Alectinib (3) – Alecensa®

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, ALK+, hohes Rezidivrisiko, adjuvante Therapie

Steckbrief

Start des Verfahrens 15.07.2024 – Zulassung: 06.06.2024
Beschluss 16.01.2025
Wirkstoff Alectinib
Handelsname Alecensa®
Pharm. Unternehmer Roche Pharma AG
G-BA Vorgangsnummer D-1079
ATC-Code L01ED03 ALK-Inhibitoren (L01ED)
ICD-10 Codes (AIS) C34.0Bösartige Neubildung: Hauptbronchus, C34.1Bösartige Neubildung: Oberlappen (-Bronchus), C34.2Bösartige Neubildung: Mittellappen (-Bronchus), C34.3Bösartige Neubildung: Unterlappen (-Bronchus), C34.8Bösartige Neubildung: Bronchus und Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend, C34.9Bösartige Neubildung: Bronchus oder Lunge, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I111155Karzinom des Oberlappenbronchus, I116693Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom, I24595Karzinom des Hauptbronchus, I30015Lungenkarzinom des Mittellappens, I30021Lungenkarzinom des Unterlappens, I30022Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC)
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Besonderheit ZVT-Änderung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Alecensa wird als Monotherapie angewendet zur adjuvanten Behandlung nach vollständiger Tumorresektion bei erwachsenen Patienten mit ALK-positivem NSCLC mit hohem Risiko für ein Rezidiv.

Patientengruppe Indikation ZVT
a) Erwachsene mit ALK-positivem NSCLC mit hohem Rezidivrisiko zur adjuvanten Behandlung nach vollständiger Tumorresektion, die für eine adjuvante platinbasierte Chemotherapie geeignet sind Patientenindividuelle postoperative (adjuvante) systemischer Chemotherapie unter Auswahl von Cisplatin in Kombination mit Vinorelbin und Cisplatin in Kombination mit Pemetrexed unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes
b) Erwachsene mit ALK-positivem NSCLC mit hohem Rezidivrisiko zur adjuvanten Behandlung nach vollständiger Tumorresektion nach vorheriger adjuvanter platinbasierter Chemotherapie oder die für diese nicht geeignet sind Beobachtendes Abwarten

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (ALINA)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
ZVT-Änderung 11.06.2024 – Änderung des Therapiestandards

  • Klinische Studien
    • Für die Nutzenbewertung legte der pharmazeutische Unternehmer die Ergebnisse aus der noch laufenden, offenen, randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie ALINA vor.

a) Erwachsene mit ALK-positivem NSCLC mit hohem Rezidivrisiko zur adjuvanten Behandlung nach vollständiger Tumorresektion, die für eine adjuvante platinbasierte Chemotherapie geeignet sind

