Pomalidomid (3) – Imnovid®

Multiples Myelom, mind. 1 Vortherapie, Kombination mit Bortezomib und Dexamethason

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.06.2019 – Zulassung: 13.05.2019
Beschluss 05.12.2019
Wirkstoff Pomalidomid
Handelsname Imnovid®
Pharm. Unternehmer Dossier: Celgene GmbH
Neuer Inverkehrbringer: Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
G-BA Vorgangsnummer D-456
ATC-Code L04AX06 Andere Immunsuppressiva (L04AX)
ICD-10 Codes (AIS) C90.00Multiples Myelom: Ohne Angabe einer kompletten Remission, C90.01Multiples Myelom: In kompletter Remission
Alpha-ID Codes (AIS) I21328Multiples Myelom, I31059Multiples Myelom in kompletter Remission
ORPHAcodes (AIS) 29073Multiples Myelom,
DDD Tagesdosis 3 mg oral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Multiples Myelom (MM) Orphan (Umsatzgrenze)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Besonderheit Ende Patent-/Unterlagenschutz

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Imnovid ist in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason indiziert für die Behandlung des multiplen Myeloms bei erwachsenen Patienten, die mindestens eine vorausgegangene Therapie, darunter Lenalidomid, erhalten haben.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene Patienten mit multiplem Myelom die mindestens eine vorausgegangene Therapie, darunter Lenalidomid, erhalten haben • Bortezomib in Kombination mit pegyliertem liposomalen Doxorubicin oder • Bortezomib in Kombination mit Dexamethason oder • Lenalidomid in Kombination mit Dexamethason oder • Elotuzumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder • Carfilzomib in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder • Carfilzomib in Kombination mit Dexamethason oder • Daratumumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason oder • Daratumumab in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (MM-07)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer hat zur Nutzenbewertung Daten der offenen, randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie MM-007 vorgelegt.
    • In dieser Studie wird Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason gegenüber Bortezomib in Kombination mit Dexamethason verglichen.

Erwachsene Patienten mit multiplem Myelom die mindestens eine vorausgegangene Therapie, darunter Lenalidomid, erhalten haben

