Ponesimod (2) – Ponvory®

Schubförmige Multiple Sklerose

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.12.2021
Beschluss 19.05.2022
Wirkstoff Ponesimod
Handelsname Ponvory®
Pharm. Unternehmer Dossier: Janssen-Cilag GmbH
Neuer Inverkehrbringer: LABORATOIRES JUVISE PHARMACEUTICALS
G-BA Vorgangsnummer D-766
ATC-Code L04AE04 IMMUNSUPPRESSIVA (L04A)
ICD-10 Codes (AIS) G35.10Multiple Sklerose mit vorherrschend schubförmigem Verlauf: Ohne Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, G35.11Multiple Sklerose mit vorherrschend schubförmigem Verlauf: Mit Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, G35.30Multiple Sklerose mit sekundär-chronischem Verlauf: Ohne Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, G35.31Multiple Sklerose mit sekundär-chronischem Verlauf: Mit Angabe einer akuten Exazerbation oder Progression, G35.9Multiple Sklerose, nicht näher bezeichnet
Alpha-ID Codes (AIS) I98549Multiple Sklerose mit vorherrschend schubförmigem Verlauf, I98551Multiple Sklerose mit sekundär-chronischem Verlauf, I99339Multiple Sklerose
DDD Tagesdosis 20 mg oral
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Nervensystems Multiple Sklerose (MS) / Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD)
Grund des Verfahrens Erstbewertung
Besonderheit ZVT-Änderung

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Ponvory ist angezeigt zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung.

Patientengruppe Indikation ZVT
a1) Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben oder mit krankheitsmodifizierender Therapie vorbehandelte Erwachsene, deren Erkrankung nicht hochaktiv ist; EDSS-Score ≤ 3,5 Interferon beta-1a oder Interferon beta-1b oder Glatirameracetat oder Dimethylfumarat oder Teriflunomid oder Ocrelizumab unter Berücksichtigung der Zulassung
a2) Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben oder mit krankheitsmodifizierender Therapie vorbehandelte Erwachsene, deren Erkrankung nicht hochaktiv ist; EDSS-Score > 3,5 Interferon beta-1a oder Interferon beta-1b oder Glatirameracetat oder Dimethylfumarat oder Teriflunomid oder Ocrelizumab unter Berücksichtigung der Zulassung

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (OPTIMUM)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein
Grund für Patientengruppenbildung (G-BA) Krankheitsstadium
ZVT-Änderung 02.12.2021 – Neue Leitlinien

  • Klinische Studien
    • Für die Bewertung des Zusatznutzens von Ponesimod legt der pharmazeutische Unternehmer die randomisierte, doppelblinde Studie OPTIMUM vor, in der Ponesimod gegenüber Teriflunomid verglichen wurde.

a1) Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben oder mit krankheitsmodifizierender Therapie vorbehandelte Erwachsene, deren Erkrankung nicht hochaktiv ist; EDSS-Score ≤ 3,5

  • In der Gesamtschau wird daher ein Hinweis für einen geringen Zusatznutzen von Ponesimod gegenüber Teriflunomid bei Erwachsenen mit einem EDSS-Score ≤ 3,5 festgestellt.
  • Mortalität
    • Die Ergebnisse zur Gesamtmortalität beruhen auf den Angaben zu tödlich verlaufenen UEs. Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Bestätigte Krankheitsschübe (EDSS-basiert)
    • Für den Endpunkt bestätigte Krankheitsschübe, operationalisiert über die jährliche Schubrate, zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Ponesimod gegenüber Teriflunomid.
    • Während sich für Erwachsene mit einem EDSS-Score ≤ 3,5 (leichte Behinderung) weiterhin ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Ponesimod zeigt, lässt sich für Erwachsene mit einem EDSS-Score > 3,5 (stärkere Behinderung) kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen nachweisen.
  • Morbidität - Bestätigte Behinderungsprogression (EDSS-basiert)
    • Für den Endpunkt bestätigte Behinderungsprogression zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Schweregrad der Behinderung (Multiple Sclerosis Functional Composite [MSFC])
    • Für den Endpunkt Schweregrad der Behinderung, erhoben anhand des MSFC-z-Score, zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Ponesimod gegenüber Teriflunomid. Das 95 %-Konfidenzintervall von Hedgesʼg liegt jedoch nicht vollständig oberhalb der Irrelevanzschwelle von 0,20. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass der Effekt klinisch relevant ist.
  • Morbidität - Fatigue (Patient Global Impression of Severity [PGI-S])
    • Für den Endpunkt Fatigue, erhoben anhand des PGI-S, zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - Short Form-36 Health Survey Version 2 (SF-36v2)
    • Während sich für Erwachsene mit einem EDSS-Score ≤ 3,5 (leichte Behinderung) weiterhin ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Ponesimod gegenüber Teriflunomid zeigt, lässt sich für Erwachsene mit einem EDSS-Score > 3,5 (stärkere Behinderung) kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen nachweisen.
    • Für den psychischen Summenscore (MCS) des SF-36v2 zeigt sich weder bezüglich einer Verbesserung noch einer Verschlechterung gegenüber Studienbeginn ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - SUEs
    • Für den Endpunkt SUEs zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen UEs
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UEs zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Bradykardie (PT, UE)
    • Für den Endpunkt Bradykardie zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Nachteil von Ponesimod gegenüber Teriflunomid.
  • Nebenwirkungen - Infektionen und parasitäre Erkrankungen (SOC, SUE)
    • Für den Endpunkt Infektionen und parasitäre Erkrankungen zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Alopezie (PT, UE)
    • Für den Endpunkt Alopezie zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Ponesimod gegenüber Teriflunomid.
  • Gesamtbewertung
    • Bei Erwachsenen mit einem EDSS-Score ≤ 3,5 (leichte Behinderung) zeigt sich für Ponesimod gegenüber Teriflunomid jeweils ein Vorteil in der Morbidität (bestätigte Krankheitsschübe) und in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (SF-36v2, körperlicher Summenscore). Diese beobachteten Vorteile spiegeln sich allerdings nicht in weiteren patientenrelevanten Endpunkten wie der Behinderungsprogression oder Fatigue wider.
    • Anhand des Nebenwirkungsprofils lässt sich insgesamt weder ein höherer noch ein geringerer Schaden für Ponesimod ableiten.
    • Die Effekte von Ponesimod werden daher bei Erwachsenen mit einem EDSS-Score ≤ 3,5 als bisher gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht erreichte moderate und nicht nur geringfügige Verbesserung des therapierelevanten Nutzens bewertet und das Ausmaß des Zusatznutzens als gering eingestuft.
    • In der Gesamtschau lässt sich somit für Ponesimod bei der Behandlung Erwachsener mit schubförmiger Multipler Sklerose, die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben oder mit krankheitsmodifizierender Therapie vorbehandelte Erwachsene, deren Erkrankung nicht hochaktiv ist, und die einen EDSS-Score ≤ 3,5 aufweisen, ein geringer Zusatznutzen gegenüber Teriflunomid feststellen.

