Ledipasvir / Sofosbuvir (2) – Harvoni®
Chronische Hepatitis C, 12 bis < 18 Jahre
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.08.2017 – Zulassung: 19.07.2017 |
|---|---|
| Beschluss | 15.02.2018 |
| Wirkstoff | Ledipasvir/Sofosbuvir |
| Handelsname | Harvoni® |
| Pharm. Unternehmer | Gilead Sciences GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-304 |
| ATC-Code | J05AP51 Antivirale Mittel zur Behandlung von Hepatitis C Infektionen (J05AP) |
| ICD-10 Codes (AIS) | B18.2Chronische Virushepatitis C |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I29602Chronische Virushepatitis C |
| DDD Tagesdosis | 1 E oral |
| Therapeutisches Gebiet | Infektionskrankheiten Hepatitis C (HCV) |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Regulatorischer Status | Beschleunigtes Verfahren (AA) |
| Besonderheit | ZVT-Änderung |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Harvoni wird bei Erwachsenen und Jugendlichen im Alter von 12 bis < 18 Jahren zur Behandlung der chronischen Hepatitis C (CHC) angewendet (siehe Abschnitte 4.2, 4.4 und 5.1 der Fachinformation). Zur spezifischen Aktivität gegen die verschiedenen Genotypen des Hepatitis-C-Virus (HCV) siehe Abschnitte 4.4 und 5.1 der Fachinformation. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Therapienaive Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotypen 1, 4, 5 oder 6 | Ribavirin + Peginterferon alfa |
| b) | Therapienaive Patienten mit chronischer Hepatitis C und kompensierter Zirrhose im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotyp 3 | Ribavirin + Peginterferon alfa |
| c) | Vorbehandelte Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotypen 1, 4, 5 oder 6 | Best-Supportive-Care |
| d) | Vorbehandelte Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotyp 3 | Best-Supportive-Care |
Studien und Ergebnisse
|
Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (G337-1116) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
Evidenztransfer |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Vorbehandlung, Genetik/Mutationstyp, Krankheitsstadium |
| ZVT-Änderung | 11.09.2017 – nach Dossiereinreichung, Leitlinienänderung |
- Klinische Studien
- Der pharmazeutische Unternehmer legt für therapienaive Patienten mit Infektion von Genotyp 1 Ergebnisse einer Teilpopulation (n=80) der Studie 1116 (Interimsbericht) vor. Dabei handelt es sich um eine offene, einarmige Studie zur Untersuchung von Ledipasvir/Sofosbuvir mit vorbehandelten und therapienaiven Kindern im Alter von 3 bis 18 Jahren.
- Der pharmazeutische Unternehmer legt für therapieerfahrene Patienten mit Infektion von Genotyp 1 Ergebnisse einer Teilpopulation (n=20) der offenen, einarmigen Studie 1116 (Interimsbericht) vor.
a) Therapienaive Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotypen 1, 4, 5 oder 6
- Für therapienaive Patienten im Alter von 12 bis < 18 Jahren mit chronischer Hepatitis C-Infektion von Genotyp 1, 4, 5 oder 6 besteht ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
- Insgesamt ergibt sich für therapienaive Patienten mit chronischer Hepatitis C-Infektion von Genotyp 1, 4, 5 oder 6 im Alter von 12 bis < 18 Jahren ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
- Morbidität - Dauerhaftes virologisches Ansprechen (SVR)
- Ein dauerhaftes virologisches Ansprechen 12 (SVR12) bzw. 24 Wochen (SVR24) wurde in der Studie 1116 unter LDV/SOF bei 78 von 80 (97,5 %) therapienaiven Patienten erreicht.
- In Anbetracht der gewonnenen Erkenntnisse der bisherigen Nutzenbewertungen in der Indikation chronische Hepatitis C ist nicht davon auszugehen, dass mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie Peginterferon alfa plus Ribavirin ähnlich hohe Ansprechraten erreicht werden.
- Für die Endpunktkategorie Morbidität ergibt sich somit ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie, dessen Ausmaß in der adoleszenten Population aufgrund der nichtvergleichenden Daten nicht näher quantifiziert werden kann.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Eine Auswertung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurde im Interimsbericht der Studie 1116 nicht vorgesehen und vom pharmazeutischen Unternehmer nicht adressiert.
- Nebenwirkungen
- Es traten weder Todesfälle, noch schwerwiegende unerwünschte Ereignisse oder solche unerwünschten Ereignisse auf, die zum Therapieabbruch führten.
