Alirocumab (1) – Praluent®

Hypercholesterinämie oder gemischte Dyslipidämie

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.11.2015 – Zulassung: 23.09.2015
Beschluss 04.05.2016 Patientengruppen aufgehoben
Wirkstoff Alirocumab
Handelsname Praluent®
Pharm. Unternehmer Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-194
ATC-Code C10AX14 Andere Mittel, die den Lipidstoffwechsel beeinflussen (C10AX)
ICD-10 Codes (AIS) E78.0Reine Hypercholesterinämie, E78.2Gemischte Hyperlipidämie, E78.4Sonstige Hyperlipidämien, E78.5Hyperlipidämie, nicht näher bezeichnet, E78.8Sonstige Störungen des Lipoproteinstoffwechsels, E78.9Störung des Lipoproteinstoffwechsels, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I118844Gemischte Hyperlipoproteinämie, I16606Hyperlipidämie, I16611Hyperlipoproteinurie, I2459Familiäre Hyperlipidämie, I64599Familiäre Hypercholesterinämie, I94846Dyslipidämie
DDD Tagesdosis 5.4 mg parenteral
Therapeutisches Gebiet Stoffwechselkrankheiten Hypercholesterinämie
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Aufgehoben durch: Alirocumab (2) (02.05.2019)
Besonderheit ZVT-Änderung Kombinationstherapie

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Praluent® ist, begleitend zu einer Diät, angezeigt zur Behandlung bei Erwachsenen mit primärer Hypercholesterinämie (heterozygote familiäre und nicht familiäre) oder gemischter Dyslipidämie:

• in Kombination mit einem Statin oder mit einem Statin und anderen lipidsenkenden Therapieprinzipien bei Patienten, die mit einer maximal verträglichen Statintherapie die LDL-C-Zielwerte nicht erreichen, oder • als Monotherapie oder in Kombination mit anderen lipidsenkenden Therapieprinzipien bei Patienten mit einer Statin- Unverträglichkeit oder wenn Statine kontraindiziert sind.

Die Wirkung von Praluent® auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität ist bisher noch nicht belegt.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene Patienten mit primärer (heterozygoter familiärer und nicht familiärer Hypercholesterinämie) oder gemischter Dyslipidämie, für die Statine infrage kommen Maximal tolerierte medikamentöse und diätetische Therapie zur Lipidsenkung
b) Erwachsene Patienten mit primärer (heterozygoter familiärer und nicht familiärer) Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie, für die eine Statintherapie aufgrund von Kontraindikationen oder therapielimitierenden Nebenwirkungen nicht infrage kommt Andere (als Statine) Lipidsenker (Fibrate oder Anionenaustauscher oder Cholesterinresorptionshemmer) als Monotherapie und diätetische Therapie zur Lipidsenkung
c) Erwachsene Patienten mit primärer (heterozygoter familiärer und nicht familiärer) Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie , bei denen medikamentöse und diätetische Optionen zur Lipidsenkung ausgeschöpft worden sind LDL-Apherese (als „ultima ratio“ bei therapierefraktären Verläufen) ggf. mit begleitender medikamentöser lipidsenkender Therapie

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (Escape)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Patienten-Eignung
ZVT-Änderung 08.09.2015 – vor Dossiereinreichung

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie COMBO ΙΙ handelt es sich um eine randomisierte kontrollierte doppelblinde Studie, die in Studienzentren in Kanada, Dänemark, Frankreich, Ungarn, Israel, Russland, Südafrika, Südkorea, USA und Ukraine durchgeführt wurde.
    • In die Studie ALTERNATIVE wurden Patienten mit einer Statinintoleranz und einem moderaten bis sehr hohen kardiovaskulären Risiko eingeschlossen und während der 24-wöchigen Behandlungsdauer zusätzlich zu einer Diät mit einer lipidsenkenden Therapie (ohne Statine bzw. Ezetimib) mit Alirocumab (75 mg bzw. 150 mg), Ezetimib (10 mg) oder Atorvastatin (20 mg) behandelt.
    • In der Studie CHOICE ΙΙ wurden Patienten untersucht, die ein moderates bis sehr hohes kardiovaskuläres Risiko aufweisen und die nicht mit Statinen sondern mit anderen lipidsenkenden Arzneimitteln behandelt wurden.

