Tafasitamab (1) – Minjuvi®
Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom, Kombination mit Lenalidomid
Steckbrief
| Start des Verfahrens | 15.09.2021 – Zulassung: 26.08.2021 |
|---|---|
| Beschluss | 03.03.2022 |
| Wirkstoff | Tafasitamab |
| Handelsname | Minjuvi® |
| Pharm. Unternehmer | Incyte Biosciences Germany GmbH |
| G-BA Vorgangsnummer | D-732 |
| ATC-Code | L01FX12 Andere monoklonale Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (L01FX) |
| ICD-10 Codes (AIS) | C83.3Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom |
| Alpha-ID Codes (AIS) | I114432Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom |
| ORPHAcodes (AIS) | 544Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom |
| DDD Tagesdosis | 60 mg parenteral |
| Therapeutisches Gebiet | Onkologische Erkrankungen B-Zell-Lymphom (DLBCL / PMBCL) Orphan |
| Grund des Verfahrens | Erstbewertung |
| Regulatorischer Status | Bedingte Zulassung (CMA) |
| Anwendungsgebiet des Beschlusses |
|---|
|
Minjuvi wird angewendet in Kombination mit Lenalidomid gefolgt von einer Minjuvi-Monotherapie für die Behandlung bei erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (diffuse large B-cell lymphoma, DLBCL), für die eine autologe Stammzelltransplantation (ASZT) nicht infrage kommt. |
| Patientengruppe | Indikation | ZVT |
|---|---|---|
| Erwachsene mit rezidiviertem oder refraktärem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom, für die eine autologe Stammzelltransplantation (ASZT) nicht infrage kommt | – (Orphan Drug) |
Studien und Ergebnisse
|
Anzahl Studien
(beste Patientengruppe) |
1 (L-MIND) |
|---|---|
|
Studiendesign
(beste Patientengruppe) |
Single-Arm + indirekter Vergleich (PID/PSM) |
|
Metaanalyse
(beste Patientengruppe) |
nein |
- Klinische Studien
- Bei der Studie L-MIND handelt es sich um eine noch laufende multizentrische, offene, einarmige Phase-II-Studie.
- In die Studie RE-MIND2 wurden Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem und refraktärem DLBCL eingeschlossen, die nach Angaben gemäß Studienprotokoll mit einer patientenindividuellen Therapie nach ärztlicher Maßgabe behandelt wurden.
- In die Studie RE-MIND wurden Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL eingeschlossen, die ausschließlich mit einer Lenalidomid-Monotherapie behandelt wurden.
Erwachsene mit rezidiviertem oder refraktärem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom, für die eine autologe Stammzelltransplantation (ASZT) nicht infrage kommt
- Anhaltspunkt für einen nicht-quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
- Aus der Aussagekraft der Nachweise resultiert ein Anhaltspunkt für den festgestellten Zusatznutzen.
- Mortalität
- In der Studie L-MIND wurden 41 (51,3 %) Todesfälle beobachtet, wobei die mediane Überlebenszeit bei 33,5 Monaten lag.
- Da keine geeigneten vergleichenden Daten vorliegen, lassen sich keine Aussagen zum Ausmaß des Zusatznutzens ableiten.
- Morbidität - Progressionsfreies Überleben (PFS)
- Das PFS wurde als ein sekundärer Endpunkt in der Studie L-MIND erhoben und definiert als die Zeit von der ersten Studienmedikationsgabe bis zum Eintreten einer Progression oder Tod jeglicher Ursache (je nachdem, was zuerst auftritt).
- Davon unbenommen lässt sich anhand der Ergebnisse der Studie L-MIND zum Endpunkt PFS keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens treffen, da keine geeigneten vergleichenden Daten vorliegen.
- Der Endpunkt PFS wird ergänzend dargestellt.
- Morbidität - Objektive Ansprechrate (ORR)
- Die Objektive Ansprechrate wurde als primärer Endpunkt in der Studie L-MIND erhoben und ist definiert als Anteil der Patientinnen und Patienten mit einem vollständigen Ansprechen (CR) oder einem partiellen Ansprechen (PR) bis zum Progress, basierend auf zentralen radiologischen und klinischen Bewertungen.
- Die Objektive Ansprechrate wird in der vorliegenden Operationalisierung als nicht unmittelbar patientenrelevant bewertet.
