Esketamin (2) – Spravato®

Depression, akute Kurzzeitbehandlung, Kombinationstherapie

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.03.2021 – Zulassung: 04.02.2021
Beschluss 19.08.2021
Wirkstoff Esketamin
Handelsname Spravato®
Pharm. Unternehmer Janssen-Cilag GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-659
ATC-Code N06AX27 Andere Antidepressiva (N06AX)
ICD-10 Codes (AIS) F32.1Mittelgradige depressive Episode, F32.2Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, F32.3Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, F33.1Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, F33.2Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, F33.3Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen
Alpha-ID Codes (AIS) I2839Mittelgradige depressive Episode, I2840Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, I2844Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, I2862Rezidivierende depressive Störung als mittelgradige Episode, I2863Rezidivierende depressive Störung als schwere Episode mit psychotischen Symptomen, I91672Rezidivierende endogene Depression ohne psychotische Symptome
DDD Tagesdosis 0.13 g parenteral
Therapeutisches Gebiet Psychische Erkrankungen Depression
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit Bundling Praxisbesonderheit Kombinationstherapie

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Spravato, in Kombination mit einer oralen antidepressiven Therapie, wird angewendet bei erwachsenen Patienten mit einer mittelgradigen bis schweren Episode einer Major Depression als akute Kurzzeitbehandlung zur schnellen Reduktion depressiver Symptome, die nach ärztlichem Ermessen einem psychiatrischen Notfall entsprechen.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit einer mittelgradigen bis schweren Episode einer Major Depression als akute Kurzzeitbehandlung zur schnellen Reduktion depressiver Symptome, die nach ärztlichem Ermessen einem psychiatrischen Notfall entsprechen Eine Therapie nach ärztlicher Maßgabe unter Berücksichtigung von – Krisenintervention / Psychotherapie – medikamentöser Akuttherapie zur Behandlung von Angst, Schlaflosigkeit, psychotischer Symptome, Unruhe – Einleiten einer adäquaten antidepressiven Medikation bzw. Optimierung der bestehenden Medikation – elektrokonvulsiver Therapie

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
2 (SUI3001, SUI3002)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
ja

  • Klinische Studien
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt für die Nutzenbewertung von Esketamin bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit einer mittelgradigen bis schweren Episode einer Major Depression als akute Kurzzeitbehandlung zur schnellen Reduktion depressiver Symptome, die nach ärztlichem Ermessen einem psychiatrischen Notfall entsprechen, die randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studien SUI3001 und SUI3002 (einschließlich einer gepoolten Analyse der beiden Studien), sowie unterstützend die Phase-II-Studie SUI2001 vor.
    • In die beiden RCTs SUI3001 und SUI3002 wurden Patientinnen und Patienten eingeschlossen mit einer mittelgradigen bis schweren Episode einer Major Depression und gegenwärtigen Suizidgedanken mit Handlungsabsicht, wodurch aus ärztlicher Sicht die Notwendigkeit einer akuten psychiatrischen Hospitalisierung gegeben ist.
    • Alle eingeschlossenen Personen erhalten eine medikamentöse antidepressive Therapie, darüber hinaus wurden sie randomisiert in eine zusätzliche Behandlung mit Esketamin oder Placebo, so dass in den Studien Esketamin + antidepressive Therapie mit Placebo + antidepressive Therapie verglichen wurde.

Erwachsene mit einer mittelgradigen bis schweren Episode einer Major Depression, akute Kurzzeitbehandlung zur schnellen Reduktion depressiver Symptome, die nach ärztlichem Ermessen einem psychiatrischen Notfall entsprechen

