Pitolisant (2) – Wakix®

Narkolepsie, mit oder ohne Kataplexie, (Kinder und Jugendliche, 6 -17 Jahre)

Steckbrief

Start des Verfahrens 01.04.2023 – Zulassung: 24.02.2023
Beschluss 21.09.2023
Wirkstoff Pitolisant
Handelsname Wakix®
Pharm. Unternehmer Bioprojet Deutschland GmbH
G-BA Vorgangsnummer D-916
ATC-Code N07XX11 Andere Mittel für das Nervensystem (N07XX)
ICD-10 Codes (AIS) G47.4Narkolepsie und Kataplexie
Alpha-ID Codes (AIS) I23765Narkolepsie
ORPHAcodes (AIS) 619284Narkolepsie
Therapeutisches Gebiet Krankheiten des Nervensystems Narkolepsie Orphan
Grund des Verfahrens Neues Anwendungsgebiet
Besonderheit Praxisbesonderheit

Anwendungsgebiet des Beschlusses

Wakix wird angewendet bei Kindern und Jugendlichen (6 – 17 Jahre) zur Behandlung der Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie.

Patientengruppe Indikation ZVT
Kinder und Jugendliche (6 – 17 Jahre) mit Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie – (Orphan Drug)

Studien und Ergebnisse

Anzahl Studien
(beste Patientengruppe)
1 (P11-06)
Studiendesign
(beste Patientengruppe)
H2H vs. ZVT
Metaanalyse
(beste Patientengruppe)
nein

  • Klinische Studien
    • Bei der Studie P11-06 handelt es sich um eine doppelblinde, multizentrische, randomisierte, placebokontrollierte Studie über einen Zeitraum von 8 Wochen, gefolgt von einer einfachverblindeten 1-wöchigen Auswaschphase und einer offenen Behandlungsphase zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Pitolisant.

Kinder und Jugendliche (6 – 17 Jahre) mit Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie

  • Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
  • In der Gesamtbewertung der vorliegenden Ergebnisse zu den patientenrelevanten Endpunkten stuft der G-BA daher das Ausmaß des Zusatznutzens von Pitolisant zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen (6 – 17 Jahre) mit Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie auf der Basis der Kriterien in § 5 Absatz 8 i.V.m. § 5 Absatz 7 Satz 1 Nummer 1 bis 4 AM-NutzenV als nicht quantifizierbar ein, weil die wissenschaftliche Datengrundlage eine Quantifizierung nicht zulässt.
  • Mortalität
    • Die Todesfälle wurden in der Studie im Rahmen der Sicherheitserhebung erfasst. Während der verblindeten 9-wöchigen Studienphase traten keine Todesfälle auf.
  • Morbidität - Kataplexie und übermäßige Tagesschläfrigkeit (EDS) mittels CGI-C
    • Der Endpunkt CGI-C dient der klinischen Einschätzung von Kataplexie und EDS mittels einer 7-Punkte-Skala durch das ärztliche Prüfpersonal. Ein höherer Wert deutet eine Verschlechterung der Symptomatik an.
    • Für den Endpunkt CGI-C EDS zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Pitolisant gegenüber Placebo.
    • Für den Endpunkt CGI-C Kataplexie zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen der Studie.
  • Morbidität - Depressive Symptomatik mittels CDI-2 SF
    • Das Children's Depression Inventory (CDI-2 SF) ist ein Instrument zur Erfassung depressiver Symptomatik bei Kindern und Jugendlichen. Der Gesamtscore reicht von 0 bis 24 Punkten, wobei höhere Werte für eine Verschlechterung der Symptomatik sprechen.
    • Da ausschließlich deskriptive Ergebnisse zu den Auswertungen zum CDI-2 SF vorliegen, lassen sich zu diesem Endpunkt keine Aussagen zum Ausmaß eines Zusatznutzens ableiten.
  • Morbidität - Suizidalität mittels C-SSRS
    • Die Columbia Suicide Severity Rating Scale (C-SSRS) ist ein standardisiertes klinisches Interview zur systematischen Bewertung und strengen Überwachung des Auftretens, der Intensität und der Häufigkeit von Suizid-bezogenen Gedanken und Verhaltensweisen. Die Auswertung erfolgte in der vorliegenden Studie dichotomisiert (Suizid-Risiko ja/nein).
    • Da ausschließlich deskriptive Ergebnisse zu den Auswertungen zum C-SSRS vorliegen, lassen sich zu diesem Endpunkt keine Aussagen zum Ausmaß eines Zusatznutzens ableiten.
  • Morbidität - Narkolepsie-Symptome mittels UNS (ergänzend dargestellt)
    • Bei der Ullanlinna Narcolepsy Scale (UNS) handelt es sich um einen patientenberichteten Fragebogen zur Untersuchung der Intensität und Häufigkeit von Symptomen der Narkolepsie.
    • Insgesamt lässt die vorliegende Evidenz keine sichere Beurteilung der Validität sowohl für den UNS-Gesamtscore als auch für die Subskalen Kataplexie und EDS zu. Aufgrund der beschriebenen Limitationen wird der Endpunkt nicht für die Nutzenbewertung herangezogen.
  • Morbidität - Tagesschläfrigkeit mittels PDSS
    • Da die unmittelbare Patientenrelevanz für das vorliegende Anwendungsgebiet somit nicht abschließend beurteilt werden kann und zudem wichtige Angaben zur Validität fehlen, werden die Ergebnisse zum PDSS für die Bewertung des Zusatznutzens nicht berücksichtigt.
  • Morbidität - Wöchentliche Kataplexie-Rate mittels Schlaftagebuch
    • Aufgrund von Unsicherheiten bei der Operationalisierung (z.B. keine Differenzierung partielle vs. totale Kataplexie; Unklarheiten bzgl. Hilfestellung durch Betreuende/Fremdbeurteilung beim Ausfüllen des Tagebuches) sowie bei der Validierung findet der Endpunkt im Rahmen der Nutzenbewertung keine Berücksichtigung.
  • Lebensqualität
    • Es wurden keine Endpunkte zur Lebensqualität erhoben.
  • Nebenwirkungen
    • Für die Gesamtrate der schweren unerwünschten Ereignisse zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied. In beiden Behandlungsarmen der Studie traten weder schwerwiegende unerwünschte Ereignisse noch Abbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen auf.
    • Im Detail zeigt sich in der Betrachtung der spezifischen unerwünschten Ereignisse mit einer Inzidenz von ≥ 10% für die SOC „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“ ein statistisch signifikanter Vorteil für Pitolisant gegenüber Placebo.
  • Gesamtbewertung
    • Für die Nutzenbewertung von Pitolisant zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen (6 – 17 Jahre) mit Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie liegen Ergebnisse der 9-wöchigen randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie P11-06 vor.
    • In der Studie traten in beiden Behandlungsarmen keine Todesfälle auf. Für die Kategorie Mortalität lassen sich keine Aussagen zum Ausmaß des Zusatznutzens ableiten.
    • In der Kategorie Morbidität zeigt sich ein Vorteil für Pitolisant gegenüber Placebo beim mittels CGI-C erhobenen Endpunkt übermäßige Tagesschläfrigkeit. Keine statistisch signifikanten Unterschiede ergeben sich hingegen in den Auswertungen zur Kataplexie-Symptomatik (mittels CGI-C Kataplexie). Zu den Endpunkten depressive Symptomatik (mittels CDI-2 SF erhoben) und Suizidalität (mittels C-SSRS erhoben) lassen sich keine Aussagen zum Ausmaß eines Zusatznutzens ableiten, da ausschließlich deskriptive Ergebnisse vorliegen.
    • Zur Lebensqualität liegen keine Daten vor.
    • In der Kategorie Nebenwirkungen zeigt sich für die schweren unerwünschten Ereignissen kein statistisch signifikanter Unterschied. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und Abbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen traten in beiden Behandlungsarmen der Studie nicht auf. Im Detail zeigt sich bei den spezifischen unerwünschten Ereignissen für die SOC „Infektionen und parasitäre Erkrankungen“ ein statistisch signifikanter Vorteil für Pitolisant gegenüber Placebo.
    • Zusammenfassend zeigt sich somit lediglich im Endpunkt übermäßige Tagesschläfrigkeit mittels CGI-C ein Vorteil für Pitolisant gegenüber Placebo. Dieser Vorteil spiegelt sich jedoch in keinen weiteren Endpunkten der Morbidität und Nebenwirkungen wider. Zudem liegen für einige Endpunkte lediglich deskriptive Ergebnisse vor. Daten zur Lebensqualität wurden nicht erhoben.
    • Vor diesem Hintergrund ist – auch unter Berücksichtigung der kurzen Studiendauer – eine Quantifizierung des Ausmaßes des Zusatznutzens nicht möglich.

Zugehörige Verfahren

Pitolisant (2) Wakix® Bioprojet Deutschland GmbH Krankheiten des Nervensystems Narkolepsie, mit oder ohne Kataplexie, (Kinder und Jugendliche, 6 -17 Jahre) 120–650 100% Anhaltspunkt für nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan
Pitolisant (1) Wakix® Bioprojet Pharma SARL Krankheiten des Nervensystems Narkolepsie 15.000–30.000 100% nicht-quantifizierbarer Zusatznutzen Orphan


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