Tafasitamab (2) – Minjuvi®
Follikuläres Lymphom, nach ≥ 1 Vortherapie, Kombination mit Lenalidomid und Rituximab
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.01.2026 – Zulassung: 15.12.2025 |
|---|---|
| Beschluss | 02.07.2026 |
| Wirkstoff | Tafasitamab |
| Handelsname | Minjuvi® |
| Pharm. Unternehmer | Incyte Biosciences Germany GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-1274 |
| ATC-Code | L01FX12 Andere monoklonale Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (L01FX) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C82.0Follikuläres Lymphom Grad I, C82.1Follikuläres Lymphom Grad II, C82.2Follikuläres Lymphom Grad III, nicht näher bezeichnet, C82.3Follikuläres Lymphom Grad IIIa, C82.7Sonstige Typen des follikulären Lymphoms, C82.9Follikuläres Lymphom, nicht näher bezeichnet |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I116042Follikuläres Lymphom Grad 1, I116043Follikuläres Lymphom Grad 2, I116044Follikuläres Lymphom Grad 3, I116045Follikuläres Lymphom Grad 3a, I116049Sonstige Typen des follikulären Lymphoms, I17968Follikuläres Lymphom |
| ORPHAcodes (AIS) | 545Follikuläres Lymphom Grad 1, 545Follikuläres Lymphom Grad 2, 545Follikuläres Lymphom Grad 3, 545Follikuläres Lymphom Grad 3a, 545Sonstige Typen des follikulären Lymphoms, 545Follikuläres Lymphom |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen Orphan |
| Grund des Verfahrens | Neues Anwendungsgebiet |
| Regulatorischer Status | Bedingte Zulassung (CMA) |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Minjuvi ist in Kombination mit Lenalidomid und Rituximab zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom (FL) (Grad 1 – 3a) nach mindestens einer systemischen Therapielinie indiziert. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| b) | Erwachsene mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom vom Grad 1 bis 3a nach einer Linie einer systemischen Therapie | – (Orphan Drug) |
| a) | Erwachsene mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom vom Grad 1 bis 3a nach mindestens zwei Linien einer systemischen Therapie | – (Orphan Drug) |
Studien und Ergebnisse
- Klinische Studien
- Für die Bewertung des Zusatznutzens von Tafasitamab legte der pharmazeutische Unternehmer Daten der randomisierten kontrollierten doppelblinden Phase III-Studie inMIND vor.
- In der Studie inMIND wird Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid und Rituximab gegenüber der Kombination aus Lenalidomid und Rituximab verglichen.
a) Erwachsene mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom vom Grad 1 bis 3a nach einer Linie einer systemischen Therapie
- Zusammenfassend wird der Zusatznutzen von Tafasitamab wie folgt bewertet: Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
- Mortalität
- Das Gesamtüberleben ist in der Studie inMIND operationalisiert als Zeit zwischen der Randomisierung und dem Tod jeglicher Ursache.
- Für Patientengruppe a) zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
- Das vom Prüfpersonal erhobene PFS stellt den primären Endpunkt der Studie inMIND dar und ist operationalisiert als die Zeit von der Randomisierung bis zur ersten dokumentierten Progression der Erkrankung oder bis zum Tod jeglicher Ursache, je nachdem, was zuerst eintritt.
- Für Patientengruppe a) und b) liegt jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten der Tafasitamab-Kombination gegenüber dem Vergleichsarm vor.
- Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)
- Der Gesundheitszustand wird in der Studie inMIND mittels der visuellen Analogskala (VAS) des Fragebogens European Quality of Life Questionnaire 5 Dimensions (EQ-5D) erhoben.
- In Patientengruppe a) liegt für den Gesundheitszustand kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen vor.
- Morbidität - EORTC QLQ-C30 Symptomskalen
- Die Erhebung der Krankheitssymptomatik erfolgt in der Studie inMIND anhand der Symptomskalen des krebsspezifischen Fragebogens Quality of Life Questionnaire – Core Questionnaire der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC QLQ-C30).
- Für Patientengruppe a) liegen in den Symptomskalen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
- Lebensqualität - EORTC QLQ-C30 Funktionsskalen
- Die Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgt in der Studie inMIND anhand der Funktionsskalen des krebsspezifischen Fragebogens EORTC QLQ-C30.
- In Patientengruppe a) liegt für die einzelnen Skalen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität des EORTC QLQ-C30 jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen vor.
- Lebensqualität - FACT-Lym
- Die Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgt in der Studie inMIND darüber hinaus anhand des Lymphom-spezifischen Fragebogens Functional Assessment of Cancer Therapy – Lymphoma (FACT-Lym).
- Für Patientengruppe a) lässt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen feststellen.
- Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE (SUE), schwere UE und Therapieabbrüche aufgrund von UE
- Bezüglich Patientengruppe a) lassen sich anhand der Studie inMIND für die Endpunkte SUE, schwere UE und Therapieabbrüche aufgrund von UE keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen feststellen.
- Nebenwirkungen - UE von besonderem Interesse
- Für Patientengruppe a) zeigen die Ergebnisse zu schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3), die mit einer Inzidenz von ≥ 5 % aufgetreten sind, auf Ebene der Preferred Terms (PT) bei „COVID-19 Pneumonie“ sowie „Pneumonie“ und auf Ebene der Systemorganklasse (SOC) „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“ signifikante Unterschiede zuungunsten der Tafasitamab-Kombination gegenüber dem Vergleichsarm.
- Bezüglich der SUE, die mit einer Inzidenz von ≥ 5 % aufgetreten sind, liegen bei Patientengruppe a) für das PT „COVID-19 Pneumonie“ und bei der SOC „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“ signifikante Unterschied zuungunsten der Tafasitamab-Kombination gegenüber dem Vergleichsarm vor.
- Insgesamt wird in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen für Patientengruppe a) und b) weder ein Vorteil noch ein Nachteil abgeleitet.
- Gesamtbewertung
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- In der Endpunktkategorie Morbidität liegen hinsichtlich des Gesundheitszustands (EQ-5D VAS) und den Symptomskalen des EORTC QLQ-C30 keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
- Hinsichtlich der Lebensqualität, die anhand der Funktionsskalen des EORTC QLQ-C30 und dem FACT-Lym gemessen wurde, zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
- Bezüglich der Endpunktkategorie Nebenwirkungen zeigen sich in den Gesamtraten der SUE und schweren UE, sowie für „Therapieabbrüche aufgrund von UE“ keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen. Im Detail liegen bei einzelnen „UEs von besonderem Interesse“ Nachteile der Tafasitamab-Kombination vor. Insgesamt lässt sich in der Kategorie Nebenwirkungen weder ein Vorteil noch ein Nachteil ableiten.
- In der Gesamtschau wird für Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid und Rituximab im Vergleich zu Lenalidomid und Rituximab für Patientinnen und Patienten, die eine Linie einer systemischen Therapie erhalten haben, ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen festgestellt, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
- Aussagekraft der Nachweise
- Die randomisierte, doppelblinde Studie inMIND bildet die Grundlage der vorliegenden Nutzenbewertung.
- Das Verzerrungspotential auf Studienebene wird insgesamt als niedrig eingestuft.
- Das Verzerrungspotential auf Endpunktebene wird für das Gesamtüberleben als niedrig eingestuft.
- Für die Endpunkte der Morbidität und Lebensqualität wird das Verzerrungspotential als hoch eingestuft, da im Verlauf des Behandlungszeitraumes die Rücklaufquoten schwankten und zum primären Datenschnitt nicht alle randomisierten Patientinnen und Patienten gemäß ITT-Prinzip ausgewertet werden konnten, sondern nur diejenigen, die den Zeitpunkt Behandlungsende / Sicherheits-Follow-Up erreicht hatten.
- Bei den Nebenwirkungen wird das Verzerrungspotential als niedrig eingestuft.
- Insgesamt wird für die Aussagekraft der Nachweise ein Anhaltspunkt abgeleitet.
b) Erwachsene mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom vom Grad 1 bis 3a nach mindestens zwei Linien einer systemischen Therapie
- Zusammenfassend wird der Zusatznutzen von Tafasitamab wie folgt bewertet: Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
- Mortalität
- Das Gesamtüberleben ist in der Studie inMIND operationalisiert als Zeit zwischen der Randomisierung und dem Tod jeglicher Ursache.
- Für Patientengruppe b) zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
- Das vom Prüfpersonal erhobene PFS stellt den primären Endpunkt der Studie inMIND dar und ist operationalisiert als die Zeit von der Randomisierung bis zur ersten dokumentierten Progression der Erkrankung oder bis zum Tod jeglicher Ursache, je nachdem, was zuerst eintritt.
- Für Patientengruppe a) und b) liegt jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten der Tafasitamab-Kombination gegenüber dem Vergleichsarm vor.
- Morbidität - Gesundheitszustand (EQ-5D VAS)
- Der Gesundheitszustand wird in der Studie inMIND mittels der visuellen Analogskala (VAS) des Fragebogens European Quality of Life Questionnaire 5 Dimensions (EQ-5D) erhoben.
- In Patientengruppe b) liegt für den Gesundheitszustand kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen vor.
