Esketamin (3) – Spravato®
Depression, therapieresistent, in Kombination mit SSRI oder SNRI
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.03.2023 – Zulassung: 18.12.2019 |
|---|---|
| Beschluss | 21.09.2023 |
| Wirkstoff | Esketamin |
| Handelsname | Spravato® |
| Pharm. Unternehmer | Janssen-Cilag GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-930 |
| ATC-Code | N06AX27 Andere Antidepressiva (N06AX) |
| ICD-10 Codes (AIS) | F32.1Mittelgradige depressive Episode, F32.2Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, F32.3Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, F33.1Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, F33.2Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, F33.3Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I2839Mittelgradige depressive Episode, I2840Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, I2844Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, I2862Rezidivierende depressive Störung als mittelgradige Episode, I2863Rezidivierende depressive Störung als schwere Episode mit psychotischen Symptomen, I85288Rezidivierende majore Depression ohne psychotische Symptome |
| Therapeutisches Gebiet | Psychische Erkrankungen Depression |
| Grund des Verfahrens |
Neubewertung: Ablauf Befristung
Ursprünglicher Beschluss: Esketamin (1) (19.08.2021) |
| Besonderheit | ZVT-Änderung Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Spravato, in Kombination mit einem SSRI oder SNRI, wird bei Erwachsenen mit therapieresistenter Major Depression angewendet, die in der aktuellen mittelgradigen bis schweren depressiven Episode auf mindestens zwei unterschiedliche Therapien mit Antidepressiva nicht angesprochen haben. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene mit therapieresistenter Major Depression, die in der aktuellen mittelgradigen bis schweren depressiven Episode auf mindestens zwei unterschiedliche Therapien mit Antidepressiva nicht angesprochen haben | - Augmentation mit Lithium* bzw. Quetiapin retard* oder Kombination zweier Antidepressiva * Als Add-On zu der zuletzt gegebenen antidepressiven Monotherapie |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (SCAPE-TRD) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| ZVT-Änderung | 23.05.2023 – Neue Leitlinien |
Erwachsene mit therapieresistenter Major Depression, die in der aktuellen mittelgradigen bis schweren depressiven Episode auf mindestens zwei unterschiedliche Therapien mit Antidepressiva nicht angesprochen haben
- Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen
- In der Gesamtschau stuft der G-BA die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen in die Kategorie „Anhaltspunkt“ ein.
- Mortalität
- Bis Woche 32 sind im Interventions- und Kontrollarm jeweils eine Person verstorben. Somit zeigt sich für den Endpunkt Gesamtmortalität kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Morbidität - Remission und Ansprechen mittels Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS)
- Für die Endpunkte Remission und Ansprechen zeigen sich sowohl zu Woche 8 als auch zu Woche 32 statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen zugunsten von Esketamin.
- Es liegt eine Effektmodifikation für das Ansprechen zu Woche 32 in Abhängigkeit von der Substanzklasse des bereits bestehenden Antidepressivums (SNRI vs. SSRI) vor. Ein statistisch signifikanter Vorteil von Esketamin zeigt sich für Patientinnen und Patienten, deren bereits bestehendes Antidepressivum ein SNRI war, nicht aber für solche mit einer bereits bestehenden SSRI-Behandlung.
- Morbidität - Funktionale Remission mittels Sheehan Disability Scale (SDS)
- Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zu Woche 8 zwischen den Behandlungsarmen, wohl aber ein statistisch signifikanter Vorteil von Esketamin gegenüber Quetiapin retard zu Woche 32.
- Morbidität - Allgemeine depressive Symptomatik mittels Patient Health Questionnaire 9 (PHQ-9)
- In der Responderanalyse (Verbesserung des PHQ-9-Gesamtscores um ≥ 5 Punkte) ergeben sich sowohl zu Woche 8 als auch zu Woche 32 statistisch signifikante Vorteile für Esketamin gegenüber Quetiapin retard.
- Morbidität - Allgemeine depressive Symptomatik mittels Quality of Life in Depression Scale (QLDS)
- Sowohl zu Woche 8 als auch Woche 32 liegen statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen zugunsten von Esketamin vor.
- In einer Subgruppenanalyse bestätigt sich der Vorteil von Esketamin zu Woche 8 für jene Patientinnen und Patienten mit einer bereits bestehenden SNRI-Behandlung, nicht aber für solche, deren bereits bestehendes Antidepressivum ein SSRI war.
- Morbidität - Gesundheitszustand mittels European Quality of Life Questionnaire 5-Dimensions (EQ-5D)
- Für den Endpunkt Gesundheitszustand, gemessen an der Verbesserung um ≥ 15 Punkte auf der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D, zeigen sich sowohl zu Woche 8 als auch zu Woche 32 statistisch signifikante Vorteile für Esketamin gegenüber Quetiapin retard.
