Talazoparib (2) – Talzenna®
Prostatakarzinom, metastasiert, kastrationsresistent, in Kombination mit Enzalutamid
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.02.2024 – Zulassung: 05.01.2024 |
|---|---|
| Beschluss | 15.08.2024 |
| Wirkstoff | Talazoparib |
| Handelsname | Talzenna® |
| Pharm. Unternehmer | Pfizer Pharma GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-1026 |
| ATC-Code | L01XK04 PARP-Inhibitoren (L01XK) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C61Bösartige Neubildung der Prostata |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I21708Metastasierendes Prostatakarzinom |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Prostatakarzinom (PC) |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Besonderheit | ZVT-Änderung |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Talzenna wird in Kombination mit Enzalutamid zur Behandlung erwachsener Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (metastatic castration-resistant prostate cancer, mCRPC) angewendet, bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| a1) | Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die keine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben; Erwachsene ohne HRR-Defizienz | - Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie progredient ist; nur für Patienten mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf der Erkrankung nach Versagen der Androgenentzugstherapie, bei denen eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist), oder – Enzalutamid (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Chemotherapie mit Docetaxel fortschreitet; nur für Patienten mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf der Erkrankung nach Versagen der Androgenentzugstherapie, bei denen eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist), oder – Olaparib als Monotherapie (nur für Patienten mit BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), deren Erkrankung nach vorheriger Behandlung, die eine neue hormonelle Substanz (new hormonal agent) umfasste, progredient ist), oder – Olaparib in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison oder Prednisolon (nur für Patienten mit BRCA-Mutationen sowie für Patienten ohne BRCA-Mutationen mit symptomatischem Verlauf der Erkrankung) |
| a2) | Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die keine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben; Erwachsene mit HRR-Defizienz | - Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie progredient ist; nur für Patienten mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf der Erkrankung nach Versagen der Androgenentzugstherapie, bei denen eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist), oder – Enzalutamid (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Chemotherapie mit Docetaxel fortschreitet; nur für Patienten mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf der Erkrankung nach Versagen der Androgenentzugstherapie, bei denen eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist), oder – Olaparib als Monotherapie (nur für Patienten mit BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), deren Erkrankung nach vorheriger Behandlung, die eine neue hormonelle Substanz (new hormonal agent) umfasste, progredient ist), oder – Olaparib in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison oder Prednisolon (nur für Patienten mit BRCA-Mutationen sowie für Patienten ohne BRCA-Mutationen mit symptomatischem Verlauf der Erkrankung) |
| b) | Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die bereits eine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben | Patientenindividuelle Therapie unter Auswahl von - Abirateronacetat in Kombination mit Prednison oder Prednisolon (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie progredient ist), - Enzalutamid (nur für Patienten, deren Erkrankung während oder nach einer Chemotherapie mit Docetaxel fortschreitet), - Olaparib in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison oder Prednisolon und - Olaparib als Monotherapie (nur für Patienten mit BRCA1/2-Mutationen (in der Keimbahn und/oder somatisch), deren Erkrankung nach vorheriger Behandlung, die eine neue hormonelle Substanz (new hormonal agent) umfasste, progredient ist) unter Berücksichtigung der Vortherapie(n) und des BRCA1/2-Mutationsstatus |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (TALAPRO) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
| Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) | Patienten-Eignung |
| ZVT-Änderung | 06.02.2024 – Neue Leitlinien |
- Klinische Studien
- Bei Teil 2 der Studie TALAPRO-2 handelt es sich um eine randomisierte, kontrollierte, doppelblinde Phase III Studie, in deren für die Nutzenbewertung relevanten Teil 2 Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid gegen Enzalutamid verglichen wird.
a1) Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die keine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben - Erwachsene ohne HRR-Defizienz
- Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen.
- Insbesondere aufgrund der Unsicherheit, inwieweit für alle Patienten in der Studie TALAPRO-2 eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert war resultiert bezüglich der Aussagekraft der Nachweise ein „Anhaltspunkt“ für einen Zusatznutzen.
- Mortalität
- In der Metaanalyse zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- In der Betrachtung der Ergebnisse bei Erwachsenen ohne HRR-Defizienz zeigt sich ebenfalls kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
- Morbidität - Symptomatik (EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25)
- Bei Erwachsenen mit und ohne HRR-Defizienz liegt ein Nachteil von Talazoparib in der Symptomskala „Übelkeit und Erbrechen“ vor.
- In den Symptomskalen „Fatigue“, „Dyspnoe“ und „Appetitverlust“ zeigen sich weiterhin statistisch signifikante Unterschiede zu Ungunsten von Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid.
- Morbidität - Symptomatischer Knochenbruch und Rückenmarkskompression
- Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität (EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25)
- Bei Erwachsenen ohne HRR-Defizienz zeigen sich statistisch signifikante Nachteile in den Funktionsskalen „globaler Gesundheitsstatus“, „körperliche Funktion“ und „Rollenfunktion“.
