Ribociclib (3) – Kisqali®

Mammakarzinom, HR+, HER2-, Kombination mit einem Aromatasehemmer

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.03.2020 – Zulassung: 17.12.2018
Beschluss 20.08.2020
Wirkstoff Ribociclib
Handelsname Kisqali®
Pharm. Unternehmer Novartis Pharma GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-517
ATC-Code L01EF02 CDK-Inhibitoren (L01EF)
ICD-10 Codes (AIS) C50.0Bösartige Neubildung: Brustwarze und Warzenhof, C50.1Bösartige Neubildung: Zentraler Drüsenkörper der Brustdrüse, C50.2Bösartige Neubildung: Oberer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.3Bösartige Neubildung: Unterer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.4Bösartige Neubildung: Oberer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.5Bösartige Neubildung: Unterer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.6Bösartige Neubildung: Recessus axillaris der Brustdrüse, C50.8Bösartige Neubildung: Brustdrüse, mehrere Teilbereiche überlappend, C50.9Bösartige Neubildung: Brustdrüse, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I102868Bösartige Neubildung der äußeren 2 Quadranten der Brustdrüse, I102970Bösartige Neubildung des oberen inneren Quadranten der Brustdrüse, I102971Bösartige Neubildung des unteren inneren Quadranten der Brustdrüse, I102972Bösartige Neubildung des oberen äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102973Bösartige Neubildung des unteren äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102998Bösartige Neubildung des zentralen Drüsenkörpers der Brustdrüse, I102999Bösartige Neubildung des Recessus axillaris der Brustdrüse, I111628Bösartige Neubildung der Brustwarze und des Warzenhofes, I18060Metastasierendes Mammakarzinom
DDD Tagesdosis 0.45 g oral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom / Brustkrebs (BC)
Grund des Verfahrens Neubewertung: Ablauf Befristung
Ursprünglicher Beschluss: Ribociclib (1) (16.03.2018)
Besonderheit Bundling Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Kisqali wird zur Behandlung von Frauen mit einem Hormonrezeptor(HR)-positiven, humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2(HER2)-negativen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant als initiale endokrinbasierte Therapie oder bei Frauen mit vorangegangener endokriner Therapie angewendet.

Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sollte die endokrine Therapie mit einem LHRH-Agonisten (LHRH = Luteinising Hormone-Releasing Hormone) kombiniert werden.

Hinweis:

Patientengruppe Indikation ZVT
a1) Postmenopausale Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, die noch keine initiale endokrine Therapie erhalten haben Anastrozol oder Letrozol oder Fulvestrant oder ggf. Tamoxifen, wenn Aromatasehemmer nicht geeignet sind

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (MONALEESA-2)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Für den Nachweis eines Zusatznutzens von Ribociclib in Kombination mit Letrozol gegenüber Placebo in Kombination mit Letrozol hat der pharmazeutische Unternehmer die Ergebnisse des aktuellsten Datenschnitts der randomisierten, doppelblinden kontrollierten Phase-III-Studie MONALEESA-2 vorgelegt, welche bereits aus der vorangegangenen Nutzenbewertung von Ribociclib im vorliegenden Anwendungsgebiet bekannt ist.

a1) postmenopausale Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, die noch keine initiale endokrine Therapie erhalten haben

