Polatuzumab Vedotin (2) – Polivy®

Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom, Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (R-CHP)

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.06.2022 – Zulassung: 24.05.2022
Beschluss 01.12.2022 aufgehoben
Wirkstoff Polatuzumab Vedotin
Handelsname Polivy®
Pharm. Unternehmer Roche Pharma AG
G-BA Vorgangsnummer D-827
ATC-Code L01FX14 Andere monoklonale Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (L01FX)
ICD-10 Codes (AIS) C83.3Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom
Alpha-ID Codes (AIS) I114432Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom
ORPHAcodes (AIS) 544Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom
DDD Tagesdosis 6 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen B-Zell-Lymphom (DLBCL / PMBCL) Orphan
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Aufgehoben durch: Polatuzumab Vedotin (4) (20.06.2024)
Regulatorischer Status Bedingte Zulassung (CMA)

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Polivy in Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (R-CHP) wird angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit bisher unbehandeltem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL).

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit bisher unbehandeltem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (POLARIX)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Polatuzumab Vedotin für die Behandlung Erwachsener mit bisher unbehandeltem DLBCL liegen die Ergebnisse der multizentrischen, doppelblinden, placebokontrollierten randomisierten Studie POLARIX zum Vergleich von Polatuzumab Vedotin in Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (Pola + R-CHP) gegenüber Rituximab in Kombination mit Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison (R-CHOP) vor.

Erwachsene mit bisher unbehandeltem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL)

