Enfortumab Vedotin (1) – Padcev®

Urothelkarzinom, vorbehandelt mit Platin-basierter Chemotherapie und PD-(L)1-Inhibitor

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.06.2022 – Zulassung: 13.04.2022
Beschluss 01.12.2022
Wirkstoff Enfortumab Vedotin
Handelsname Padcev®
Pharm. Unternehmer Astellas Pharma Europe B.V.
G-BA Vorgangsnummer D-790
ATC-Code L01FX13 Andere monoklonale Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (L01FX)
ICD-10 Codes (AIS) C65Bösartige Neubildung des Nierenbeckens, C66Bösartige Neubildung des Ureters, C67.0Bösartige Neubildung: Trigonum vesicae, C67.1Bösartige Neubildung: Apex vesicae, C67.2Bösartige Neubildung: Laterale Harnblasenwand, C67.3Bösartige Neubildung: Vordere Harnblasenwand, C67.4Bösartige Neubildung: Hintere Harnblasenwand, C67.5Bösartige Neubildung: Harnblasenhals, C67.6Bösartige Neubildung: Ostium ureteris, C67.7Bösartige Neubildung: Urachus, C67.8Bösartige Neubildung: Harnblase, mehrere Teilbereiche überlappend, C67.9Bösartige Neubildung: Harnblase, nicht näher bezeichnet, C68.0Bösartige Neubildung: Urethra, C68.8Bösartige Neubildung: Harnorgane, mehrere Teilbereiche überlappend, C68.9Bösartige Neubildung: Harnorgan, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I104386Bösartige Neubildung des Harnblasensphinkters, I13895Bösartige Neubildung der Harnblase, I14845Bösartige Neubildung des Harnblasenhalses, I15288Bösartige Neubildung der hinteren Harnblasenwand, I15360Bösartige Neubildung der seitlichen Harnblasenwand, I15411Bösartige Neubildung der vorderen Harnblasenwand, I20177Bösartige Neubildung des Nierenbeckens, I20685Bösartige Neubildung des Ostium ureteris, I22423Bösartige Neubildung des Trigonum vesicae, I22501Bösartige Neubildung des Urachus, I22610Bösartige Neubildung des Ureters, I22762Bösartige Neubildung der Urethra, I22909Urothelkarzinom, I30262Bösartige Neubildung des Apex vesicae
DDD Tagesdosis 9.4 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Urothelkarzinom (UC)
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit ZVT-Änderung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Padcev ist als Monotherapie angezeigt zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie und einen Programmed Death Receptor-1- oder Programmed Death Ligand-1-Inhibitor erhalten haben

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie und einen PD-1- oder PD-L1- Inhibitor erhalten haben und die für eine Chemotherapie geeignet sind Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe* * Die Wirkstoffe Docetaxel und Paclitaxel stellen geeignete Komparatoren für die vorliegende Nutzenbewertung im Rahmen einer Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe dar. Diese Arzneimittel sind jedoch in dem vorliegenden Anwendungsgebiet nicht zugelassen
b) Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie und einen PD-1- oder PD-L1- Inhibitor erhalten haben und die für eine Chemotherapie nicht geeignet sind Best-Supportive-Care

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (EV-301)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Patienten-Eignung
ZVT-Änderung 18.10.2022 – Stellungnahme der Fachgesellschaften

a) Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie und einen PD-1- oder PD-L1- Inhibitor erhalten haben und die für eine Chemotherapie geeignet sind

  • Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen
  • In der Gesamtbewertung wird für Enfortumab Vedotin zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie und einen PD-1- oder PD-L1-Inhibitor erhalten haben, ein beträchtlicher Zusatznutzen gegenüber einer Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe festgestellt.
  • Die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen wird in die Kategorie „Anhaltspunkt“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Das Gesamtüberleben wurde in der Studie EV-301 als Zeit zwischen Randomisierung und dem Tod aus jeglichem Grund operationalisiert.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Enfortumab Vedotin im Vergleich zur Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe.
    • Das Ausmaß der Verlängerung der Überlebenszeit wird als eine deutliche Verbesserung bewertet.
    • Für den Endpunkt liegt eine Effektmodifikation durch das Merkmal Geschlecht vor. Dabei zeigt sich für Männer ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Enfortumab Vedotin. Für Frauen zeigt sich demgegenüber kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Die beobachtete Effektmodifikation durch das Merkmal Geschlecht wird als nicht hinreichend angesehen, um entsprechend getrennte Aussagen zum Zusatznutzen in der Gesamtbewertung abzuleiten.
  • Morbidität - Symptomatik (EORTC QLQ-C30)
    • Die Symptomatik der Patientinnen und Patienten in der Studie EV-301 wird mittels der Symptomskalen des Fragebogen EORTC QLQ-C30 erhoben.
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt Responderanalysen für den Anteil der Patientinnen und Patienten mit einer Verschlechterung um ≥ 10 Punkte und ≥ 15 Punkte vor (jeweilige Skalenspannweite 0 bis 100) vor. Für die Nutzenbewertung werden die Responderanalysen mit einer Responseschwelle von 10 Punkten herangezogen.
    • Die Ergebnisse zur Symptomskala „Verstopfung“ sind nicht verwertbar. Es bestehen Unsicherheiten hinsichtlich des Einsatzes von Arzneimitteln gegen Verstopfung und es ist unklar, inwieweit die in der Studie aufgetretenen teils schweren Fälle von Verstopfung durch eine Prophylaxe hätten vermieden werden können.
    • Für die mit dem EORTC QLQ-C30 erhobenen Endpunkte ergeben sich keine statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Allerdings zeigt sich für den Endpunkt „Appetitverlust“ eine Effektmodifikation durch das Merkmal Geschlecht. Dabei liegt für Frauen ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Enfortumab Vedotin im Vergleich zur Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe vor. Für Männer zeigt sich demgegenüber kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse liegt hinsichtlich der Morbidität kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen vor.
  • Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)
    • Der Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten in der Studie EV-301 wird mittels EQ-5D VAS erhoben.
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt Responderanalysen für den Anteil der Patientinnen und Patienten mit einer Verschlechterung um ≥ 7 Punkte, ≥ 10 Punkte und ≥ 15 Punkte vor (Skalenspannweite 0 bis 100). Für die Nutzenbewertung werden die Responderanalysen mit einer Responseschwelle von 15 Punkten herangezogen.
    • Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten in der Studie EV-301 wird mittels der Funktionsskalen des Fragebogen EORTC QLQ-C30 erhoben.
    • Der pharmazeutische Unternehmer legt Responderanalysen für den Anteil der Patientinnen und Patienten mit einer Verschlechterung um ≥ 10 Punkte und ≥ 15 Punkte vor (jeweilige Skalenspannweite 0 bis 100) vor. Für die Nutzenbewertung werden die Responderanalysen mit einer Responseschwelle von 10 Punkten herangezogen.
    • Insgesamt zeigt sich für die Funktionsskalen globaler Gesundheitsstatus, körperliche Funktion, Rollenfunktion und emotionale Funktion jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil für Enfortumab Vedotin gegenüber der Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe.
    • Dabei gibt es für die Funktionsskala globaler Gesundheitsstatus eine Effektmodifikation durch das Merkmal Alter. Für Patientinnen und Patienten ≥ 65 Jahre zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Enfortumab Vedotin im Vergleich zu einer Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe. Für Patientinnen und Patienten < 65 Jahre zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • In Bezug auf die Lebensqualität lässt sich somit insgesamt ein Vorteil von Enfortumab Vedotin im Vergleich mit einer Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe feststellen.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • In der Studie EV-301 traten in beiden Behandlungsarmen bei nahezu allen Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern UE auf. Die Ergebnisse werden nur ergänzend dargestellt.
  • Gesamtbewertung
    • Enfortumab Vedotin führt im Vergleich zur Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe zu einer statistisch signifikanten Verlängerung des Gesamtüberlebens. Die Verlängerung der Überlebenszeit wird in ihrem Ausmaß als eine deutliche Verbesserung bewertet.
    • Für die mit dem EORTC QLQ-C30 erhobenen Endpunkte ergeben sich keine statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • In den Funktionsskalen des EORTC QLQ-C30 zeigt sich für globaler Gesundheitsstatus, körperliche Funktion, Rollenfunktion und emotionale Funktion jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil für Enfortumab Vedotin gegenüber einer Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe. In der Gesamtbetrachtung wird hinsichtlich der Lebensqualität insgesamt ein Vorteil für Enfortumab Vedotin festgestellt.
    • In der Gesamtschau der Ergebnisse zu den Nebenwirkungen lässt sich für Enfortumab Vedotin im Vergleich zur Chemotherapie nach ärztlicher Maßgabe für die Gesamtraten der schweren unerwünschten Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3) und schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse kein relevanter Unterschied feststellen. Im Detail zeigen sich sowohl Vorteile als auch Nachteile bei den spezifischen UE für Enfortumab Vedotin.

b) Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie und einen PD-1- oder PD-L1- Inhibitor erhalten haben und die für eine Chemotherapie nicht geeignet sind

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Für Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie und einen PD-1- oder PD-L1- Inhibitor erhalten haben und die für eine Chemotherapie nicht geeignet sind, legt der pharmazeutische Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor. Somit ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

Zugehörige Verfahren



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