Polatuzumab Vedotin (4) – Polivy®

Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom, Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (R-CHP)

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.01.2024 – Zulassung: 24.05.2022
Beschluss 20.06.2024
Wirkstoff Polatuzumab Vedotin
Handelsname Polivy®
Pharm. Unternehmer Roche Pharma AG
G-BA Vorgangsnummer D-1013
ATC-Code L01FX14 Andere monoklonale Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (L01FX)
ICD-10 Codes (AIS) C83.3Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom
Alpha-ID Codes (AIS) I114432Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom
ORPHAcodes (AIS) 544Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen B-Zell-Lymphom (DLBCL / PMBCL) Orphan (Umsatzgrenze)
Grund des Verfahrens Neubewertung: Orphan Umsatz-Überschreitung
Ursprünglicher Beschluss: Polatuzumab Vedotin (2) (01.12.2022)
Besonderheit Bundling

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Polivy in Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (R-CHP) wird angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit bisher unbehandeltem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL).

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit bisher unbehandeltem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) Rituximab in Kombination mit Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison (R-CHOP)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (POLARIX)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Polatuzumab Vedotin für die Behandlung Erwachsener mit bisher unbehandeltem DLBCL liegen die Ergebnisse der multizentrischen, doppelblinden, placebokontrollierten randomisierten Studie POLARIX zum Vergleich von Polatuzumab Vedotin in Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (Pola + R-CHP) gegenüber Rituximab in Kombination mit Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison (R-CHOP) vor.

Erwachsene mit bisher unbehandeltem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL)

