Asciminib (1) – Scemblix®

Chronische myeloische Leukämie, Ph+, nach ≥ 2 Vortherapien

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.10.2022 – Zulassung: 25.08.2022
Beschluss 16.03.2023 aufgehoben
Wirkstoff Asciminib
Handelsname Scemblix®
Pharm. Unternehmer Novartis Pharma GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-865
ATC-Code L01EA06 BCR-ABL-Tyrosinkinase-Inhibitoren (L01EA)
ICD-10 Codes (AIS) C92.10Chronische myeloische Leukämie (CML), BCR/ABL-positiv: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C92.11Chronische myeloische Leukämie (CML), BCR/ABL-positiv: In kompletter Remission
Alpha-ID Codes (AIS) I17650CML (Chronische myeloische Leukämie), I31095CML (Chronische myeloische Leukämie) in kompletter Remission
ORPHAcodes (AIS) 521CML (Chronische myeloische Leukämie), 521CML (Chronische myeloische Leukämie) in kompletter Remission
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Chronische myeloische Leukämie (CML) Orphan
Grund des Verfahrens Erstbewertung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Scemblix wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (Ph+ CML-CP), die zuvor mit zwei oder mehr Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt wurden (siehe Abschnitt 5.1).

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (Ph+ CML-CP), die zuvor mit zwei oder mehr Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt wurden – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (ASCEMBL)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt für die Nutzenbewertung die Ergebnisse des Datenschnitts vom 6. Oktober 2021 aus der randomisierten, kontrollierten, offenen, multizentrischen Phase-III-Studie ASCEMBL vor, in welcher Asciminib gegenüber Bosutinib in der Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (Ph+ CML-CP), die zuvor mit zwei oder mehr Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt wurden, verglichen wurde.

Erwachsene mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (Ph+ CML-CP), die zuvor mit zwei oder mehr Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt wurden

