Lisocabtagen maraleucel (2) – Breyanzi®
Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom, hochmalignes B-Zell-Lymphom, primär mediastinales großzelliges B-Zell-Lymphom und follikuläres Lymphom Grad 3B; nach 1 Vortherapie, Rezidiv innerhalb von 12 Monaten oder refraktär
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.06.2023 – Zulassung: 28.04.2023 |
|---|---|
| Beschluss | 16.11.2023 |
| Wirkstoff | Lisocabtagen maraleucel |
| Handelsname | Breyanzi® |
| Pharm. Unternehmer | Bristol-Myers Squibb GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-951 |
| ATC-Code | L01XL08 ANDERE ANTINEOPLASTISCHE MITTEL (L01X) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C83.3Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom, C85.1B-Zell-Lymphom, nicht näher bezeichnet, C85.2Mediastinales (thymisches) großzelliges B-Zell-Lymphom, C85.2Mediastinales (thymisches) großzelliges B-Zell-Lymphom |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I114432Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom, I116046Follikuläres Lymphom Grad 3b, I131597Primär mediastinales großzelliges B-Zell-Lymphom, I131597Primär mediastinales großzelliges B-Zell-Lymphom |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen B-Zell-Lymphom (DLBCL / PMBCL), Follikuläres Lymphom (FL) |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Regulatorischer Status | ATMP (CAR-T) |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
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Breyanzi wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), hochmalignem B-Zell-Lymphom (HGBCL), primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) und follikulärem Lymphom Grad 3B (FL3B), die innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss der Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidivierten oder gegenüber dieser Therapie refraktär sind. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Erwachsene mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), high-grade B-Zell-Lymphom (HGBCL), primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) und follikulärem Lymphom Grad 3b (FL3B), die für eine Hochdosistherapie infrage kommen und innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung der Erstlinientherapie rezidivieren oder auf diese refraktär sind | Induktionstherapie mit – R-GDP (Rituximab, Gemcitabin, Cisplatin, Dexamethason) oder – R-ICE (Rituximab, Ifosfamid, Carboplatin, Etoposid) oder – R-DHAP (Rituximab, Dexamethason, Cytarabin, Cisplatin) gefolgt von einer Hochdosistherapie mit autologer oder allogener Stammzelltransplantation bei Ansprechen auf die Induktionstherapie |
| b1) | Erwachsene mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), high-grade B-Zell-Lymphom (HGBCL) und follikulärem Lymphom Grad 3b (FL3B), die für eine Hochdosistherapie nicht infrage kommen und innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung der Erstlinientherapie rezidivieren oder auf diese refraktär sind | Therapie nach ärztlicher Maßgabe unter Berücksichtigung von • Polatuzumab in Kombination mit Bendamustin und Rituximab und • Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid |
| b2) | Erwachsene mit primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL), die für eine Hochdosistherapie nicht infrage kommen und innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung der Erstlinientherapie rezidivieren oder auf diese refraktär sind | • Pembrolizumab Monotherapie oder • Nivolumab in Kombination mit Brentuximab Vedotin |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (TRANSFORM) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Patienten-Eignung, Indikationen |
- Klinische Studien
- In der laufenden, offenen Phase III-Studie TRANSFORM wird Liso-Cel gegenüber einer Induktionstherapie mit R-GDP, R-ICE oder R-DHAP gefolgt von einer Hochdosistherapie (HDT) mit autologer Stammzelltransplantation (autoSZT) verglichen.
a) Erwachsene mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), high-grade B-Zell-Lymphom (HGBCL), primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) und follikulärem Lymphom Grad 3b (FL3B), die für eine Hochdosistherapie infrage kommen und innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung der Erstlinientherapie rezidivieren oder auf diese refraktär sind
- In der Gesamtbetrachtung kommt der G-BA zu dem Ergebnis, dass maßgeblich aufgrund des deutlich positiven Effektes hinsichtlich der Vermeidung des Scheiterns des kurativen Therapieansatzes für Liso-Cel in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit DLBCL, HGBCL, PMBCL und FL3B, die für eine Hochdosistherapie infrage kommen und innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung der Erstlinientherapie rezidivieren oder auf diese refraktär sind, ein beträchtlicher Zusatznutzen gegenüber einer Induktionschemotherapie mit R-GDP, R-ICE oder R-DHAP gefolgt von einer Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation vorliegt.
- Die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen wird daher in die Kategorie Anhaltspunkt eingestuft.
- Mortalität
- Das Gesamtüberleben wurde operationalisiert als Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache. Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Es liegt eine Effektmodifikation für das Merkmal Alter (< 65 Jahre vs. ≥ 65 Jahre) vor. Für Patientinnen und Patienten < 65 Jahre liegt ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Liso-Cel vor, wogegen sich für Patientinnen und Patienten ≥ 65 Jahre kein statistisch signifikanter Unterschied zeigt.