  • Zusammenfassend wird der Zusatznutzen von Polatuzumab Vedotin in Kombination mit Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (R-CHP) wie folgt bewertet:
  • Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt
  • Mortalität
    • Der Endpunkt Gesamtüberleben war in der Studie POLARIX definiert als die Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache.
    • In Bezug auf den Endpunkt Gesamtüberleben zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied von Pola + R-CHP gegenüber R-CHOP.
    • Die mediane Gesamtüberlebensdauer war zum Zeitpunkt des Datenschnittes vom 15. Juni 2022 in beiden Studienarmen nicht erreicht.
  • Morbidität - Ereignisfreies Überleben (EFS)
    • Der Endpunkt „ereignisfreies Überleben“ (EFS) war in der Studie POLARIX definiert als die Zeit zwischen der Randomisierung und dem ersten Auftreten eines der folgenden Ereignisse: Krankheitsprogression oder Rezidiv, Einleitung einer neuen Anti-Lymphom-Therapie (Ein Wirksamkeitsereignis nach Einschätzung des ärztlichen Prüfpersonals außer Progression oder Rezidiv, das zur Einleitung einer nicht im Protokoll spezifizierten neuen Anti-Lymphom-Therapie (Next Anti-Lymphoma Therapy, NALT) führt, z. B. bestätigte Resterkrankung oder Verdacht auf Resterkrankung), Biopsie nach Behandlungsende, die eine Resterkrankung nachweist, unabhängig davon, ob eine NALT-Initiierung erfolgte oder nicht, oder Tod jeglicher Ursache.
    • Die Ergebnisse zum Endpunkt EFS zeigen einen statistisch signifikanten Unterschied zugunsten von Pola + R-CHP.
    • Der statistisch signifikante Unterschied basiert auf einer Hazard Ratio (HR) von 0,785, einer oberen 95%-Konfidenzintervallgrenze von 0,999 und einem p-Wert von 0,0484, was einen nur knapp statistisch signifikanten Unterschied anzeigt.
    • In der Gesamtbetrachtung wird der vorliegende, knapp statistisch signifikante Unterschied im EFS aufgrund der geringen Größe des Effektes in Zusammenhang mit den vorhandenen Limitationen nicht als ausreichend belastbar erachtet, um mit hinreichender Sicherheit eine Verbesserung im therapeutischen Nutzen für Pola + R-CHP in Bezug auf ein Scheitern der potentiellen Heilung durch den vorliegenden kurativen Therapieansatz feststellen zu können.
  • Lebensqualität
    • Anhand der Ergebnisse der MMRM-Analysen zu den EORTC QLQ-C30-Skalen und des FACT-LymS sowie der Zeit bis zur Verschlechterung in der Skala körperliche Funktion des EORTC QLQ-C30 um ≥ 10 Punkte wurde kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen beobachtet.
    • Somit lässt sich weder ein Vorteil noch ein Nachteil für Pola + R-CHP hinsichtlich der Lebensqualität feststellen.
  • Nebenwirkungen
    • Unerwünschte Ereignisse (UE) wurden in der Studie POLARIX ab der ersten Dosis der Studienmedikation bis 90 Tage nach der letzten Dosis oder bis zum Beginn einer Folgetherapie erhoben.
    • Es zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied im Auftreten von UE, schwerwiegenden UE (SUE) oder schweren UE oder bei Therapieabbrüchen wegen UE.
    • Im Detail zeigte sich ein statistisch signifikanter Nachteil von Pola + R-CHP für UE der Systemorganklasse (SOC) Infektionen und parasitäre Erkrankungen.
    • Zudem traten unter Pola + R-CHP vermehrt febrile Neutropenien sowie Diarrhoe auf.
    • Auch hinsichtlich der schweren febrilen Neutropenien zeigte sich ein Nachteil für Pola + R-CHP.
    • Ein statistisch signifikanter Vorteil für Pola + R-CHP ergab sich hingegen für die SOC Herzerkrankungen.
    • In Bezug auf SUE oder UE von besonderem Interesse zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied.
    • Insgesamt lässt sich aus den Ergebnissen zu den Nebenwirkungen kein Vorteil oder Nachteil von Pola + R-CHP gegenüber R-CHOP ableiten.
  • Gesamtbewertung
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigten sich in der Studie POLARIX keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
    • In der Endpunktkategorie Morbidität zeigte sich im Endpunkt Ereignisfreies Überleben (EFS) ein knapp statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Pola + R-CHP, der aufgrund der geringen Größe des Effektes in Zusammenhang mit den vorhandenen Limitationen nicht als ausreichend belastbar erachtet wird, um mit hinreichender Sicherheit eine diesbezügliche Verbesserung im therapeutischen Nutzen für Pola + R-CHP feststellen zu können.
    • Die Ergebnisse zum Endpunkt krankheitsfreies Überleben (DFS) werden aufgrund der insgesamt relevanten Unsicherheiten bedingt durch den Bruch der Randomisierung und der vorliegenden Operationalisierung des DFS und unter Berücksichtigung des nur knapp statistisch signifikanten Effektes nicht für eine Quantifizierung des Ausmaßes des Zusatznutzens herangezogen.
    • Hinsichtlich der patientenberichteten Endpunkte Krankheitssymptomatik und allgemeiner Gesundheitszustand zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen, sodass sich weder ein Vorteil noch ein Nachteil für Pola + R-CHP feststellen lässt.
    • Die klinische Relevanz des statistisch signifikanten Effektes im Endpunkt Chemotherapie-induzierte Neurotoxizität ist unklar.
    • In Bezug auf die Lebensqualität zeigten sich anhand der Ergebnisse zum EORTC QLQ-C30 und FACT-LymS keine statistisch signifikanten Unterschiede, weshalb sich weder ein Vorteil noch ein Nachteil für Pola + R-CHP hinsichtlich der Lebensqualität feststellen lässt.
    • Die Endpunkte zu den Nebenwirkungen zeigen insgesamt keinen relevanten Unterschied zwischen Pola + R-CHP im Vergleich zu R-CHOP, weshalb sich weder ein Vorteil noch ein Nachteil für Pola + R-CHP feststellen lässt.
    • In der Gesamtschau stuft der G-BA das Ausmaß des Zusatznutzens von Pola + R-CHP als nicht quantifizierbar ein, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.

Zugehörige Verfahren



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