  • In der Gesamtbetrachtung gelangt der G-BA zu dem Ergebnis, dass für Asciminib für die Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (Ph+ CML-CP), die zuvor mit zwei oder mehr Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt wurden, ein geringer Zusatznutzen im Vergleich zu Bosutinib vorliegt.
  • Im Ergebnis stellt der G-BA für Asciminib auf Basis der Studie ASCEMBL einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen gegenüber Bosutinib fest.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Das Gesamtüberleben ist in der Studie ASCEMBL als der Zeitraum zwischen der Randomisierung und dem Datum des Todes aufgrund jeglicher Ursache definiert.
  • Morbidität - Progression in die Blastenkrise
    • Die Progression in die Blastenkrise ist in der Studie ASCEMBL definiert als Zeitraum zwischen der Randomisierung und dem Datum des ersten Auftretens einer Progression in die Blastenkrise.
    • Der Endpunkt wird als patientenrelevant eingestuft, da ein Übergang in die Blastenkrise mit einer für die Patientin bzw. den Patienten direkt wahrnehmbaren Verschlechterung des Gesundheitszustandes einhergeht.
    • Für diesen Endpunkt zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsarmen. In beiden Armen trat nur eine geringe Anzahl an Ereignissen auf.
  • Morbidität - Schwere krankheitsbezogener Symptome (MDASI-CML)
    • Die Symptomatik wurde in der Studie ASCEMBL anhand des patientenberichteten Symptomfragebogen MDASI-CML vor studienbezogenen Maßnahmen zu Beginn jeder Visite während der Behandlungsphase bis zum Behandlungsende erhoben.
    • Die Erfassung der Schwere krankheitsbezogener Symptome (20 Items) und der Beeinträchtigung des täglichen Lebens durch die Symptome (6 Items) über den MDASI-CML wird als patientenrelevant angesehen.
    • Für den Endpunkt „Schwere krankheitsbezogener Symptome“ zeigt sich in den MMRM-Analysen ein statistisch signifikanter Unterschied in der mittleren Veränderung zu Woche 8 zugunsten von Asciminib gegenüber Bosutinib. Das 95 %-Konfidenzintervall der standardisierten Mittelwertdifferenz (Hedges´g) liegt jedoch nicht vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs von -0,2 bis 0,2. Demzufolge lässt sich nicht ableiten, dass der beobachtete Effekt klinisch relevant ist.
  • Morbidität - Allgemeiner Gesundheitszustand (EQ-5D Visuelle Analogskala)
    • Der allgemeine Gesundheitszustand wurde in der Studie ASCEMBL anhand der visuellen Analogskala des EQ-5D vor studienbezogenen Maßnahmen zu Beginn jeder Visite während der Behandlungsphase bis zum Behandlungsende erhoben.
    • Für diese Auswertung konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zu Woche 8 identifiziert werden.
  • Morbidität - PGI-C
    • Der PGI-C-Fragebogen besteht aus einer einzelnen Frage, mit Hilfe derer die Ansicht der Patientin bzw. des Patienten bezüglich einer Verbesserung oder Verschlechterung der Symptomatik unter der Behandlung erfasst wird.
    • Für diese Auswertung konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zu Woche 12 identifiziert werden.
  • Fazit zur Morbidität
    • Im Ergebnis zeigt sich in der Endpunktkategorie Morbidität für den Endpunkt „Schwere krankheitsbezogener Symptome“ nur zum Zeitpunkt der Woche 8 in der MMRM-Analyse zum MDASI-CML ein statistisch signifikanter Unterschied in der mittleren Veränderung zugunsten von Asciminib gegenüber Bosutinib. Das 95 %-Konfidenzintervall der standardisierten Mittelwertdifferenz liegt jedoch nicht vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs von -0,2 bis 0,2. Demzufolge lässt sich nicht ableiten, dass der beobachtete Effekt klinisch relevant ist. Insgesamt liegen somit hinsichtlich der Morbidität keine relevanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
  • Lebensqualität
    • Es wurden keine Daten zur Lebensqualität eingereicht.
    • Somit kann nicht beurteilt werden, inwieweit sich die Therapie mit Asciminib im Vergleich zu Bosutinib auf die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten auswirkt. Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wird in der hier vorliegenden Therapiesituation ein hoher Stellenwert beigemessen.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE), schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3), Abbruch wegen UE
    • Für die Endpunkte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE), schwere UE (CTCAE ≥ 3) und Abbruch wegen UE zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zum Vorteil von Asciminib.
    • Bei den schweren UE zeigen sich im Detail ausschließlich Vorteile von Asciminib im Vergleich zu Bosutinib bei den Untersuchungen, den Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts und bei den Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes.
  • Nebenwirkungen - UE von besonderem Interesse
    • Bei den UE von besonderem Interesse zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede zugunsten von Asciminib gegenüber Bosutinib für gastointestinale Tumore (schwere UE), Hepatotoxizität (einschließlich Laborparameter) (schwere UE) sowie für Überempfindlichkeit (schwere UE). Für Myelosuppression (Thrombozytopenie) Grad ≥ 3 liegt ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten von Asciminib gegenüber Bosutinib vor.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Asciminib zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (Ph+ CML-CP), die zuvor mit zwei oder mehr Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt wurden, liegen aus der randomisierten, kontrollierten, offenen, multizentrischen Phase-III-Studie ASCEMBL Ergebnisse zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität und Nebenwirkungen gegenüber Bosutinib vor.
    • Zusammenfassend ergibt sich eine deutliche Verbesserung bei den Nebenwirkungen. Bezüglich der patientenrelevanten Endpunkte zum Gesamtüberleben, zur Symptomatik, zum allgemeinen Gesundheitszustand und zur Progression in die Blastenkrise zeigen sich keine relevanten Unterschiede. Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität liegen keine Daten vor.
    • In der Gesamtbetrachtung gelangt der G-BA zu dem Ergebnis, dass für Asciminib für die Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (Ph+ CML-CP), die zuvor mit zwei oder mehr Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt wurden, ein geringer Zusatznutzen im Vergleich zu Bosutinib vorliegt.

Zugehörige Verfahren



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