Apalutamid (3) – Erleada®

Prostatakarzinom, nicht metastasiert, hohes Metastasenrisiko

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.04.2020 – Zulassung: 14.01.2019
Beschluss 01.10.2020
Wirkstoff Apalutamid
Handelsname Erleada®
Pharm. Unternehmer Janssen-Cilag GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-538
ATC-Code L02BB05 Antiandrogene (L02BB)
ICD-10 Codes (AIS) C61Bösartige Neubildung der Prostata
Alpha-ID Codes (AIS) I86600Bösartige Neubildung der Prostata
DDD Tagesdosis 0.24 g oral
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom (PC)
Grund des Verfahrens Neubewertung: Ablauf Befristung
Ursprünglicher Beschluss: Apalutamid (1) (01.08.2019)
Besonderheit Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Erleada ist indiziert zur Behandlung erwachsener Männer mit nicht-metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (nmCRPC), die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene Männer mit nicht-metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (nmCRPC), die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen Das abwartende Vorgehen unter Beibehaltung der bestehenden konventionellen Androgendeprivation (ADT)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (SPARTAN)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie SPARTAN handelt es sich um eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie.

Erwachsene Männer mit nicht-metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (nmCRPC), die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen

  • Im Ergebnis stellt der G-BA für Apalutamid zur Behandlung erwachsener Männer mit nicht-metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen, im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie abwartendes Vorgehen unter Beibehaltung der bestehenden konventionellen ADT, einen geringen Zusatznutzen fest.
  • Somit wird die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen in die Kategorie „Hinweis“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Das Gesamtüberleben war in der Studie SPARTAN definiert als Zeit von der Randomisierung bis zum Tod jeglicher Ursache.
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen zu Gunsten von Apalutamid.
    • Dabei liegt der Median der Gesamtüberlebenszeit zum 3. Datenschnitt im Apalutamid-Arm bei 66,10 Monaten und im Kontrollarm bei 58,68 Monaten.
    • Gleichwohl Apalutamid zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens führt, wird das Ausmaß des Effektes von Apalutamid im Vergleich zu abwartendem Vorgehen, unter Berücksichtigung der verbleibenden Lebenserwartung der Patienten in der vorliegenden Therapiesituation, als eine relevante, jedoch nicht mehr als eine geringe Verbesserung bewertet.
  • Morbidität - Metastasenfreies Überleben (MFS)
    • Der Endpunkt MFS war in der Studie SPARTAN definiert als Zeit von Randomisierung bis zum ersten Auftreten einer bestätigten radiographisch nachweisbaren Knochen- oder Weichteilfernmetastase oder bis zum Tod.
    • Das MFS ist im Apalutamid-Arm gegenüber dem Kontrollarm statistisch signifikant verlängert.
    • Die Erhebung der Morbiditätskomponente erfolgte vorliegend nicht symptombezogen, sondern ausschließlich mittels bildgebender Verfahren (radiografischer Metastasennachweis) und somit allein auf Basis von primär asymptomatischen, nicht unmittelbar patientenrelevanten Befunden.
    • Im Ergebnis bestehen erhebliche Unsicherheiten in der Aussagekraft der Ergebnisse zu diesem Endpunkt für den patientenrelevanten Nutzen, weshalb der Endpunkt MFS in der vorliegenden Bewertung nicht herangezogen wird.
  • Morbidität - Zeit bis zur Initiierung einer zytotoxischen Chemotherapie
    • Der Endpunkt Zeit bis zur Initiierung einer zytotoxischen Chemotherapie war in der Studie SPARTAN definiert als Zeit von der Randomisierung bis zum Beginn einer neuen, zytotoxischen Chemotherapie für das Prostatakarzinom.
    • Unbeschadet der grundsätzlichen Fragestellung, ob sich der Endpunkt Zeit bis zur Initiierung einer zytotoxischen Chemotherapie auch in weiteren relevanten Endpunkten widerspiegeln sollte, um als patientenrelevant bewertet zu werden, bestehen im vorliegenden Fall deutliche Unsicherheiten hinsichtlich der Aussagekraft der Ergebnisse zum diesem Endpunkt, die dazu führen, dass sich aus den vorliegenden Daten keine Aussagen zum Zusatznutzen ableiten lassen.
  • Morbidität - Symptomatische Progression
