Ivosidenib (1) – Tibsovo®
Akute Myeloische Leukämie mit IDH1-R132-Mutation, Erstlinie, Kombination mit Azacitidin
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.07.2023 – Zulassung: 04.05.2023 |
|---|---|
| Beschluss | 18.01.2024 |
| Wirkstoff | Ivosidenib |
| Handelsname | Tibsovo® |
| Pharm. Unternehmer | Servier Deutschland GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-954 |
| ATC-Code | L01XM02 ANDERE ANTINEOPLASTISCHE MITTEL (L01X) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C92.00Akute myeloblastische Leukämie (AML): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.01Akute myeloblastische Leukämie (AML): In kompletter Remission, C92.40Akute Promyelozyten-Leukämie (PCL): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.41Akute Promyelozyten-Leukämie (PCL): In kompletter Remission, C92.50Akute myelomonozytäre Leukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.51Akute myelomonozytäre Leukämie: In kompletter Remission, C92.60Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.61Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität: In kompletter Remission, C93.00Akute Monoblasten-/Monozytenleukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C93.01Akute Monoblasten-/Monozytenleukämie: In kompletter Remission, C94.00Akute Erythroleukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C94.01Akute Erythroleukämie: In kompletter Remission, C94.20Akute Megakaryoblastenleukämie: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C94.21Akute Megakaryoblastenleukämie: In kompletter Remission |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I116143AML M3, I116148AML M4, I116154Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität, I116156Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität in kompletter Remission, I116160AML M5, I116163Akute Monoblastenleukämie in kompletter Remission, I116182Akute myeloische Leukämie, M7, I17638Akute myeloische Leukämie, I24192Akute Erythroleukämie, I31089Akute myeloische Leukämie in kompletter Remission, I31106Akute promyelozytäre Leukämie in kompletter Remission, I31107Akute myelomonozytäre Leukämie in kompletter Remission, I31124Akute Erythroleukämie in kompletter Remission, I31131Akute Megakaryoblastenleukämie in kompletter Remission |
| ORPHAcodes (AIS) | 520AML M3, 517AML M4, 98831Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität, 98831Akute myeloische Leukämie mit 11q23-Abnormität in kompletter Remission, 514AML M5, 514Akute Monoblastenleukämie in kompletter Remission, 518Akute myeloische Leukämie, M7, 519Akute myeloische Leukämie, 318Akute Erythroleukämie, 519Akute myeloische Leukämie in kompletter Remission, 520Akute promyelozytäre Leukämie in kompletter Remission, 517Akute myelomonozytäre Leukämie in kompletter Remission, 318Akute Erythroleukämie in kompletter Remission, 518Akute Megakaryoblastenleukämie in kompletter Remission |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Akute myeloische Leukämie (AML) Orphan |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Besonderheit | Bundling Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Tibsovo in Kombination mit Azacitidin wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer Isocitrat-Dehydrogenase-1 (IDH1)-R132-Mutation, die für eine Standard-Induktionschemotherapie nicht geeignet sind. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer Isocitratdehydrogenase-1 (IDH1)-R132-Mutation, die für eine Standard-Induktionschemotherapie nicht geeignet sind | – (Orphan Drug) |
Studien und Ergebnisse
|
Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (AGILE) |
|---|---|
|
Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
|
Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- Bei der Studie AGILE handelt es sich um eine seit März 2018 laufende, randomisierte, multizentrische, kontrollierte Phase-III-Studie, in welcher Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin gegenüber Placebo in Kombination mit Azacitidin bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit neu diagnostizierter AML mit einer IDH1-R132-Mutation, die für eine Standard-Induktionschemotherapie nicht geeignet sind, verglichen wurde.
Erwachsene mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer Isocitratdehydrogenase-1 (IDH1)-R132-Mutation, die für eine Standard-Induktionschemotherapie nicht geeignet sind
- In der Gesamtschau wird für Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin zur Behandlung von Erwachsenen mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer Isocitrat-Dehydrogenase-1 (IDH1)-R132-Mutation, die für eine Standard-Induktionschemotherapie nicht geeignet sind, ein erheblicher Zusatznutzen festgestellt.
- Insgesamt wird die Aussagekraft der Nachweise in die Kategorie „Hinweis“ eingestuft.
- Mortalität
- Die Behandlung mit Ivosidenib + Azacitidin führt im Vergleich zu Placebo + Azacitidin zu einem statistisch signifikanten Vorteil im Gesamtüberleben.
- Das Ausmaß dieses Vorteils wird auch vor dem Hintergrund der bekannten schlechten Prognose für die Patientinnen und Patienten im Anwendungsgebiet als eine erhebliche Verbesserung im Gesamtüberleben bewertet.
- Morbidität - Transfusionsunabhängigkeit
- Transfusionsfreiheit wurde im Dossier des pharmazeutischen Unternehmers als der Anteil an Personen definiert, die mindestens 24 Wochen keine Transfusionen (mit Thrombozyten oder Erythrozyten) erhalten haben.
- Innerhalb der Personen mit einem Auswertungszeitraum von mindestens 24 Wochen zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede im Relativen Risiko eine Transfusion zu erhalten.
- Die Ergebnisse zum Endpunkt Transfusionsunabhängigkeit werden unter Berücksichtigung der genannten Unsicherheiten nur ergänzend dargestellt.