a) Für Patienten, für die Statine infrage kommen

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Mortalität - Gesamtmortalität
    • Der patientenrelevante Endpunkt Gesamtmortalität ergibt sich aus der Anzahl der UE, die während der Behandlung zum Tode führten. Nach 52 Wochen trat jeweils ein Todesfall in den Behandlungsgruppen auf. Dieses Ergebnis ist nicht statistisch signifikant.
    • Die Studie COMBO II war nicht prospektiv darauf ausgelegt, Unterschiede der Mortalität zu erfassen. Todesfälle wurden nur als Sicherheitsendpunkte erfasst. Somit erfolgte keine Adjudizierung durch ein unabhängiges Endpunktkomitee. Folglich ergibt sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen von Alirocumab im Vergleich zu Ezetimib.
  • Morbidität - Kardiovaskuläre Ereignisse
    • Zusammengenommen ergibt sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen von Alirocumab gegenüber Ezetimib für den Endpunkt kardiovaskuläre Ereignisse, ein Zusatznutzen ist für diesen Endpunkt nicht belegt.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
    • Für die Bewertung des Endpunkts gesundheitsbezogene Lebensqualität lagen keine relevanten Daten vor. Infolgedessen ist ein Zusatznutzen von Alirocumab im Vergleich zu Ezetimib für den Endpunkt Lebensqualität nicht belegt.
  • Nebenwirkungen - SUE
    • Nach 52 Wochen traten bei 20,3 % der Patienten im Alirocumab-Arm und bei 21,8 % der Patienten im Ezetimib-Arm ein schwerwiegendes UE auf. Diese Ergebnisse sind nicht statistisch signifikant unterschiedlich. Ein Zusatznutzen von Alirocumab gegenüber Ezetimib ist damit nicht belegt.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen UE
    • Nach einer 52-wöchigen Behandlung mit Alirocumab bzw. Ezetimib brachen 14 Patienten (8,1 %) bzw. 7 Patienten (8,0 %) die Studie aufgrund eines UE ab. Es zeigen sich dabei keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen und ein Zusatznutzen von Alirocumab gegenüber Ezetimib ist damit nicht belegt.
  • Nebenwirkungen - Allgemeine allergische Reaktionen an der Einstichstelle
    • Die Gabe von Alirocumab im Vergleich zu Ezetimib führte nach 52 Wochen numerisch häufiger bei den Patienten zu allgemeinen allergischen Reaktionen an der Einstichstelle (18 (10,5 %) vs. 3 (3,4 %) Patienten). Es ergeben sich jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Ein Zusatznutzen von Alirocumab gegenüber Ezetimib ist damit für diesen Endpunkt nicht belegt.
  • Ergänzender Endpunkt - Änderung des LDL-C-Wertes
    • Nach einer Behandlungsdauer von 52 Wochen konnten durch die Gabe von Alirocumab die LDL-C-Werte der Patienten im Mittel um 51,3 % gesenkt werden. Im Vergleich dazu konnten im Ezetimib-Arm die LDL-C-Werte im Mittel um 12,1 % reduziert werden. Diese Ergebnisse sind statistisch signifikant unterschiedlich zugunsten von Alirocumab (MD −39,2; 95%-KI [−48,4; −29,9]; p < 0,001).
    • Der Endpunkt „Änderung des LDL-C-Wertes“ ist ein Surrogatparameter und nicht per se patientenrelevant. Die statistisch signifikanten Unterschiede der LDL-C-Wert-Reduktion durch die Gabe von Alirocumab im Vergleich zu Ezetimib spiegeln sich nicht in patientenrelevanten Endpunkten, wie zum Beispiel der Verhinderung von kardiovaskulären Ereignissen, wider.
  • Fazit
    • Zusammengenommen zeigten sich keine Vorteile von Alirocumab hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte in der Patientenpopulation a). Ein Zusatznutzen von Alirocumab gegenüber Ezetimib bei Patienten, für die Statine infrage kommen, ist damit nicht belegt.

b) Für Patienten, für die eine Statintherapie aufgrund von Kontraindikationen oder therapielimitierenden Nebenwirkungen nicht infrage kommt

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Insgesamt kann weder die Studie ALTERNATIVE noch die Studie CHOICE ΙΙ für die Nutzenbewertung von Alirocumab bei Patienten, bei denen eine Statintherapie aufgrund von Statinintoleranz oder Kontraindikationen nicht infrage kommt, herangezogen werden.
  • Fazit
    • Ein Zusatznutzen ist damit für diese Patientenpopulation nicht belegt.

c) Für Patienten, bei denen medikamentöse und diätetische Optionen zur Lipidsenkung ausgeschöpft worden sind

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Zusammenfassend kann insbesondere vor dem Hintergrund der Unsicherheiten bezüglich der Operationalisierung des Kriteriums „30%ige LDL-C-Senkung“ für den Endpunkt „Verringerung der LDL-Apherese Frequenz“, die Studie ESCAPE nicht für die Bewertung des Zusatznutzens von Alirocumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie herangezogen werden.
  • Fazit
    • Ein Zusatznutzen ist damit für die Patientenpopulation c) nicht belegt.

Zugehörige Verfahren

Alirocumab (3) Praluent® Sanofi-Aventis Deutschland GmbH Stoffwechselkrankheiten Hypercholesterinämie, ≥ 8 Jahre bis 17 Jahre 958–1.178 100% Zusatznutzen nicht belegt
Alirocumab (2) Praluent® Sanofi-Aventis Deutschland GmbH Stoffwechselkrankheiten Hypercholesterinämie oder gemischte Dyslipidämie 271.750 100% Zusatznutzen nicht belegt
Alirocumab (1) Praluent® Sanofi-Aventis Deutschland GmbH Stoffwechselkrankheiten Hypercholesterinämie oder gemischte Dyslipidämie 1.500
273.250
100% Zusatznutzen nicht belegt Patientengruppen aufgehoben


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