    • Der in der Studie SPARTAN erhobene kombinierte Endpunkt symptomatische Progression betrachtet, operationalisiert als Zeit von Randomisierung bis zur erstmaligen Dokumentation, folgende Komponenten: • Entwicklung eines skelettbezogenen Ereignisses (pathologische Frakturen, Kompression des Rückenmarks oder Notwendigkeit einer chirurgischen Intervention oder Strahlentherapie des Knochens), • Schmerzprogression oder Verschlechterung der krankheitsbezogenen Symptome mit Bedarf der Initiierung einer neuen systemischen Krebstherapie, • Entwicklung klinisch signifikanter Symptome aufgrund lokoregionärer Tumorprogression mit Bedarf einer chirurgischen Intervention oder Strahlentherapie.
    • Der Endpunkt symptomatische Progression, bei dem sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Apalutamid gegenüber dem abwartenden Vorgehen zeigt, wird daher als patientenrelevant erachtet.
    • Auf Basis der vorliegenden Daten wird dieser Effekt als eine bisher nicht erreichte moderate Verbesserung bei der krankheitsbedingten Symptomatik gewertet.
  • Lebensqualität - FACT-P
    • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde in der Studie SPARTAN von den Patienten berichtet und mittels des Fragebogens FACT-P erhoben.
    • Es zeigt sich zwischen den Behandlungsarmen kein statistisch signifikanter Unterschied im Gesamtscore.
    • In die Bewertung des Zusatznutzens fließt ausschließlich der Gesamtscore ein, da dieser die Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Patienten umfassend betrachtet.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • Bei nahezu allen Studienteilnehmern traten UE auf.
    • Die Ergebnisse werden nur ergänzend dargestellt.
  • Gesamtbewertung
    • Für die erneute Nutzenbewertung von Apalutamid zur Behandlung erwachsener Männer mit nicht-metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (nmCRPC), die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen, liegen Ergebnisse zu den Endpunktkategorien Mortalität, Morbidität, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen aus der Studie SPARTAN vor.
    • Die in der Endpunktkategorie Mortalität erzielte Verbesserung durch Apalutamid im Vergleich zum abwartenden Vorgehen wird, unter Berücksichtigung der verbleibenden Lebenserwartung der Patienten in der vorliegenden Therapiesituation, als eine relevante, jedoch nicht mehr als eine geringe Verbesserung bewertet.
    • In der Endpunktkategorie Morbidität lässt nur ein Teil der vorliegenden Endpunkte bzw. Studienergebnisse valide Schlussfolgerungen zu. Hierbei zeigt sich lediglich für den Endpunkt symptomatische Progression ein patientenrelevanter Vorteil durch eine Behandlung mit Apalutamid. Dieser Effekt wird auf Basis der vorliegenden Daten als eine bisher nicht erreichte moderate Verbesserung hinsichtlich der Symptomatik gewertet.
    • Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität zeigen sich weder positive noch negative Effekte einer Behandlung mit Apalutamid.
    • Auch hinsichtlich der Nebenwirkungen kann für Apalutamid im Vergleich zu abwartendem Vorgehen weder ein Vorteil noch ein Nachteil festgestellt werden. Allein bei den spezifischen unerwünschten Ereignissen liegen statistisch signifikante Unterschiede vor. Im Detail zeigen sich sowohl ein Vorteil als auch Nachteile.
    • In der Gesamtbetrachtung der vorliegenden Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten stehen dem Vorteil im Gesamtüberleben und der Verbesserung der klinischen Symptomatik keine Nachteile bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und den Nebenwirkungen gegenüber.
  • Gesamtschau
    • In der Gesamtschau wird ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen von Apalutamid gegenüber abwartendem Vorgehen unter Beibehaltung der bestehenden konventionellen Androgendeprivation festgestellt.

Zugehörige Verfahren

Apalutamid (3) Erleada® Janssen-Cilag GmbH Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom, nicht metastasiert, hohes Metastasenrisiko 1.090–3.800 100% Hinweis auf geringer Zusatznutzen
Apalutamid (2) Erleada® Janssen-Cilag GmbH Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom, hormonsensitiv, Kombination mit Androgenentzugstherapie 2.590–3.640 100% Zusatznutzen nicht belegt
Apalutamid (1) Erleada® Janssen-Cilag GmbH Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom, nicht metastasiert, hohes Metastasenrisiko 0
810–1.180
100% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen aufgehoben


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