Pertuzumab / Trastuzumab (3) – Phesgo®

Mammakarzinom, HER2+, früh mit hohem Rezidivrisiko, adjuvante Therapie, Kombination mit Chemotherapie

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.02.2021 – Zulassung: 21.12.2020
Beschluss 15.07.2021 aufgehoben
Befristung bis 01.10.2022
Wirkstoff Pertuzumab/Trastuzumab
Handelsname Phesgo®
Pharm. Unternehmer Roche Pharma AG
G-BA Vorgangsnummer D-632
ATC-Code L01XY02 Kombinationen von antineoplastischen Mitteln (L01XY)
ICD-10 Codes (AIS) C50.0Bösartige Neubildung: Brustwarze und Warzenhof, C50.1Bösartige Neubildung: Zentraler Drüsenkörper der Brustdrüse, C50.2Bösartige Neubildung: Oberer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.3Bösartige Neubildung: Unterer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.4Bösartige Neubildung: Oberer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.5Bösartige Neubildung: Unterer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.6Bösartige Neubildung: Recessus axillaris der Brustdrüse, C50.8Bösartige Neubildung: Brustdrüse, mehrere Teilbereiche überlappend, C50.9Bösartige Neubildung: Brustdrüse, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I102868Bösartige Neubildung der äußeren 2 Quadranten der Brustdrüse, I102970Bösartige Neubildung des oberen inneren Quadranten der Brustdrüse, I102971Bösartige Neubildung des unteren inneren Quadranten der Brustdrüse, I102972Bösartige Neubildung des oberen äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102973Bösartige Neubildung des unteren äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102998Bösartige Neubildung des zentralen Drüsenkörpers der Brustdrüse, I102999Bösartige Neubildung des Recessus axillaris der Brustdrüse, I111628Bösartige Neubildung der Brustwarze und des Warzenhofes, I18052Mammakarzinom
DDD Tagesdosis 0.05 parenteral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom / Brustkrebs (BC)
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Aufgehoben durch: Pertuzumab / Trastuzumab (4) (16.03.2023)
Besonderheit Bundling

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Phesgo ist zur Anwendung in Kombination mit Chemotherapie indiziert zur adjuvanten Behandlung von erwachsenen Patienten mit HER2-positivem frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit HER2-positivem frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko zur adjuvanten Behandlung Ein Therapieschema; Trastuzumab, ein Taxan (Paclitaxel oder Docetaxel) und ggf. ein Anthrazyklin (Doxorubicin oder Epirubicin) enthaltend

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (APHINITY)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • APHINITY ist eine multizentrische, doppelblinde, randomisierte Studie, in der Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie mit Placebo + Trastuzumab + Chemotherapieregime verglichen wird.

Erwachsene mit HER2-positivem frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko zur adjuvanten Behandlung