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • In der Gesamtschau zeigen sich keine für die Nutzenbewertung von Polatuzumab Vedotin relevanten Unterschiede. Der Zusatznutzen von Pola + R-CHP gegenüber R-CHOP für die Behandlung von Erwachsenen mit bisher unbehandeltem DLBCL ist somit nicht belegt.
  • Mortalität
    • Der Endpunkt Gesamtüberleben war in der Studie POLARIX definiert als die Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache.
    • In Bezug auf den Endpunkt Gesamtüberleben zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied von Pola + R-CHP gegenüber R-CHOP.
    • Die mediane Gesamtüberlebensdauer war zum Zeitpunkt des Datenschnittes vom 15. Juni 2022 in beiden Studienarmen nicht erreicht.
  • Morbidität - Scheitern des kurativen Therapieansatzes (Ereignisfreies Überleben, EFS)
    • Das EFS-EOT war definiert als die Zeit von der Randomisierung bis zum ersten Auftreten eines der folgenden Ereignisse: Tod jeglicher Ursache, Progress oder Rezidiv, Nichterreichen einer kompletten Remission (CR) zum Behandlungsende.
    • Dieser Effekt spiegelte sich nicht in der Ereignisrate wider, für die sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zeigte.
    • In der Gesamtbetrachtung wird der vorliegende statistisch signifikante Unterschied im EFS-EOT aufgrund der geringen Größe des Effektes in Zusammenhang mit den vorhandenen Limitationen nicht als ausreichend belastbar erachtet, um mit hinreichender Sicherheit eine Verbesserung im therapeutischen Nutzen für Pola + R-CHP in Bezug auf ein Scheitern der potentiellen Heilung durch den vorliegenden kurativen Therapieansatz feststellen zu können.
  • Morbidität - Rezidive (Krankheitsfreies Überleben, DFS)
    • Das DFS-EOT war definiert als Zeit von einer dokumentierten kompletten Remission (CR) zum Behandlungsende, bis zum Auftreten eines Rezidivs oder bis zum Tod jeglicher Ursache.
    • In die Auswertungen zum DFS-EOT gingen nur Patientinnen und Patienten ein, die zum Abschluss der Therapie im Interventions- bzw. Vergleichsarm eine CR erzielt haben. Dies sind 381 von 500 (76 %) vs. 364 von 500 (73 %) Patientinnen und Patienten im Interventions- vs. Vergleichsarm.
    • Somit handelt es sich um eine gegenüber der ITT-Population durch die Studienbehandlung selektierte Auswertungspopulation, was mit einem Bruch der Randomisierung einhergeht.
    • Das DFS-EOT ist somit für die Nutzenbewertung von Polatuzumab Vedotin nicht geeignet. Das Auftreten von Rezidiven wird über die Operationalisierung des Endpunktes EFS-EOT (Scheitern des kurativen Therapieansatzes) abgebildet.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Für die Bewertung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität hat der pharmazeutische Unternehmer Auswertungen zum EORTC QLQ-C30 vorgelegt.
    • Es zeigte sich für die Endpunkte globaler Gesundheitszustand, körperliche Funktion, Rollenfunktion, emotionale Funktion, kognitive Funktion und soziale Funktion jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Somit lässt sich hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität weder ein Vorteil noch ein Nachteil für Pola + R-CHP feststellen.
  • Nebenwirkungen
    • Unerwünschte Ereignisse (UE) wurden in der Studie POLARIX ab der ersten Dosis der Studienmedikation bis 90 Tage nach der letzten Dosis oder bis zum Beginn einer Folgetherapie erhoben.
    • Es zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied im Auftreten von UE, schwerwiegenden UE (SUE), schweren UE oder bei Therapieabbrüchen wegen UE.
    • Im Detail zeigten sich für die spezifischen UE „febrile Neutropenie“ (PT, schwere UE) und „Diarrhö“ (PT, schwere UEs) jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Pola + R-CHP.
    • Insgesamt lässt sich aus den Ergebnissen zu den Nebenwirkungen kein Vorteil oder Nachteil von Pola + R-CHP gegenüber R-CHOP ableiten.
  • Gesamtbewertung
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigten sich in der Studie POLARIX keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
    • Für den Endpunkt Scheitern des kurativen Therapieansatzes, operationalisiert als Ereignisfreies Überleben – end of treatment (EFS-EOT), zeigte sich in der Ereigniszeitanalyse ein statistisch signifikanter Unterschied mit einer geringen Größe des Effektes zugunsten von Pola + R-CHP, welcher sich nicht in der Ereignisrate widerspiegelte. Aufgrund der geringen Größe des Effektes wird dieser in Zusammenhang mit den vorhandenen Limitationen nicht als ausreichend belastbar erachtet, um mit hinreichender Sicherheit eine diesbezügliche Verbesserung im therapeutischen Nutzen für Pola + R-CHP feststellen zu können.
    • Hinsichtlich der Krankheitssymptomatik, erhoben über den EORTC QLQ-C30, zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Pola + R-CHP im Endpunkt Schmerz, dessen klinische Relevanz unklar ist. Bei den weiteren Ergebnissen zur Krankheitssymptomatik sowie zum allgemeinen Gesundheitszustand zeigten sich anhand der Ergebnisse zum EORTC QLQ-C30, FACT-LymS, FACT/GOG-NtxS bzw. EQ-5D VAS keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen. Auch für die erfassten B-Symptome zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied, sodass sich weder ein Vorteil noch ein Nachteil für Pola + R-CHP feststellen lässt.
    • In Bezug auf die Lebensqualität zeigten sich anhand der Ergebnisse zum EORTC QLQ-C30 keine statistisch signifikanten Unterschiede, weshalb sich weder ein Vorteil noch ein Nachteil für Pola + R-CHP hinsichtlich der Lebensqualität feststellen lässt.
    • Die Endpunkte zu den Nebenwirkungen zeigen insgesamt keine relevanten Unterschiede zwischen Pola + R-CHP im Vergleich zu R-CHOP, weshalb sich weder ein Vorteil noch ein Nachteil für Pola + R-CHP feststellen lässt.
    • In der Gesamtschau zeigen sich keine für die Nutzenbewertung von Polatuzumab Vedotin relevanten Unterschiede. Der Zusatznutzen von Pola + R-CHP gegenüber R-CHOP für die Behandlung von Erwachsenen mit bisher unbehandeltem DLBCL ist somit nicht belegt.

Zugehörige Verfahren



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