Risankizumab (3) – Skyrizi®
Morbus Crohn, vorbehandelt
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.01.2023 – Zulassung: 21.11.2022 |
|---|---|
| Beschluss | 15.06.2023 |
| Befristung bis | 01.08.2028 |
| Wirkstoff | Risankizumab |
| Handelsname | Skyrizi® |
| Pharm. Unternehmer | AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG |
| G-BA Vorgangsnummer | D-892 |
| ATC-Code | L04AC18 Interleukin-Inhibitoren (L04AC) |
| ICD-10 Codes (AIS) | K50.0Crohn-Krankheit des Dünndarmes, K50.1Crohn-Krankheit des Dickdarmes, K50.80Crohn-Krankheit des Magens, K50.81Crohn-Krankheit der Speiseröhre, K50.82Crohn-Krankheit der Speiseröhre und des Magen-Darm-Traktes, mehrere Teilbereiche betreffend, K50.9Crohn-Krankheit, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I115933Crohn-Krankheit des Magens, I115934Crohn-Krankheit der Speiseröhre, I18518Morbus Crohn, I5642Crohn-Krankheit des Dünndarmes, I5646Crohn-Krankheit des Dickdarmes, I87913Crohn-Krankheit des Dünndarmes und des Dickdarmes |
| DDD Tagesdosis | 1.11 mg parenteral |
| Therapeutisches Gebiet | Krankheiten des Verdauungssystems Morbus Crohn |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Besonderheit | Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Skyrizi wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn, die auf eine konventionelle Therapie oder ein Biologikum unzureichend angesprochen, diese(s) nicht vertragen haben oder nicht mehr darauf ansprechen |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn, die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen, das Ansprechen verloren oder diese nicht vertragen haben | Ein TNF-α-Antagonist (Adalimumab oder Infliximab) oder Integrin-Inhibitor (Vedolizumab) oder Interleukin-Inhibitor (Ustekinumab) |
| b) | Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn, die auf ein Biologikum (TNF-α-Antagonist oder Integrin-Inhibitor oder Interleukin-Inhibitor) unzureichend angesprochen, das Ansprechen verloren oder diese nicht vertragen haben | Ein Wechsel der Therapie auf einen TNF-α-Antagonisten (Adalimumab oder Infliximab) oder Integrin-Inhibitoren (Vedolizumab) oder Interleukin-Inhibitoren (Ustekinumab) |
Studien und Ergebnisse
|
Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (SEQUENCE) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
|
Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Vorbehandlung |
- Klinische Studien
- Bei der Studie SEQUENCE handelt es sich um eine noch laufende, offene RCT zum Vergleich von Risankizumab mit Ustekinumab bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit aktivem mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn, die unzureichend auf TNF-α-Antagonisten angesprochen oder diese nicht vertragen haben.
a) Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn, die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen, das Ansprechen verloren oder diese nicht vertragen haben
- Für die Bewertung des Zusatznutzens von Risankizumab bei Erwachsenen mit mittelschwerem bis schwerem aktiven Morbus Crohn, die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen, das Ansprechen verloren oder diese nicht vertragen haben legt der pharmazeutische Unternehmer keine (vergleichenden) Studien vor.
- Da keine Daten vorliegen, ist ein Zusatznutzen für die Patientenpopulation a nicht belegt.
b) Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn, die auf ein Biologikum (TNF-α-Antagonist oder Integrin-Inhibitor oder Interleukin-Inhibitor) unzureichend angesprochen, das Ansprechen verloren oder diese nicht vertragen haben
- In der Gesamtschau der positiven Effekte unter Berücksichtigung der genannten Unsicherheiten, stellt der G-BA einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen fest.
- Mortalität
- Es traten in beiden Behandlungsarmen keine Todesfälle auf.
- Morbidität - Klinische Remission (PRO-2)
- In der vorliegenden Bewertung wird für den Endpunkt klinische Remission der PRO-2 (bestehend aus den in einem Patiententagebuch berichteten Symptomen Stuhlfrequenz sowie abdominaler Schmerz auf einer Skala von 0 = keine, 1 = mild, 2 = mittelschwer, 3 = schwer), mit der Operationalisierung durchschnittliche Stuhlfrequenz ≤ 2.8/Tag und durchschnittlicher abdominaler Schmerz ≤ 1/Tag und beide jeweils nicht schlechter als zur Baseline, zu Woche 24 herangezogen.
- Für den Endpunkt klinische Remission, erhoben mit dem PRO-2, zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Risankizumab im Vergleich zu Ustekinumab.
- Morbidität - Steroidfreie Remission (PRO-2)
- Der Endpunkt steroidfreie Remission wurde operationalisiert als durchschnittliche tägliche Stuhlfrequenz ≤ 2,8 und durchschnittliche tägliche abdominale Schmerzen ≤ 1 und beide jeweils nicht schlechter als zu Studienbeginn bei gleichzeitiger Steroidfreiheit zu Woche 24.
- Für den Endpunkt Steroidfreie Remission, erhoben mit dem PRO-2, zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zum Vorteil von Risankizumab im Vergleich zu Ustekinumab.
- Morbidität - Hospitalisierung (krankheitsspezifische Hospitalisierung und Gesamthospitalisierung)
- Insgesamt ist nicht hinreichend sichergestellt, dass der Endpunkt krankheitsspezifische Hospitalisierung tatsächlich überwiegend schwere durch Morbus Crohn bedingte Ereignisse abbildet. Daher wird er im vorliegenden Fall nicht für die Bewertung herangezogen.
