Zanubrutinib (2) – Brukinsa®
Chronische lymphatische Leukämie (CLL), Erstlinie
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.12.2022 – Zulassung: 15.11.2022 |
|---|---|
| Beschluss | 15.06.2023 |
| Wirkstoff | Zanubrutinib |
| Handelsname | Brukinsa® |
| Pharm. Unternehmer |
Dossier: BeiGene Germany GmbH
Neuer Inverkehrbringer: BeOne Medicines Germany GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-895 |
| ATC-Code | L01EL03 BTK-Inhibitoren (L01EL) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C91.10Chronische lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ (CLL): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C91.11Chronische lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ (CLL): In kompletter Remission |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I25521CLL (Chronische lymphatische Leukämie), I31079CLL (Chronische lymphatische Leukämie) in kompletter Remission, I31079CLL (Chronische lymphatische Leukämie) in kompletter Remission |
| DDD Tagesdosis | 0.32 g oral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Chronische lymphatische Leukämie (CLL) |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Besonderheit | Bundling Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Eine Brukinsa-Monotherapie wird angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL). |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind | - Ibrutinib oder - Ibrutinib in Kombination mit Rituximab oder Obinutuzumab oder - Fludarabin in Kombination mit Cyclophosphamid und Rituximab [FCR] (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und < 65 Jahren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind) oder - Bendamustin in Kombination mit Rituximab (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und die entsprechend der obigen Kriterien nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind) oder - Chlorambucil in Kombination mit Rituximab oder Obinutuzumab (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und die entsprechend der obigen Kriterien nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind) |
| b) | Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind und Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) mit genetischen Risikofaktoren | - Ibrutinib oder - Ibrutinib in Kombination mit Rituximab oder Obinutuzumab oder - Fludarabin in Kombination mit Cyclophosphamid und Rituximab [FCR] (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und < 65 Jahren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind) oder - Bendamustin in Kombination mit Rituximab (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und die entsprechend der obigen Kriterien nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind) oder - Chlorambucil in Kombination mit Rituximab oder Obinutuzumab (nur für Patientinnen und Patienten ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren und die entsprechend der obigen Kriterien nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind) |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (SEQUOIA) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Krankheitsstadium |
- Klinische Studien
- Die Nutzenbewertung liegen die Ergebnisse der randomisierten, offenen, noch laufenden Phase-III-Studie SEQUOIA zugrunde. In der Studie wird Zanubrutinib mit Bendamustin in Kombination mit Rituximab (BR) verglichen.
a) Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten nicht für eine Therapie mit FCR geeignet sind
- In der Gesamtbetrachtung wird für Zanubrutinib ein geringer Zusatznutzen festgestellt.
- Insgesamt wird für die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen ein Anhaltspunkt abgeleitet.
- Mortalität
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Zanubrutinib gegenüber BR.
- Für das Gesamtüberleben lässt sich somit kein Vor- oder Nachteil von Zanubrutinib gegenüber BR feststellen.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben
- Unter Zanubrutinib ist das PFS im Vergleich zu BR statistisch signifikant verlängert.
- Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien „Mortalität“ und „Morbidität“ zusammensetzt. Die Endpunktkomponente „Mortalität“ wird bereits über den Endpunkt „Gesamtüberleben“ als eigenständiger Endpunkt erhoben. Die Erhebung der Morbiditätskomponente "Krankheitsprogression" erfolgt nicht symptombezogen, sondern überwiegend mittels laborparametrischer, bildgebender und hämatologischer Verfahren. Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA. Die Gesamtaussage zum Zusatznutzen bleibt davon unberührt.
- Morbidität - Symptomatik
- Die Symptomatik wurde in der Studie SEQUOIA mittels der Symptomskalen des Fragebogen EORTC QLQ-C30 erhoben.
- Es zeigt sich für keinen der erhobenen Endpunkte des Fragebogens zur Symptomatik ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Zanubrutinib gegenüber BR.
- Morbidität - Gesundheitszustand
- Der Gesundheitszustand wird in der Studie SEQUOIA mittels der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D erhoben. Für den Endpunkt Gesundheitszustand zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Zanubrutinib gegenüber BR.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Für die Endpunkte allgemeiner Gesundheitszustand, physische Funktion, kognitive Funktion, emotionale Funktion und soziale Funktion zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Allein für den Endpunkt Rollenfunktion zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zugunsten von Zanubrutinib.