- Morbidität - B-Symptomatik
- Die B-Symptomatik wurde in der Studie L-MIND nicht als eigenständiger Endpunkt definiert, jedoch erfolgte die Erhebung der von der B-Symptomatik umfassten Symptome zu Beginn eines jeden Therapiezyklus.
- Davon unbenommen lässt sich anhand der Ergebnisse der Studie L-MIND zum Endpunkt B-Symptomatik keine Aussage zum Ausmaß des Zusatznutzens treffen, da keine geeigneten vergleichenden Daten vorliegen.
- Morbidität
- In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse zur Morbidität lassen sich keine Aussagen zum Ausmaß des Zusatznutzens ableiten, da keine geeigneten vergleichenden Daten vorliegen.
- Lebensqualität
- Die Lebensqualität wird in der Studie L-MIND nicht erhoben.
- Nebenwirkungen - Unerwünschte Ereignisse (UEs) gesamt
- Bei allen in die Studie eingeschlossenen Patientinnen und Patienten trat ein unerwünschtes Ereignis auf.
- Die Ergebnisse werden ergänzend dargestellt.
- Nebenwirkungen - Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs)
- Bei 43 von 81 der Patientinnen und Patienten (53,1 %) trat mindestens ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis (SUE) auf.
- Als häufigste SUE sind „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“ zu nennen.
- Nebenwirkungen - Schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3)
- Bei 63 von 81 Studienteilnehmenden (77,8 %) trat mindestens ein schweres UE mit CTCAE-Grad ≥ 3 auf.
- Die häufigsten UE mit einem Schweregrad ≥ 3 stellten „Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems“ sowie „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“ dar.
- Nebenwirkungen - Therapieabbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen
- Bei 20 Patientinnen und Patienten (24,7 %) trat ein unerwünschtes Ereignis auf, das zum Abbruch mindestens einer Wirkstoffkomponente der Studienmedikation führte.
- Nebenwirkungen - UE von besonderem Interesse
- Bei 37 % der Studienteilnehmenden trat „Hautausschlag“ als post-hoc erhobenes unerwünschtes Ereignis von besonderem Interesse auf.
- Daneben ist insbesondere „Erkrankungen des Harnweges“ als weiteres post-hoc erhobenes UE von besonderem Interesse zu nennen.
- Nebenwirkungen
- In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse zu den Nebenwirkungen lassen sich keine Aussagen zum Ausmaß des Zusatznutzens ableiten, da keine geeigneten vergleichenden Daten vorliegen.
- Gesamtbewertung / Fazit
- Für die Nutzenbewertung von Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid, gefolgt von Tafasitamab zur Behandlung von Erwachsenen mit rezidiviertem oder refraktärem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL), für die eine autologe Stammzelltransplantation nicht infrage kommt, liegen Ergebnisse aus der einarmigen, pivotale Phase-II-Studie L-MIND zum Gesamtüberleben, zur Morbidität und zu Nebenwirkungen vor.
- Insgesamt liegen den indirekten Vergleichen zwischen den Studien große Unsicherheiten zugrunde, welche insbesondere aus der Frage einer hinreichenden Vergleichbarkeit der Studienpopulationen bezüglich des relevanten Prognosefaktors „Zeit zwischen DLBCL-Erstdiagnose und erstem Rezidiv“ resultiert.
- Aufgrund dieser Unsicherheiten sind die indirekten Vergleiche nicht geeignet, um Aussagen über das Ausmaß des Zusatznutzens treffen zu können und werden für die Nutzenbewertung nicht herangezogen.
- In der Gesamtschau wird für Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid, gefolgt von Tafasitamab zur Behandlung von rezidiviertem oder refraktärem DLBCL bei Erwachsenen, die nicht für eine autologe Stammzelltransplantation infrage kommen, ein nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen festgestellt, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
Zugehörige Verfahren
| Tafasitamab (2) | Minjuvi® | Incyte Biosciences Germany GmbH | Follikuläres Lymphom, nach ≥ 1 Vortherapie, Kombination mit Lenalidomid und Rituximab | 1.050–2.350 | 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan | |
| Tafasitamab (1) | Minjuvi® | Incyte Biosciences Germany GmbH | Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom, Kombination mit Lenalidomid | 730–1.560 | 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan |
<< Liste aller Beschlüsse