Isatuximab (1) – Sarclisa®

Multiples Myelom, mind. 2 Vortherapien, Kombination mit Pomalidomid und Dexamethason

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.05.2021 – Zulassung: 30.05.2020
Beschluss 04.11.2021
Wirkstoff Isatuximab
Handelsname Sarclisa®
Pharm. Unternehmer Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-675
ATC-Code L01FC02 CD38-Inhibitoren (L01FC)
ICD-10 Codes (AIS) C90.00Multiples Myelom: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C90.01Multiples Myelom: In kompletter Remission
Alpha-ID Codes (AIS) I21328Multiples Myelom, I31059Multiples Myelom in kompletter Remission
DDD Tagesdosis 50 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Multiples Myelom (MM)
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit Bundling ZVT-Änderung Kombinationstherapie

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Sarclisa ist indiziert in Kombination mit Pomalidomid und Dexamethason zur Behandlung des rezidivierten und refraktären Multiplen Myeloms bei Erwachsenen, die mindestens zwei vorausgegangene Therapien, darunter Lenalidomid und einen Proteasom-Inhibitor, erhalten haben und unter der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit rezidiviertem und refraktärem Multiplen Myelom, die mindestens zwei vorausgegangene Therapien, darunter Lenalidomid und einen Proteasom-Inhibitor, erhalten haben und unter der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten - Bortezomib in Kombination mit pegyliertem liposomalen Doxorubicin oder – Bortezomib in Kombination mit Dexamethason oder – Lenalidomid in Kombination mit Dexamethason oder – Pomalidomid in Kombination mit Dexamethason oder – Elotuzumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder – Elotuzumab in Kombination mit Pomalidomid und Dexamethason oder – Carfilzomib in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder – Carfilzomib in Kombination mit Dexamethason oder – Daratumumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder – Daratumumab in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (ICARIA-MM)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
ZVT-Änderung 27.04.2021 – neue Leitlinien

  • Klinische Studien
    • Die Nutzenbewertung des Wirkstoffs Isatuximab basiert auf der laufenden, pivotalen Studie ICARIA-MM. Hierbei handelt es sich um eine offene, randomisierte, kontrollierte, multizentrische Phase-III-Studie, in der die Dreifachkombination aus Isatuximab, Pomalidomid und Dexamethason (Isa-Pd) mit der Zweifachkombination Pomalidomid und Dexamethason (Pd) verglichen wird.

Erwachsene mit rezidiviertem und refraktärem Multiplen Myelom, die mindestens zwei vorausgegangene Therapien, darunter Lenalidomid und einen Proteasom-Inhibitor, erhalten haben und unter der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten

  • In der Gesamtschau stellt der G-BA fest, dass für Isatuximab in Kombination mit Pomalidomid und Dexamethason ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen gegenüber Pomalidomid in Kombination mit Dexamethason vorliegt.
  • Im Ergebnis wird die Aussagesicherheit des festgestellten Zusatznutzens in die Kategorie „Anhaltspunkt“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtmortalität zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben wird somit kein Zusatznutzen für Isa-Pd festgestellt.
  • Morbidität - Progressionsfreies Überleben
    • Das progressionsfreie Überleben (PFS) ist der primäre Endpunkt der Studie ICARIA-MM. Das PFS wurde definiert als die Zeit zwischen der Randomisierung und dem Zeitpunkt der ersten dokumentierten Progression der Erkrankung bzw. dem Zeitpunkt des Todes aufgrund jeglicher Ursache, je nachdem, welches Ereignis früher eintrat.
    • Es zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zum Vorteil von Isatuximab in Kombination mit Pomalidomid und Dexamethason (Isa-Pd) gegenüber Pomalidomid in Kombination mit Dexamethason (Pd).
    • Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien „Mortalität“ und „Morbidität“ zusammensetzt. Die Endpunktkomponente „Mortalität“ wird bereits über den Endpunkt „Gesamtüberleben“ als eigenständiger Endpunkt erhoben. Die Erhebung der Morbiditätskomponente „Krankheitsprogression" erfolgt nach IMWG-Kriterien und damit nicht symptombezogen, sondern mittels laborparametrischer, bildgebender und hämatologischer Verfahren. Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA. Die Gesamtaussage zum Zusatznutzen bleibt davon unberührt.
  • Morbidität - Symptomatik (Schmerzen und Diarrhö)
    • In Hinblick auf die dauerhafte Verschlechterung der Krankheitssymptomatik zeigen sich für Schmerzen und Diarrhö statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen zum Vorteil von Isa-Pd gegenüber Pd.
  • Morbidität - Gesundheitszustand
    • Für keines der Responsekriterien zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - Globaler Gesundheitsstatus und Rollenfunktion
    • Es zeigen sich für den globalen Gesundheitsstatus und die Rollenfunktion statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen zu Gunsten von Isa-Pd gegenüber Pd.
    • Hinsichtlich der Ergebnisse verbleiben jedoch Unsicherheiten. Demnach sind die Erhebungszeitpunkte des EORTC nicht geeignet, die Auswirkungen der infusionsbedingten Reaktionen auf die Lebensqualität zu erfassen, da die Erhebung vor Gabe der Medikation erfolgte und die infusionsbedingten Reaktionen somit nicht in den vom Fragebogen abgefragten Zeitraum fallen.
  • Nebenwirkungen - Schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3)
    • Für die Zeit bis zum Auftreten von schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zum Nachteil von Isa-Pd gegenüber Pd.
    • Die der vorliegenden Nutzenbewertung zugrunde gelegten Ergebnisse der Endpunktkategorie Nebenwirkungen sind folglich mit Unsicherheiten behaftet, insbesondere in Bezug auf die schweren UE.
  • Nebenwirkungen - Spezifische unerwünschte Ereignisse (Bronchitis und Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems)
    • Für das UE Bronchitis (PT) und das schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems (SOC) zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen zum Nachteil von Isa-Pd gegenüber Pd.
  • Nebenwirkungen - Infusionsbedingte Reaktionen
    • Im Ergebnis liegen zum Endpunkt Infusionsbedingte Reaktionen aufgrund der genannten Unsicherheiten für keine der vorgelegten Operationalisierungen verwertbare Daten vor.
  • Gesamtbewertung
    • In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten stehen den Vorteilen von Isa-Pd in den Endpunktkategorien Morbidität und gesundheitsbezogene Lebensqualität ein Nachteil bei den Nebenwirkungen gegenüber. Der Nachteil bei den schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3) wird als moderat erachtet und erreicht nicht ein Ausmaß, welches die positiven Effekte von Isa-Pd in der krankheitsspezifischen Symptomatik und gesundheitsbezogenen Lebensqualität in Frage stellt.
    • In der Gesamtschau kommt der G-BA zu dem Ergebnis, dass für Isatuximab in Kombination mit Pomalidomid und Dexamethason zur Behandlung des rezidivierten und refraktären Multiplen Myeloms bei Erwachsenen, die mindestens zwei vorausgegangene Therapien, darunter Lenalidomid und einen Proteasom-Inhibitor, erhalten haben und unter der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten, ein geringer Zusatznutzen gegenüber Pomalidomid in Kombination mit Dexamethason vorliegt.

Zugehörige Verfahren



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