Pertuzumab (3) – Perjeta®

Mammakarzinom, früh mit hohem Rezidivrisiko, Adjuvanz, Kombination mit Trastuzumab und Chemotherapie

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.07.2018 – Zulassung: 31.05.2018
Beschluss 20.12.2018 aufgehoben
Befristung bis 02.01.2022
Wirkstoff Pertuzumab
Handelsname Perjeta®
Pharm. Unternehmer Roche Pharma AG
G-BA Vorgangsnummer D-363
ATC-Code L01FD02 HER2-Inhibitoren (L01FD)
ICD-10 Codes (AIS) C50.0Bösartige Neubildung: Brustwarze und Warzenhof, C50.1Bösartige Neubildung: Zentraler Drüsenkörper der Brustdrüse, C50.2Bösartige Neubildung: Oberer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.3Bösartige Neubildung: Unterer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.4Bösartige Neubildung: Oberer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.5Bösartige Neubildung: Unterer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.6Bösartige Neubildung: Recessus axillaris der Brustdrüse, C50.8Bösartige Neubildung: Brustdrüse, mehrere Teilbereiche überlappend, C50.9Bösartige Neubildung: Brustdrüse, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I102867Bösartige Neubildung der inneren 2 Quadranten der Brustdrüse, I102970Bösartige Neubildung des oberen inneren Quadranten der Brustdrüse, I102971Bösartige Neubildung des unteren inneren Quadranten der Brustdrüse, I102972Bösartige Neubildung des oberen äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102973Bösartige Neubildung des unteren äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102998Bösartige Neubildung des zentralen Drüsenkörpers der Brustdrüse, I102999Bösartige Neubildung des Recessus axillaris der Brustdrüse, I111628Bösartige Neubildung der Brustwarze und des Warzenhofes, I18052Mammakarzinom
DDD Tagesdosis 20 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom / Brustkrebs (BC)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Aufgehoben durch: Pertuzumab (4) (16.03.2023)

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Perjeta ist zur Anwendung in Kombination mit Trastuzumab und Chemotherapie indiziert zur adjuvanten Behandlung von erwachsenen Patienten mit HER2-positivem frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene Patienten mit HER2-positivem frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko zur adjuvanten Behandlung Ein Therapieschema, Trastuzumab, ein Taxan (Paclitaxel oder Docetaxel) und ggf. ein Anthrazyklin (Doxorubicin oder Epirubicin) enthaltend

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (APHINITY)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Hierbei handelt es sich um eine 2-armige, randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Phase 3-Studie, in der Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie gegenüber Trastuzumab + Chemotherapie verglichen wurde.

Erwachsene Patienten mit HER2-positivem frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko zur adjuvanten Behandlung

