Talazoparib (1) – Talzenna®
Mammakarzinom, BRCA1/2-Mutation, HER2-
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 01.06.2020 – Zulassung: 20.06.2019 |
|---|---|
| Beschluss | 20.11.2020 |
| Wirkstoff | Talazoparib |
| Handelsname | Talzenna® |
| Pharm. Unternehmer | Pfizer Pharma GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-545 |
| ATC-Code | L01XK04 PARP-Inhibitoren (L01XK) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C50.0Bösartige Neubildung: Brustwarze und Warzenhof, C50.1Bösartige Neubildung: Zentraler Drüsenkörper der Brustdrüse, C50.2Bösartige Neubildung: Oberer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.3Bösartige Neubildung: Unterer innerer Quadrant der Brustdrüse, C50.4Bösartige Neubildung: Oberer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.5Bösartige Neubildung: Unterer äußerer Quadrant der Brustdrüse, C50.6Bösartige Neubildung: Recessus axillaris der Brustdrüse, C50.8Bösartige Neubildung: Brustdrüse, mehrere Teilbereiche überlappend, C50.9Bösartige Neubildung: Brustdrüse, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I102868Bösartige Neubildung der äußeren 2 Quadranten der Brustdrüse, I102970Bösartige Neubildung des oberen inneren Quadranten der Brustdrüse, I102971Bösartige Neubildung des unteren inneren Quadranten der Brustdrüse, I102972Bösartige Neubildung des oberen äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102973Bösartige Neubildung des unteren äußeren Quadranten der Brustdrüse, I102998Bösartige Neubildung des zentralen Drüsenkörpers der Brustdrüse, I102999Bösartige Neubildung des Recessus axillaris der Brustdrüse, I111628Bösartige Neubildung der Brustwarze und des Warzenhofes, I18060Metastasierendes Mammakarzinom |
| DDD Tagesdosis | 1 mg oral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Mammakarzinom / Brustkrebs (BC) |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Besonderheit | Praxisbesonderheit |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
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Talzenna wird als Monotherapie für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit BRCA1/2-Mutationen in der Keimbahn angewendet, die ein HER2-negatives, lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Mammakarzinom aufweisen. Die Patienten sollten zuvor mit einem Anthrazyklin und/oder einem Taxan im (neo)adjuvanten, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Setting behandelt worden sein, es sei denn, sie waren für diese Behandlungen nicht geeignet (siehe Abschnitt 5.1). Patienten mit Hormonrezeptor (HR)-positivem Brustkrebs sollten außerdem bereits eine endokrin-basierte Therapie erhalten haben oder für diese als nicht geeignet eingestuft sein. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene Patienten mit HER2-negativem, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom mit BRCA1/2-Mutationen in der Keimbahn; nach vorangegangener Therapie mit einem Anthrazyklin und/ oder einem Taxan im (neo)adjuvanten oder metastasierten Setting oder ungeeignet für diese Behandlungen | − Capecitabin oder − Eribulin oder − Vinorelbin oder − eine Anthrazyklin- oder Taxan-haltige Therapie (Nur für Patienten, die noch keine Anthrazyklin- und Taxan-haltige Therapie erhalten haben oder für die eine erneute Anthrazyklin- oder Taxan-haltige Therapie infrage kommt.) |
Studien und Ergebnisse
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Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (EMBRACA) |
|---|---|
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Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
H2H vs. ZVT |
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Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- EMBRACA ist eine multizentrische, offene, randomisierte kontrollierte Studie, in der Talazoparib mit einer Chemotherapie nach Wahl des Arztes unter Verwendung von Capecitabin oder Vinorelbin oder Eribulin oder Gemcitabin verglichen wird.
Erwachsene Patienten mit HER2-negativem, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom mit BRCA1/2-Mutationen in der Keimbahn; nach vorangegangener Therapie mit einem Anthrazyklin und/ oder einem Taxan im (neo)adjuvanten oder metastasierten Setting oder ungeeignet für diese Behandlungen
- Für die Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit HER2-negativen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom mit BRCA1/2-Mutationen in der Keimbahn; nach vorangegangener Therapie mit einem Anthrazyklin und/ oder einem Taxan im (neo)adjuvanten oder metastasierten Setting oder ungeeignet für diese Behandlungen, liegt ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen vor.
- In der Gesamtbetrachtung wird aus diesen Gründen die Aussagesicherheit für den festgestellten Zusatznutzen als Anhaltspunkt eingestuft.
- Mortalität
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigte sich zwischen den Behandlungsgruppen kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben wird infolgedessen kein Zusatznutzen festgestellt.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
- Für das progressionsfreie Überleben zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zugunsten von Talazoparib.
- Morbidität - Symptomatik
- Für die Endpunkte Fatigue, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Appetitverlust, Nebenwirkungen der systemischen Therapie, Symptome im Brustbereich und Symptome im Armbereich zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Talazoparib gegenüber der Chemotherapie.
- Für den Endpunkt Belastung durch Haarausfall lagen keine verwertbaren Daten vor.
- Für alle weiteren Endpunkte zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
- In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse zur Symptomatik zeigen sich positive Effekte durch eine Behandlung mit Talazoparib bei mehreren Symptomen sowohl der erhobenen Krebs- als auch Brustkrebs-spezifischen Symptomatik, die insgesamt als eine deutliche Verbesserung bei der Symptomatik gegenüber einer Behandlung mit Capecitabin, Vinorelbin oder Eribulin bewertet werden.