  • In der Gesamtschau wird ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen für Ribociclib plus Letrozol im Vergleich zu Letrozol in der Behandlung von postmenopausalen Frauen mit Hormonrezeptor (HR)-positivem, HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, die noch keine initiale endokrine Therapie erhalten haben, abgeleitet.
  • Angesichts der maßgeblichen Bedeutung des Ergebnisses zum Gesamtüberleben für die oben dargelegte Abwägungsentscheidung in der Gesamtbewertung zum Zusatznutzen wird daher die Aussagesicherheit für den festgelegten Zusatznutzen in die Kategorie „Anhaltspunkt“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Ribociclib in Kombination mit Letrozol im Vergleich zu Letrozol.
  • Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
    • Für das progressionsfreie Überleben zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zugunsten von Ribociclib.
    • Zusammengefasst geht aus den vorliegenden Daten nicht hervor, dass die unter Ribociclib statistisch signifikant verlängerte Zeit des progressionsfreien Überlebens mit einer Verbesserung der Morbidität oder gesundheitsbezogenen Lebensqualität verbunden ist. Die Ergebnisse zum Endpunkt progressionsfreies Überleben werden deshalb in der vorliegenden Bewertung nicht herangezogen.
  • Morbidität - Zeit bis zur ersten nachfolgenden Chemotherapie
    • Die Ergebnisse zum Endpunkt „Zeit bis zur ersten nachfolgenden Chemotherapie“ werden deshalb in der vorliegenden Bewertung nicht herangezogen.
  • Morbidität - Symptomatik
    • Für die Symptomskala Dyspnoe des EORTC QLQ-C30 zeigt sich eine Effektmodifikation durch das Merkmal Alter. Für Patienten ≥ 65 Jahre zeigt sich ein statistisch signifikanter Effekt zum Nachteil von Ribociclib plus Letrozol im Vergleich zu Letrozol. Für Patienten <65 Jahre zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Für den Endpunkt „Belastung durch Haarausfall“ liegen keine verwertbaren Daten vor. Für alle weiteren vorgelegten Endpunkte zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Gesundheitszustand
    • In den Mittelwertsdifferenzen zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Ribociclib in Kombination mit Letrozol.
    • In den Responderanalysen zeigt sich für den Endpunkt Gesundheitszustand sowohl bei einer MID von 7 Punkten als auch bei einer MID von 10 Punkten kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsarmen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Für den Endpunkt „Zukunftsperspektive“ zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Ribociclib + Letrozol. Für den Endpunkt „sexueller Genuss“ liegen keine verwertbaren Auswertungen vor. Für alle weiteren vorgelegten Endpunkte zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • In der Endpunktkategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität lässt sich ein moderater Vorteil in nur einer Domäne feststellen.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE)
    • Für die schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Ribociclib + Letrozol im Vergleich zu Placebo + Letrozol.
  • Nebenwirkungen - Schwere UE (CTCAE Grad 3 oder 4)
    • Für den Endpunkt schwere UEs (CTCAE-Grad 3 oder 4) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Ribociclib + Letrozol im Vergleich zu Placebo + Letrozol.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen UE
    • Es zeigt sich für diesen Endpunkt ein statistisch signifikanter Effekt zuungunsten von Ribociclib plus Letrozol im Vergleich zu Letrozol. Im Interventionsarm brachen 19,8 % der Patientinnen, im Kontrollarm 4,5 % der Patientinnen die komplette oder einen Teil der Studienmedikation ab.
  • Nebenwirkungen - Spezifische UE
    • Es zeigen sich im Detail bei den spezifischen unerwünschten Ereignissen statistisch signifikante Nachteile der Kombination aus Ribociclib plus Letrozol gegenüber Letrozol hinsichtlich der Endpunkte „Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems“ (CTCAE-Grad 3 oder 4), „Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts“ (CTCAE-Grad 3 oder4), „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“ (CTCAE-Grad 3 oder 4) und „Untersuchungen“ (CTCAE-Grad 3 oder 4). Die im Endpunkt „Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems“ enthaltenen Neutropenien (CTCAE-Grad 3 oder 4) stellen hier das bestimmende Ereignis dar.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Ribociclib in Kombination mit Letrozol liegen aus der Studie MONALEESA-2 Ergebnisse im Vergleich zu Letrozol zur Mortalität (Gesamtüberleben), zur Morbidität (Symptomatik und Gesundheitszustand), zur Lebensqualität und zu Nebenwirkungen vor.
    • Für das Gesamtüberleben zeigt sich in der MONALEESA-2-Studie ein Vorteil von Ribociclib + Letrozol gegenüber Letrozol. In der Kategorie Morbidität zeigt sich für die Endpunkte Symptomatik und Gesundheitszustand jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität lassen sich insgesamt weder Vorteile noch Nachteile für die Behandlung mit Ribociclib in Kombination mit Letrozol im Vergleich zu Letrozol ableiten.
    • In der Gesamtschau der Ergebnisse zu Nebenwirkungen liegen statistisch signifikante und bedeutsame Nachteile für Ribociclib in Kombination mit Letrozol im Vergleich zu Letrozol hinsichtlich der Endpunkte schwerwiegende UE, schwere UE (CTCAE-Grad 3 bis 4), Therapieabbrüche wegen UE und im Detail der benannten spezifischen UE vor.
    • In einer Abwägungsentscheidung gelangt der G-BA zu dem Ergebnis, dass für Ribociclib in Kombination mit Letrozol in der Behandlung von postmenopausalen Patientinnen mit HR+ und HER2- fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom, die noch keine initiale endokrine Therapie erhalten haben, aufgrund der Verlängerung der Lebensdauer ein geringer Zusatznutzen im Vergleich zu Letrozol-Monotherapie festgestellt wird.

Zugehörige Verfahren



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