  • Im Ergebnis wird für Alectinib ein erheblicher Zusatznutzen gegenüber einer platinbasierten Chemotherapie festgestellt.
  • Die Aussagesicherheit wird daher in die Kategorie „Anhaltspunkt“ eingestuft.
  • Mortalität
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich zwischen den Behandlungsarmen kein statistisch signifikanter Unterschied.
    • Zum Zeitpunkt des Datenschnitts (präspezifizierte Analyse für das krankheitsfreie Überleben) liegt insgesamt nur eine sehr geringe Ereigniszahl vor.
  • Morbidität - Rezidive
    • Der Endpunkt wird dargestellt über die Rezidivrate und das krankheitsfreie Überleben und umfasst die Ereignisse lokales Rezidiv, regionales Rezidiv, Fernrezidiv, neues primäres NSCLC und Tod aus jeglichem Grund.
    • Die Rezidivrate ist definiert als der Anteil der Patientinnen und Patienten, die nach vollständiger Tumorresektion bis zum vorliegenden Datenschnitt ein Rezidiv erleiden oder bei denen ein neues primäres NSCLC auftritt oder die versterben.
    • Das krankheitsfreie Überleben ist definiert als Zeit von der Randomisierung bis zum Auftreten eines Rezidivs, neuen primären NSCLC oder Tod, je nachdem, was zuerst auftritt.
    • In beiden Endpunkten (Rezidivraten und krankheitsfreies Überleben) zeigt sich auf Grundlage der prüfärztlichen Einschätzung ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Alectinib, dessen Ausmaß als eine sehr große Verbesserung bewertet wird.
    • Zu berücksichtigen ist hierbei, dass die vorliegenden Auswertungen auf einer medianen Beobachtungsdauer von ca. 28 Monaten basieren (Interventionsarm 30,0 Monaten, Kontrollarm 23,5 Monaten). Eine mediane Beobachtungsdauer von ca. 28 Monaten wird in der vorliegenden Therapiesituation als nicht ausreichend erachtet, um den Hochrisikozeitraum für das Auftreten eines Rezidivs hinreichend abzubilden.
  • Lebensqualität - SF-36v2 – körperlicher und psychischer Summenscore
    • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde mittels des SF-36v2 erfasst.
    • In der Auswertung zur Verschlechterung zu Woche 12 zeigt sich für den PCS kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Hingegen zeigt sich für den MCS ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Alectinib gegenüber platinbasierter Chemotherapie.
    • Zu beachten ist, dass die vorliegenden Auswertungen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität lediglich Aussagen über einen einzelnen frühen Zeitpunkt während der Behandlung erlauben.
  • Nebenwirkungen
    • Die Erhebung der Nebenwirkungen erfolgt in beiden Behandlungsgruppen bis 28 Tage nach der letzten Dosis der Studienmedikation.
    • Aufgrund der abweichenden Beobachtungsdauer in den Behandlungsgruppen unterscheidet sich die mediane Beobachtungsdauer für die Endpunktkategorie Nebenwirkungen in beiden Behandlungsgruppen deutlich (24,8 Monate im Interventionsarm vs. 3,7 Monate im Kontrollarm). Daher bildet das Hazard Ratio nur etwa die ersten 4 Monate ab.
    • Für die Endpunkte SUE und schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Alectinib gegenüber der platinbasierten Chemotherapie.
    • Für den Endpunkt Therapieabbrüche aufgrund von UE (aller Wirkstoffkomponenten im Vergleichsarm) liegt ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Alectinib gegenüber der platinbasierten Chemotherapie vor.
    • Für die spezifischen UE Unwohlsein (UE), Appetit vermindert (UE) und Hämatopoetische Zytopenien (schwere UE) zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Alectinib im Vergleich zu der platinbasierten Chemotherapie.
    • Für die spezifischen UE Hepatotoxizität (schwere UE) und Kreatinphosphokinase im Blut erhöht (schwere UE) zeigt sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Nachteil von Alectinib gegenüber der platinbasierten Chemotherapie.
    • Für die Endpunkte Myalgie (schwere UE) und ILD / Pneumonitis (SUE) zeigt sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Insgesamt zeigen sich für Alectinib Vorteile bei den schwerwiegenden UE (SUE), schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüchen aufgrund von UE. Im Detail lassen sich bei den spezifischen UE sowohl Vor- als auch Nachteile für die Behandlung mit Alectinib im Vergleich zu der platinbasierten Chemotherapie feststellen.
    • Aussagen zu längerfristig auftretenden Nebenwirkungen können auf Basis der Daten nicht getroffen werden.
  • Gesamtbewertung
    • Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Die Vermeidung von Rezidiven stellt ein essentielles Therapieziel in der vorliegenden kurativen Therapiesituation dar. In den beiden Endpunkten Rezidivrate und krankheitsfreies Überleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Alectinib, der als eine sehr große Verbesserung gewertet wird.
    • Für den Gesundheitszustand (erhoben mittels EQ-5D VAS) zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Aussagen zu längerfristigen Effekten auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität können auf Basis der Daten nicht getroffen werden. In den Auswertungen zur Verschlechterung zu Woche 12 (erhoben mittels SF 36) liegt ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil für Alectinib für den psychischen Summenscore (MCS) vor. Für den körperlichen Summensore (PCS) ergibt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
    • Aufgrund der kurzen Beobachtungsdauer im Vergleichsarm lassen sich auf Basis der Ereigniszeitanalysen für die Nebenwirkungen nur vergleichende Aussagen für den Zeitraum der etwa ersten 4 Monate der Therapie ableiten. Es ergeben sich statistisch signifikante Vorteile für Alectinib bei den schwerwiegenden UE (SUE), schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüchen aufgrund von UE. Im Detail lassen sich bei den spezifischen UE sowohl Vor- als auch Nachteile für die Behandlung mit Alectinib im Vergleich zur platinbasierten Chemotherapie feststellen.
    • In der Gesamtbetrachtung liegen für Alectinib Vorteile bei den Endpunkten zu Rezidiven und bei den schwerwiegenden UE (SUE), schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüchen aufgrund von UE vor.
    • In der Gesamtbewertung wird für Alectinib ein erheblicher Zusatznutzen gegenüber platinbasierter Chemotherapie festgestellt.

b) Erwachsene mit ALK-positivem NSCLC mit hohem Rezidivrisiko zur adjuvanten Behandlung nach vollständiger Tumorresektion nach vorheriger adjuvanter platinbasierter Chemotherapie oder die für diese nicht geeignet sind

  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt
  • Es liegen keine Daten vor, die eine Bewertung des Zusatznutzens ermöglichen.

Zugehörige Verfahren

Alectinib (3) Alecensa® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, ALK+, hohes Rezidivrisiko, adjuvante Therapie 330–452 50% Anhaltspunkt für erheblicher Zusatznutzen
Alectinib (2) Alecensa® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, ALK+, Erstlinie 350–850 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen
Alectinib (1) Alecensa® Roche Pharma AG Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, ALK+, nach Crizotinib-Vortherapie 200–1.310 81% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen


<< Liste aller Beschlüsse