- Unter Berücksichtigung der sowohl in Studien hinreichend belegten und in den Fachinformationen beschriebenen unerwünschten Wirkungen der Behandlung mit Peginterferon, wird die Möglichkeit einer Interferon-freien Therapie von 8 bzw. 12 Wochen Behandlungsdauer gegenüber der Interferon-haltigen zweckmäßigen Vergleichstherapie als relevant hinsichtlich der Vermeidung von Nebenwirkungen bewertet.
- Die Aussagesicherheit muss aufgrund des einarmigen Studiendesigns als eingeschränkt betrachtet werden.
- Fazit
- Für die Bewertung des Zusatznutzens in der Patientengruppe Therapienaive Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren mit Infektion von Genotyp 1 liegen die Ergebnisse aus dem Interimsbericht der offenen, einarmigen Studie 1116 vor.
- Die Ergebnisse der einarmigen Studie zeigen, dass sich Vorteile hinsichtlich der Morbidität für den Endpunkt des dauerhaften virologischen Ansprechens (SVR12) und der unerwünschten Ereignisse ableiten lassen.
- Aufgrund des einarmigen Studiendesigns ist eine Quantifizierung des Ausmaßes des Zusatznutzens in der adoleszenten Population nicht möglich.
- Da in die Studie 1116 keine Patienten mit Infektion von Genotyp 4, 5 oder 6 eingeschlossen wurden, ist die Ableitung eines Zusatznutzens nur mittels eines Evidenztransfers möglich.
- Bei Patienten mit Genotyp 4 lässt sich ein Zusatznutzen aus den Studien mit Erwachsenen übertragen, bei denen ein Vorteil von Ledipasvir/Sofosbuvir in Bezug auf das SVR12 und in der Vermeidung der Nebenwirkungen einer Peginterferon-Therapie vorlag.
- Für Patienten mit Infektion von Genotyp 5 oder 6 wird auf Basis der Fachinformation und aus den in der klinischen Praxis etablierten Therapiestandards ebenfalls ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie abgeleitet.
b) Therapienaive Patienten mit chronischer Hepatitis C und kompensierter Zirrhose im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotyp 3
- Für therapienaive Patienten im Alter von 12 bis < 18 Jahren mit chronischer Hepatitis C-Infektion von Genotyp 3 ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
- Ein Zusatznutzen ist für therapienaive Patienten im Alter von 12 bis < 18 Jahren mit chronischer Hepatitis C-Infektion von Genotyp 3 und kompensierter Zirrhose somit nicht belegt.
- Der pharmazeutische Unternehmer legt für Patienten mit Infektion von Genotyp 3 keine Daten vor.
- Es liegen somit keine Daten zur Bewertung eines Zusatznutzens gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.
- Da bei erwachsenen Patienten mit Genotyp 3 kein Zusatznutzen nachgewiesen wurde, ist die Übertragung eines solchen auf die Population der Jugendlichen nicht möglich.
- Darüber hinaus lässt sich aus der aktuellen Evidenzlage sowie den schriftlichen und mündlichen Stellungnahmen entnehmen, dass der Genotyp 3 abweichende Ansprechraten zeigt sowie – daraus resultierend – abweichende Therapieregime erfordert und auch bei Erwachsenen die Therapie mit Ledipasvir/Sofosbuvir nicht als Standardtherapie bei Infektion von Genotyp 3 anzusehen ist.
c) Vorbehandelte Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotypen 1, 4, 5 oder 6
- Für vorbehandelte Patienten im Alter von 12 bis < 18 Jahren mit chronischer Hepatitis C-Infektion von Genotyp 1, 4, 5 oder 6 besteht ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
- Insgesamt ergibt sich für vorbehandelte Patienten mit chronischer Hepatitis C-Infektion von Genotyp 1, 4, 5 oder 6 im Alter von 12 bis < 18 Jahren ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
- Morbidität - Dauerhaftes virologisches Ansprechen (SVR)
- Ein dauerhaftes virologisches Ansprechen 12 (SVR12) bzw. 24 Wochen (SVR24) wurde in der Studie 1116 unter Ledipasvir/Sofosbuvir bei 20 von 20 (100 %) therapieerfahrenen Patienten erreicht.
- In Anbetracht der gewonnenen Erkenntnisse der bisherigen Nutzenbewertungen in der Indikation chronische Hepatitis C ist nicht davon auszugehen, dass mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie Best-Supportive-Care ähnlich hohe Ansprechraten erreicht werden.