  • Für Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Chemotherapie zur adjuvanten Behandlung von erwachsenen Patienten mit HER2-positivem frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko liegt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vor.
  • Somit wird für Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Chemotherapie im Vergleich zu Trastuzumab in Kombination mit Chemotherapie in der adjuvanten Behandlung von erwachsenen Patienten mit HER2-positivem frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko ein geringer Zusatznutzen festgestellt.
  • Mortalität
    • Gesamtüberleben
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen (Hazard-Ratio: 0,89, Konfidenzintervall: 0,65; 1,23, p-Wert: 0,486).
    • Zum vorliegenden Datenschnitt ist der Median der Überlebenszeit in beiden Behandlungsgruppen nicht erreicht bei einer insgesamt geringen Anzahl an Ereignissen: 4,0 % vs. 4,4 % Todesfälle in der relevanten Teilpopulation der Studie.
    • Für das Gesamtüberleben ist somit ein Zusatznutzen von Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Chemotherapie nicht belegt.
  • Morbidität - Rezidive / Krankheitsfreies Überleben (DFS; Disease-free survival)
    • Die Patienten im vorliegenden Anwendungsgebiet werden mit einem kurativen Therapieansatz behandelt: adjuvante Therapie nach vollständiger Resektion der Primärtumore und ggf. befallener Lymphknoten.
    • Krankheitsfreies Überleben (DFS)
    • Die Ereigniszeitanalyse zeigt einen statistisch signifikanten positiven Effekt für Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie im Vergleich zu Trastuzumab + Chemotherapie (Hazard-Ratio: HR: 0,78 [0,64; 0,96], p-Wert 0,019).
    • Rezidive (Ereignisrate)
    • Auch für den Endpunkt „Rezidive (Ereignisrate)“ zeigt sich ein in der Größenordnung vergleichbarer statistisch signifikanter positiver Effekt für Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie im Vergleich zu Trastuzumab + Chemotherapie: 166 Patienten (9,2 %) vs. 211 Patienten (11,6 %) mit einem Rezidivereignis (Risk-Ratio: 0,79 [0,65; 0,96], p-Wert: 0,018). Die absolute Differenz ist gering: minus 2,4 %.
    • In der Betrachtung beider Endpunkte wird ein positiver Effekt von Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie im Vergleich zu Trastuzumab + Chemotherapie hinsichtlich der Vermeidung von Rezidiven festgestellt, dessen quantitatives Ausmaß gering ist.
    • Hinsichtlich der in der Studie aufgetretenen Rezidive der Erkrankung (operationalisiert in den Endpunkten DFS und Rezidivrate) zeigt sich ein statistisch signifikanter, im Ausmaß jedoch nur moderater positiver Effekt von Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Chemotherapie im Vergleich zu Trastuzumab in Kombination mit Chemotherapie.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Für den Endpunkt „Emotionale Funktion“ zeigt sich zum Zeitpunkt 36-Monats-Follow-up ein statistisch signifikanter Vorteil in der Behandlungsgruppe mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie. Das quantitative Ausmaß des Effektes ist gering.
    • In den weiteren Endpunkten „Globaler Gesundheitsstatus“, „Körperliche Funktion“, „Rollenfunktion“, „Kognitive Funktion“, „Körperbild“, „Sexuelle Aktivität“ und „Freude an Sex“ liegt kein statistisch signifikanter Unterschied vor.
    • Hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wird insgesamt weder ein Vorteil noch ein Nachteil der Behandlung mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie im Vergleich zu Trastuzumab + Chemotherapie festgestellt.
    • Bei der patientenberichteten gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigt sich im Endpunkt „Emotionale Funktion“ ein Vorteil in einem moderaten Ausmaß.
  • Nebenwirkungen
    • Schwerwiegende UE
    • In der Behandlungsgruppe mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie waren statistisch signifikant mehr Patienten von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) betroffen.
    • Schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3)
    • Unerwünschte Ereignissen, die entsprechend der CTCAE-Klassifikation als „schwere unerwünschte Ereignisse“ eingestuft wurden (CTCAE-Grad ≥ 3), traten statistisch signifikant häufiger unter Behandlung mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie auf.
    • Therapieabbruch wegen UE
    • Bei den Therapieabbrüchen wegen UE zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Herzinsuffizienz (schwerwiegend)
    • In der Behandlungsgruppe mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie trat statistisch signifikant häufiger eine schwerwiegende Herzinsuffizienz im Vergleich zur Behandlungsgruppe mit Trastuzumab + Chemotherapie auf.
    • Diarrhö (schwerwiegend und nicht-schwerwiegend)
    • In der Behandlungsgruppe mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie trat statistisch signifikant häufiger eine schwerwiegend sowie nicht-schwerwiegende Diarrhö im Vergleich zur Behandlungsgruppe mit Trastuzumab + Chemotherapie auf.
    • Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen (schwerwiegend)
    • In der Behandlungsgruppe mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie trat statistisch signifikant häufiger eine schwerwiegende Stoffwechsel- und Ernährungsstörung im Vergleich zur Behandlungsgruppe mit Trastuzumab + Chemotherapie auf.
    • In der Gesamtbetrachtung der Endpunkte zu unerwünschten Ereignissen wird ein Nachteil festgestellt, wenn Pertuzumab zusätzlich zu Trastuzumab + Chemotherapie gegeben wird.
    • Für die Endpunktkategorie Nebenwirkungen wird ein geringerer Nutzen für die Behandlung mit Pertuzumab + Trastuzumab + Chemotherapie im Vergleich zu Trastuzumab + Chemotherapie festgestellt.
  • Gesamtbewertung
    • In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse aus der Studie APHINITY zu allen patientenrelevanten Endpunkten steht der in der vorliegenden adjuvanten Therapiesituation besonders relevante positive Effekt hinsichtlich der Vermeidung von Rezidiven in einem jedoch nur moderaten Ausmaß den bedeutsamen Nachteilen bei den Nebenwirkungen, insbesondere bei den schwerwiegenden Nebenwirkungen, gegenüber.
    • In einer Abwägungsentscheidung gelangt der G-BA zu dem Ergebnis, dass der Vorteil gegenüber den Nachteilen überwiegt.

Zugehörige Verfahren



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