Tebentafusp (2) – Kimmtrak®

Uveales Melanom, HLA-A*02:01-positiv

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.12.2023 – Zulassung: 01.04.2022
Beschluss 16.05.2024
Wirkstoff Tebentafusp
Handelsname Kimmtrak®
Pharm. Unternehmer Immunocore Ireland Ltd.
G-BA Vorgangsnummer D-995
ATC-Code L01XX75 Andere antineoplastische Mittel (L01XX)
ICD-10 Codes (AIS) C69.3Bösartige Neubildung: Chorioidea
Alpha-ID Codes (AIS) I109995Aderhautmelanom
ORPHAcodes (AIS) 39044Aderhautmelanom
Therapeutisches Gebiet Onkologische Erkrankungen Uveales Melanom (UM) Orphan (Umsatzgrenze)
Grund des Verfahrens Neubewertung: Orphan Umsatz-Überschreitung
Ursprünglicher Beschluss: Tebentafusp (1) (20.10.2022)
Besonderheit Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

KIMMTRAK wird angewendet als Monotherapie bei der Behandlung von HLA (humanes Leukozyten-Antigen)-A*02:01-positiven erwachsenen Patienten mit inoperablem oder metastasiertem uvealem Melanom.

Patientengruppe Indikation ZVT
Erwachsene mit einem inoperablen oder metastasierten uvealen Melanom und die HLA (humanes Leukozyten-Antigen)-A*02:01-positiv sind Therapie nach ärztlicher Maßgabe unter Berücksichtigung von – Dacarbazin, – Ipilimumab, – Lomustin, – Nivolumab, – Pembrolizumab

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (IMCgp100-202:)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Die pivotale Studie IMCgp100-202 ist eine noch laufende, randomisierte, multizentrische, kontrollierte, unverblindete Phase-II-Studie, in der Tebentafusp gegenüber einer Therapie nach ärztlicher Maßgabe (Dacarbazin, Ipilimumab und Pembrolizumab) verglichen wurde.

Erwachsene mit einem inoperablen oder metastasierten uvealen Melanom und die HLA (humanes Leukozyten-Antigen)-A02:01-positiv sind