- Morbidität - EORTC QLQ-C30 Symptomskalen
- Die Erhebung der Krankheitssymptomatik erfolgt in der Studie inMIND anhand der Symptomskalen des krebsspezifischen Fragebogens Quality of Life Questionnaire – Core Questionnaire der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC QLQ-C30).
- Für Patientengruppe b) liegen in den Symptomskalen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
- Lebensqualität - EORTC QLQ-C30 Funktionsskalen
- Die Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgt in der Studie inMIND anhand der Funktionsskalen des krebsspezifischen Fragebogens EORTC QLQ-C30.
- In Patientengruppe b) liegt für die einzelnen Skalen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität des EORTC QLQ-C30 jeweils kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen vor.
- Lebensqualität - FACT-Lym
- Die Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfolgt in der Studie inMIND darüber hinaus anhand des Lymphom-spezifischen Fragebogens Functional Assessment of Cancer Therapy – Lymphoma (FACT-Lym).
- Für Patientengruppe b) lässt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen feststellen.
- Nebenwirkungen - Schwerwiegende UE (SUE), schwere UE und Therapieabbrüche aufgrund von UE
- Bezüglich Patientengruppe b) lassen sich anhand der Studie inMIND für die Endpunkte SUE, schwere UE und Therapieabbrüche aufgrund von UE keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen feststellen.
- Nebenwirkungen - UE von besonderem Interesse
- Für Patientengruppe b) liegt bei den Ergebnissen zu schweren UE (CTCAE-Grad ≥ 3), die mit einer Inzidenz von ≥ 5 % aufgetreten sind, beim PT „Febrile Neutropenie“ ein signifikanter Unterschied zuungunsten der Tafasitamab-Kombination gegenüber dem Vergleichsarm vor.
- Bei den SUE, die mit einer Inzidenz von ≥ 5 % aufgetreten sind, liegt in Patientengruppe b) für die SOC „Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts“ ein signifikanter Unterschied zugunsten der Tafasitamab-Kombination gegenüber dem Vergleichsarm vor.
- Insgesamt wird in der Endpunktkategorie Nebenwirkungen für Patientengruppe a) und b) weder ein Vorteil noch ein Nachteil abgeleitet.
- Gesamtbewertung
- Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen.
- In der Endpunktkategorie Morbidität liegen hinsichtlich des Gesundheitszustands (EQ-5D VAS) und den Symptomskalen des EORTC QLQ-C30 keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor.
- Hinsichtlich der Lebensqualität, die anhand der Funktionsskalen des EORTC QLQ-C30 und dem FACT-Lym gemessen wurde, zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen.
- Bezüglich der Endpunktkategorie Nebenwirkungen zeigen sich in den Gesamtraten der SUE und schweren UE, sowie für „Therapieabbrüche aufgrund von UE“ keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen. Im Detail liegen bei einzelnen „UEs von besonderem Interesse“ ein Nachteil bzw. ein Vorteil der Tafasitamab-Kombination vor. Insgesamt lässt sich in der Kategorie Nebenwirkungen weder ein Vorteil noch ein Nachteil ableiten.
- In der Gesamtschau wird für Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid und Rituximab im Vergleich zu Lenalidomid und Rituximab für Patientinnen und Patienten, die mindestens zwei Linien einer systemischen Therapie erhalten haben, ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen festgestellt, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
- Aussagekraft der Nachweise
- Die randomisierte, doppelblinde Studie inMIND bildet die Grundlage der vorliegenden Nutzenbewertung.
- Das Verzerrungspotential auf Studienebene wird insgesamt als niedrig eingestuft.
- Das Verzerrungspotential auf Endpunktebene wird für das Gesamtüberleben als niedrig eingestuft.
- Für die Endpunkte der Morbidität und Lebensqualität wird das Verzerrungspotential als hoch eingestuft, da im Verlauf des Behandlungszeitraumes die Rücklaufquoten schwankten und zum primären Datenschnitt nicht alle randomisierten Patientinnen und Patienten gemäß ITT-Prinzip ausgewertet werden konnten, sondern nur diejenigen, die den Zeitpunkt Behandlungsende / Sicherheits-Follow-Up erreicht hatten.
- Bei den Nebenwirkungen wird das Verzerrungspotential als niedrig eingestuft.
- Insgesamt wird für die Aussagekraft der Nachweise ein Anhaltspunkt abgeleitet.
Zugehörige Verfahren
| Tafasitamab (2) | Minjuvi® | Incyte Biosciences Germany GmbH | Follikuläres Lymphom, nach ≥ 1 Vortherapie, Kombination mit Lenalidomid und Rituximab | 1.050–2.350 | 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan | |
| Tafasitamab (1) | Minjuvi® | Incyte Biosciences Germany GmbH | Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom, Kombination mit Lenalidomid | 730–1.560 | 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan |
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