- Lebensqualität
- Für alle Items des EORTC QLQ-C30, d.h. den globalen Gesundheitsstatus, sowie die Funktionsskalen körperliche Funktion, Rollenfunktion, kognitive Funktion, emotionale Funktion und soziale Funktion sowie das Körperbild des Fragebogens EORTC QLQ-BR23, zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Talazoparib.
- Für den Endpunkt Freude an Sex lagen keine verwertbaren Daten vor.
- Für die Endpunkte sexuelle Aktivität und Zukunftsperspektive ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
- Angesichts positiver Effekte auf mehrere bzw. auf die überwiegende Anzahl der erhobenen Endpunkte zur Krebs- sowie Brustkrebs-spezifischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität, mit zudem teils deutlichem Ausmaß, lässt sich ein Vorteil für die Behandlung mit Talazoparib gegenüber einer Behandlung mit Capecitabin, Vinorelbin oder Eribulin hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität feststellen, dessen Ausmaß insgesamt als eine deutliche Verbesserung bewertet wird.
- Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UE) gesamt
- In der Studie EMBRACA trat im Interventionsarm bei 98,5 % der Patienten ein unerwünschtes Ereignis auf, im Vergleichsarm waren es 97,4 % der Patienten.
- Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE)
- Für die schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
- Nebenwirkungen - Schwere UE (CTCAE Grad 3 oder 4)
- Es zeigte sich hinsichtlich der schweren unerwünschten Ereignisse mit CTCAE-Grad 3 oder 4 ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Talazoparib.
- Nebenwirkungen - Abbruch wegen UE
- Für den Endpunkt Therapieabbruch aufgrund eines UE zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen.
- Nebenwirkungen - Spezifische UE
- Es ergaben sich für Talazoparib statistisch signifikante Vorteile hinsichtlich der spezifischen UE Augenerkrankungen, Hand-Fuß-Syndrom und Parästhesie sowie der spezifischen schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3) Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes, Neutropenie und Diarrhö.
- Demgegenüber zeigten sich für Talazoparib statistisch signifikante Nachteile hinsichtlich der spezifischen schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3) Anämie und Thrombozytopenie.
- In der Gesamtbetrachtung der Endpunkte zu den spezifischen UE überwiegen die positiven Effekte durch Talazoparib.
- In der Kategorie Nebenwirkungen ist somit in der Gesamtschau ein Vorteil von Talazoparib gegenüber Capecitabin, Vinorelbin oder Eribulin festzustellen.
- Gesamtbewertung / Fazit
- Für die Bewertung des Zusatznutzens von Talazoparib liegen aus der offenen, randomisierten, kontrollierten Studie EMBRACA Ergebnisse im Vergleich zu Capecitabin, Vinorelbin oder Eribulin zur Mortalität (Gesamtüberleben), Morbidität, Lebensqualität und zu Nebenwirkungen vor.
- In der Endpunktkategorie Mortalität zeigen die vorliegenden Ergebnisse zum Endpunkt Gesamtüberleben bezogen auf die Gesamtpopulation der Studie keinen statistisch signifikanten Effekt.
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben wird kein Zusatznutzen festgestellt.
- Die Ergebnisse zur Symptomatik zeigen positive Effekte durch eine Behandlung mit Talazoparib bei mehreren Symptomen sowohl der erhobenen Krebs- als auch Brustkrebs-spezifischen Symptomatik, die insgesamt als eine deutliche Verbesserung bei der Symptomatik gegenüber einer Behandlung mit Capecitabin, Vinorelbin oder Eribulin bewertet werden.
- Angesichts positiver Effekte auf mehrere bzw. auf die überwiegende Anzahl der erhobenen Endpunkte zur Krebs- sowie Brustkrebs-spezifischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität, mit zudem teils deutlichem Ausmaß, lässt sich ein Vorteil für die Behandlung mit Talazoparib feststellen, dessen Ausmaß insgesamt als eine deutliche Verbesserung bewertet wird.
- Bei den Nebenwirkungen ist hinsichtlich des Endpunktes schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad 3 oder 4) ein Vorteil von Talazoparib im Vergleich zu Capecitabin, Vinorelbin oder Eribulin festzustellen.
- Kein Unterschied zeigte sich für die Endpunkte schwerwiegende UE sowie Abbruchs wegen UE.
- Bei den spezifischen UE liegen Vor- und Nachteile vor, jedoch überwiegen die positiven Effekte.
- In der Kategorie Nebenwirkungen ist somit insgesamt ein Vorteil von Talazoparib gegenüber Capecitabin, Vinorelbin oder Eribulin festzustellen.
- In der Gesamtbetrachtung stellt der G-BA basierend auf den deutlichen Vorteilen in den Endpunktkategorien Morbidität (Symptomatik) und gesundheitsbezogene Lebensqualität, die in dieser fortgeschrittenen Therapiesituation darüber hinaus eine besondere Relevanz haben, sowie basierend auf den Vorteilen in der Kategorie Nebenwirkungen einen beträchtlichen Zusatznutzen für Talazoparib gegenüber Capecitabin, Vinorelbin oder Eribulin fest.
Zugehörige Verfahren
| Talazoparib (2) | Talzenna® | Pfizer Pharma GmbH | Prostatakarzinom, metastasiert, kastrationsresistent, in Kombination mit Enzalutamid | 9.400–12.200 | 75% Zusatznutzen nicht belegt | |
| Talazoparib (1) | Talzenna® | Pfizer Pharma GmbH | Mammakarzinom, BRCA1/2-Mutation, HER2- | 410–1.830 | 100% Anhaltspunkt für beträchtlicher Zusatznutzen |
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