Finerenon (1) – Kerendia®

Chronische Nierenerkrankung bei Typ-2-Diabetes, Stadium 3 und 4 mit Albuminurie

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.03.2023 – Zulassung: 06.02.2023
Beschluss 17.08.2023
Wirkstoff Finerenon
Handelsname Kerendia®
Pharm. Unternehmer Bayer Vital GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-908
ATC-Code C03DA05 Aldosteronantagonisten (C03DA)
ICD-10 Codes (AIS) N18.3Chronische Nierenkrankheit, Stadium 3, N18.4Chronische Nierenkrankheit, Stadium 4, N18.80Einseitige chronische Nierenfunktionsstörung, N18.89Sonstige chronische Nierenkrankheit, Stadium nicht näher bezeichnet, N18.9Chronische Nierenkrankheit, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I19746Chronische Niereninsuffizienz, I7118Dekompensierte Niereninsuffizienz, I86867Einseitige chronische Nierenfunktionsstörung, I86870Chronische Niereninsuffizienz, Stadium 3, I86871Chronische Niereninsuffizienz, Stadium 4
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Urogenitalsystems Chronische Nierenerkrankung (CKD), Diabetes mellitus (DM Typ 1-2)
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit Bundling

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Kerendia wird angewendet zur Behandlung von chronischer Nierenerkrankung (Stadium 3 und 4 mit Albuminurie) in Verbindung mit Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung (Stadium 3 und 4 mit Albuminurie) in Verbindung mit Typ-2-Diabetes Eine optimierte Standardtherapie zur Behandlung der chronischen Nierenerkrankung und des Diabetes mellitus Typ 2 unter Berücksichtigung der Grunderkrankung(en) und häufiger Komorbiditäten (wie Dyslipoproteinämie, Hypertonie, Anämie, Herzinsuffizienz)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (FIDELIO-DKD, FIGARO-DKD)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie FIDELIO-DKD handelt es sich um eine placebokontrollierte doppelblinde randomisierte Parallelgruppenstudie zu Finerenon, die von September 2015 bis April 2020 durchgeführt wurde.
    • Bei der Studie FIGARO-DKD handelt es sich um eine placebokontrollierte doppelblinde randomisierte Parallelgruppenstudie zu Finerenon, die von September 2015 bis Februar 2021 durchgeführt wurde.

Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung (Stadium 3 und 4 mit Albuminurie) in Verbindung mit Typ-2-Diabetes

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtmortalität zeigt sich in der Metaanalyse der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität
    • Für den kombinierten Endpunkt renale Morbidität mit eGFR-Abnahme ≥ 57 % sowie für die Einzelkomponente eGFR-Abnahme ≥ 57 % zeigt sich in der Metaanalyse der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Finerenon im Vergleich zu Placebo.
    • Für die Einzelkomponenten Nierenversagen, anhaltende Abnahme der eGFR auf < 15 ml/min/1,73 m2, ESRD sowie renaler Tod zeigt sich in der Metaanalyse der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Für den Endpunkt Bestätigte Verschlechterung der CKD zu Stadium 4 oder 5 zeigt sich nur in der Studie FIDELIO-DKD ein statistisch signifikanter Vorteil von Finerenon im Vergleich zu Placebo. Dieses Ergebnis konnte in der Metaanalyse der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD nicht bestätigt werden.
    • Der kombinierte Endpunkt der Studien zur kardiovaskulären Morbidität umfasst die Einzelkomponenten kardiovaskulärer Tod, nicht tödlicher Myokardinfarkt, nicht tödlicher Schlaganfall und schwere Herzinsuffizienzereignisse (operationalisiert als Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz). In die Auswertungen gehen jedoch nicht Hospitalisierungen aus anderen kardiovaskulären Gründen (z. B. Hospitalisierung aufgrund von Vorhofflimmern, instabile Angina pectoris oder Arrhythmien) ein, die z. B. in der Studie FIGARO-DKD mehr als doppelt so häufig wie Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz auftraten.
    • Für den Endpunkt Gesamthospitalisierung zeigt sich in der Metaanalyse der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - KDQOL-36 ausgewertet mittels MMRM
    • Für die Domäne PCS des KDQOL-36 zeigt sich in der Metaanalyse der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Finerenon im Vergleich zu Placebo. Der Effekt liegt jedoch nicht außerhalb des Irrelevanzbereichs (Standardisierte Mittelwertdifferenz [-0,2; 0,2]). Damit lässt sich nicht ableiten, dass der Effekt relevant ist.
    • Für die Domänen MCS, Krankheitslast der Nierenerkrankung, Symptome und Probleme der Nierenerkrankung und Auswirkungen der Nierenerkrankung auf das tägliche Leben des KDQOL-36 zeigt sich in der Metaanalyse der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen
    • UEs wurden in den Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD über den gesamten Beobachtungszeitraum erhoben, unabhängig davon, ob die Patientinnen und Patienten noch eine Behandlung mit der Studienmedikation erhielten. In den vorgelegten Auswertungen zu UEs, SUEs und UEs, die zum Abbruch führen gehen jedoch nur Ereignisse ein, die während der Behandlung mit der Studienmedikation sowie bis zu 3 Tage nach einer Therapieunterbrechung oder einem Therapieabbruch aufgetreten sind.
    • Daten zum Anteil der Patientinnen und Patienten mit einer Therapieunterbrechung (> 3 Tage) und der entsprechenden Unterbrechungsdauer legt der pU nicht vor. In der Gesamtpopulation der Studie FIDELIO-DKD unterbrach ein Anteil von 53,6 % im Interventionsarm und 45,0 % im Vergleichsarm die Therapie; in der Gesamtpopulation der Studie FIGARO-DKD unterbrach ein Anteil von 50,3 % im Interventionsarm und 47,4 % im Vergleichsarm die Therapie.
    • Für die Endpunkte der Kategorie Nebenwirkungen liegen damit keine geeigneten Daten vor.
  • Gesamtbewertung
    • In der Kategorie Morbidität zeigte sich lediglich in dem Endpunkt eGFR-Abnahme ≥ 57 % ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Finerenon gegenüber Placebo.
    • In den Endpunkten Kardiovaskuläre Morbidität, Gesundheitszustand (EQ-5D VAS) sowie Gesamthospitalisierung zeigten sich keine statistisch signifikanten bzw. klinisch relevanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
    • In der Kategorie gesundheitsbezogene Lebensqualität konnte für die Domäne PCS des KDQOL-36 in der Metaanalyse der Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD ein statistisch signifikanter Vorteil von Finerenon im Vergleich zu Placebo gezeigt werden, der jedoch nicht außerhalb des Irrelevanzbereichs liegt.
    • Für die Endpunkte der Kategorie Nebenwirkungen liegen keine geeigneten Daten vor.
    • Im Gesamtfazit unter Berücksichtigung der Unsicherheiten bezüglich der nicht bewertbaren Ergebnisse zu den unerwünschten Ereignissen sowie der Umsetzung der zweckmäßigen Vergleichstherapie reicht der geringe Vorteil beim Endpunkt „eGFR-Abnahme ≥ 57 %“ nicht aus, um einen Zusatznutzen zu begründen.
    • Vor diesem Hintergrund stellt der G-BA fest, dass ein Zusatznutzen für Finerenon gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie optimierte Standardtherapie nicht belegt ist.

Zugehörige Verfahren



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