- Morbidität - Scheitern des kurativen Therapieansatzes
- Für die Abbildung des Scheiterns des kurativen Therapieansatzes wird aus der Studie TRANSFORM näherungsweise der Endpunkt Ereignisfreies Überleben (EFS) herangezogen.
- Es liegt ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Liso-Cel in beiden Operationalisierungen vor. Dabei zeigen sich zwischen den Operationalisierungen Ereignisrate und EFS Unterschiede im Ausmaß des Effektes, wobei für die Ereigniszeitanalyse ein größerer Effekt festzustellen ist.
- Unter Berücksichtigung beider Operationalisierungen wird der Vorteil im Scheitern des kurativen Therapieansatzes insgesamt als eine deutliche Verbesserung für die vorliegende Patientengruppe gewertet.
- Morbidität - Symptomatik
- Der pharmazeutische Unternehmer legt im Dossier Auswertungen zur Symptomatik erhoben mittels der Symptomskalen des EORTC-QLQ-C30 Fragebogens und des Fragebogens FACT-LymS vor, zieht diese Auswertungen jedoch nicht für die Ableitung des Zusatznutzens heran.
- Aus den Studienunterlagen und den Angaben im Dossier lassen sich die Gründe für die fehlenden Werte nicht eindeutig ableiten.
- Für die Symptomatik liegen daher insgesamt keine geeigneten Daten vor.
- Morbidität - Gesundheitszustand
- Der Gesundheitszustand wurde in der Studie TRANSFORM mittels der Visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D erhoben.
- Da die Rücklaufquoten bereits zu Studienbeginn bei < 70 % lagen, sind für den Endpunkt Gesundheitszustand keine geeigneten Daten vorhanden.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Die Lebensqualität wurde in der Studie TRANSFORM anhand der Funktionsskalen des EORTC-QLQ-C30 Fragebogens erhoben.
- Da die Rücklaufquoten bereits zu Studienbeginn bei < 70 % lagen, sind für die Lebensqualität keine geeigneten Daten vorhanden.
- Nebenwirkungen
- In der Studie TRANSFORM wurden die unerwünschten Ereignisse bis 90 Tage nach Infusion von Liso-Cel bzw. der letzten Dosis der Chemoimmuntherapie oder bis zu dem Beginn einer antineoplastischen Folgetherapie, je nachdem was früher eintrat, beobachtet.
- Für die Gesamtrate der schwerwiegenden UE (SUE) und der schweren UE mit CTCAE-Grad ≥ 3 zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
- Für den Endpunkt Abbruch wegen UE zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
- Bezüglich der spezifischen UE liegt für die Endpunkte Durchfall, Schleimhautentzündungen, Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes (SUE), akute Nierenschädigung (SUE), allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort (schwere UE mit CTCAE-Grad ≥ 3; beinhaltet PT Mukositis) sowie febrile Neutropenie und Thrombozytopenie (jeweils schwere UE mit CTCAE-Grad ≥ 3) ein statistisch signifikanter Vorteil von Liso-Cel vor.
- Für die spezifische UE Neutrophilenzahl erniedrigt, Neutropenie und Lymphopenie (jeweils schwere UE mit CTCAE-Grad ≥ 3) sowie das Zytokin-Freisetzungssyndrom (inklusive schwerwiegendes Zytokin-Freisetzungssyndrom) zeigt sich ein statistisch signifikanter Nachteil von Liso-Cel.
- Für die Endpunkte neurologische Toxizität (inklusive schwere neurologische Toxizität) und schwere Infektionen liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
- Gesamtbewertung
- Für das Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- In der Endpunktkategorie Morbidität zeigt sich für den Endpunkt „Scheitern des kurativen Therapieansatzes“ ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Liso-Cel, welcher als eine deutliche Verbesserung gewertet wird. Zur Symptomatik (erhoben mittels EORTC-QLQ-C30 und FACT-LymS) und dem Gesundheitszustand (erhoben mittels EQ-5D-VAS) liegen aufgrund eines zu hohen Anteils fehlender Werte keine geeigneten Daten vor. Dies trifft auch auf die Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität (erhoben mittels EORTC-QLQ-C30) zu.
- Bei den Nebenwirkungen liegen für die schweren UE, schwerwiegenden UE und den Endpunkt Abbruch wegen UE keine statistisch signifikanten Unterschiede vor. Im Detail zeigen sich bei den spezifischen UE sowohl Vor- als auch Nachteile von Liso-Cel, wobei die Vorteile überwiegen.
b1) Erwachsene mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), high-grade B-Zell-Lymphom (HGBCL) und follikulärem Lymphom Grad 3b (FL3B), die für eine Hochdosistherapie nicht infrage kommen und innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung der Erstlinientherapie rezidivieren oder auf diese refraktär sind
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
b2) Erwachsene mit primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL), die für eine Hochdosistherapie nicht infrage kommen und innerhalb von 12 Monaten nach Beendigung der Erstlinientherapie rezidivieren oder auf diese refraktär sind
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
Zugehörige Verfahren
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