  • Im Ergebnis wird für Tebentafusp zur Behandlung von HLA (humanes Leukozyten-Antigen)-A02:01-positiven Erwachsenen mit einem inoperablen oder metastasierten uvealen Melanom, ein beträchtlicher Zusatznutzen gegenüber Dacarbazin, Ipilimumab und Pembrolizumab festgestellt.
  • Zusammenfassend leitet der G-BA hinsichtlich der Aussagekraft einen Anhaltspunkt für den festgestellten Zusatznutzen ab.
  • Mortalität
    • In der Studie IMCgp100-202 ist das Gesamtüberleben als die Zeit zwischen Randomisierung und Tod, ungeachtet der zugrundeliegenden Todesursache, definiert.
    • Für das Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Tebentafusp gegenüber Dacarbazin, Ipilimumab und Pembrolizumab.
    • Das Ausmaß der erzielten Verlängerung im Gesamtüberleben wird als eine deutliche Verbesserung gewertet.
    • In den Subgruppenanalysen für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich eine Interaktion zwischen der Behandlung und dem Stratifizierungsmerkmal LDH (≤ ULN vs. > ULN; p = 0,04). Für die Subgruppe LDH ≤ ULN zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Tebentafusp. Für die Subgruppe LDH > ULN ist kein statistisch signifikanter Unterschied vorhanden.
  • Morbidität - Symptomatik (EORTC QLQ-C30)
    • Die Krankheitssymptomatik wurde in der Studie IMCgp100-202 mittels des krebsspezifischen Fragebogens EORTC QLQ-C30 erhoben.
    • In der Studie lagen die Rücklaufquoten im Vergleichsarm bereits zu Baseline unter 70 %. Zudem betrug der Unterschied in den Rücklaufquoten zwischen den Behandlungsarmen mehr als 15 %. Die vorgelegten Ergebnisse sind daher für die Nutzenbewertung nicht geeignet und werden nicht herangezogen.
  • Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D, Visuelle Analogskala)
    • Der Gesundheitszustand wurde anhand der visuellen Analogskala (VAS) des EQ-5D Fragebogens erhoben.
    • Die Ergebnisse des Fragebogens wurden aufgrund der bereits zu Baseline niedrigen und stark zwischen den Gruppen differierenden Rücklaufquoten nicht herangezogen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität (EORTC QLQ-C30)
    • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde in der Studie IMCgp100-202 mittels der Funktionsskalen und der globalen Skala allgemeiner Gesundheitszustand des EORTC QLQ-C30 erhoben.
    • Die Ergebnisse zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität des EORTC QLQ-C30 werden nicht für die Nutzenbewertung herangezogen, da die Rücklaufquoten im Vergleichsarm bereits zu Baseline unter 70 % lagen und der Unterschied in den Rücklaufquoten zwischen den Behandlungsarmen mehr als 15 % betrug.
  • Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
    • In der Studie IMCgp100-202 traten bei allen Patientinnen und Patienten im Vergleichsarm und bei 95% der Patientinnen und Patienten im Interventionsarm ein unerwünschtes Ereignis auf.
  • Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) und Abbruch wegen UE
    • Für die Endpunkte SUEs und Abbruch wegen UEs zeigte sich jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
  • Nebenwirkungen - Schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3)
    • Es zeigte sich hinsichtlich der schweren unerwünschten Ereignisse mit CTCAE-Grad 3 oder 4 ein statistisch signifikanter Nachteil von Tebentafusp.
  • Nebenwirkungen - Spezifische UE
    • Im Detail ergab sich für Tebentafusp ein statistisch signifikanter Vorteil gegenüber Dacarbazin, Ipilimumab und Pembrolizumab hinsichtlich des spezifischen UE Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums (SOC, SUEs).
    • Demgegenüber zeigte sich für Tebentafusp ein statistisch signifikanter Nachteil gegenüber Dacarbazin, Ipilimumab und Pembrolizumab hinsichtlich der spezifischen UE Hautreaktionen, schwere Hautreaktionen, Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, Augenerkrankungen, Kopfschmerzen, Parästhesie, Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort und Gefäßerkrankungen.
    • In der Kategorie Nebenwirkungen ist somit in der Gesamtschau ein Nachteil von Tebentafusp gegenüber Dacarbazin, Ipilimumab und Pembrolizumab festzustellen.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Nutzenbewertung von Tebentafusp zur Behandlung von HLA (humanes Leukozyten-Antigen)-A02:01-positiven Erwachsenen mit einem inoperablen oder metastasierten uvealen Melanom liegen Ergebnisse aus der Studie IMCgp100-202 zur Mortalität, Morbidität (Symptomatik und Gesundheitszustand), gesundheitsbezogenen Lebensqualität und zu Nebenwirkungen vor.
    • Die Ergebnisse zum Endpunkt Gesamtüberleben zeigen, dass durch eine Behandlung mit Tebentafusp im Vergleich zu Dacarbazin, Ipilimumab und Pembrolizumab eine Verlängerung des Gesamtüberlebens erzielt wird, die als eine deutliche Verbesserung bewertet wird.
    • In der Endpunktkategorie Morbidität und gesundheitsbezogene Lebensqualität (erhoben mittels EORTC QLQ-C30 und EQ-5D VAS) liegen aufgrund geringer Rücklaufquoten und deutlicher Unterschiede in den Rücklaufquoten zwischen den Behandlungsarmen keine bewertbaren Daten für die Nutzenbewertung vor. Aussagen zur Morbidität und zur Lebensqualität wird insbesondere in der hier vorliegenden palliativen Therapiesituation ein hoher Stellenwert beigemessen.
    • Bei den Nebenwirkungen ist hinsichtlich des Endpunktes schwere UE (CTCAE ≥ 3) ein statistisch signifikanter Nachteil für Tebentafusp festzustellen. Im Detail überwiegen bei den spezifischen Nebenwirkungen nachteilige Effekte. In der Kategorie Nebenwirkungen ist daher insgesamt ein Nachteil für Tebentafusp festzustellen.
    • In der Gesamtbetrachtung stehen dem positiven Effekt im Gesamtüberleben negative Effekte in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen gegenüber. Unter Berücksichtigung des Ausmaßes des positiven Effektes auf das Gesamtüberleben in einer fortgeschrittenen palliativen Behandlungssituation kommt der G-BA zu dem Ergebnis, dass der Nachteil bei den Nebenwirkungen in der Gesamtbewertung eine Herabstufung im Ausmaß des Zusatznutzen nicht rechtfertigt.

Zugehörige Verfahren

Tebentafusp (2) Kimmtrak® Immunocore Ireland Ltd. Onkologische Erkrankungen Uveales Melanom, HLA-A*02:01-positiv 100–130 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen Orphan (Umsatzgrenze)
Tebentafusp (1) Kimmtrak® Immunocore Ireland Ltd. Onkologische Erkrankungen Uveales Melanom, HLA-A*02:01-positiv 0
110
100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen Orphan aufgehoben


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