- Morbidität - Suizidalität mittels Columbia-Suicide Severity Rating Scale (C-SSRS)
- Es zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen zu Woche 8 bzw. Woche 32 für die Endpunkt-Aspekte Suizidgedanken und suizidales Verhalten.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität - mittels Short Form-36 Health Survey Version 2 (SF-36v2)
- Für den körperlichen Summenscore (PCS) des SF-36v2 (Responderanalyse zur Verbesserung des PCS um ≥ 9,4 Punkte) zeigt sich zu Woche 32, nicht aber zu Woche 8 ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zum Vorteil von Esketamin.
- In Bezug auf den psychischen Summenscore (MCS) des SF-36v2 (Responderanalyse zur Verbesserung des MCS um ≥ 9,6 Punkte) liegen statistisch signifikante Vorteile für Esketamin gegenüber Quetiapin retard jeweils zu Woche 8 und zu Woche 32 vor.
- Für das Ergebnis zu Woche 32 liegt eine Effektmodifikation je nach Wirkstoffklasse des bereits bestehenden Antidepressivums vor: Statistisch signifikante Vorteile zugunsten von Esketamin lassen sich nur für die Kombination mit einem bereits bestehenden SNRI, nicht aber die mit einem SSRI ableiten.
- Nebenwirkungen - SUEs und Therapieabbrüche wegen UEs (bis Woche 32)
- Es liegt kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen für den Endpunkt SUEs vor, wohingegen sich für den Endpunkt Abbruch wegen UEs ein statistisch signifikanter Vorteil für Esketamin gegenüber Quetiapin retard zeigt.
- Nebenwirkungen - Spezifische unerwünschte Effekte (bis Woche 32)
- Für die Endpunkte psychiatrische Erkrankungen (SOC, UEs) sowie Erkrankungen des Nervensystems (SOC, UEs), der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums (SOC, UEs), Übelkeit (PT, UEs) sowie Erbrechen (PT, UEs) ergaben sich jeweils statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen zum Nachteil von Esketamin.
- Gesamtbewertung
- In der Gesamtbetrachtung kommt der G-BA zu dem Ergebnis, dass ein beträchtlicher Zusatznutzen für Esketamin gegenüber Quetiapin retard in der Behandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit therapieresistenter Major Depression vorliegt.
- In der Kategorie Morbidität sind Remission und Ansprechen von hoher Relevanz, die in der vorliegenden Studie mittels MADRS untersucht wurden. Sowohl für die Remission als auch für das Ansprechen ergeben sich jeweils zu Woche 8 und 32 Vorteile für Esketamin gegenüber Quetiapin retard.
- Zur allgemeinen depressiven Symptomatik (erhoben anhand des PHQ-9 sowie des QLDS) und zum Gesundheitszustand (erhoben anhand der visuellen Analogskala des EQ-5D) zeigen sich Vorteile für Esketamin gegenüber Quetiapin retard, jeweils in Kombination mit einem SSRI oder SNRI.
- Hinsichtlich der funktionalen Remission (dargestellt durch die SDS) stellt sich ein Unterschied zugunsten von Esketamin zu Woche 32, nicht aber zu Woche 8 dar.
- Keine statistisch signifikanten Unterschiede lassen sich für den Endpunkt Suizidalität (erhoben mittels C-SSRS) feststellen.
- Die Analysen zur Lebensqualität mittels SF-36v2 ergeben Vorteile von Esketamin gegenüber Quetiapin retard zu Woche 32 (körperlicher Summenscore) sowie Woche 8 und 32 (psychischer Summenscore).
- Bei den Nebenwirkungen zeigt sich ein Vorteil für Esketamin in Bezug auf die Abbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen. Die Gesamtraten der schweren unerwünschten Ereignisse weisen keine statistisch signifikanten Unterschiede auf. Im Detail zeigen sich bei den spezifischen unerwünschten Ereignissen Nachteile von Esketamin gegenüber Quetiapin retard. Zusammenfassend zeigen sich Vorteile für Esketamin bei den Nebenwirkungen.
Zugehörige Verfahren
| Esketamin (3) | Spravato® | Janssen-Cilag GmbH | Depression, therapieresistent, in Kombination mit SSRI oder SNRI | 317.000–505.000 | 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen | |
| Esketamin (1) | Spravato® | Janssen-Cilag GmbH | Depression, therapieresistent, in Kombination mit SSRI oder SNRI |
0
932.000–974.000 |
100% Zusatznutzen nicht belegt aufgehoben | |
| Esketamin (2) | Spravato® | Janssen-Cilag GmbH | Depression, akute Kurzzeitbehandlung, Kombinationstherapie | 49.100–69.200 | 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen |
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