- In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse wird hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität weder ein Vor- noch ein Nachteil für Zanubrutinib festgestellt.
- Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE)
- Für den Endpunkt SUE zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Nebenwirkungen - Schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3)
- Für den Endpunkt schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Zanubrutinib im Vergleich zu BR.
- Nebenwirkungen - Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse
- Für den Endpunkt Abbruch aufgrund von unerwünschten Ereignissen werden die Ergebnisse aus dem Dossier herangezogen, da dieser Endpunkt in der vorliegenden Datensituation nur Ereignisse umfasst, die während der Dauer der Behandlung mit der Studienmedikation auftraten.
- Es zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Zanubrutinib im Vergleich zu BR.
- Nebenwirkungen - Spezifische unerwünschte Ereignisse
- Für die Endpunkte Fieber (SUEs), Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems (schwere UEs) und Untersuchungen (schwere UEs) sowie Übelkeit (UEs) und Hypotonie (UEs) zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Zanubrutinib.
- Für den Endpunkt Blutungen (UEs) sowie Kontusion (UEs) zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zum Nachteil von Zanubrutinib.
- Für die Endpunkte Blutungen (schwere UEs), Herzerkrankungen (schwere UEs) sowie Infektionen und parasitäre Erkrankungen (schwere UEs) zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Für den Endpunkt Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion liegen keine geeigneten Daten vor, da aufgrund des offenen Studiendesigns (ohne Placeboinfusion) und einer regelhaft intravenösen Gabe ausschließlich im Vergleichsarm gegenüber einer oralen Gabe im Interventionsarm keine vergleichenden Daten für diesen Endpunkt erhoben wurden.
- Gesamtbewertung / Fazit
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigen sich keine Vor- oder Nachteile für Zanubrutinib.
- Für die Endpunktkategorien Morbidität und gesundheitsbezogene Lebensqualität ergeben sich ebenfalls keine Vor- oder Nachteile für Zanubrutinib gegenüber BR.
- In der Gesamtbetrachtung der Nebenwirkungen liegen in den Gesamtkategorien schwere UE (CTCAE ≥ 3) und Abbruch wegen UE als auch überwiegend im Detail bei spezifischen UE Vorteile von Zanubrutinib gegenüber BR vor. Insgesamt wird dies als eine relevante Verbesserung der Nebenwirkungen gewertet.
- Zusammenfassend ergibt sich eine relevante Verbesserung bei den Nebenwirkungen. Bezüglich der patientenrelevanten Endpunkte zum Gesamtüberleben, zur Morbidität und zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigen sich keine relevanten Unterschiede.
- In der Gesamtbetrachtung gelangt der G-BA zu dem Ergebnis, dass für Zanubrutinib ein geringer Zusatznutzen im Vergleich zu BR vorliegt.
b) Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind und Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) mit genetischen Risikofaktoren
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Für Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) mit genetischen Risikofaktoren und Erwachsene mit nicht vorbehandelter chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) ohne Vorliegen genetischer Risikofaktoren, die anhand ihres Allgemeinzustandes und ihrer Komorbiditäten für eine Therapie mit FCR geeignet sind, legt der pharmazeutische Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor. Somit ist ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
Zugehörige Verfahren
| Zanubrutinib (5) | Brukinsa® | BeiGene Germany GmbH | Follikuläres Lymphom, nach ≥ 2 Vortherapien, Kombination mit Obinutuzumab | 370–840 | 100% Zusatznutzen nicht belegt | |
| Zanubrutinib (2) | Brukinsa® | BeiGene Germany GmbH | Chronische lymphatische Leukämie (CLL), Erstlinie | 3.180–3.200 | 50% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen | |
| Zanubrutinib (3) | Brukinsa® | BeiGene Germany GmbH | Marginalzonenlymphom (MZL), nach mind. 1 Vortherapie mit Anti-CD20-Antikörper | 590–1.760 | 100% Zusatznutzen nicht belegt | |
| Zanubrutinib (4) | Brukinsa® | BeiGene Germany GmbH | Chronische lymphatische Leukämie (CLL), rezidiviert und/oder refraktär | 8.800–12.750 | 23% Hinweis auf geringer Zusatznutzen | |
| Zanubrutinib (1) | Brukinsa® | BeiGene Germany GmbH | Morbus Waldenström, Erstlinie (Chemo-Immuntherapie ungeeignet) oder nach mind. 1 Vortherapie | 450–1.050 | 100% Zusatznutzen nicht belegt |
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