- Nebenwirkungen
- In der Metaanalyse zeigen sich bei den SUEs, schweren UEs (CTCAE-Grad ≥ 3), Therapieabbrüchen wegen UEs statistisch signifikante Unterschiede zum Nachteil von Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid.
- Im Detail zeigen sich in der Metaanalyse statistisch signifikante Unterschiede bei den spezifischen UEs „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“, „Anämie“ und „Untersuchungen“ zum Nachteil von Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid.
- Bei Patienten ohne HRR-Defizienz zeigt sich darüber hinaus ein statistisch signifikanter Nachteil bei dem spezifischen UE „Schwindelgefühl“.
- Gesamtbewertung
- In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse lässt sich zum einen für keine Endpunktkategorie auf Basis der Ergebnisse der Studie TALAPRO-2 ein Zusatznutzen für Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid im Vergleich zu Enzalutamid feststellen.
- Zum anderen zeigen sich Nachteile bei der Morbidität, der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und bei den Nebenwirkungen und somit ein insgesamt deutlicher Nachteil für die Behandlung mit Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid.
- Aufgrund der vorliegenden relevanten Nachteile bei gleichzeitiger Abwesenheit positiver Effekte kann aus den vorliegenden Daten kein Zusatznutzen für Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid gegenüber einer Monotherapie mit Enzalutamid in der Behandlung von Erwachsenen mit unvorbehandeltem metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom ohne HRR-Defizienz abgeleitet werden.
- Der G-BA folgt vielmehr dem Bewertungsergebnis des IQWiG aus der Dossierbewertung A24-22 vom 13. Mai 2024 und stellt gemäß § 5 Abs. 7 Nr. 6 AM-NutzenV fest, dass für Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid in der Behandlung von Erwachsenen mit unvorbehandeltem metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom ohne HRR-Defizienz im Vergleich zur Monotherapie mit Enzalutamid ein geringerer Nutzen vorliegt.
a2) Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die keine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben - Erwachsene mit HRR-Defizienz
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Mortalität
- In der Metaanalyse zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied im Endpunkt Gesamtüberleben zwischen den Behandlungsgruppen.
- Für Erwachsene mit HRR-Defizienz zeigt sich bei Betrachtung der Ergebnisse zwar ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zugunsten von Talazoparib, jedoch ohne statistisch signifikanten Interaktionstest im Vergleich zur Subgruppe der Erwachsenen ohne HRR-Defizienz.
- Vor diesem Hintergrund wird keine separate Ableitung eines Zusatznutzens vorgenommen.
- Morbidität - Symptomatik (EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25)
- Bei Erwachsenen mit HRR-Defizienz zeigen sich Vorteile in den Symptomskalen „Schmerzen“ und „Symptome des Harntraktes“.
- Morbidität - Symptomatischer Knochenbruch und Rückenmarkskompression
- Es zeigen sich weder positive noch negative Effekte.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität (EORTC QLQ-C30 und EORTC QLQ-PR25)
- Bei Erwachsenen mit HRR-Defizienz zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil bei der Funktionsskala „körperliche Funktion“.
- Nebenwirkungen
- In der Metaanalyse zeigen sich bei den SUEs, schweren UEs (CTCAE-Grad ≥ 3), Therapieabbrüchen wegen UEs statistisch signifikante Unterschiede zum Nachteil von Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid.
- Im Detail zeigen sich in der Metaanalyse statistisch signifikante Unterschiede bei den spezifischen UEs „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“, „Anämie“ und „Untersuchungen“ zum Nachteil von Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid.
- Gesamtbewertung
- In der Gesamtbetrachtung liegen somit ausschließlich Nachteile bei den Nebenwirkungen vor.
- In einer Abwägungsentscheidung stellt der G-BA fest, dass für Talazoparib in Kombination mit Enzalutamid zur Behandlung von Erwachsenen mit unvorbehandeltem metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit HRR-Defizienz ein Zusatznutzen gegenüber einer Monotherapie mit Enzalutamid nicht belegt ist.
b) Erwachsene mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC), bei denen eine Chemotherapie klinisch nicht indiziert ist und die bereits eine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben
- Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
- Für die Behandlung erwachsener Männer mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, bei denen eine Chemotherapie nicht klinisch indiziert ist und die bereits eine vorherige Therapie des mCRPC erhalten haben, legt der pharmazeutischen Unternehmer keine Daten für die Bewertung des Zusatznutzens vor.
Zugehörige Verfahren
| Talazoparib (2) | Talzenna® | Pfizer Pharma GmbH | Prostatakarzinom, metastasiert, kastrationsresistent, in Kombination mit Enzalutamid | 9.400–12.200 | 75% Zusatznutzen nicht belegt | |
| Talazoparib (1) | Talzenna® | Pfizer Pharma GmbH | Mammakarzinom, BRCA1/2-Mutation, HER2- | 410–1.830 | 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen |
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