  • Für Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason zur Behandlung erwachsener Patienten mit multiplem Myelom, die mindestens eine vorausgegangene Therapie, darunter Lenalidomid, erhalten haben ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
  • Mortalität
    • Das Gesamtüberleben ist in der Studie MM-007 definiert als Zeit von Randomisierung bis Tod jeglicher Ursache.
    • Bis zum Datenschnitt vom 15. September 2018 verstarben insgesamt 242 Patienten, 116 im Interventionsarm und 126 im Vergleichsarm. Die mediane Überlebenszeit betrug im Interventionsarm 40,5 Monate und im Vergleichsarm 30,5 Monate. In der Ereigniszeitanalyse zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied (Hazard Ratio (HR): 0,91; [95%-Konfidenzintervall (KI): 0,70; 1,18]; p-Wert 0,476).
    • Ein Zusatznutzen von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason ist in der Kategorie Mortalität somit nicht belegt.
  • Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
    • Das progressionsfreie Überleben stellt den primären Endpunkt der Studie MM-007 dar. Es ist operationalisiert als Zeit von der Randomisierung bis zur ersten dokumentierten Krankheitsprogression oder Tod während der Studienbehandlung oder in der PFS-Follow-up-Phase.
    • Das PFS war im Interventionsarm gegenüber dem Kontrollarm statistisch signifikant um 4,83 Monate im Median verlängert (11,70 vs. 6,87 Monate im Median; HR: 0,58 [95%-KI: 0,47; 0,71]; p < 0,001).
    • Die Ergebnisse zum Endpunkt progressionsfreies Überleben werden deshalb in der vorliegenden Bewertung nicht herangezogen.
  • Morbidität - Symptomatik
    • Die Symptomatik der Patienten wird in der Studie MM-007 durch die insgesamt acht Symptomskalen des Fragebogens EORTC-QLQ-C30 sowie die zwei Symptomskalen des EORTC-QLQ-MY20 erhoben.
    • Hierbei zeigt sich in der Responderanalyse für die Zeit bis zur ersten klinisch relevanten Verschlechterung um mindestens 10 Punkte gegenüber dem Ausgangswert ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen nur für das Symptom Verstopfung. Dieser Unterschied zeigt einen Nachteil von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason.
    • Ein Zusatznutzen von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason ist in der Kategorie Morbidität somit nicht belegt.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wird in der Studie MM-007 von den Patienten berichtet und mittels der sechs Funktionsskalen des Fragebogens EORTC-QLQ-C30 bzw. den zwei Funktionsskalen des Fragebogens EORTC-QLQ-MY20 erhoben.
    • Hierbei zeigen sich auf Basis der Gesamtpopulation in den Responderanalysen für die Zeit bis zur ersten klinisch relevanten Verschlechterung um mindestens 10 Punkte gegenüber dem Ausgangswert keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Zusammenfassend ist ein Zusatznutzen von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason in der Kategorie Lebensqualität nicht belegt.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • Sowohl im Interventionsarm als auch im Kontrollarm erlitt nahezu jeder Patient ein unerwünschtes Ereignis. Die Ergebnisse zu dem Endpunkt „Unerwünschte Ereignisse gesamt“ werden nur ergänzend dargestellt.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE
    • In der Studie MM-007 haben zum Zeitpunkt des zweiten Datenschnittts ca. 61 % der Patienten im Interventionsarm und ca. 43 % der Patienten im Vergleichsarm ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis (SUE) erfahren.
    • Im Vergleichsarm trat ein SUE im Median 12,8 Monate später auf als im Interventionsarm. In der Ereigniszeitanalyse zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason.
  • Nebenwirkungen - Schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3)
    • In der Studie MM-007 haben zum Zeitpunkt des zweiten Datenschnittts ca. 93 % der Patienten im Interventionsarm und ca. 72 % der Patienten im Vergleichsarm ein schweres unerwünschtes Ereignis (CTCAE-Grad ≥3) erfahren.
    • Im Vergleichsarm trat ein schweres UE im Median 0,9 Monate später auf als im Interventionsarm. In der Ereigniszeitanalyse zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Nutzenbewertung von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason zur Behandlung erwachsener Patienten mit multiplem Myelom die mindestens eine vorausgegangene Therapie, darunter Lenalidomid, erhalten haben, liegen aus der Studie MM-007 Ergebnisse zum Gesamtüberleben, zur Morbidität, gesundheitsbezogenen Lebensqualität und zu Nebenwirkungen vor.
    • In der Endpunktkategorie Mortalität zeigt sich für den Endpunkt Gesamtüberleben kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Für das Gesamtüberleben ist ein Zusatznutzen von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason nicht belegt.
    • Im Bereich der Morbidität (Symptomatik, erhoben anhand der Messinstrumente EORTC-QLQ-C30 und EORTC-QLQ-MY20) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied hinsichtlich des Symptoms Verstopfung zuungunsten von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason, der die Gesamtaussage zur Symptomatik angesichts der vorliegenden Erkrankung und des Unterschiedes im Effektausmaß jedoch nicht ändert. Hinsichtlich der Morbidität ist ein Zusatznutzen von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason nicht belegt.
    • Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität zeigen sich auf Basis der Gesamtpopulation weder positive noch negative Effekte einer Behandlung mit Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason.
    • Bei den Nebenwirkungen zeigen sich zahlreiche und bezüglich ihrer Effektausmaße auch deutlich ausgeprägte statistisch signifikante Nachteile Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason hinsichtlich der Endpunkte schwerwiegende UE, schwere UE sowie im Bereich der spezifischen UE.
    • Die beobachteten Nebenwirkungen sind für die Patienten bedeutend und im Einzelnen auch gravierend, es ist allerdings unsicher, inwieweit sie auf den deutschen Versorgungskontext unmittelbar übertragbar sind.
    • Der G-BA gelangt zu der Beurteilung, dass trotz der nach den Studienergebnissen deutlichen negativen Effekte in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen die Feststellung eines „geringeren Nutzens“ in der Gesamtbewertung nicht mit der erforderlichen Sicherheit getroffen werden kann.
    • In der Gesamtbewertung gelangt der G-BA somit zu dem Ergebnis, dass ein Zusatznutzen von Pomalidomid in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason gegenüber Bortezomib in Kombination mit Dexamethason nicht belegt ist.

Zugehörige Verfahren

Pomalidomid (3) Imnovid® Celgene GmbH Onkologische Erkrankungen Multiples Myelom, mind. 1 Vortherapie, Kombination mit Bortezomib und Dexamethason 3.060–3.450 100% Zusatznutzen nicht belegt Orphan (Umsatzgrenze)
Pomalidomid (2) Imnovid® Celgene GmbH Onkologische Erkrankungen Multiples Myelom, mind. 2 Vortherapien, Kombination mit Dexamethason 2.300 50% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen Orphan (Umsatzgrenze)
Pomalidomid (1) Imnovid® Celgene GmbH Onkologische Erkrankungen Multiples Myelom 0
1.900
100% beträchtlicher Zusatznutzen Orphan aufgehoben


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