Alectinib (1) – Alecensa®
Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, ALK+, nach Crizotinib-Vortherapie
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.05.2017 – Zulassung: 16.02.2017 |
|---|---|
| Beschluss | 19.10.2017 |
| Wirkstoff | Alectinib |
| Handelsname | Alecensa® |
| Pharm. Unternehmer | Roche Pharma AG |
| G-BA Vorgangsnummer | D-281 |
| ATC-Code | L01ED03 ALK-Inhibitoren (L01ED) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C34.0Bösartige Neubildung: Hauptbronchus, C34.1Bösartige Neubildung: Oberlappen (-Bronchus), C34.2Bösartige Neubildung: Mittellappen (-Bronchus), C34.3Bösartige Neubildung: Unterlappen (-Bronchus), C34.8Bösartige Neubildung: Bronchus und Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend, C34.9Bösartige Neubildung: Bronchus oder Lunge, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I111155Karzinom des Oberlappenbronchus, I116693Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom, I24595Karzinom des Hauptbronchus, I30015Lungenkarzinom des Mittellappens, I30021Lungenkarzinom des Unterlappens, I30022Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge, mehrere Teilbereiche überlappend |
| DDD Tagesdosis | 1.2 g oral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Alecensa wird als Monotherapie angewendet zur Behandlung des Anaplastische-Lymphomkinase (ALK)-positiven, fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms (non-small cell lung cancer, NSCLC) bei erwachsenen Patienten, die zuvor mit Crizotinib behandelt wurden. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a) | Erwachsene mit anaplastisch-Lymphomkinase (ALK)-positivem, fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (non-small cell lung cancer, NSCLC), die zuvor mit Crizotinib behandelt wurden und die für eine Behandlung mit Docetaxel oder Pemetrexed oder Ceritinib infrage kommen | Docetaxel oder Pemetrexed oder Ceritinib |
| b) | Erwachsene mit anaplastisch-Lymphomkinase (ALK)-positivem, fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (non-small cell lung cancer, NSCLC), die zuvor mit Crizotinib behandelt wurden und die für eine Behandlung mit Docetaxel oder Pemetrexed oder Ceritinib nicht infrage kommen | Best-Supportive-Care |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (ALUR) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
|
Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Patienten-Eignung |
a) Patienten, für die eine Behandlung mit Docetaxel oder Pemetrexed oder Ceritinib infrage kommt
- Für Patienten, für die eine Behandlung mit Docetaxel oder Pemetrexed oder Ceritinib infrage kommt, liegt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen gegenüber Docetaxel oder Pemetrexed vor.
- Der G-BA stuft das Ausmaß des Zusatznutzens von Alectinib auf Basis der Kriterien in § 5 Absatz 7 der AM-NutzenV unter Berücksichtigung des Schweregrades der Erkrankung und des therapeutischen Ziels bei der Behandlung der Erkrankung als gering ein.
- Gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Docetaxel oder Pemetrexed handelt es sich gemäß § 5 Absatz 7 i.V.m. § 2 Absatz 3 AM-NutzenV um eine moderate und nicht nur geringfügige Verbesserung des therapierelevanten Nutzens, da eine relevante Verringerung von unerwünschten Ereignissen erreicht wird.
- Mortalität
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen der Studie (Hazard Ratio: 0,89 [0,35; 2,24], p-Wert = 0,797). Ein Zusatznutzen von Alectinib gegenüber der Chemotherapie Docetaxel oder Pemetrexed ist somit für das Gesamtüberleben nicht belegt.
- Bei der Bewertung wird berücksichtigt, dass zum Zeitpunkt der Analyse 68,6 % der Patienten aus der Chemotherapie-Behandlungsgruppe auf eine Folgebehandlung mit Alectinib gewechselt hatten („Cross-over“), wodurch das Ergebnis zum Gesamtüberleben einer potenziell starken Verzerrung unterliegt.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben
- Das progressionsfreie Überleben (PFS) war bei Patienten, die mit Alectinib behandelt wurden, statistisch signifikant länger. Im Median betrug das PFS für diese Patienten 7,1 Monate versus 1,6 Monate für Patienten, die mit Chemotherapie behandelt wurden (Hazard Ratio: 0,32 [0,17; 0,59], p-Wert = 0,0001).
- Bei dem Endpunkt PFS handelt es sich um einen kombinierten Endpunkt, der sich aus Endpunkten der Kategorien Mortalität und Morbidität zusammensetzt. Die Endpunktkomponente „Mortalität“ wurde in der vorliegenden Studie über den Endpunkt „Gesamtüberleben“ als eigenständiger Endpunkt erhoben. Die Erhebung der Morbiditätskomponente erfolgte nicht symptombezogen, sondern ausschließlich mittels bildgebenden Verfahren (nach RECIST 1.1). Unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte bestehen hinsichtlich der Patientenrelevanz des Endpunktes PFS unterschiedliche Auffassungen innerhalb des G-BA.
