Ponatinib (3) – Iclusig®

Akute lymphatische Leukämie

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.06.2020 – Zulassung: 01.07.2013
Beschluss 20.11.2020
Wirkstoff Ponatinib
Handelsname Iclusig®
Pharm. Unternehmer Dossier: Incyte Biosciences Germany GmbH
Neuer Inverkehrbringer: Incyte Biosciences Distribution B.V.
G-BA Vorgangsnummer D-554
ATC-Code L01EA05 BCR-ABL-Tyrosinkinase-Inhibitoren (L01EA)
ICD-10 Codes (AIS) C91.00Akute lymphatische Leukämie (ALL): Ohne Angabe einer kompletten Remission, C91.01Akute lymphatische Leukämie (ALL): In kompletter Remission
Alpha-ID Codes (AIS) I30536Akute lymphoblastische Leukämie, I31074Akute lymphoblastische Leukämie in kompletter Remission
ORPHAcodes (AIS) 513Akute lymphoblastische Leukämie, 513Akute lymphoblastische Leukämie in kompletter Remission
DDD Tagesdosis 45 mg oral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Akute lymphatische Leukämie (ALL) Orphan
Grund des Verfahrens Neubewertung: Ablauf Befristung
Ursprünglicher Beschluss: Ponatinib (1) (23.01.2014)
Regulatorischer Status Beschleunigtes Verfahren (AA)
Besonderheit Bundling

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Iclusig ist indiziert bei erwachsenen Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver akuter Lymphoblastenleukämie (Ph+ ALL), die behandlungsresistent gegenüber Dasatinib sind, die Dasatinib nicht vertragen und bei denen eine anschließende Behandlung mit Imatinib klinisch nicht geeignet ist, oder bei denen eine T315I-Mutation vorliegt.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver akuter Lymphoblasten-leukämie (Ph+ ALL), die behandlungsresistent gegenüber Dasatinib sind, die Dasatinib nicht vertragen und bei denen eine anschließende Behandlung mit Imatinib klinisch nicht geeignet ist, oder bei denen eine T315I-Mutation vorliegt – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (AP24534-10-201 (Phase II; PACE))
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
Single-Arm + kein Vergleich
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie PACE handelt es sich um eine einarmige, multizentrische, offene Phase II Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Ponatinib bei Patienten mit CML in der chronischen Phase (CP), akzelerierten Phase (AP) oder Blastenkrise oder mit Ph+ ALL, die entweder resistent oder intolerant (R/I) gegenüber einer bisherigen Therapie mit Dasatinib oder Nilotinib waren oder eine T315l-Mutation infolge einer TKI-Therapie entwickelt hatten.

Erwachsene Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver akuter Lymphoblastenleukämie (Ph+ ALL), die behandlungsresistent gegenüber Dasatinib sind, die Dasatinib nicht vertragen und bei denen eine anschließende Behandlung mit Imatinib klinisch nicht geeignet ist, oder bei denen eine T315I-Mutation vorliegt