- Morbidität - Symptomatik (EORTC QLQ-C30)
- Die Ereigniszeitanalysen zeigten einen statistisch signifikanten Unterschied zugunsten von Ivosidenib im Endpunkt Obstipation/Verstopfung.
- Für die anderen Endpunkte ergibt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Insgesamt werden hinsichtlich der Symptomatik keine für die Nutzenbewertung relevanten Unterschiede für Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin abgeleitet.
- Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)
- Bezüglich des Gesundheitszustands liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
- Morbidität
- In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse der Symptomatik sowie des Gesundheitszustands wird insgesamt kein für die Nutzenbewertung relevanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen festgestellt.
- Lebensqualität
- Die Ereigniszeitanalysen zeigten einen statistisch signifikanten Unterschied zum Vorteil von Ivosidenib bei der Skala Emotionale Funktion.
- Dieser Vorteil spiegelt sich jedoch in keiner anderen Subskala des EORTC QLQ-C30 wider.
- In der Gesamtschau wird kein für die Nutzenbewertung relevanter Unterschied in der Endpunktkategorie Lebensqualität abgeleitet.
- Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE (SUE), Schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüche aufgrund von UE
- Für SUE, schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüche aufgrund von UE liegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
- Nebenwirkungen - Spezifische UE
- Im Detail zeigen sich bei den Ergebnissen zu SUE und schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3) auf Ebene der Systemorganklasse, die mit einer Inzidenz > 5 % der Patientinnen und Patienten in mindestens einem Studienarm aufgetreten sind, bei „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“ (SUE) sowie „Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen“ (schwere UE), inkl. PT „Appetit vermindert“, statistisch signifikante Effekte zugunsten von Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin.
- Zudem zeigen sich für die PT „Asthenie“ und „Hypotonie“ (schwere UE) statistisch signifikante Effekte zugunsten von Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin.
- Bei den Ergebnissen zu UE auf der Ebene nach Systemorganklasse (SOC) und Preferred Term (PT), die mit einer Inzidenz von > 10 % aufgetreten sind, zeigen sich statistisch signifikante Effekte zugunsten von Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin (Infektionen und Infektionskrankheiten, Allgemeine Beschwerden am Verabreichungsort (inkl. PT Asthenie und PT Ödem peripher), Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen (inkl. PT Appetit vermindert und PT Hypokaliämie), Erkrankungen der Nieren und Harnwege sowie PT Obstipation und PT Husten.
- Nur bei den PT „Elektrokardiogramm QT-verlängert“ und Hämatome zeigen sich statistisch signifikante Effekte zuungunsten von Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin.
- In der Gesamtschau der Ergebnisse zu unerwünschten Ereignissen lässt sich hieraus insgesamt kein relevanter Vor- oder Nachteil für die Nutzenbewertung ableiten.
- Nebenwirkungen
- In der Gesamtbetrachtung ergeben sich hinsichtlich der Endpunktkategorie Nebenwirkungen für Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin keine für die Nutzenbewertung relevanten Unterschiede.
- Im Detail liegen überwiegend Vorteile in einzelnen spezifischen UE vor.
- Gesamtbewertung
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin.
- Das Ausmaß dieses Vorteils wird auch vor dem Hintergrund der bekannten schlechten Prognose für die Patientinnen und Patienten im Anwendungsgebiet als eine erhebliche Verbesserung im Gesamtüberleben bewertet.
- Bezüglich der Symptomatik (erhoben mittels EORTC QLQ-C30) sowie für den Gesundheitszustand (erhoben mittels EQ5D-VAS) wird insgesamt kein für die Nutzenbewertung relevanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen festgestellt.
- Auch hinsichtlich der Endpunktkategorie Lebensqualität wird insgesamt kein für die Nutzenbewertung relevanter Unterschied abgeleitet.
- Basierend auf den Ergebnissen zu den Nebenwirkungen ergeben sich für Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin weder positive noch negative Effekte in den Endpunkten SUE, schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüche aufgrund von UE.
- Im Detail zeigen sich überwiegend Vorteile bei einzelnen spezifischen unerwünschten Ereignissen.
- In der Gesamtschau wird für Ivosidenib in Kombination mit Azacitidin zur Behandlung von Erwachsenen mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer Isocitrat-Dehydrogenase-1 (IDH1)-R132-Mutation, die für eine Standard-Induktionschemotherapie nicht geeignet sind, ein erheblicher Zusatznutzen festgestellt.
Zugehörige Verfahren
| Ivosidenib (4) | Tibsovo® | Servier Deutschland GmbH | Cholangiokarzinom mit IDH1-R132-Mutation, nach mind. 1 Vortherapie | n.d. | laufendes Verfahren Orphan (Umsatzgrenze) | |
| Ivosidenib (3) | Tibsovo® | Servier Deutschland GmbH | Akute Myeloische Leukämie mit IDH1-R132-Mutation, Erstlinie, Kombination mit Azacitidin | n.d. | laufendes Verfahren Orphan (Umsatzgrenze) | |
| Ivosidenib (2) | Tibsovo® | Servier Deutschland GmbH | Cholangiokarzinom mit IDH1-R132-Mutation, nach mind. 1 Vortherapie | 80–160 | 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan | |
| Ivosidenib (1) | Tibsovo® | Servier Deutschland GmbH | Akute Myeloische Leukämie mit IDH1-R132-Mutation, Erstlinie, Kombination mit Azacitidin | 45–125 | 100% Hinweis auf erheblicher Zusatznutzen Orphan |
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