  • Für Erwachsene mit einer mittelgradigen bis schweren Episode einer Major Depression als akute Kurzzeitbehandlung zur schnellen Reduktion depressiver Symptome, die nach ärztlichem Ermessen einem psychiatrischen Notfall entsprechen, besteht ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen.
  • Die Aussagesicherheit wird insgesamt als Anhaltspunkt eingestuft.
  • Mortalität
    • Bis Tag 90 ist im Interventionsarm 1 Person und im Kontrollarm keine Person verstorben. Damit lässt sich für den Endpunkt Gesamtmortalität kein Vor- oder Nachteil von Esketamin + antidepressive Therapie gegenüber Placebo + antidepressive Therapie erkennen.
  • Morbidität - Allgemeine depressive Symptomatik - Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS)
    • Hier zeigt sich ein Vorteil von Esketamin + antidepressive Therapie gegenüber Placebo + antidepressive Therapie bei der Remission und dem Ansprechen sowohl in der Responderauswertung zu Tag 25 als auch in der Ereigniszeitanalyse bis Tag 90.
  • Morbidität - Allgemeine depressive Symptomatik - Beck Hopelessness Scale (BHS)
    • Im Endpunkt BHS (Auswertung der stetigen Daten) zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen sowohl in den Einzelstudien wie auch in der gepoolten Analyse.
  • Morbidität - Allgemeine depressive Symptomatik - Quality of Life in Depression Scale (QLDS)
    • Für die QLDS zeigt sich in der gepoolten Analyse zwar ein statistisch signifikanter Vorteil von Esketamin + antidepressive Therapie gegenüber Placebo + antidepressive Therapie zu Tag 25, das 95 %-Konfidenzintervall der standardisierten Mittelwertdifferenz liegt jedoch nicht vollständig außerhalb des Irrelevanzbereichs von −0,2 bis 0,2. Damit lässt sich nicht ableiten, dass der Effekt klinisch relevant ist.
  • Morbidität - Spezifische depressive Symptomatik: Suizidalität - Suicide Ideation and Behavior Assessment Tool (SIBAT)
    • Hier zeigt sich in den gepoolten Analysen der stetigen Daten weder für die patientenberichteten (Selbsteinschätzungen zu Risiko-/Schutzfaktoren, suizidalen Gedanken, Verlangen zu sterben, suizidaler Absicht, Häufigkeit suizidaler Gedanken und Wahrscheinlichkeit des Suizids) noch für die arztbewerteten Module (klinischer Gesamteindruck zur Häufigkeit suizidaler Gedanken, zum akuten Suizidrisiko und zum Langzeit-Suizidrisiko) ein statistisch signifikanter Unterschied zu Tag 25 oder Tag 90 zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)
    • Für den Endpunkt Gesundheitszustand, gemessen an der Verbesserung um ≥ 15 Punkte auf der visuellen Analogskale (VAS) des EQ-5D, zeigt sich in der gepoolten Analyse ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Esketamin + antidepressive Therapie gegenüber Placebo + antidepressive Therapie sowohl in der Responderauswertung bis Tag 25 als auch in der Ereigniszeitanalyse bis Tag 90.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • In dieser Kategorie wurden keine Endpunkte erhoben.
  • Nebenwirkungen - Gesamtraten SUEs und Abbrüche wegen UEs
    • Für die Endpunkte SUE und Abbruch wegen UE zeigt sich jeweils in der gepoolten Analyse kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Erkrankungen des Nervensystems, psychiatrische Erkrankungen, Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, Augenerkrankungen (SOC, UE)
    • Es zeigt sich ein statistisch signifikanter Nachteil von Esketamin + antidepressive Therapie gegenüber Placebo + antidepressive Therapie in der gepoolten Analyse hinsichtlich mehrerer SOCs (Erkrankungen des Nervensystems, psychiatrische Erkrankungen, Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, Augenerkrankungen).
  • Gesamtbewertung
    • Es liegen Ergebnisse zur Mortalität, Morbidität, und zu Nebenwirkungen aus zwei RCTs und einer gepoolten Analyse vor.
    • Für den Endpunkt „allgemeine depressive Symptomatik“, erhoben anhand der MADRS, BHS und QLDS, zeigen sich in der gepoolten Analyse statistisch signifikante und relevante Unterschiede zugunsten von Esketamin ausschließlich in der Betrachtung der MADRS.
    • In der spezifischen depressiven Symptomatik Suizidalität (gemessen über SIBAT) findet sich dagegen kein Vor- oder Nachteil für Esketamin.
    • Im Endpunkt „Gesundheitszustand“ (EQ-5D VAS) ergibt sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Esketamin.
    • Bei den Nebenwirkungen zeigen sich nicht in den Gesamtraten, jedoch in einzelnen spezifischen unerwünschten Ereignissen (SOC) statistisch signifikante Nachteile für Esketamin.
    • Für die „Allgemeine depressive Symptomatik“ lässt sich insgesamt ein Vorteil feststellen, da es sich bei der MADRS um einen etablierten und umfassenden Standard bei der Beurteilung der Depression handelt.
    • Für die Bewertung im vorliegenden Anwendungsgebiet ist in der Gesamtabwägung allerdings zu berücksichtigen, dass sich kein Vorteil in der spezifischen depressiven Symptomatik Suizidalität (gemessen über SIBAT) wiederfindet, welcher aber in der vorliegenden Notfallindikation von Bedeutung gewesen wäre.
    • Insgesamt kann daher auf Basis der Morbiditätsdaten nur ein geringer Zusatznutzen festgestellt werden.
    • Der beobachtete Vorteil im allgemeinen Gesundheitszustand, erhoben durch den EQ-5D VAS, unterstreicht den Zusatznutzen.
    • Nachteile zeigen sich nur in spezifischen UE, nicht aber in den Gesamtraten, sodass hier in der Gesamtbetrachtung nicht von einem relevanten Nachteil ausgegangen wird.
    • Es besteht insgesamt ein geringer Zusatznutzen.

Zugehörige Verfahren

Esketamin (3) Spravato® Janssen-Cilag GmbH Psychische Erkrankungen Depression, therapieresistent, in Kombination mit SSRI oder SNRI 317.000–505.000 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen
Esketamin (1) Spravato® Janssen-Cilag GmbH Psychische Erkrankungen Depression, therapieresistent, in Kombination mit SSRI oder SNRI 0
932.000–974.000
100% Zusatznutzen nicht belegt aufgehoben
Esketamin (2) Spravato® Janssen-Cilag GmbH Psychische Erkrankungen Depression, akute Kurzzeitbehandlung, Kombinationstherapie 49.100–69.200 100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen


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