Trifluridin / Tipiracil (3) – Lonsurf®

Kolorektalkarzinom, vorbehandelte Patienten

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.04.2020 – Zulassung: 25.04.2016
Beschluss 01.10.2020
Wirkstoff Trifluridin/Tipiracil
Handelsname Lonsurf®
Pharm. Unternehmer Servier Deutschland GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-535
ATC-Code L01BC59 Pyrimidin-Analoga (L01BC)
ICD-10 Codes (AIS) C18.0Bösartige Neubildung: Zäkum, C18.1Bösartige Neubildung: Appendix vermiformis, C18.2Bösartige Neubildung: Colon ascendens, C18.3Bösartige Neubildung: Flexura coli dextra (hepatica), C18.4Bösartige Neubildung: Colon transversum, C18.5Bösartige Neubildung: Flexura coli sinistra (lienalis), C18.6Bösartige Neubildung: Colon descendens, C18.7Bösartige Neubildung: Colon sigmoideum, C18.8Bösartige Neubildung: Kolon, mehrere Teilbereiche überlappend, C18.9Bösartige Neubildung: Kolon, nicht näher bezeichnet, C19Bösartige Neubildung am Rektosigmoid, Übergang, C20Bösartige Neubildung des Rektums
Alpha-ID Codes (AIS) I104488Bösartige Neubildung des rektosigmoidalen Überganges, I115345Karzinom des Colon und des Sigmas, I18119Bösartige Neubildung des Rektums, I25671Bösartige Neubildung der Flexura coli sinistra, I29955Bösartige Neubildung des Kolons, I29956Bösartige Neubildung des Zäkums, I29957Bösartige Neubildung der Appendix vermiformis, I29959Bösartige Neubildung des Colon ascendens, I29964Bösartige Neubildung der Flexura coli dextra, I29966Bösartige Neubildung des Colon transversum, I29971Bösartige Neubildung des Colon descendens, I29972Bösartige Neubildung des Colon sigmoideum
DDD Tagesdosis 45 mg oral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Kolorektalkarzinom (CRC) / Dünndarmkarzinom
Grund des Verfahrens Neubewertung: Ablauf Befristung
Ursprünglicher Beschluss: Trifluridin / Tipiracil (1) (02.02.2017)
Besonderheit Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Lonsurf wird angewendet als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (KRK), die bereits mit verfügbaren Therapien behandelt wurden oder die für diese nicht geeignet sind. Diese Therapien beinhalten Fluoropyrimidin-, Oxaliplatin- und Irinotecan-basierte Chemotherapien, Anti-VEGF- und Anti-EGFR-Substanzen.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsenen Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (KRK), die bereits mit verfügbaren Therapien behandelt wurden oder die für diese nicht geeignet sind. Diese Therapien beinhalten Fluoropyrimidin-, Oxaliplatin- und Irinotecan-basierte Chemotherapien, Anti-VEGF- und Anti-EGFR-Substanzen Best-Supportive-Care

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (RECOURSE, TERRA)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
ja

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie RECOURSE handelt es sich um eine internationale, randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie, in der Trifluridin/ Tipiracil direkt gegenüber Placebo verglichen wurde und BSC in beiden Behandlungsgruppen Bestandteil der Therapie war.
    • Die Studie TERRA ist eine in Asien durchgeführte, doppelblinde RCT zum Vergleich von Trifluridin/Tipiracil + BSC mit Placebo + BSC.

Erwachsene Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (KRK), die bereits mit verfügbaren Therapien behandelt wurden oder die für diese nicht geeignet sind. Diese Therapien beinhalten Fluoropyrimidin-, Oxaliplatin- und Irinotecan-basierte Chemotherapien, Anti-VEGF- und Anti-EGFR-Substanzen.

  • Für erwachsene Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (KRK), die bereits mit verfügbaren Therapien behandelt wurden, welche Fluoropyrimidin-, Oxaliplatin- und Irinotecan- basierte Chemotherapien, Anti-VEGF- und Anti-EGFR-Substanzen umfassen oder die für diese nicht geeignet sind, liegt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vor.
  • Obwohl eine Metaanalyse zu 2 Studien vorliegt wird aus diesen Gründen die Aussagesicherheit (Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens) für die Gesamtaussage zum Zusatznutzen als Anhaltspunkt eingestuft.
  • Mortalität
    • In der Metaanalyse aus den Studien RECOURSE und TERRA zeigt sich eine statistisch signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens durch die Behandlung mit Trifluridin/Tipiracil + BSC im Vergleich zu BSC.
    • Unter Berücksichtigung des fortgeschrittenen Krankheits- und Behandlungsstadiums wird die erzielte Verlängerung in der Überlebenszeit als eine relevante, jedoch nicht über ein geringes Ausmaß hinausgehende Verbesserung bewertet.
  • Morbidität
    • In den Studien RECOURSE und TERRA wurde die Symptomatik nicht erhoben.
    • In der Metaanalyse zeigt sich eine statistisch signifikante Verlängerung des PFS für die Behandlung mit Trifluridin/Tipiracil + BSC gegenüber BSC.
    • Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt.
    • Die Erhebung der Morbidität nicht primär anhand von Krankheitssymptomen, sondern allein auf Basis von asymptomatischen, nicht unmittelbar patientenrelevanten Befunden.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde in der Studien RECOURSE und TERRA nicht untersucht.
    • Die Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität aus der Studie TALLISUR sind in ihrer Interpretierbarkeit stark eingeschränkt und können für die Nutzenbewertung nicht herangezogen werden.
  • Nebenwirkungen
    • Unerwünschte Ereignisse (mit und ohne Progression der Grunderkrankung) traten in den Studien RECOURSE und TERRA bei fast allen Patienten mindestens einmal auf, sodass sich im Vergleich der beiden Studienarme keine Aussagen für die Bewertung des Zusatznutzens ableiten lassen.
    • In der Auswertung der SUEs ohne Ereignisse, die auf eine Progression der Grunderkrankung zurückzuführen sind, zeigt sich für die Studie RECOURSE jedoch kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UE zeigt sich in der Metaanalyse ein statistisch signifikanter Vorteil für die Behandlung mit Trifluridin/Tipiracil gegenüber BSC.
    • Im Detail zeigt sich ein statistisch signifikanter Nachteil für Trifluridin/Tipiracil bei den spezifischen UE für den Endpunkt Myelosuppression (CTCAE-Grad ≥ 3), mit den häufigen Manifestationen Anämie, febrile Neutropenie, Leukopenie und Neutropenie sowie ein statistisch signifikanter Nachteil für Trifluridin/Tipiracil für den Endpunkt Gastrointestinale Toxizität (SOC gastrointestinale Erkrankungen), mit den häufigen Manifestationen Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen.
  • Gesamtbewertung
    • Für das Gesamtüberleben zeigt sich eine Verlängerung in der Überlebenszeit durch die Behandlung mit Trifluridin/Tipiracil im Vergleich zu Best-Supportive-Care, die als eine relevante, jedoch nicht über ein geringes Ausmaß hinausgehende Verbesserung bewertet wird.
    • Die Symptomatik sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde in den Studien RECOURSE und TERRA nicht erhoben.
    • In der Gesamtschau der Ergebnisse der Nebenwirkungen ist weder ein Vor- noch Nachteil abzuleiten.
    • In der Gesamtbewertung wird eine moderate und nicht nur geringfügige Verbesserung des therapierelevanten Nutzens und damit ein geringer Zusatznutzen von Trifluridin/Tipiracil gegenüber Best-Supportive-Care festgestellt.

Zugehörige Verfahren



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