a2) Erwachsene mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben oder mit krankheitsmodifizierender Therapie vorbehandelte Erwachsene, deren Erkrankung nicht hochaktiv ist; EDSS-Score > 3,5

  • In der Gesamtschau kann daher kein Zusatznutzen von Ponesimod gegenüber Teriflunomid bei Erwachsenen mit einem EDSS-Score > 3,5 festgestellt werden.
  • Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.
  • Mortalität
    • Die Ergebnisse zur Gesamtmortalität beruhen auf den Angaben zu tödlich verlaufenen UEs. Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Bestätigte Krankheitsschübe (EDSS-basiert)
    • Während sich für Erwachsene mit einem EDSS-Score ≤ 3,5 (leichte Behinderung) weiterhin ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Ponesimod zeigt, lässt sich für Erwachsene mit einem EDSS-Score > 3,5 (stärkere Behinderung) kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen nachweisen.
  • Morbidität - Bestätigte Behinderungsprogression (EDSS-basiert)
    • Für den Endpunkt bestätigte Behinderungsprogression zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Morbidität - Schweregrad der Behinderung (Multiple Sclerosis Functional Composite [MSFC])
    • Für den Endpunkt Schweregrad der Behinderung, erhoben anhand des MSFC-z-Score, zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Ponesimod gegenüber Teriflunomid. Das 95 %-Konfidenzintervall von Hedgesʼg liegt jedoch nicht vollständig oberhalb der Irrelevanzschwelle von 0,20. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass der Effekt klinisch relevant ist.
  • Morbidität - Fatigue (Patient Global Impression of Severity [PGI-S])
    • Für den Endpunkt Fatigue, erhoben anhand des PGI-S, zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität - Short Form-36 Health Survey Version 2 (SF-36v2)
    • Während sich für Erwachsene mit einem EDSS-Score ≤ 3,5 (leichte Behinderung) weiterhin ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Ponesimod gegenüber Teriflunomid zeigt, lässt sich für Erwachsene mit einem EDSS-Score > 3,5 (stärkere Behinderung) kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen nachweisen.
    • Für den psychischen Summenscore (MCS) des SF-36v2 zeigt sich weder bezüglich einer Verbesserung noch einer Verschlechterung gegenüber Studienbeginn ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - SUEs
    • Für den Endpunkt SUEs zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Abbruch wegen UEs
    • Für den Endpunkt Abbruch wegen UEs zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Bradykardie (PT, UE)
    • Für den Endpunkt Bradykardie zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Nachteil von Ponesimod gegenüber Teriflunomid.
  • Nebenwirkungen - Infektionen und parasitäre Erkrankungen (SOC, SUE)
    • Für den Endpunkt Infektionen und parasitäre Erkrankungen zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
  • Nebenwirkungen - Alopezie (PT, UE)
    • Für den Endpunkt Alopezie zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen zum Vorteil von Ponesimod gegenüber Teriflunomid.
  • Gesamtbewertung
    • Bei Erwachsenen mit einem EDSS-Score > 3,5 (stärkere Behinderung) zeigen sich in den Endpunkten der Mortalität, Morbidität und gesundheitsbezogenen Lebensqualität jeweils keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen.
    • Bei den Nebenwirkungen lässt sich auch für diese Patientengruppe insgesamt weder ein höherer noch ein geringerer Schaden für Ponesimod ableiten.
    • Insgesamt ist der Zusatznutzen von Ponesimod gegenüber Teriflunomid bei Erwachsenen mit einem EDSS-Score > 3,5 daher nicht belegt.

Zugehörige Verfahren

Ponesimod (2) Ponvory® Janssen-Cilag GmbH Krankheiten des Nervensystems Schubförmige Multiple Sklerose 186.000–200.000 50% Hinweis auf geringer Zusatznutzen
Ponesimod (1) Ponvory® Janssen-Cilag GmbH Krankheiten des Nervensystems Schubförmige Multiple Sklerose 21.000–23.000 100% Zusatznutzen nicht belegt


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