Setmelanotid (1) – Imcivree®

Adipositas und Kontrolle von Hunger, POMC-, PCSK1- oder LEPR-Mangel-Adipositas, ≥ 6 Jahre

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.06.2022 – Zulassung: 16.07.2021
Beschluss 01.12.2022
Wirkstoff Setmelanotid
Handelsname Imcivree®
Pharm. Unternehmer Rhythm Pharmaceuticals Inc.
G-BA Vorgangsnummer D-824
ATC-Code A08AA12 Zentral wirkende Antiadiposita (A08AA)
ICD-10 Codes (AIS) E66.89Sonstige Adipositas: Grad oder Ausmaß der Adipositas nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I127713Adipositas durch Proopiomelanocortin-Mangel
ORPHAcodes (AIS) 71526Adipositas durch Proopiomelanocortin-Mangel
DDD Tagesdosis 1.5 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Stoffwechselkrankheiten Adipositas Orphan
Grund des Verfahrens Erstbewertung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Imcivree wird angewendet bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren zur Behandlung von Adipositas und zur Kontrolle des Hungergefühls im Zusammenhang mit genetisch bestätigtem, durch Funktionsverlustmutationen bedingtem biallelischem Proopiomelanocortin (POMC)-Mangel (einschließlich PCSK1) oder biallelischem Leptinrezeptor (LEPR)-Mangel.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren mit POMC-, PCSK1- oder LEPR-Mangel zur Behandlung von Adipositas und zur Kontrolle des Hungergefühls – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (Studien 012, 015)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
Single-Arm + kein Vergleich
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt für die Nutzenbewertung Daten der zwei offenen, multizentrischen, einarmigen, nicht-randomisierten Phase-III-Studien 012 und 015 vor.
    • Die beiden Studien untersuchen die Wirksamkeit und Sicherheit von Setmelanotid bei Patientinnen und Patienten mit POMC-/PCSK1-Mangel-Adipositas (Studie 012) bzw. mit LEPR-Mangel-Adipositas (Studie 015).

Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren mit POMC-, PCSK1- oder LEPR-Mangel zur Behandlung von Adipositas und zur Kontrolle des Hungergefühls

  • Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
  • Mortalität
    • Die Anzahl an Todesfällen wurde in den Studien 012 und 015 im Rahmen der Sicherheitserfassung erhoben. Es gab einen Todesfall in der Studie 015.
  • Morbidität - Körpergewicht und Body-Mass-Index (BMI)
    • Als primärer Endpunkt in beiden Studien wurde dabei der Anteil der Patientinnen und Patienten mit ≥ 10 % Gewichtsreduktion zu Woche 52 im Vergleich zu Baseline erhoben. In beiden Studien erreichte jeweils ein relevanter Teil der Patientinnen und Patienten nach 52 Wochen eine Gewichtsreduktion ≥ 10 % (Studie 012: 12 von 14 Patientinnen und Patienten, Studie 015: 8 von 15 Patientinnen und Patienten).
    • Da für den BMI-z-Score für die Altersgruppe < 18 Jahre ausschließlich Patientenlistings vorliegen, können die Daten für die Nutzenbewertung nicht herangezogen werden.
    • In beiden einarmigen Studien konnte nach 52 Wochen im Vergleich zu Baseline eine Reduktion des Körpergewichts und in der Studie 012 zudem eine Reduktion des BMIs beobachtet werden. Verwertbare Daten zum altersabhängigen BMI (BMI-z-Score) liegen jedoch nicht vor.
    • Während die Werte zu Baseline auf ein deutlich höheres Körpergewicht und einen erhöhten BMI der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen im Vergleich zur Normbevölkerung schließen lassen, sind am Studienende nach 52 Wochen die anthropometrischen Werte zwar noch nicht im Bereich altersgleicher Personen der Normbevölkerung, jedoch weisen die Ergebnisse auf eine deutliche Reduktion des Körpergewichts bzw. des BMIs hin.
    • Insgesamt können die vorgelegten Daten dennoch nur schwer in ihrer Bedeutung interpretiert werden, da auf Basis der vorgelegten Daten keine Beurteilung im Vergleich zum natürlichen Krankheitsverlauf bei der vorliegenden Patientenpopulation möglich ist.
    • Zusammengenommen zeigt sich vorliegend durch die Gabe von Setmelanotid eine relevante Reduktion des Körpergewichts bzw. des BMIs, jeweils zu Woche 52 im Vergleich zu Baseline, die in Ihrem Ausmaß jedoch nicht quantifizierbar sind.
  • Morbidität - Hunger
    • Der Endpunkt „Hunger“ wurde in den Studien anhand des Fragebogens „Hunger-Score“ erhoben. Es erfolgte die Erhebung mittel des „Daily Hunger Questionnaires“ sowie des „Global Hunger Questionnaires“.
    • Der „Daily Hunger Questionnaire“ erhob den täglichen Hunger vor dem Frühstück. Bei Patientinnen und Patienten ≥ 12 Jahren wurde eine 11-stufige Likert-Skala verwendet, die den Hunger von 0 (= nicht hungrig) bis 10 (= größter möglicher Hunger) abbildet. Für Kinder der Altersgruppe 6 bis < 12 Jahre wurde eine 5-stufige Likert-Skala mit einem Smiley-System verwendet.
    • Der „Global Hunger Questionnaire“ umfasste den Patient Global Impression of Severity (PGIS), welcher den globalen Hungerstatus mit 4 Antwortmöglichkeiten (kein, mild, moderat und schwer), und den Patient Global Impression of Change (PGIC) zur Änderung des Hungerstatus mit 5 Antwortmöglichkeiten (deutlich weniger hungrig, etwas weniger hungrig, keine Änderung, etwas hungriger, deutlich hungriger) jeweils zu Woche 52 im Vergleich zu Baseline umfasste.
    • Insgesamt ist fraglich, inwieweit die eingeschlossene Studienpopulation, insbesondere Kinder, im vorliegenden Erkrankungsbild mit starkem Hungergefühl bzw. vorliegender Hyperphagie eine Einschätzung hinsichtlich des gegenwärtigen Zustandes als auch des Ausgangszustandes des Hungers quantifizieren und daraus eine mentale Subtraktion vornehmen können.
    • Hinsichtlich des „Daily Hunger Questionnaires“ zeigte mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten ≥ 12 Jahre in beiden Studien eine Verbesserung des Hungergefühls um ≥ 25 %.
  • Lebensqualität
    • Hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden in den beiden Studien die (patientenberichteten) Fragebögen Impact of Weight on Quality of Life (IWQOL)-Lite, Pediatric Quality of Life (PedsQL) und Short Form 36 (SF-36) erfasst. Aufgrund der niedrigen Rücklaufquoten zu Baseline und im Studienverlauf bzw. aufgrund fehlender Auswertungen auf aggregierter Ebene können die vorgelegten Daten jedoch nicht in der Nutzenbewertung berücksichtigt werden.
  • Nebenwirkungen
    • Unerwünschte Ereignisse (UE) und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) wurden in den Studien 012 und 015 im Zeitraum zwischen der ersten Verabreichung von Setmelanotid bis 30 Tage nach der letzten Setmelanotid-Gabe erfasst.
    • In der Studie 012 trat bei keiner Patientin bzw. bei keinem Patienten ein UE vom Schweregrad ≥ 3 und bei ca. 40 % der Patientinnen und Patienten ein SUE auf. In der Studie 015 traten bei ca. 20 % ein UE vom Schweregrad ≥ 3 und bei ca. 20 % der Patientinnen und Patienten ein SUE auf. Nur eine Patientin bzw. ein Patient bracht die Studie 015 aufgrund eines UEs ab.
  • Gesamtbewertung
    • In der Endpunktkategorie der Morbidität konnte in beiden einarmigen Studien nach 52 Wochen eine relevante Reduktion des Körpergewichts und in der Studie 012 eine relevante Reduktion des BMIs jeweils im Vergleich zu Baseline beobachtet werden. Verwertbare Daten zum altersabhängigen BMI (BMI-z-Score) liegen jedoch nicht vor.
    • Die Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität können aufgrund zu niedriger Rücklaufquoten für die Nutzenbewertung nicht herangezogen werden.
    • Hinsichtlich der Ergebnisse zu den Nebenwirkungen sind unter der Behandlung mit Setmelanotid zum Teil schwere (Grad ≥ 3) und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (UE) sowie ein Therapieabbruch aufgrund von UE aufgetreten. Bei der Depressivität zeigten sich in der Studie 012 nach 52 Wochen keine statistisch signifikanten Unterschiede im Vergleich zu Baseline; die Ergebnisse der Studie 015 sowie zur Suizidalität in beiden Studien können aufgrund zu niedriger Rücklaufquoten für die Nutzenbewertung nicht herangezogen werden.
    • In der Gesamtschau zeigt sich durch die Gabe von Setmelanotid eine relevante Reduktion des Körpergewichts bzw. des BMIs, jeweils zu Woche 52 im Vergleich zu Baseline, die in Ihrem Ausmaß jedoch nicht quantifizierbar sind. Vor diesem Hintergrund wird für Setmelanotid zur Behandlung von Adipositas und zur Kontrolle des Hungergefühls bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren mit POMC-, PCSK1- oder LEPR-Mangel ein nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen festgestellt, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.

Zugehörige Verfahren

Setmelanotid (3) Imcivree® Rhythm Pharmaceuticals Inc. Stoffwechselkrankheiten Adipositas und Kontrolle von Hunger, POMC-, PCSK1-, LEPR-Mangel oder Bardet-Biedl-Syndrom, ≥ 2 bis < 6 Jahre 24–67 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan
Setmelanotid (2) Imcivree® Rhythm Pharmaceuticals Inc. Stoffwechselkrankheiten Adipositas und Kontrolle von Hunger, Bardet-Biedl-Syndrom, ≥ 6 Jahre 300–1.100 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan
Setmelanotid (1) Imcivree® Rhythm Pharmaceuticals Inc. Stoffwechselkrankheiten Adipositas und Kontrolle von Hunger, POMC-, PCSK1- oder LEPR-Mangel-Adipositas, ≥ 6 Jahre 140–280 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan


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