- Des Weiteren ist davon auszugehen, dass auch Daten unter Folgetherapie in die Auswertungen eingingen, wobei unklar bleibt ob Hospitalisierungen ggf. auch zur Einleitung von Folgetherapien erfolgten. Beides betrifft auch den Endpunkt Gesamthospitalisierung, weswegen dieser nicht sinnvoll interpretierbar ist und ebenfalls im vorliegenden Fall nicht herangezogen wird.
- Morbidität - Darmsymptome (IBDQ)
- Für den Endpunkt Darmsymptome, erhoben mit dem entsprechenden Subscore des IBDQ, zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Risankizumab im Vergleich zu Ustekinumab.
- Morbidität - Systemische Symptome (IBDQ)
- Für den Endpunkt systemische Symptome, erhoben mit dem entsprechenden Subscore des IBDQ, zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität - Inflammatory Bowel Disease Questionnaire (IBDQ)
- Der IBDQ ist ein verbreitetes und validiertes krankheitsspezifisches Instrument in der vorliegenden Indikation Morbus Crohn. Der IBDQ umfasst insgesamt 32 Fragen zu Aspekten entzündlicher Darmerkrankungen. Der Fragebogen umfasst 4 Domänen, mit 10 Fragen zu Darmsymptomen, 5 Fragen zu systemischen Symptomen, 12 Fragen zur emotionalen Funktion und 5 Fragen zur sozialen Funktion. Jede Frage kann auf einer Skala von 1 bis 7 bewertet werden, wobei höhere Werte jeweils einen besseren Zustand angeben. Die Gesamtpunktzahl (IBDQ Gesamtscore) reicht von 32 bis 224 Punkten.
- Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität, erhoben mit dem IBDQ-Gesamtscore, zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Risankizumab im Vergleich zu Ustekinumab.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität - SF-36 körperlicher Summenscore (PCS)
- Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität, erhoben mit dem SF-36 körperlicher Summenscore (PCS), zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Risankizumab im Vergleich zu Ustekinumab. Das 95 %-Konfidenzintervall der standardisierten Mittelwertdifferenz liegt vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs [−0,2; 0,2]. Dies wird als klinisch relevanter Effekt interpretiert.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität - SF-36 psychischer Summenscore (MCS)
- Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität, erhoben mit dem SF-36 psychischer Summenscore (MCS), zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Risankizumab im Vergleich zu Ustekinumab. Das 95 %-Konfidenzintervall der standardisierten Mittelwertdifferenz liegt jedoch nicht vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs [−0,2; 0,2]. Damit lässt sich nicht ableiten, dass der beobachtete Effekt klinisch relevant ist.
- Nebenwirkungen
- Zu den Endpunkten der Nebenwirkungen liegen keine geeigneten Daten vor. Dies liegt darin begründet, dass die Auswahl der Ereignisse, die der pharmazeutische Unternehmer als erkrankungsbezogen ansieht, zum einen nicht vollständig erscheint, und dass zum anderen unklar bleibt, mit welcher klinischen Rationale die entsprechenden Ereignisse vom pharmazeutischen Unternehmer ausgewählt wurden.
- Gesamtschau
- Für die Nutzenbewertung liegt die noch laufende, offene Studie SEQUENCE zum Vergleich von Risankizumab mit Ustekinumab bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit aktivem mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn, die unzureichend auf TNF-α-Antagonisten angesprochen oder diese nicht vertragen haben, vor.
- Es traten keine Todesfälle auf.
- In der Kategorie Morbidität zeigen sich für die Endpunkte klinische Remission (PRO-2), steroidfreie Remission (PRO-2) und Darmsymptome (IBDQ) statistisch signifikante Vorteile zugunsten von Risankizumab.
- In der Kategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität ergeben sich für die Endpunkte IBDQ-Gesamtscore und dem SF-36 körperlichen Summenscore statistisch signifikante und klinisch relevante Vorteile zugunsten von Risankizumab.
- Für die Kategorie Nebenwirkungen liegen keine geeigneten Daten vor.
- In der Gesamtschau der Ergebnisse zeigt sich auf Basis der positiven Effekte von Risankizumab bei den Endpunktkategorien Morbidität (klinische Remission, steroidfreie Remission, Darmsymptome) sowie gesundheitsbezogener Lebensqualität (IBDQ Gesamtscore, SF-36 körperlicher Summenscore) eine bisher nicht erreichte moderate Verbesserung gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie, so dass insgesamt ein geringer Zusatznutzen für Risankizumab gegenüber Ustekinumab abgeleitet wird.
Zugehörige Verfahren
| Risankizumab (5) | Skyrizi® | AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG | Mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis; 6 bis < 18 Jahre | n.d. | laufendes Verfahren | |
| Risankizumab (4) | Skyrizi® | AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG | Colitis ulcerosa, vorbehandelt | 29.100 | 100% Zusatznutzen nicht belegt | |
| Risankizumab (3) | Skyrizi® | AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG | Morbus Crohn, vorbehandelt | 18.800–35.250 | 40% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen | |
| Risankizumab (2) | Skyrizi® | AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG | Psoriasis-Arthritis, Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat | 29.100 | 100% Zusatznutzen nicht belegt | |
| Risankizumab (1) | Skyrizi® | AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG | Plaque-Psoriasis | 35.900–121.500 | 82% Beleg für beträchtlicher Zusatznutzen |
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