  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigte sich zwischen den Behandlungsgruppen kein statistisch signifikanter Unterschied.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben ist somit ein Zusatznutzen nicht belegt.
    • Die finale Analyse zum Gesamtüberleben aus der derzeit laufenden Studie steht noch aus.
  • Morbidität - Rezidive (Ereignisrate und Krankheitsfreies Überleben)
    • Für die Rezidivrate zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie im Vergleich zu Placebo + Trastuzumab + Chemotherapie.
    • Die Ereigniszeitanalyse zeigt einen statistisch signifikanten positiven Effekt für Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie.
    • In der Betrachtung beider Endpunkte wird ein positiver Effekt, dessen quantitatives Ausmaß gering ist, hinsichtlich der Vermeidung von Rezidiven für Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie festgestellt.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Für den Endpunkt Emotionale Funktion zeigt sich zum Zeitpunkt 36-Monats-Follow-up ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie. Das quantitative Ausmaß des Effektes ist gering.
    • In den weiteren Endpunkten liegt kein statistisch signifikanter Unterschied vor.
    • Insgesamt wird bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität weder ein Vorteil noch ein Nachteil der Behandlung mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie im Vergleich zu Trastuzumab + Chemotherapie festgestellt.
  • Nebenwirkungen
    • Nahezu jede Person in der Studie APHINITY hat mindestens einmal ein UE erfahren, sowohl unter Behandlung mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie als auch unter der Behandlung mit Trastuzumab + Chemotherapie.
    • Für die schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse zeigte sich ein statistisch signifikanter Effekt zum Nachteil von Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie.
    • Es zeigte sich hinsichtlich der schweren unerwünschten Ereignisse mit CTCAE-Grad ≥ 3 ein statistisch signifikanter Nachteil von Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie gegenüber Trastuzumab + Chemotherapie.
    • Für den Endpunkt Therapieabbruch aufgrund eines UE zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
    • Es ergab sich für Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie ein statistisch signifikanter Vorteil gegenüber Trastuzumab + Chemotherapie hinsichtlich des spezifischen schweren UE (CTCAE-Grad 3 oder 4) Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen (SOC).
    • Demgegenüber zeigte sich für Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie ein statistisch signifikanter Nachteil hinsichtlich der spezifischen UE Diarrhö (PT), Pruritus (PT), Herzinsuffizienz (PT,) sowie des spezifischen schweren UE (CTCAE-Grad 3 oder 4) Anämie (PT), Diarrhö (PT), Stomatitis (PT), Ermüdung (PT), Leukozytenzahl erniedrigt (PT) und Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen (SOC).
    • Hinsichtlich der Anzahl an schwerwiegenden Herzinsuffizienzen in der APHINITY-Studie handelt es sich um ein seltenes Ereignis in beiden Behandlungsgruppen. Das Ausmaß des Unterschiedes in absoluten Zahlen ist gering.
  • Gesamtbewertung / Fazit
    • In der vorliegenden Nutzenbewertung wird die s.c. Fixkombination Pertuzumab/ Trastuzumab bewertet. Im Rahmen der Zulassung der s.c Fixkombination wurde die Bio- und Wirkäquivalenz im Vergleich zur freien intravenösen Kombination von Pertuzumab + Trastuzumab gezeigt. Die vorliegende Bewertung basiert daher auf den Daten zur freien Kombination aus der Studie APHINITY.
    • In der Endpunktkategorie Mortalität zeigen die vorliegenden Ergebnisse zum Endpunkt Gesamtüberleben keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Studienarmen. Das mediane Überleben wurde aufgrund der geringen Anzahl an Ereignissen noch nicht erreicht, finale Analysen zum Endpunkt Gesamtüberleben stehen aus. Für den Endpunkt Gesamtüberleben ist somit ein Zusatznutzen nicht belegt.
    • Für die aufgetretenen Rezidive, dargestellt als Rezidivrate und DFS, zeigen sich statistisch signifikant weniger Rezidive für Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie gegenüber Trastuzumab + Chemotherapie. Das Ausmaß dieses Effektes wird als eine relevante, jedoch nicht mehr als eine moderate Verbesserung bewertet. Die Vermeidung von Rezidiven stellt ein essentielles Therapieziel in der vorliegenden kurativen Therapiesituation dar.
    • Hinsichtlich der in der Studie erhobenen Symptomatik lässt sich insgesamt weder ein Vorteil noch ein Nachteil durch die Behandlung mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie feststellen.
    • Bezüglich der patientenberichteten gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigt sich im Endpunkt Emotionale Funktion ein Vorteil in einem moderaten Ausmaß. Dieses Ergebnis zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität stützt das Ergebnis zur Gesamtbewertung.
    • Bei den Nebenwirkungen zeigt sich für den Endpunkt Abbruch wegen UE kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen. Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) und den schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3) ergibt sich ein Nachteil durch die Behandlung mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie. Im Detail zeigt sich bei den im vorliegenden Anwendungsgebiet bedeutsamen kardialen Nebenwirkungen eine statistisch signifikante Zunahme schwerwiegender Herzinsuffizienzen. Dieser Nachteil betrifft allerdings in absoluten Zahlen nur einen geringen Anteil der Patienten. In der Gesamtbetrachtung der Nebenwirkungen wird ein bedeutsamer Nachteil für Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie festgestellt.
    • In der Gesamtbetrachtung steht der in der vorliegenden adjuvanten Therapiesituation besonders relevante positive Effekt hinsichtlich der Vermeidung von Rezidiven, in einem jedoch nur moderaten Ausmaß, den bedeutsamen Nachteilen bei den Nebenwirkungen, insbesondere bei den schwerwiegenden Nebenwirkungen, gegenüber. Die bedeutsamen Nachteile bei den Nebenwirkungen werden vor dem Hintergrund des vorliegenden kurativen Therapieanspruches gewichtet.
    • Der G-BA kommt daher in einer Abwägungsentscheidung zu dem Ergebnis, dass der Vorteil gegenüber den Nachteilen überwiegt. Somit wird festgestellt, dass ein geringer Zusatznutzen für Pertuzumab/Trastuzumab in Kombination Chemotherapie im Vergleich zu Trastuzumab + Chemotherapie in der adjuvanten Behandlung von Erwachsenen mit HER2-positivem frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko vorliegt.

Zugehörige Verfahren



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