- Lebensqualität
- Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde in der vorliegenden Studie mittels der fünf Funktionsskalen und der Skala zum allgemeinen Gesundheitszustand/Lebensqualität des EORTC-QLQ-C30 Fragebogens erhoben. Die Bewertung erfolgt anhand der Auswertung „Zeit bis zur Verschlechterung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität“ auf Basis von Responderanalysen.
- Es zeigt sich für keinen Endpunkt zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität ein signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen. Ein Zusatznutzen von Alectinib gegenüber der Chemotherapie Docetaxel oder Pemetrexed ist somit für den Endpunkt gesundheitsbezogene Lebensqualität nicht belegt.
- Nebenwirkungen
- Insgesamt traten bei 77,1 % der Patienten im Alectinib-Arm und 85,3 % der Patienten im Chemotherapie-Arm unerwünschte Ereignisse auf.
- Für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) und für den Endpunkt „Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Ereignisse“ zeigt sich in der Überlebenszeitanalyse kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Hinsichtlich des Endpunktes „schwere unerwünschte Ereignisse“ zeigt die Analyse der Zeit bis zum ersten Auftreten einen statistisch signifikanten Vorteil von Alectinib gegenüber Chemotherapie (Hazard Ratio: 0,36 [0,17; 0,76], p-Wert = 0,005).
- In der Gesamtbetrachtung der Endpunkte zu Nebenwirkungen zeigt sich ein relevanter Vorteil für die Behandlung mit Alectinib gegenüber der Chemotherapie mit Docetaxel oder Pemetrexed, da eine Verringerung von schweren unerwünschten Ereignissen erreicht wird.
- Gesamtbewertung
- Für die Bewertung des Zusatznutzens von Alectinib zur Behandlung des fortgeschrittenen, Anaplastische-Lymphomkinase (ALK)-positiven, nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) nach vorausgegangener Therapie mit Crizotinib, liegen aus der Studie ALUR Ergebnisse zur Mortalität (Gesamtüberleben), Morbidität, gesundheitsbezogenen Lebensqualität und zu Nebenwirkungen gegenüber einer Chemotherapie mit Docetaxel oder Pemetrexed vor.
- Für das Gesamtüberleben ist ein Zusatznutzen für die Behandlung mit Alectinib nicht belegt. Bei der Bewertung wird berücksichtigt, dass zum Zeitpunkt der Analyse 68,6 % der Patienten aus der Chemotherapie-Behandlungsgruppe auf eine Folgetherapie mit Alectinib gewechselt hatten („Cross-over“), wodurch das Ergebnis zum Gesamtüberleben einer potenziell starken Verzerrung unterliegt.
- Hinsichtlich der Symptomatik zeigt sich in der Mehrzahl der Endpunkte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Alectinib und Chemotherapie. Bei einzelnen nicht schwerwiegenden/ nicht schweren Symptomen bzw. Folgekomplikationen mit statistisch signifikantem Unterschied überwiegen die positiven Effekte von Alectinib.
- Für den Endpunkt gesundheitsbezogene Lebensqualität sind keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen vorhanden, sodass ein Zusatznutzen für diesen Endpunkt nicht belegt ist.
- Bei den Nebenwirkungen zeigt sich bezüglich des Endpunktes „schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3)“ ein positiver Effekt von Alectinib im Vergleich zu Docetaxel oder Pemetrexed. Hinsichtlich der Endpunkte „Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Ereignisse“ und „schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE)“ zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
- In der Gesamtbetrachtung wird für die Behandlung des fortgeschrittenen, ALK-positiven NSCLC bei Patienten, die zuvor mit Crizotinib behandelt wurden, ein geringer Zusatznutzen von Alectinib gegenüber der Chemotherapie mit Docetaxel oder Pemetrexed festgestellt.
b) Patienten, für die eine Behandlung mit Docetaxel oder Pemetrexed oder Ceritinib nicht infrage kommt
- Für Patienten, für die eine Behandlung mit Docetaxel oder Pemetrexed oder Ceritinib nicht infrage kommt, ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
- Für die Gruppe der Patienten, für die eine Behandlung mit Docetaxel oder Pemetrexed oder Ceritinib nicht infrage kommt, wurden keine relevanten Daten für die Bewertung des Zusatznutzens von Alectinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Best-Supportive-Care) vorgelegt.
Zugehörige Verfahren
| Alectinib (3) | Alecensa® | Roche Pharma AG | Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, ALK+, hohes Rezidivrisiko, adjuvante Therapie | 330–452 | 50% Anhaltspunkt für erheblicher Zusatznutzen | |
| Alectinib (2) | Alecensa® | Roche Pharma AG | Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, ALK+, Erstlinie | 350–850 | 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen | |
| Alectinib (1) | Alecensa® | Roche Pharma AG | Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, ALK+, nach Crizotinib-Vortherapie | 200–1.310 | 81% Anhaltspunkt für geringer Zusatznutzen |
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