- Für die Endpunktkategorie Morbidität ergibt sich somit ein Zusatznutzen in der adoleszenten Population gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie, dessen Ausmaß aufgrund der nichtvergleichenden Daten nicht näher bestimmt werden kann.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Auswertungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität waren im vorgelegten Interimsbericht der Studie 1116 nicht vorgesehen und wurden vom pharmazeutischen Unternehmer nicht adressiert.
- Nebenwirkungen
- Es traten weder Todesfälle, noch schwerwiegende unerwünschte Ereignisse oder solche unerwünschten Ereignisse auf, die zum Therapieabbruch führten.
- Es ergeben sich somit aus den Endpunktkategorien Lebensqualität und Nebenwirkungen keine weiteren Anhaltspunkte zur Ableitung des Zusatznutzens.
- Fazit
- Für die Bewertung des Zusatznutzens in der Patientengruppe Therapieerfahrene Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren mit Infektion von Genotyp 1 liegen die Ergebnisse aus dem Interimsbericht der offenen, einarmigen Studie 1116 vor.
- Die Ergebnisse der einarmigen Studie zeigen, dass sich Vorteile hinsichtlich der Morbidität für den Endpunkt des dauerhaften virologischen Ansprechens (SVR12) und der unerwünschten Ereignisse ableiten lassen.
- Aufgrund des einarmigen Studiendesigns ist eine Quantifizierung des Ausmaßes des Zusatznutzens in der adoleszenten Population nicht möglich.
- Da in die Studie 1116 keine Patienten mit Infektion von Genotyp 4, 5 oder 6 eingeschlossen wurden, ist die Ableitung eines Zusatznutzens nur mittels eines Evidenztransfers möglich.
- Bei Patienten mit Genotyp 4 lässt sich ein Zusatznutzen aus den Studien mit Erwachsenen übertragen, bei denen ein Vorteil von Ledipasvir/Sofosbuvir in Bezug auf das SVR12 vorlag.
- Für Patienten mit Infektion von Genotyp 5 oder 6 Patienten wird auf Basis der Fachinformation und aus den in der klinischen Praxis etablierten Therapiestandards ebenfalls ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie abgeleitet.
d) Vorbehandelte Patienten mit chronischer Hepatitis C im Alter von 12 bis < 18 Jahren, Genotyp 3
- Für therapienaive Patienten im Alter von 12 bis < 18 Jahren mit chronischer Hepatitis C-Infektion von Genotyp 3 ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
- Ein Zusatznutzen ist für vorbehandelte Patienten im Alter von 12 bis < 18 Jahren mit chronischer Hepatitis C-Infektion von Genotyp 3 somit nicht belegt.
- Der pharmazeutische Unternehmer legt für Patienten mit Infektion von Genotyp 3 keine Daten vor.
- Es liegen somit keine Daten zur Bewertung eines Zusatznutzens gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.
- Auch für erwachsene Patienten wurde im Beschluss vom 21. Mai 2015 kein Zusatznutzen festgestellt, da keine ausreichenden Daten vorgelegt wurden.
- Da bei erwachsenen Patienten mit Genotyp 3 kein Zusatznutzen nachgewiesen wurde, ist die Übertragung eines solchen auf die Population der Jugendlichen nicht möglich.
- Darüber hinaus lässt sich aus der aktuellen Evidenzlage sowie den schriftlichen und mündlichen Stellungnahmen entnehmen, dass der Genotyp 3 abweichende Ansprechraten zeigt sowie – daraus resultierend – abweichende Therapieregime erfordert und auch bei Erwachsenen die Therapie mit Ledipasvir/Sofosbuvir nicht als Standardtherapie bei Infektion von Genotyp 3 anzusehen ist.
Zugehörige Verfahren
| Ledipasvir / Sofosbuvir (3) | Harvoni® | Gilead Sciences Ireland UC | Chronische Hepatitis C, 3 bis <12 Jahre | 100–170 | 50% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen | |
| Ledipasvir / Sofosbuvir (2) | Harvoni® | Gilead Sciences GmbH | Chronische Hepatitis C, 12 bis < 18 Jahre | 5.300 | 50% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen | |
| Ledipasvir / Sofosbuvir (1) | Harvoni® | Gilead Sciences GmbH | Chronische Hepatitis C | 74.100 | 79% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen |
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