten mit rezidivierter/refraktärer CLL, nach einer Vortherapie mit mindestens einem BCL2-Inhibitor eingeschlossen (Zanubrutinib N = 7, Ibrutinib N = 8). Der pharmazeutische Unternehmer legt keine getrennten Auswertungen für diese kleine Teilpopulation vor. Die Studie ALPINE ist für die Nutzenbewertung von Patientinnen und Patienten mit rezidivierter/refraktärer CLL, nach Vortherapie mit mindestens einem BCL2-Inhibitor nicht relevant.
  • Daher liegen keine geeignete Daten zur Bewertung des Zusatznutzens von Zanubrutinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor. Somit ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

d) Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) nach einer Vortherapie mit mindestens einem BTK-Inhibitor und einem BCL2-Inhibitor

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für Erwachsene mit rezidivierter/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) nach einer Vortherapie mit mindestens einem BTK-Inhibitor und einem BCL2-Inhibitor, legt der pharmazeutische Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor. Somit ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

Zugehörige Verfahren



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