  • In der Gesamtschau wird für Ponatinib zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver akuter Lymphoblastenleukämie (Ph+ ALL), die behandlungsresistent gegenüber Dasatinib sind, die Dasatinib nicht vertragen und bei denen eine anschließende Behandlung mit Imatinib klinisch nicht geeignet ist, oder bei denen eine T315I-Mutation vorliegt, ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen festgestellt, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
  • Die Aussagesicherheit wird mit einem Anhaltspunkt bewertet, weil nur eine einarmige, unkontrollierte Studie vorliegt und eine vergleichende Bewertung nicht möglich ist.
  • Mortalität
    • In der Studie PACE verstarben im Zeitraum zwischen der ersten Dosis Ponatinib und dem Ende der Studie 78,1 % der Patienten mit Ph+ ALL (R/I-Kohorte: 80 %; TKI-Kohorte: 77,3 %). Zum Zeitpunkt der Analyse lag der Median des OS bei 33,1 Wochen (R/I-Kohorte: 56,5 Wochen; T315I-Kohorte: 28,4 Wochen).
    • Da keine vergleichenden Daten vorliegen, lässt sich auf Basis dieser Ergebnisse keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens treffen.
  • Morbidität
    • Es liegen keine geeigneten Daten vor.
  • Lebensqualität
    • In der PACE-Studie wurde die Lebensqualität nicht erhoben. Somit liegen zur Bewertung des Zusatznutzens hinsichtlich der Lebensqualität für Ponatinib aus der PACE-Studie keine Daten vor.
  • Nebenwirkungen
    • In der Ph+ ALL-Population kam es bei alle Patienten zu mindestens einem unerwünschten Ereignis.
    • Bei 25 von 32 der Patienten mit Ph+ ALL (78,1 %) trat mindestens ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis (SUE) auf (R/I-Kohorte: 80,0 %; T315I-Kohorte: 77,3 %). Die häufigsten SUE (≥ 5 %) entsprechend PT waren febrile Neutropenie (21,9 %), Vorhofflimmern und Tumorprogression (jeweils 12,5 %) und Sepsis, septischer Schock und Dehydration (jeweils 6,3 %).
    • Bei 28 von 32 Patienten mit Ph+ ALL (87,5 %) trat mindestens ein schweres UE mit CTCAE-Grad ≥ 3 auf (R/I-Kohorte: 90 %; T315I-Kohorte: 86,4 %). Die häufigsten UE mit einem Schweregrad ≥ 3 waren febrile Neutropenie (25,0 %), Neutropenie (21,9 %) und verminderte Thrombozytenzahl und Anämie (jeweils 18,8 %).
    • Ein UE führte bei 3 von 32 Patienten mit Ph+ ALL (9,4 %) zu einem endgültigen Abbruch der Studienmedikation (R/I-Kohorte: 10 %; T315I-Kohorte: 9,1 %).
    • Die häufigsten UE von besonderem Interesse waren Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes (59,4 %), Infektionen und parasitäre Erkrankungen (71,9 %) und Myelosuppression (59,4 %).
    • Aussagen zum Ausmaß des Zusatznutzens hinsichtlich der unerwünschten Ereignisse können aufgrund der fehlenden Kontrollgruppe nicht getroffen werden.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • Für die Nutzenbewertung von Ponatinib zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver akuter Lymphoblastenleukämie (Ph+ ALL), die behandlungsresistent gegenüber Dasatinib sind, die Dasatinib nicht vertragen und bei denen eine anschließende Behandlung mit Imatinib klinisch nicht geeignet ist, oder bei denen eine T315I-Mutation vorliegt, liegen Ergebnisse zu den Endpunktkategorien Mortalität und Nebenwirkungen aus der nicht kontrollierten PACE-Studie vor.
    • Aufgrund des einarmigen Studiendesigns ist eine vergleichende Bewertung der Studienergebnisse insgesamt nicht möglich.
    • Damit ist eine quantitative Beurteilung des Ausmaßes des Effektes und eine Quantifizierung des Zusatznutzens auf der Grundlage der vorgelegten Daten nicht möglich.
    • Im Ergebnis stuft der G-BA das Ausmaß des Zusatznutzens von Ponatinib in der vorliegenden Indikation aufgrund der limitierten Datengrundlage auf Basis der Kriterien in § 5 Absatz 7 der AM-NutzenV unter Berücksichtigung des Schweregrades der Erkrankung und des therapeutischen Ziels bei der Behandlung der Erkrankung als nicht quantifizierbar ein. Ein Zusatznutzen liegt gemäß § 35a Absatz 1 Satz 11 1. Halbs. SGB V vor, ist aber nicht quantifizierbar, weil die wissenschaftliche Datengrundlage dies nicht zulässt.

Zugehörige Verfahren

Ponatinib (2) Iclusig® Incyte Biosciences Germany GmbH Onkologische Erkrankungen Chronische myeloische Leukämie 500–940 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan
Ponatinib (3) Iclusig® Incyte Biosciences Germany GmbH Onkologische Erkrankungen Akute lymphatische Leukämie 25–195 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan
Ponatinib (1) Iclusig® ARIAD Pharmaceuticals (Germany) GmbH Onkologische Erkrankungen Chronische myeloische Leukämie; Akute lymphatische Leukämie, Ph+ oder T315I-Mutation 0
525–1.135
100% nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan aufgehoben


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